Mailand: Tops und Flops – „Bilanz der Saison 2025/26“

Auch in diesem Jahr haben wir unsere Kritiker wieder gebeten, eine persönliche Bilanz zur zurückliegenden Saison zu ziehen. Wieder gilt: Ein „Opernhaus des Jahres“ können wir nicht küren. Unsere Kritiker kommen zwar viel herum. Aber den Anspruch, einen repräsentativen Überblick über die Musiktheater im deutschsprachigen Raum zu haben, wird keine Einzelperson erheben können. Die meisten unserer Kritiker haben regionale Schwerpunkte, innerhalb derer sie sich oft sämtliche Produktionen eines Opernhauses ansehen. Daher sind sie in der Lage, eine seriöse, aber natürlich höchst subjektive Saisonbilanz für eine Region oder ein bestimmtes Haus zu ziehen.

Nach dem Opernhaus Zürich blicken wir heute auf das Teatro alla Scala in Mailand und weitere Theater in Oberitalien.


Beste Produktion (Gesamtleistung):
Una Lady Macbeth del distretto di Mcensk (Die Lady Macbeth von Mzensk)

Größte Enttäuschung:
Carmen

Größte Entdeckung:
Marina (Erstling von Umberto Giordano), leider nicht an der Scala, sondern im Mailänder Teatro Dal Verme

Beste Gesangsleistung (Hauptrolle):
Anna Netrebko (Abigaille in Nabucco)

Beste Gesangsleistung (Nebenrolle):
Michele Pertusi (Raimondo Bidibent in Lucia di Lammermoor)

Nachwuchssänger des Jahres:
Valentina Pernòzzoli, Mezzo (Verdi-Requiem, allerdings in Parma)

Bestes Dirigat:
Riccardo Chailly (Nabucco)

Beste Regie:
David MacVicar (Götterdämmerung)

Bestes Bühnenbild:
Zinovy Margulin (Die Lady Macbeth von Mzensk)

Beste Chorleistung:
Nabucco (aber immer auf sehr hohem Niveau)

Größtes Ärgernis:
Als Produktionen Carmen und Caterina Cornaro (letztere allerdings in Bergamo), als gesangliche Leistung Sandrine Piau (Despina in Così fan tutte)

Auffallend ist neuerlich, dass sich viel Interessantes außerhalb der Scala getan hat: So hätte ich gern die Uraufführung von Cronaca di un amore über die Beziehung Callas-Pasolini hereingenommen. Und wiederum zeigt sich der interessanteste sängerische Nachwuchs außerhalb der Scala, diesfalls in Parma.


Die Bilanz zog Eva Pleus.