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Hamburg: „La Cenerentola“, Gioachino Rossini

„Sciencefiction“ hatte zu den Frühzeiten des Genres fast immer etwas mit einer nicht näher definierten Zukunft zu tun. Die war, ähnlich wie die Kunstrichtung des Futurismus, ästhetisch bestimmt von einem Bruch mit als veraltet empfundenen Traditionen und einer Verliebtheit in alles Dynamische, technisch Überhöhte. Die Inhalte waren phantastisch oder utopisch und weitab von allem, was an . . .

Cottbus: „Die Liebe zu den drei Orangen“, Sergej Prokofjew

Etwas ist faul im Staate Dänemark oder wie auch immer das märchenhafte Königreich heißen mag, in dem ein Thronerbe lebt, der nicht zu lachen vermag. Zwar näher an der Langeweile – oder hypochondrischere Verschleimung, wie der Hofstaat zu sagen pflegt – denn an Todessehnsucht und dennoch Hamlet-gemäß mit Schädel ausgestattet, schickt Tomo Sugao seinen Prinzen auf die Suche . . .

CD: „Mahler 6.“, Simon Rattle – Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks

Die vorliegende Aufnahme der 6. Sinfonie von Gustav Mahler, präsentiert vom Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter der Leitung seines Chefdirigenten Sir Simon Rattle, ist ein beeindruckendes Zeugnis für die Kraft und Intensität dieser monumentalen Komposition. Mahlers sechste Sinfonie, auch bekannt als "die Tragische", ist berühmt für ihre dramatischen Ausbrüche, ihre . . .

Frankfurt: „Der Traumgörge“, Alexander Zemlinsky

Daß Alexander Zemlinskys 1906 fertiggestellte Oper Der Traumgörge erst 1980 uraufgeführt wurde, ist ein Kollateralschaden der antisemitischen Intrigen gegen den seinerzeitigen Wiener Hofoperndirektor Gustav Mahler, welche 1907 – mitten in den Proben zu dem neuen Stück – zu dessen Demission führten. Der Nachfolger setzte das Stück ab, die Partitur verschwand für Jahrzehnte in der . . .

Wien: „Roméo et Juliette“, Charles Gounod (zweite Besprechung)

Die Capulets haben diesmal offenbar keine Familiengruft (obwohl man in Hollywood doch genau so reich ist wie einst in Verona?). Sie legen die Leiche ihrer (scheintoten) Tochter auf ein Sofa neben der Garage. Da kann sich die erwachte Juliette angesichts eines sterbenden Roméo dann zu ihrem silbernen Superfllitzer schleppen, sich attraktiv darauf drapieren und mit einer Handycam ihren eigenen Tod . . .

Wien: „Roméo et Juliette“, Charles Gounod

Gounod war von Shakespeares Tragödie derart begeistert, dass er, nachdem er die siebensätzige Symphonie dramatique für Orchester und drei Chöre mit Gesangssolos seines französischen Kollegen Hector Berlioz 1839 gehört hatte, beschloss, selbst eine Oper über das größte Liebespaar der Literatur zu komponieren. Als Spezialisten für literarische Stoffe standen ihm, wie zuvor schon für . . .

Meiningen: „Gespenster“, Torstein Aagaard-Nilsen

Halloween ist längst vorbei und wer erwartet, dass in „Gespenster“ sich Lebendige und Geister quirlig amüsant auf der Bühne tummeln, wird eines Besseren belehrt. Der frühere Intendant Ansgar Haag und der norwegische Komponist Torstein Aagaard-Nilsen fanden im gleichnamigen Schauspiel Henrik Ibsens eine interessante Vorlage, ein überholtes Skandalstück faszinierend modern und . . .