Mit diesem Beitrag gehen unsere Spielzeitbilanzen in das vierte Jahr (Überblick über die Bilanzen 2024/25). Wieder gilt: Ein „Opernhaus des Jahres“ können wir nicht küren. Unsere Kritiker kommen zwar viel herum. Aber den Anspruch, einen repräsentativen Überblick über die Musiktheater im deutschsprachigen Raum zu haben, wird keine Einzelperson erheben können. Die meisten unserer Kritiker haben regionale Schwerpunkte, innerhalb derer sie sich oft sämtliche Produktionen eines Opernhauses ansehen. Daher sind sie in der Lage, eine seriöse, aber natürlich höchst subjektive Saisonbilanz für eine Region oder ein bestimmtes Haus zu ziehen.
Den Anfang macht das Staatstheater Hannover.

Bestes Dirigat:
Hinreißend, wie es Mario Hartmuth in Die tote Stadt gelungen ist, die modernen Schroffheiten, den Anspielungsreichtum und die Mehrschichtigkeit der Partitur hörbar zu machen.
Größte Regie-Enttäuschung:
Ilaria Lanzino hat einen wirren wie verwirrenden pseudopsychologischen Kommentar zu Die tote Stadt, einer der stärksten psychologischen Opern, inszeniert.
Entdeckung des Jahres (Gast, Hauptpartie):
Joseph Dahdah begeisterte als Manrico in Il Trovatore nicht nur durch seine lebhafte Gestaltung, sondern vor allem mit seinem klaren, in den Höhen treffsicheren und in allen Lagen durchschlagskräftigen Tenor.
Beste Sängerin (Ensemble, Hauptrolle):
In Turandot war Kiandra Howarth Liu, mit der sie darstellerisch und gesanglich tief beeindruckte.
Beste Musical-Darstellerin (Gast, Hauptpartie):
In Cole Porters Anything Goes beeindruckte Bettina Mönch als schillernde Nachtclubsängerin Reno mit satter Musicalstimme und akrobatischer Gelenkigkeit.
Beste Choreografie:
Choreograf Bart De Clercqsorgte für wirbelige, abwechslungsreiche Tanzszenen in Cole Porters Anything Goes.
Beste Tänzerin:
Als Schwarzer Schwan im Kampf mit Rotbart war Alina Uzunova im Ballett Schwanensee. Rotbarts Geschichte hervorragend.
Die Bilanz zogen Marion und Gerhard Eckels sowie Dieter David Scholz.