Dresden: „Spielzeit 2026/27“

Der Spielplan der kommenden Saison der Semperoper Dresden orientiert sich an Erzählungen über Menschen, die ihre eigenen Wege zwischen Freiheit und Ordnung, Moral und Begehren, Zugehörigkeit und Widerstand suchen.

Intendantin Nora Schmid
© Semperoper Dresden/ Klaus Gigga

Für die Bühne des Semperbaus plant das Haus für die Saison 2026/2027 fünf Opernpremieren:

Am 4. Oktober 2026 wird die Debüt-Inszenierung der Angela Denoke Un ballo in maschera von Giuseppe Verdi in der Premiere die Dramatik und Klangfülle des Werkes entfalten. Die Musikalische Leitung der ersten Aufführungen hat der Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle Daniele Gatti übernommen.

Tanzrhythmen und von gesellschaftlichen Codes strukturierte Beziehungen bestimmen Franz Lehars Die lustige Witwe, ein Werk, dessen Premiere am 29. November 2026 inszeniert von Dirk Schmeding unter der Leitung von Killian Farrell stattfindet. Erica Eloff als Hanna Glawari und Martin Kränzle als Danilo werden für Stimmung sorgen.

Fragen zur Toleranz und Nächstenliebe werden mit eindringlicher Klanglichkeit am 13. März 2027 in Bohuslav Martinůs The Greek Passion aufgeworfen. Die Spannungen in einer geschlossenen sozialen Gruppe werden unmittelbar konkret und führen zur Eskalation, wenn Flüchtlinge in das Dorf einbrechen. Regie wird Elisabeth Stöppler führen.

Bereits ein Jahr vor Beethoven hatte der italienische Komponist Ferdinando Paēr im Jahre 1804 das Sujet der Gattenliebe mit seiner Oper Leonora, ossia Lʼamore coniugale auf die Bühne der Dresdner Königlichen Oper gebracht. Die aus Dresden stammende Regisseurin Andrea Moses wird am 24. April des Jahres 2027 die Verdichtung des Mutes einer Einzelnen innerhalb der verfestigten Machtstrukturen den Dresdner Opernfreunden vorstellen. Sie schlägt damit eine Brücke zur letzten Neuinszenierung des Hauses in der Spielzeit.

Nach einer Aufführungs-Pause von nahezu 90 Jahren kommt am 26. Juni Richard Wagners erste in der Stadt uraufgeführte Oper Rienzi, der letzte der Tribunenzurück. Die Aufbereitung des Schinkens für ein heutiges Publikum ist Eva-Maria Höckmayer übertragen worden. Der Dirigent Patrick Hahn und Klaus Florian Vogt werden ihr behilflich sein.

Die Neuinszenierungen werden von Wiederaufnahmen mit namhaften zum Teil in Dresden debütierenden Solisten ergänzt, die die klangliche Opulenz des Hauses repräsentieren. So unter anderem Vera Nemirovas Don CarloInterpretation, Richard Strauss‘ Der Rosenkavalier, Erich Wolfgang Korngolds Die tote Stadt und, anlässlich des 200. Todestages Ludwig van Beethovens, die Fidelio-Inszenierung von Christine Mielitz.

Mit zwei Ballett-Premieren in der kommenden Spielzeit wird das Semperoper-Ballett sein Repertoire erweitern und unter seinem Direktor Kinsun Chan deutliche Akzente für die Zukunft des Ensembles setzen.

Die Spielstätte „Semper Zwei“ hat in den zehn Jahren ihres Bestehens mit ihrem außergewöhnlichen Repertoire eine große Beliebtheit erlangt. Die Neuaufnahmen der Auftrags-Oper Die wunderbaren Jahre des Dresdner Komponisten Torsten Rasch und eine Bearbeitung des Werkes Subotnik von Samuel Penderbayne werden von den Freunden des zeitgenössischen Musiktheaters mit Spannung erwartet. Dazu schuf Jens Joneleit im Auftrag des Hauses die Kinderoper Pech, Marie, einer Auseinandersetzung mit den Sujets unserer Märchen.

Neue und bewährte Formen der Bindung des treuen Publikums an das Haus und zur Gewinnung neuer, vor allem jüngerer Freunde des Opernlebens, ergänzen die Pläne für die Saison 2026/2027.

Thomas Thielemann, 7. April 2026


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