Hamburg: „Spielzeit 2026/27“

Bedingt durch die Sanierung des Orchestergrabens zieht die Staatsoper in der Zeit vom 22. Mai bis 4. Juli 2027 in die Kuppel Hamburg, wo am 7. April 2026, zum Kennenlernen der Räumlichkeiten, die Pressekonferenz zur Spielzeitpräsentation 2026/27 stattfand.

Pressekonferenz / © Henning Kretschmer

Den Auftakt macht am 12. September 2026 eine Neuproduktion von Guiseppe Verdis Macbeth. Tobias Katzer übernimmt die Regie und wird der Frage nachgehen, wo eigene Entscheidungsfähigkeit und persönliche Schuld beginnen und wo der Mensch tragischen Schicksalseinflüssen ausgeliefert ist. Ein starker gedanklicher Ansatz für diese nachtschwarze Tragödie, in der zwei Menschen zu Mördern werden und im Wahnsinn enden. Die musikalische Leitung liegt bei Tomáš Hanus. Die Rollen des mörderischen Paares übernehmen Nino Machaidze und Kanal Karagedik.

Opera and Animation ist der Titel eines dreitägigen Premieren-Festivals, in dem die Staatsoper in Kooperation mit dem Metropolis Kino und VRHAM!, der Biennale für immersive und digitale Kunst in Hamburg, neue Wege beschreitet und erkundet, wie Oper, Artistik, Graphic Novel und bildende Kunst zueinander finden. Was passiert, wenn Animation mit dem Live-Erlebnis einer Opern-Aufführung zusammentrifft, ist am  6. November 2026 bei der Premiere von Dido and Aeneas in der opera stabile zu erleben. Einen Tag später folgt die zweite Premiere mit dem Doppelabend Petruschka von Igor Stravinsky und L’enfant et les sortilèges von Maurice Ravel im Großen Haus. Den Abschluss bildet am 8. November 2026 Dornröschen von Engelbert Humperdinck. Diese bis heute vernachlässigte Komposition wird durch Animation und Live-Filmkameras in ein großes Spektakel aus Gesang, Musik, gesprochenem Text und Tanz verwandelt. Kooperationspartner ist das Thalia Theater. Man darf hier gespannt sein, wie die Umsetzung der Produktionen und die Publikumsreaktionen darauf ausfallen.

Nach diesem in erster Linie sehr unterhaltsamen Festival wendet sich die Staatsoper im Januar 2027 dem Hier und Jetzt zu und startet ein Wochenende des politischen Musiktheaters. Am 23. Januar findet in der opera stabile die Premiere von Hans Werner Henzes El Cimarrón statt. Die intime Kammeroper erzählt, basierend auf einem autobiographischen Text, von der Flucht des versklavten Kubaners Esteban Montejo.

Die am 24. Januar stattfindende Premiere von Rossinis Wilhelm Tell in der Regie von Tobias Katzer ist eine Übernahme aus den Opera national de Lyon, die der Regisseur für Hamburg nochmal überarbeitet. Diese Inszenierung ist eine Kooperation mit den Opera national de Paris. Die Besetzung bietet mit Lisette Oropesa und Lawrence Brownlee zwei international gefeierte Gäste auf. Das Wochenende des politischen Musiktheaters wird von einem umfangreichen Rahmenprogramm begleitet.

In der opera stabile wird am 28. Januar 2027 Studio Liebermann, ein Musiktheater von David Hermann mit Kompositionen von Rolf Liebermann, uraufgeführt. Als langjähriger, wegweisender Intendant der Hamburger Staatsoper blieb der Komponist Liebermann immer etwas im Hintergrund. Sein reichhaltiges Schaffen ist der Anlass für diese Auseinandersetzung mit seiner Musik und seiner Persönlichkeit.

Den Abschluss des Premierenreigens in der Staatsoper bildet am 21. Februar eine Neuinszenierung von Eugen Onegin von Tschaikowsky in der Regie von Bastian Kraft. Omer Meir Wellber, dem dieses Werk sehr am Herzen liegt, wir die musikalische Leitung übernehmen, die Partie der Tatjana übernimmt Elena Tsallagova, die des Onegins wird von Andrei Bondarenko gesungen.

Nach dem Umzug Staatsoper in die Kuppel Hamburg wird dort am 22. Mai Störtebeker, die Uraufführung einer Auftragskomposition zu erleben sein. Auf Basis eines 300 Jahre alten Opernlibrettos wird hier der Störtebeker-Mythos neu gedacht und zeitgenössisch umgesetzt. Text und Regie stammen von Marin G. Berger, die Komposition von Gordon Kampe. Die Oper wird in ihrer Mischung aus Barockmusik, Grand Opera, Musical und zeitgenössischer Musik ein echtes Familienspektakel ab 6 Jahren, das in dem besonderen Ambiente einlädt, sich von der effektreichen Bühnenshow unterhalten aber auch zum Nachdenken anzuregen zu lassen.

Die vom Leitungsteam angekündigte programmatische Erneuerung ist bei den Premieren an einigen Stellen zu erkennen. Anders ist es bei den Wiederaufnahmen, wo sich wenig Innovatives finden lässt. Stattdessen acht Opern des italienischen Repertoires und vier Mal Mozart. Bizets Carmen mit Erwin Schrott als Escamillo, Glinkas Russlan und Ljudmilla sowie die Wiederaufnahme der Walküre aus der Ringinszenierung von Claus Guth aus dem Jahr 2008 bilden Kontraste in diesem unausgewogenen Wiederaufnahmeprogramm.

Axel Wuttke, 10. April 2026


Spielzeitheft zum Download

MACBETH Giuseppe Verdi
DIDO AND AENEAS Henry Purcell
PETRUSCHKA&L’ENFANT ET LES SORTILÈGES Igor Strawinsky & Maurice Ravel
DORNRÖSCHEN Engelbert Humperdinck
EL CIMARRÓN Hans Werner Henze
GUILLAUME TELL Gioachino Rossini
EUGEN ONEGIN Peter Tschaikowsky
STUDIO LIEBERMANN Rolf Liebermann
STÖRTEBEKER UA Gordon Kampe / Martin G. Berger

DON GIOVANNI Wolfgang Amadeus Mozart
LUCIA DI LAMMERMOOR Gaetano Donizetti
DIE WALKÜRE Richard Wagner
IL TURCO IN ITALIA Gioachino Rossini
RUSLAN UND LJUDMILA Michail Glinka
IL BARBIERE DI SIVIGLIA Gioachino Rossini
LA BOHÈME Giacomo Puccini
LA TRAVIATA Giuseppe Verdi
DIE ENTFÜHRUNG AUS DEM SERAIL Wolfgang Amadeus Mozart
DIE GROSSE STILLE Wolfgang Amadeus Mozart
UN BALLO IN MASCHERA Giuseppe Verdi
CARMEN Georges Bizet
CAVALLERIA RUSTICANA & PAGLIACCI Pietro Mascagni & Ruggero Leoncavallo
MADAMA BUTTERFLY Giacomo Puccini
LE NOZZE DI FIGARO Wolfgang Amadeus Mozart