Stuttgart: „Spielzeit 2026/27“

Am Abend des 12. Mai 2026 hat im Kammertheater der Württembergischen Staatstheater Stuttgart die Jahrespressekonferenz zur Spielzeit 2026/27 stattgefunden. Acht Jahre ist Viktor Schoner jetzt schon Intendant der Staatsoper Stuttgart. Und er hat in dieser Zeit Erstaunliches geleistet. Seine Spielpläne sind durchweg sehr interessant und abwechslungsreich. Das szenische, musikalische und gesangliche Niveau der Aufführungen ist hoch. Und auch die nächste Saison verspricht spannend zu werden. Es gibt eine Reihe vielversprechender Premieren und einige tolle Wiederaufnahmen.

Den Beginn macht am 3. Oktober 2026 eine Neuproduktion von Donizettis Lucia di Lammermoor. Die Inszenierung von Katie Mitchell entstand bereits im Jahre 2016 für das Royal Opera House in London und wird nun an die Staatsoper in Stuttgart übernommen. Man kann gespannt sein, denn diese Produktion genießt einen guten Ruf. Das Dirigat liegt in den Händen von Andriy Yurkevych. Die Lucia singt Chelsea  Lehnea, den Edgardo Kai Kluge.

Die zweite Neuproduktion gilt Schostakowitschs Oper Lady Macbeth von Mzensk, bei der zum ersten Mal Nicholas Carter in seiner Funktion als neuer GMD der Staatsoper Stuttgart am Pult stehen wird. Die Regie liegt in den Händen von Ulrike Schwab. In der Titelpartie ist Rosie Aldridge zu erleben, die man bisher nur als Mezzosopran kannte.

Eine alte Bekannte ist Benedikt von Peters Inszenierung von Verdis La Traviata, die am 13. Dezember 2026 vom Theater Basel nach Stuttgart übernommen wird. Diese ausgezeichnete Produktion, bei der Nicole Chevalier als Violetta den ganzen Abend über allein auf der Bühne zubringen wird, während die anderen beteiligten Personen vom Rang aus singen, war zuvor bereits in Hannover und Bremen zu sehen gewesen. Auch auf diese Aufführung kann man sich freuen. Es ist eine der besten Deutungen dieser Oper, die ich kenne! Die musikalische Leitung hat Roberto Kalb.

Dass die Stuttgarter Staatsoper ein gutes Händchen für Uraufführungen hat, hat sie in den vergangenen Jahren schon oft bewiesen. Nächste Spielzeit werden gleich zwei neue Opern in Stuttgart aus der Taufe gehoben. Bei manchem Opernbesucher dürfte Gordon Kampesneues Werk Die drei ??? und das Spiegelkabinett, das am 20. Februar 2027 zum ersten Mal seinen Weg auf die Opernbühne findet, Erinnerungen an seine Kindheit hervorrufen. Erstmals wird es einen Krimi auf der Opernbühne geben, der von Anna Weber inszeniert und von Lin Liao dirigiert wird. Die jugendlichen Detektive werden von Michael Nagl, Sam Harris und Johannes Kammler bzw. Elliott Carlton Hines gesungen. Am 10. April 2027 folgt dann die Uraufführung von Bassem Akikis neuer Oper Atatürk – Die Legende von Mustafa Kemal. Bemerkenswert ist, dass der Komponist bei der Premierenserie selbst am Pult stehen wird. Für die Inszenierung zeichnet Ersan Mondtag verantwortlich. In der Besetzung finden sich u. a. Namen wie Matthias Klink, Josefin Feiler und Natasha Te Rupe-Wilson.

Alle Fans von Richard Strauss dürfen sich auf Der Rosenkavalier freuen, der am 6. Mai 2027 unter der Stabführung von GMD Nicholas Carter und der Regie von Axel Ranisch neu herauskommt. Die Hauptrollen werden von Simone Schneider (Feldmarschallin), David Steffens (Baron Ochs auf Lerchenau), Ida Ränzlöv (Octavian) und Claudia Muschio (Sophie) gesungen.

Am 25. Juni 2027 findet die Stuttgarter Premiere von Glucks Alceste statt. Milo Rau obliegt die Regie, die musikalische Leitung liegt in den Händen von Titus Engel. In der Titelrolle ist Rachael Wilson zu erleben.

Den Abschluss der Neuproduktionen bildet am 4. Juli 2027 Beethoven Neun – Ode an das Leise, die von Bas Wiegers dirigiert wird. Die szenische Einrichtung übernimmt Cordula Däuper. Die Gesangssolisten sind Simone Schneider, Ida Ränzlöv, Kai Kluge und Michael Nagl.

Bei den Wiederaufnahmen ist in erster Linie erfreulich, dass gleich zwei Wagner-Produktionen wieder auf dem Spielplan der Stuttgarter Staatsoper auftauchen. Am 23. Januar 2027 ist Calixto Bieitos Inszenierung von Der fliegende Holländer wieder zu erleben. Am Pult steht Nicholas Carter. Den Holländer singt Derek Welton, Simone Schneider die Senta. Bereits am 28. Februar 2027 werden die von Elisabeth Stöppler diese Saison neu inszenierten Meistersinger von Nürnberg in teilweise veränderter Besetzung wiederaufgenommen. John Fiore wird von Cornelius Meister das Dirigat übernehmen. Vom Pogner zum Sachs wechselt David Steffens. Björn Bürger und Esther Dierkes werden wieder als Beckmesser und Eva zu erleben sein. Frau Dierkes und Diana Haller, die vom Mezzosopran zum Sopran wechseln wird, teilen sich in Andreas Moses‘ Inszenierung von Puccinis La Bohème die Mimi. Die Wiederaufnahme ist am 17. Januar 2027. Gespannt sein kann man auch auf Frau Hallers Norma in der gleichnamigen, von Jossi Wieler und Sergio Morabito inszenierten Oper von Vincenzo Bellini, die am 18. April 2027 über die Bühne der Stuttgarter Staatsoper gehen wird. Bereits am 7. Februar 2027 ist Diana Haller wieder als Elettra in Mozarts Idomeneo zu erleben, der von Nicholas Carter dirigiert wird und von Bastian Kraft in Szene gesetzt wurde. Den Idomeneo gibt Atalla Ayan. Erwähnenswert ist, dass zwei in den vergangenen Jahren entstandene Produktionen des Regisseurs Axel Ranisch wieder ins Programm genommen werden. In der Vorweihnachtszeit wird es ab dem 20. November 2026 erneut Humperdincks Märchenoper Hänsel und Gretel mit Esther Dierkes (Gretel) und Ida Ränzlöv (Hänsel) geben. Prokovievs Der Spieler ist am 22. Dezember 2027 zu sehen. Für Kinder geeignet ist auch Rossinis szenisch von Andrea Moses verantwortete Oper La Cenerentola, die mit Itzel del Rosario in der Titelpartie ab dem 10. Januar 2027 zum wiederholten Male auf dem Spielplan steht. Eine Oper für die ganze Familie stellt Mozarts Die Zauberflöte dar, die Omer Ein Zvi ab dem 11. Juni 2027 dirigieren wird und die Barrie Kosky inszeniert hat. An Sara Glojnarics neuer Oper Station Paradiso kann man sich ab dem 29. November 2026 wieder erfreuen. Die Besetzung ist weitgehend wie in der Uraufführungsserie, nur Ziad Nehme als türkischer Vater ist neu besetzt. Am 4. Oktober 2026 wird Willy Deckers grandiose Tosca-Produktion wieder aufgenommen. In Puccinis Oper singt Marigona Querkezi die Titelrolle. Ab dem 16. Oktober 2026 gibt es Stephan Kimmigs Inszenierung von Janacecs Die schlaue Füchsin mit Natasha Te Rupe-Wilson als Füchsin. Am 8. Oktober 2026 hat das Musiktheater I did it my way Spielzeitpremiere. Ab dem 1. Dezember 2026 kann die ganze Familie in Sebastian Schwabs Szenisches Konzert Die kleine Hexe gehen.

Ludwig Steinbach, 13. Mai 2026


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