Lieber Opernfreund-Freund,
eine echte Rarität hat die Operzuid ausgegraben und präsentiert in den kommenden Wochen Emmanuel Chabriers selten gespielte Opéra bouffe L’Etoile auf verschiedenen Bühnen in den Niederlanden. Dazu haben Waut Koeken, Intendant der Operazuid, und Regieassistent Geoffrey Boissy neue spritzige Dialoge ersonnen, die ganz ohne Plattitüden auskommen, und dem Werk dadurch eine frische Note verliehen.

Ein Regent, der jedes Jahr als Abschluss seiner Geburtstagsfeier einen ungehorsamen Untertanen köpfen lässt, ein fahrender Trödler, der sich in eine inkognito reisende Prinzessin verliebt, ein Sternendeuter, der das Schicksal von König Ouf und dem Händler Lazuli derart verwoben sieht, dass der König 24 Stunden nach Lazulis Tod einst selbst sterben wird – das sind die Zutaten der quirligen musikalischen Komödie L’Etoile (Der Stern). Dass die abstruse und zugleich märchenhafte Geschichte 1877 uraufgeführt wurde, ist deutlich zu hören, klingt doch die melodienreiche Komposition wie eine Mischung aus Bizets Carmen (uraufgeführt 1875) und einer typischen Offenbach’schen Operette. Überhaupt hat das Werk viel Operettenhaftes an sich, was die aktualisierten gesprochenen Dialoge mit Bezügen auf heutige Moden und Zeitgeschehen durchaus unterstreichen.

Auf der Bühne ist eine Mischung aus Karussell und goldenem Käfig zu sehen und die pastellfarbenen Kostüme, für die gleichermaßen Zahra Mansouri verantwortlich zeichnet, machen die quirlige Erzählung zu einem bunten Knallbonbon. Trotz oder gerade wegen der skurrilen Handlung präsentiert die Operazuid so ein Werk für die ganze Familie, ohne dass die Oper zum reinen Märchenspiel verkommt. Dazu wird bis in die kleinste Nebenrolle hinein beherzt gesungen und gespielt:

Mit Anna Emelianova als Prinzessin Laoula und Nienke Nasserian als Aloès, der Frau des Botschafters, hat man zwei außergewöhnlich feine Sopranistinnen gewinnen können, die Brenda Poupard in der Hosenrolle des Hausierers Lazuli mit weichem, jugendlich gefärbtem Mezzo bestens ergänzt. Sander de Jong ist ein herrlich überdrehter Botschafter Hérisson mit farbenreichem Tenor, Martijn Sanders gibt den Hofastrologen Siroco mit eindrucksvollem Bariton, während Erik Slik den König Ouf I. in bester Spieltenormanier anlegt. Jeroen de Vaal als Tapioca und der blendend disponierte, von Bianca Chillemi betreute Chor komplettieren die fidele Sängerschar, während Nicolas Krüger im Graben den bunten Melodienstrauß von Emmanuel Chabrier beschwingt ausleuchtet und so vortrefflich zum Blühen bringt.
Ihr
Jochen Rüth
18. Mai 2026
L’Etoile
Oper von Emmanuel Chabrier
Operazuid
Premiere: Eindhoven, 17. Mai 2026
Regie: Matthew Eberhardt
Musikalische Leitung: Nicolas Krüger
Philzuid
weitere Vorstellungen: 21., 26., 28. und 30. Mai sowie 2., 6., 9., 11., 17. und 19. Juni 2026 an verschiedenen niederländischen Theatern