Köln: „Spielzeitpräsentation 2026/27“

Intendant Hein Mulders, Dramaturgin Svenja Gottsmann und Stephan Steinmetz stellten letztmalig, wie Kölns Chefdramaturg in seiner Begrüßung hervorhob, im Staatenhaus, der langjährigen Interimsspielstätte der Kölner Oper, das Opernprogramm für die Spielzeit 2026/27 vor. Denn die Wiederöffnung des Hauses am Offenbachplatz sei nun endgültig gesichert. Mit einem großen Bürgerfest würden die Bühnen der Stadt Köln am 19. und 20. September 2026 die Pforten öffnen. Dabei ständen zunächst die renovierten Häuser und deren technische Ausstattung im Vordergrund, es gebe aber auch auf dem Offenbachplatz Livemusik bekannter Bands, es gebe Musik- und Theaterbeiträge z.B. von Schulen aus allen Stadtvierteln und am 20. September würden um 18.00 Uhr in einem Konzert im Opernhaus das Gürzenich-Orchester mit seinem GMD Andrés Orozco-Estrada und die Kölner Kultband Kasalla gemeinsam auftreten. Der eigentliche Festakt finde dann am 24. September um 19.30 Uhr im großen Haus statt. Die Starsopranistin Diana Damrau trete bei dieser Veranstaltung als Gast auf.

© Teresa Rothwangl

Die Opernsaison werde dann am 27. September 2026 mit Richard Strauss‘ Oper Der Rosenkavalier eröffnet, mit der Strauss, so Hein Mulders, nach Salome und Elektra zeigen wollte, dass er in der Zusammenarbeit mit Hugo von Hofmannsthal auch „schöne“ Musik komponieren konnte. Am Pult wird Kölns neuer GMD Andrés Orozco-Estrada stehen, der auch die Premiere von Jaques Offenbachs Geniestreich Hoffmanns Erzählungen (28. November 2026), eine Produktion der Bregenzer Festspiele in der Inszenierung von Stefan Herheim, dirigieren wird. Young Woo Kim und Enea Scala alternieren in der Titelrolle. Alina Wunderlin, einst im Internationalen Opernstudio der Oper Köln ausgebildet, kehrt als Olympia und Giuletta an die Oper Köln zurück. Als Übernahme aus seiner Zeit als Intendant in Essen werde, so Hein Mulders, Alessandro Scarlattis Oper Kain und Abel in der Erfolgsinszenierung von Dietrich W. Hilsdorf nun auch in Köln mit Adriana Bastidas-Gamboa und Alina König-Rannenberg zur Aufführung kommen.

Zum 100. Geburtstag von Hans Werner Henze werde seine Oper La piccola Cubana zum ersten Mal auf einer Bühne vor Publikum gezeigt werden (Premiere am 24. Januar 2027), in der Henze nach seiner ernüchterten Rückkehr aus Kuba – zehn Jahre nach der Revolution war er voller Sympathie nach Havanna gereist – ein turbulentes Vaudeville in fünf Tableaus entwarf, das Chansons, Couplets und die unterschiedlichsten Tanzrhythmen bietet. Im Februar 2027  kommt es mit Bedřich Smetanas Komischer Oper Die verkaufte Braut zur Premiere eines europäisch angelegten Coproduktionsprojekts zwischen Köln, Brüssel, Lyon und Madrid. Der ehemalige Essener GMD Tomáš Netopil dirigiert, die Hauptrollen sind mit Selene Zanetti und Maximilian Schmitt glänzend besetzt. Über 50 Jahre, so Stephan Steinmetz, wurde Smetanas Volksoper nicht mehr in Köln aufgeführt.

Als „digitales Adventure-Game“, so Svenja Gottsmann, wird Regisseur Paul-Georg Dietrich  im April mit Wagners Siegfried den dritten Teil der Ringtetralogie vorstellen. Felix Bender übernimmt das Dirigat, der schwedische Tenor Daniel Johansson debütiert als Siegfried, Jordan Shanahan singt zum ersten Mal auch die Partie des Wanderers, Trine Møller verkörpert wieder wie in der Walküre die Brünnhilde. Interessante Rollenporträts biete, so Hein Mulders, dann die Premiere von Verdis Oper Macbeth (eine Produktion des Teatro La Fenice, Venedig) am 2. Mai 2027, in der Verdi auch unter dem Einfluss Wagners ein Musikdrama par excellence schuf. Adriana Bastidas-Gamboa (Lady Macbeth) und Insik Choi (Macbeth) alternieren mit Daniela Schillaci und Daniel Luis de Vicente, der u.a. 2021 bei den Bregenzer Festspielen als Rigoletto zu sehen und zu hören war.

Puccinis Erfolgsoper Madama Butterfly komme, so Kölns Intendant, am 6. Juni 2027 in einer Neuinszenierung von Sabine Hartmannshenn heraus, die u.a. als Regisseurin von Händels Oper Rinaldo 2011 in Köln einen großen Eindruck hinterließ. Sie lege die zeitlosen Aspekte von Liebe, Macht und kulturellem Missverständnis schonungslos offen, die Puccini mit seinen Librettisten Guiseppe Giacosa und Luigi Illica in Madama Butterfly thematisiert habe. Hein Mulders betonte, er sei sehr stolz darauf, mit der Sopranistin Sua Jo, der gefeierten Absolventin des Houston Grand Opera Studio, die nicht nur an der Deutschen Oper Berlin, sondern an vielen renommierten Häusern in Europa und Übersee brilliert habe, eine ideale Besetzung für die Partie der Cio-Cio San gefunden zu haben. Ein Höhepunkt zum Abschluss der Saison bilde sodann, so Svenja Gottsmann, die Premiere der Oper Dido & Aeneas von Henry Purcell in der Choreographie von Sasha Waltz (14. und 15. Juli 2027), die seit 2005 weltweit für Furore gesorgt habe.

Als Wiederaufnahmen würden im alten neuen Haus Guiseppe Verdis Rigoletto, Die Zauberflöte und Cosi fan tutte von Wolfgang Amadeus Mozart, Frederick Loewes Musical My Fair Lady, Antonín Dvořáks lyrisches Märchen Rusalka sowie Claudio Monteverdis früher Geniestreich Die Krönung der Poppea zu erleben sein. Auf zwei Konzerte wies Stephan Steinmetz abschließend noch besonders hin. Da die Oper Köln für die Wiederaufführung der verschollenen Berliner Operette Eine Frau von Format von Michael Krasznay-Krausz mit dem exklusiven „Frosch“ für die beste Operette der Spielzeit 24/25 ausgezeichnet worden sei, werde man am 4. Oktober 2026 zum Fest der Operette einladen, wo auch die Verleihung des „Operettenfroschs“ durch BR-Klassik stattfinde. Mit von der Partie bei einem bunten Reigen populärer Operettenmelodien seien neben Mitgliedern des Opernensembles die renommierte Sopranistin Anette Dasch und der wunderbare Operettentenor Richard Glöckner. Schließlich sei Kölns gefeierte Rockband „Kasalla“ mit ihrem Programm Nit esu laut an drei Terminen Gast im Opernhaus (28., 29., und 30. Juni). Die Kinderoper der Oper Köln, die ein eigenes Theater und damit eine großartige neue Spielstätte innerhalb des renovierten Riphahn- Baus bekomme, werde in der Spielzeit 2026/27 mit einem reichhaltigen Programm aufwarten, das in einer eigenen Pressekonferenz vorgestellt werde.

Die Ausführungen von Hein Mulders, Svenja Gottmanns und Stephan Steinmetz wurden bei dieser sehr gelungenen Abendveranstaltung ergänzt und illustriert durch musikalische Beiträge, die Lust darauf machten, die vorgestellten Produktionen im wiedereröffneten Haus zu besuchen. Giulia Montanari sang mit glockenklarem Sopran die berühmte Arie der Olympia aus Hoffmanns Erzählungen, Adriana Bastidas- Gamboa brillierte mit ihrer glutvollen Mezzosopran Stimme in der hochdramatischen Sopranarie der Lady Macbeth aus dem 2. Akt und Wolfgang Schwaiger und Dmitry Ivanchey versprühten gute Laune mit Auszügen aus Die verkaufte Braut und My Fair Lady. Sie alle wurden am Klavier einfühlsam begleitet von Arne Willimczik.

Die Besucherinnen und Besucher im gut gefüllten Saal 2 des Staatenhauses spendeten allen Beteiligten begeisterten Beifall. Der Abend erfüllte die hohen Erwartungen im Vorfeld und erreichte das, was die Akteure auf der Bühne intendiert hatten: Die Vorfreude auf die erste Spielzeit im renovierten Haus am Offenbachplatz mit einem attraktiven, interessanten Spielplan scheint bei der Intendanz und Künstlern am Haus und dem Opernpublikum riesengroß zu sein. Der Kölner Oper bleibt zu wünschen, dass der Start in eine neue Ära ein voller Erfolg wird.

Norbert Pabelick, 2. April 2026


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