Zürich: Tops und Flops – „Bilanz der Saison 2025/26“

Auch in diesem Jahr haben wir unsere Kritiker wieder gebeten, eine persönliche Bilanz zur zurückliegenden Saison zu ziehen. Wieder gilt: Ein „Opernhaus des Jahres“ können wir nicht küren. Unsere Kritiker kommen zwar viel herum. Aber den Anspruch, einen repräsentativen Überblick über die Musiktheater im deutschsprachigen Raum zu haben, wird keine Einzelperson erheben können. Die meisten unserer Kritiker haben regionale Schwerpunkte, innerhalb derer sie sich oft sämtliche Produktionen eines Opernhauses ansehen. Daher sind sie in der Lage, eine seriöse, aber natürlich höchst subjektive Saisonbilanz für eine Region oder ein bestimmtes Haus zu ziehen.

Nach der Oper Frankfurt blicken wir heute auf das Opernhaus Zürich.


Die erste Saison des neuen Intendanten Matthias Schulz, ein hochinteressanter Reigen  spektakulärer Inszenierungen und Gaststars wie Anna Netrebko oder Cecilia Bartoli, sorgfältige Pflege des Repertoires mit hochklassigen Wiederaufnahmen.

Beste Produktionen:
Paul Hindemiths Cardillac, Regie: Kornél Mondruczó, Dirigat: Fabio Luisi, Cardillac: Gabór Bretz.
Die musikalisch überragende, konzertante Aufführung von Berlioz‘ La Damnation de Faust mit Saimir Pirgu und Elīna Garanča.

Wagner: Tannhäuser, mit Tugan Sokhiev am Pult, Inszenierung: Thorleifur Örn Arnarsson, mit Eric Cutler und Christina Nilsson

Größte Enttäuschung:
Christian Gerhahers manierierte Interpretation des Wolfram in Tannhäuser, von vielen Kollegen hochgelobt, aber man muss ja nicht immer einer Meinung sein.

Enttäuschend auch, dass der GMD Gianandrea Noseda lediglich eine Opernpremiere leitete (Forza del destino) und eine Ballettpremiere (Romeo und Julia) sowie zwei Verdi-Wiederaufnahmen (Macbeth und Ballo in maschera). Etwas wenig für einen GMD, früher waren Werke wie Tannhäuser oder Rosenkavalier noch Chefsache

Entdeckung des Jahres:
Wie spannend Mozarts La clemenza di Tito sein kann (in der Inszenierung von Damiano Michieletto, mit Pene Pati in der Titelrolle, Dirigat: Marc Minkowski).

Die Oper Scylla et Glaucus des Barockkomponisten Jean-Marie Leclair.

Beste Wiederaufnahme:
Massenets Manon, mit Lisette Oropesa und Benjamin Bernheim in der wunderbaren Inszenierung von Floris Visser.

Beste Gesangsleistung (Hauptrolle):

Beste Gesangsleistung (Nebenrolle):
Johan Krogius als Walther von der Vogelweide (aus dem Ensemble).

Bestes Dirigat:
Fabio Luisi mit Cardillac und Tugan Sokhiev mit Tannhäuser.

Beste Regie:
Kornél Mondruczó: Cardillac.

Im Gegensatz zu vielen meiner Kollegen mochte ich auch die Inszenierung von La forza del destino von Valentina Carrasco im Bühnenbild mit den Schweiz-Bezügen von Carles Berga sehr.

Bestes Bühnenbild:
Die ungemein ästhetische, spektakuläre Farbdramaturgie von Gottfried Helnwein in Der Rosenkavalier, ein echter Hingucker.

Erna Mists künstlerisch assoziationsreiches Bühnenbild zu Tannhäuser.

Größtes Ärgernis:
Kein großes, nur ein kleines Ärgernis: Die larmoyanten und verkopften Texte von Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek in Olga Neuwirths Monster’s Paradise; die Inszenierung von Tobias Kratzer hingegen war fantasievoll und lustig.


Die Bilanz zog Kaspar Sannemann.