Seit vielen Jahren kommt das Klavierfestival Ruhr in die Historische Stadthalle Wuppertal, erstmal im August 2006 zum 75. Geburtstag von Alfred Brendel. Das akustische und architektonische Juwel des großen Konzertsaals der Historischen Stadthalle werde von den Künstlerinnen und Künstlern außerordentlich geschätzt, betonte Intendantin Katrin Zagrosek im Pressegespräch am 3. März 2026 zur Vorstellung des Programms in Wuppertal. Reibungslos und vertrauensvoll funktioniere die Zusammenarbeit zwischen Festivalorganisation und Management, bestätigte auch Silke Asbeck, Geschäftsführerin der Stadthalle. Das besondere Flair des Saales beruht eben auch auf dem Engagement des gesamten Teams.

Das Programm des Klavierfestivals bietet für 2026 fünf Konzerte der Sonderklasse. Am Montag, dem 16. März um 20 Uhr, wird Hélène Grimaud ihr einziges Solokonzert in Deutschland in Wuppertal geben. Die späten Intermezzi Op. 117 und Fantasien Op. 116 von Johannes Brahms stehen bei diesem Konzert im Mittelpunkt. Altersmelancholie, Leidenschaft, Kontemplation, Ruhe und schmerzliche Lebenserfahrungen, all das fasst der alte Johannes Brahms hier musikalisch zusammen. Zu Beginn des Abends wird die Pianistin Ludwig van Beethovens späte Sonate Nr 30 in E-Dur Op. 109 spielen, ebenfalls ein Spätwerk, in welchem Beethoven Alterslyrik mit kühnen Harmonien und komplexer Polyphonie mischt. Zuletzt präsentiert die Pianistin Johann Sebastian Bachs Chaconne aus der Partita für Violine Solo Nr. 2 in d-Moll (BWV 1004) im pianistisch höchst anspruchsvollen Arrangement von Ferruccio Busoni. Die Welt des Klaviers ist dabei nicht die einzige der Pianistin. Sie verzichtet weitgehend auf Langstreckenflüge, engagiert sich für den Naturschutz und die Organisation „Musicians for Human Rights“, in der sich weltweit Musikerinnen und Musik für die Menschenrechte einsetzen. Ihre Liebe zu Wölfen ist weithin bekannt. Ihr Auftritt wird hier besonders registriert, hat sie doch im Oktober 2025 in Houston das Klavierkonzert von Gershwin gespielt, und zwar unter der Leitung des gerade neu für Wuppertal gewählten Generalmusikdirektors Christian Reif.
Am 14. Mai 2026 um 15:00 Uhr im Von der Heydt-Museum werden der Musikwissenschaftler Prof. Tobias Bleek und die stellvertretende Direktorin des Museums Dr. Anna Sturm bei der Betrachtung des Selbstporträts von Otto Dix in die Musik und Malerei der 20er Jahre eintauchen. Bleek hat sich mit seinem Buch „Im Taumel der Zwanziger“ als Kenner der Zeit eindrucksvoll ausgewiesen. Olli Mustonen wird Klavierwerke von Erwin Schulhoff, eines Freundes von Otto Dix, spielen. Um 19:00 Uhr wird Olli Mustonen zusammen mit dem Meta4 Streichquartett im Mendelssohn- Saal der Historischen Stadthalle auf dem Johannisberg ein von ihm selbst komponiertes Klavierquartett aufführen Dazu gibt es die Sonate Nr. 5 Op. 38(aus dem Jahre 1923) von Sergej Prokofiew und das Klavierquintett in A-Dur Op. 81 von Antonin Dvorák. Ein wahrhaftiger Festival-Tag mit Spaziergang hinauf zum Johannisberg.
Rudolf Buchbinder wird am Mittwoch, dem 3. Juni 1926 20:00 Uhr im Großen Saal der Historischen Stadthalle zu Wuppertal spielen. Seit mehr als 60 Jahren ist der 80jährige in der internationalen Musikwelt zu Hause, hat den Zyklus von 32 Klaviersonaten Beethovens mehr als 60-mal aufgeführt. Großmeister des Klaviers (1990 zum ersten Mal beim Klavierfestival, mehr als 200 Einspielungen), spielt er diesmal zu seinem 80. Geburtstag Mozart (Ah, vous dirai- je Maman!“ KV 265), Beethoven (Sonate Nr. 23 f-Moll Op. 75“Appassionata“) und Schubert (seine letzte Sonate Nr. 21 in B-Dur D 960).
Das Deutsche Symphonie Orchester Berlin kommt mit Mao Fujita unter Kent Nagano am Mittwoch, den 8. Juli 2026, in die Historische Stadthalle. Der 27jährige Pianist studiert inzwischen bei Kyrill Gerstein in Berlin, hat zusammen gespielt mit Riccardo Chailly, Marek Janowski, Andris Nelsons oder Lahav Shani und hatte Soloabende u.a. in New York (Carnegie-Hall), in Boston, San Francisco. In Wuppertal spielt er Beethovens Sonate Nr. 1 f-Moll Op.2 Nr.1 sowie Beethovens Klavierkonzert Nr. 3 in c-Moll Op. 57. In der zweiten Konzerthälfte ist Antonin Dvoráks Sinfonie Nr.9 in e-Moll Op. 95 („Aus der Neuen Welt“) zu hören. Dass das Deutsche Symphonieorchester Berlin eigens zu diesem Termin mit seinem Ehrendirigenten Kent Nagano nach Wuppertal kommt, erfüllte die Intendantin mit großer Zufriedenheit. Der andere Ehrendirigent dieses Orchesters, welches in Berlin regelmäßig in der Philharmonie spielt, ist übrigens der in Elberfeld geborene Günter Wand.
Solche Konzerte sind – sagte Katrin Zagrosek ausdrücklich – nur möglich dank großzügiger Sponsoren und Mäzene, denen sie explizit dankte: Jackstädt Stiftung, Brennscheidt- Stiftung, Pohli, Nationalbank, aber auch Stadtsparkasse Wuppertal, Knipex, Vivica und Dr. Jörg Mittelstenscheid, Silke Landwehrmann, Theo Siegert. Nur ihr Engagement ermöglicht solche Spitzenkultur hier.
Am 20. November, 20:00 Uhr kommt Lang Lang in die Stadthalle. Erspielt Mozart (Rondo KV 485), zwei Beethoven-Sonaten (Nr 8, “Pathétique“, Nr 31. Op. 100), Isaac Albeniz (Suite espagñola Op.47), Enrique Granadas (aus „Goyescos“ Op.11) und Franz Liszt (Consolation Nr.2, „Tarantella“ aus „Années depèlerinage II: Venezia e Napoli“). Der Pianist muss nicht vorgestellt werden. 2020 „ergetzte er die Gemüter“ hier mit den Goldbergvariationen und 2024 mit Fauré, Schumann und Chopin., unvergessliche Konzerte. Welch ein Glück, dass Lang Lang den Großen Saal so schätzt. Auch beim Konzert im November wird er sein Publikum erneut faszinieren (Vorverkauf ab 17.Juli).
Mit solchen Konzerten zusätzlich zu den Sinfoniekonzerten des Sinfonieorchesters Wuppertal in der 163. Saison strahlt die Historische Stadthalle als Konzertsaal weit über die Region und Deutschland hinaus, was Simon Rattle ja vor Jahren schon wusste.
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Johannes Vesper 5. März 2026