Reisebilanz III: Tops und Flops der „Saison 2025/26“
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Auch in diesem Jahr haben wir unsere Kritiker wieder gebeten, eine persönliche Bilanz zur zurückliegenden Saison zu ziehen. Wieder gilt: Ein „Opernhaus des Jahres“ können wir nicht küren. Unsere Kritiker kommen zwar viel herum. Aber den Anspruch, einen repräsentativen Überblick über die Musiktheater im deutschsprachigen Raum zu haben, wird keine Einzelperson erheben können. Die . . .
Koksende Minnesänger – Die Fragen „Wer bin ich?“, „Was will ich noch vom Leben?“, „Hat das Leben mir noch mehr zu bieten, als bisher?“, „Genüge ich den Ansprüchen, die von außen an mich gestellt werden?“ beschäftigten seit jeher Künstler aller Gattungen. Viele suchten Antworten in exzessiven Drogenexzessen, nimmermüder Arbeitswut, Ausstiegen aus dem bisherigen Umfeld . . .
Zugegeben, es fällt mir oftmals schwer, mich in Inszenierungen reinzufinden, in welcher Erwachsenen auf der Bühne Kinder oder Jugendliche darstellen sollen. Ich finde das hat immer etwas Bemühendes, gar Befremdliches an sich. So erging es mir vor 28 Jahren zu Beginn in Konwitschnys LOHENGRIN in Hamburg (er siedelte die Handlung in einem wilhelminischen Klassenzimmer an), so erging es mir zu . . .
Zum Glück kam am Ende dieser fünfzehnminütige, stumme Epilog. Hier konnte sich die Musik von Olga Neuwirth endlich entfalten, ja sie erzielte mit ihren kalkuliert „falsch“ gestimmten Instrumenten, dem Amalgam aus Fetzen von Schuberts Fantsie in f-Moll für (ebenfalls falsch gestimmtes) Klavier zu vier Händen und Klangflächen aus dem Graben und der zusätzlichen Klangebene aus . . .
So aufwendig inszeniert und fulminant musiziert machen Barockopern Spass und bereiten Freude, enorme Freude. Die Premiere von Händels GIULIO CESARE IN EGITTO am Opernhaus Zürich wurde zu einem überwältigenden, rauschenden Erfolg für alle Beteiligten und versetzt Zürich hoffentlich ins Barockfieber – Gelegenheit für solch fiebrige Erlebnisse wird es im März zuhauf geben, startet doch . . .
Es ist schon erstaunlich: Da wählen mitten in der angesagten Zeit der „neuen Sachlichkeit“ der 1920er Jahre ein Komponist (Paul Hindemith) und ein Autor (Ferdinand Lion) ein Sujet für eine neue Oper aus (Cardillac), das aus der tiefsten Schauerromantik stammt (E.T.A. Hoffmanns DAS FRÄULEIN VON SCUDERI). Doch die 18 prägnanten, knapp und stringent gehaltenen Szenen, die Ferdinand Lion . . .
Es war nicht einfach, in die Aufführung hineinzufinden. Wenige Stunden zuvor hatten in Crans Montana Dutzende junger Menschen den Verbrennungstod erlitten, viele schweben mit schwersten Verletzungen noch in Lebensgefahr. So bat der Intendant des Opernhauses Zürich, Matthias Schulz, denn auch um eine Schweigeminute im Gedenken an Opfer, Verletzte und Angehörige vor Vorstellungsbeginn. . . .
Diese Neuproduktion von Strauss' unverwüstlicher Operette DIE FLEDERMAUS am Opernhaus Zürich schlägt ein wie der Blitz, der im ersten und im dritten Akt konstant und bedrohlich das Bühnenbild am linken Rand dominiert - der Blitzeinschlag als Symbol der Erkenntnis, des Geistesblitzes und in seinen Verästelungen auch ein Symbol für Entscheidungen, die wir alle auf unserem Lebensweg zu treffen . . .
Nach Wagners Tod waren die Quellen des Mittelalters und der nordischen Mythologie als Vorlagen für Opernstoffe quasi tabuisiert. So suchten manche Komponisten (wie z. B. Pfitzner, Siegfried Wagner, Kienzl, Reinecke) ihre Inspirationen in der etwas kleineren Welt der Sagen, der Märchen, der Legenden. So auch Engelbert Humperdinck mit Hänsel und Gretel, der bis heute erfolgreichste Oper dieses . . .
Wenn man an die dreizehn Jahre der Ära Homoki zurückdenkt, fallen einem auf Anhieb fünf Inszenierungen ein, die sich aufgrund ihrer exzeptionellen Konzeptionen unauslöschlich ins Operngedächtnis eingebrannt und damit quasi Kultstatus erlangt haben: Alban Bergs WOZZECK (inszeniert von Homoki selbst), Zimmermanns DIE SOLDATEN (Calixto Bieito), Schnittkes LEBEN MIT EINEM IDIOTEN (Kirill . . .
Der regnerische Sturm hatte sich an diesem sonntäglichen Frühabend heftig an den letzten Blättern dieses Jahres zu schaffen gemacht. Einigermassen trocken geblieben erreichten wir das Opernhaus, vor dem ein gutes Dutzend Menschen ein ukrainisches Fahnenband haltend schweigend protestierten gegen den Auftritt von Anna Netrebko. Seit Tagen waren geradezu hetzerische Stimmen in den Medien zu Wort . . .
Giuseppe Verdi hat seinen 28 Opern immer Titel verliehen, die entweder ein Ereignis (Un giono di regno, La battaglia di legnano, Un ballo in maschera) darstellten, oder aus dem/den Namen von Protagonisten bestanden (Nabucco, Rigoletto, I due foscari, I lombardi, Falsaff, La Traviata etc.). Einzig bei Forza machte er eine Ausnahme, setzte (wie Ángel de Saavedra in seiner Vorlage, dem . . .
Die beiden unter dem Titel OISEAUX REBELLES gezeigten Ballette tragen unterschiedliche choreografische Handschriften – und zeigen auch zwei sehr unterschiedliche Frauengestalten, zwei völlig konträre „Rebellinnen“. Carmen, nach deren Auftrittsarie (L'amour est un oiseau rebelle) aus Bizets gleichnamiger Oper der Abend übertitelt ist, ist die allgemein bekannte Frauenfigur, die femme . . .
Es gibt sie also doch, die Opernabende bei denen alles, aber auch wirklich alles bis ins kleinste Detail stimmt. Das war gestern Abend im Opernhaus Zürich der Fall bei der Wiederaufnahme von Jules Massenets Erfolgsoper MANON (die Premiere hatte im April 2019 stattgefunden). – Einerseits ist da natürlich die wunderbare Musik Massenets, welche die Grundstimmung und die Zeichnung der . . .