Live aus der Deutschen Oper Berlin kommt ein CD-Mitschnitt von Strauss` selten gespielter Oper Intermezzo. Hier haben wir es mit einer durchaus hörenswerten Angelegenheit zu tun. Leider Gottes führt dieses Stück auf den Bühnen ein Schattendasein, dabei verfügt es über beachtliche Qualitäten.

In erster Linie bemerkenswert ist der autobiographische Aspekt der Handlung. Mit ihr nimmt Strauss, der selbst das Textbuch schrieb, hier sein eigenes Eheleben gehörig aufs Korn. Für die beiden Protagonisten der Oper, Robert Storch und seine Frau Christine, standen eindeutig Strauss und seine Frau Pauline Pate. Den Ehealltag der beiden bestimmen lautstarke Diskussionen und Zänkereien. Storch gerät zu guter Letzt als Folge einer Namensähnlichkeit mit dem Dirigenten Stroh aus Versehen in den Verdacht des Ehebruchs. Am Ende klärt sich indes alles auf und die Liebe trägt den Sieg davon.
Strauss hat für seine bürgerliche Komödie mit symphonischen Zwischenspielen – so der Untertitel von Intermezzo – eine recht eindringliche Musik geschrieben. Sie ist größtenteils in einem leichten, lockeren Parlando-Ton gehalten und weist keine Arien auf. Die Höhepunkte der bemerkenswerten Partitur sind die grandiosen Zwischenspiele, bei denen Strauss total aus dem Vollen schöpft. Hier offenbart sich der ganze Glanz des Klangteppichs, der von dem Dirigenten Sir Donald Runnicles und dem versiert aufspielenden Orchester der Deutschen Oper Berlin sehr intensiv und klangschön zu Gehör gebracht wird. Runnicles ist in Top-Form. Die musikalischen Feinheiten werden von ihm aufs Genaueste herausgearbeitet und bei den Zwischenspielen holt er alles aus den Musikern heraus. Bei den flüssig dirigierten, prägnanten Parlando-Passagen legt er dem Orchester dagegen Zügel an und räumt den Stimmen der Sänger, denen er ein umsichtiger Begleiter ist, breiten Raum ein. Im Großen und Ganzen lotet er Strauss‘ Partitur einfühlsam und recht differenziert aus.
Mit trefflich fundiertem, hellem und schön auf Linie geführtem Bariton singt Philipp Jekal prächtig den Robert Storch. Einen silbern schimmernden, elegant dahinfliessenden und höhensicheren jugendlich-dramatischen Sopran nennt Maria Bengtsson als Christine ihr Eigen. Der voll und rund klingende Tenor von Thomas Blondelle stellt für den Baron Lummer eine treffliche Wahl dar. Gut gefällt die tadellos intonierende Anna von Anna Schoeck. Mit allesamt vortrefflichen Stimmen werten Joel Allison (Kommerzienrat), Simon Pauly (Justizrat) und Thomas Kehrer (Kammersänger und Koch) ihre kleinen Rollen auf. Ordentlich muten Lilit Davtyans Resi, Marie und Therese an. Nicht zu gefallen vermögen die überhaupt nicht schön im Körper singenden Clemens Bieber (Stroh) und Markus Brück (Notar). Nadine Secunde hat als Frau des Notars ihre besten Zeiten deutlich hinter sich. In der Sprechrolle des kleinen Franzl ist Elliott Woodruff zu hören.
Ludwig Steinbach, 7. Juni 2026
Intermezzo
Richard Strauss
Deutsche Oper Berlin
Musikalische Leitung: Sir Donald Runnicles
Orchester der Deutschen Oper Berlin
NAXOS
Best.Nr.: 8.660584-85
2 CDs