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Luzern, Konzert: „Orchestre de la Suisse Romande“, Khatia Buniatishvili

Selbstredend stand wiederum eine Starpianistin im Zentrum dieses letzten sinfonischen Konzerts anlässlich des nun jährlich stattfindenden Festivals LE PIANO SYMPHONIQUE im KKL. Zuerst aber möchte ich auf die rein orchestralen Programmpunkte des Abends eingehen. Während bei Martha Argerich mit Schumanns Klavierkonzert und bei Yoav Levanon mit Paderewskis Klavierkonzert jeweils das . . .

Frankfurt, Konzert: „hr-Sinfonieorchester“, Walker, Britten, Holst

Hierzulande nahezu unbekannt ist der afroamerikanische Komponist George Walker, der ein reiches kompositorisches Schaffen in seinen knapp einhundert Lebensjahren hinterließ. Der 2018 verstorbene Walker studierte u.a. bei Nadia Boulanger und Robert Casadesus Komposition. Neben zahlreichen Orchesterwerken schrieb er viel Kammer- und Vokalmusik. – Mit der kurzen knapp vierminütigen . . .

Berlin: „Die Rache der Fledermaus“, nach Johann Strauss

Man könnte meinen, die unter dem Titel Die Rache der Fledermaus des Casino-Theaters in Winterthur, in Zürich und nun in Berlin an der Komischen Oper Erfolge feiernde Bearbeitung der Strauss-Operette sei extra für Corona-beeinträchtigte Zeiten gestaltet worden, gibt es doch anstelle eines opernwürdigen Orchesterapparats lediglich fünf Musiker, die zugleich auch noch den Chor bilden, –  . . .

Luzern, Konzert: „Luzerner Sinfonieorchester“, Martha Argerich

Martha Argerich und die Klavierwerke von Robert Schumann - das ist eine positiv konnotierte symbiotische Beziehung der ganz besonderen Art. Selbst mit über 80 Jahren spielt die argentinisch-schweizerische Klavierlegende noch mit einer solchen Selbstverständlichkeit und einer Leichtigkeit, auch und vor allem in den vertracktesten pianistischen Passagen, dass man beim Zuhören weiche Knie . . .

Dresden, Konzert: „Julia Fischer“, Bach-Rezital   

Die frühen Impulse des Auslotens eines mehrstimmigen Spiels auf der Violine sind von den in Dresden tätigen Geigern Johann Jakob Walter (1650-1717) und Johann Paul Westhoff (1656-1705) ausgegangen.  Walter, der über sieben Ecken mit Johann Sebastian Bach (1685-1750) verwandt war, diente von 1674 bis 1680 als „primo violonista da camera“ am Dresdner Hof, während Westhoff von 1674 bis . . .

Budapest: „Krieg und Frieden“, Sergej Prokofjew

Als Koproduktion mit dem Grand Théâtre de Genève zeigte die Ungarische Staatsoper erstmals Prokofjews Monumentaloper in Ungarn.  Die Produktion hatte in Genf noch vor dem unsäglichen Ukrainekrieg bereits am 13. September 2021 ihre vielumjubelte Premiere gefeiert. Regie führte der Katalane Calixto Bieito. Der Leiter der Astana-Oper in Kasachstan, Alan Buribayev, leitete das Orchester und den . . .

Lübeck, Konzert: „Russische Klassiker“, Rachmaninow, Tschaikowski

„Muß man nach solch einem Konzert ernsthaft die Frage stellen, ob man derzeit noch russische Musik spielen oder russische Künstler auftreten lassen dürfe?“ – das stellte nach der Live-Übertragung am 5. Februar 2023 Christiane Irrgang vom NDR in den Raum. Völlig richtig, gerade jetzt muss man denjenigen russischen Stimmen Gehör verschaffen, die stets unter dem System gelitten haben und . . .

Nürnberg: „Ritter Eisenfraß“, Kinderoper

Man nehme: eine kleine Operette von Jacques Offenbach, verwende die wenigen Charaktere, benutze ein bisschen Musik aus eben diesem Stück, nehme sodann als weitere Zutaten etliche andere und populärere Musik von Jacques Offenbach, schreibe, mit Grundlage einiger vorhandener Motive sowie neuer Idee, einen Text, ziehe einen musikalischen Bearbeiter und eine Handvoll Musiker hinzu, stelle einen . . .

Zürich: „Roberto Devereux“, Gaetano Donizetti

Die Beziehungsgeflechte in dieser Oper, die am Hof Elisabeths I. spielt, sind komplex: Die Königin, damals auch die mächtigste Frau der Welt, muss sich in einer patriarchalen Welt behaupten, pflegt ihr Image als Virgin Queen, hat aber trotzdem das Bedürfnis nach (körperlicher) Liebe und umgibt sich mit jugendlichen Liebhabern. Ihr letzter ist 32 Jahre jünger als sie, Roberto Devereux, der . . .

Buchkritik: „Cosima Wagner – Ein widersprüchliches Leben“, Sabine Zurmühl

„Widersprüchlich“ ist das Wort im Untertitel von Sabine Zurmühls Cosima-Wagner-Biographie, das das Interesse an seiner Lektüre wachruft, und es ist dasjenige, dem man widersprechen möchte, wenn man seine Lektüre beendet hat. Nachvollziehbar ist immerhin, dass als Widerspruch zur bedingungslosen Anbetung des musikalischen Genies die Emanzipation der von einer hochadligen Mutter . . .