DER OPERNFREUND - 51.Jahrgang
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MuKo LEIPZIG

 (c) D. Brzoska / N. Nijhof

 

 

Leo Fall

MADAME POMPADOUR

Besuchte Aufführung am 23.06.19 

In der Schlüpfrigkeitsfalle

Von den vier großen Operettenkomponisten der Silbernen Ära (Lehàr, Kalman, O.Straus) ist Leo Fall, der immer noch nicht so gewürdigte. Um so schöner, das die Musikalische Komödie Leipzig sich seiner wohl bekanntesten Operette angenommen hat: "Madame Pompadour". Das Werk ist in den Zwanziger Jahren in Berlin von der großen Fritzi Massary zum Triumph geführt worden, wer immer noch die Aufnahme der großen Operettendiva mit ihrem Mann Max Pallenberg zusammen vom Duett "Joseph, ach Joseph, was bist du so keusch..." im Ohr hat versteht warum. Die Geschichte der berühmten Rokokokokotte, die sich im Karneval in einen Unbekannten verliebt, ihn an den Hof holt , um zu entdecken , das er der geflohene Gatte ihrer verschollenen Schwester ist und so vor dem Hof und ihrem Gönner, dem König, alle Fäden in der Hand behält, ist als Operette an sich vielleicht dramaturgisch etwas einfach gestrickt. doch bietet den Darstellern herrliche Vorlagen, dazu kommen die hervorragenden Gesangstexte von Rudolph Schanzer und Ernst Welisch und natürlich die, in jeder Nummer, inspirierte Musik von Leo Fall.

Da braucht es einiges Fingerspitzengefühl auf der Bühne, die Balance und den Geschmack zu wahren. Klaus Seiffert gelingt im Grunde ein gelungene Operettenregie, die Handlung läuft flüssig in abwechslungsreichen Bildern dahin; und doch verschenkt er das Stück, weil er sich auf die Zwanziger-Jahre-Frivolitäten beschränkt, seine Pompadour bleibt ziemlich eindimensonal lüstern und lässt nicht die überlegene Raffiniertheit der historischen Figur erkennen. Dabei hätte er in Lilli Wünscher eine Protagonistin, die so etwas in ihrer Genreerfahrenheit, leicht auf die Bühne brächte. Die Titelfigur bleibt , mit leichten Höhendefiziten, mehr die ehemals Bürgerliche, als die heimliche Herrscherin Frankreichs und seiner Männer, genau das Joseph-Duett, wird in floskelhafter Albernheit schier verschenkt. Tom Grashoffs Ausstattung ist einfach und zweckdienlich, manchmal wirkt es etwas sparsam, so einfach die Leuchter im ersten Akt etwas tiefer hängen, um den Raum besser zu füllen. Die Kostüme versuchen, sehr kurz, sehr auf durchblickende Dessous, auf heutige Art sexy zu sein, das kann man mögen.

Mirko Mahrs Choreographie fängt auf sehr erfreuliche Weise die Musik auf. Insgesamt bleibt mir die Szene mit modernisierten Habitus doch sehr konventionell und bieder. Der letzte Akt rutscht dann schon in ziemlichen Slapstick und Klamauk, der jedoch funktioniert, weil mit Milko Milev (König), Justus Seeger (Maurepas) und Andreas Rainer (Calicot), drei Komiker am Werke sind, die Disziplin auf das Feinste mit einem perfekten Timing beherrschen. Andreas Rainer ist zudem ein wunderbarer Tenorbuffo, der dem Revolutionsdichter eine prima Vokalstatur verleiht.
Radoslaw Rydlewski ist ein maskuliner, charmanter Lebemann, der in seinem leicht an den "Fluch der Karibik"-Erscheinen als Rene einer Pompadour den Kopf verdrehen kann. Vokal kommt er in der Höhe an seine Grenzen, denn Fall hat seine Tenöre gerne gefordert. Nora Lentner ist eine mehr als gewiefte Zofe Belotte, ihrer Herrin mit präsentem Sopran gesanglich und im Spiel menschlich auf Augenhöhe. Aneta Ruckova gefällt gesanglich als niedliche verlassene Gattin und wiedergefundene Schwester Madeleine, doch der stark akzentbehaftete Dialog trübt die Darstellung. Alle Nebenrollen sind, wie immer an der MuKo prima aus den Solisten und Choristen besetzt, der Chor als solcher engagiert und vokal klasse, die Tänzer immer ein Gewinn. Lilli Wünscher dominiert das Spiel, wie es sein sollte, und wäre sicherlich etwas feiner geführt, noch besser. Das Schachcouplet könnte mehr weg von der großen Gesangsstimme, mehr zum Chanson sein.

Stefan Klingele kann Operette einfach und lässt das Orchester in Leo Falls mitreißenden Melodien schwelgen, manchmal würde man sich beim Gesang noch etwas mehr Textverständlichkeit wünschen, das bekäme auch dem Spiel.
Insgesamt vielleicht nicht die beste MuKoproduktion der Saison, doch allein das Stück ist einen Besuch wert, dem Publikum hat `s gefallen. Nächste Saison dann, während des großen Umbaus, im Schwimmbad, der Ausweichspielstätte, der abwechslungsreiche Spielplan wird die Zuschauer schon locken.
 
Martin Freitag, 5.7.2019
Fotos (c) Tom Schulze
 
 

Feuerwerk

Besuchte letzte Aufführung am 21. Juni 2019

Premiere war am 13. April 2019

Beifallsstürme durch eine Einspringerin

Schwungvolle Inszenierung mit Ruth Ingeborg Ohlmann in der Musikalischen Komödie Leipzig: Eines meiner letzten Berichte aus der „Musikalische Komödie (MuKo) Leipzig“ war vor fast genau 6 Jahren der sensationelle Abschied in „Frau Luna“ von Ruth Ingeborg Ohlmann, einer der bis dahin eindeutigen Stütze und einer der großen Publikumslieblinge in Leipzig. Bis heute ist mir nicht klar, warum man diese überaus beliebte, attraktive und stimmgewaltige Künstlerin nicht mehr weiterverpflichtet hat, denn sie ist nach wie vor eine musikalische Ausnahmeerscheinung. Durch die Erkrankung der Hauptdarstellerin, der Iduna, springt sie einen Tag vor der Aufführung ein. Seit 2013 hatte sie das „Feuerwerk“ nicht mehr gesungen und in einem unwahrscheinlichen Kraftakt in einem Tag das unmögliche möglich gemacht. Als wenn sie nie weggewesen wäre, singt sie eine mehr als umjubelte Iduna. In Windeseile hat sie die Herzen „ihrer“ Besucher wieder voll für sich gewonnen. Aber dazu gleich mehr. Ich bin immer sehr gerne in die MuKo gegangen, auch weil man sich hier vor und nach der Vorstellung so herrlich in der Künstlerkneipe, die im Haus war, entspannen konnte. Hier waren liebevoll Künstlerporträts aus der Geschichte der MuKo zusammengetragen worden, Bilder von herausragenden Aufnahmen, von tollen Sängern und Gästen, es war eine richtig schöne gemütliche Künstlerkneipe mit Flair und jeder Menge Atmosphäre. Was die Verantwortlichen geritten hat, dieses Kleinod zu entfernen und mit einer furchtbar sterilen Wirtschaft, ohne einen Funken Charme und Ausstrahlung zu ersetzen, wird mir unergründlich bleiben. Ich habe in der Pause mit einer Vielzahl von Besuchern gesprochen, überall nur Kopfschütteln und Unverständnis über diesen Schritt der Verantwortlichen. Für mich ist dadurch auch ein kleines bisschen das Herz und die Seele der MuKo verloren gegangen. Aber leider ist es heute ja vielfach so, dass nicht mehr Musikliebhaber entscheiden, sondern reine Technokraten, die von der Wärme und dem Gefühl, welches Musik vermittelt, keine Ahnung mehr zu haben scheinen und denen das Gespür für die Schönheit der Musik leider nicht gegeben ist. Nun gut, ich bin spontan in die Vorstellung gegangen, einfach, weil ich Frau Ohlmann noch einmal auf den Brettern, die die Welt bedeuten erleben wollte. Und dieser Besuch hat sich mehr als gelohnt.

Die Inszenierung stammt von Axel Köhler und er lässt das Stück in Leipzig im Herbst 1989 spielen. Es ist sein Regiedebüt an der MuKo und die Idee, die Handlung in die Zeit vor der Wende zu verlegen ist überlegenswert. Er stellt die etwas betuliche spießbürgerliche Welt dem reichen Westonkel gegenüber, der wie ein Orkan in die kleine Welt unter den Augen von Erich Honecker (als Wandbild) stürmt und fast alles durcheinanderbringt. Nun gut, so etwas kann man machen, die Pointen und Anspielungen werden sicher aber nur von ehemaligen Bewohnern der DDR richtig verstanden, Jüngere und auch Theaterbesucher aus anderen Bundesländern tun sich da schon etwas schwerer, die Pointen zu begreifen. Die Einrichtung des Wohnzimmers ist wunderbar im Stil der damaligen Zeit gehalten, alles mit dem dazugehörigen Inventar. Und mit sehr viel Liebe auch zu den kleinsten Details haben hier Okarina Peter und Timo Dentler, die für die Bühne und die Kostüme zuständig sind, gearbeitet.

Die Handlung ist schnell erzählt, zum 60. Geburtstag des Vaters ist Familientreffen und seine drei Brüder nebst Ehefrau treffen pünktlich dazu ein. Die Tochter Anna, möchte mit ihrem Freund Robert dem ganzen Mief entfliehen, hat aber dennoch für den Vater ein Duett mit der Köchin einstudiert, welches bei den Proben ständig unterbrochen wird. Und in diese etwas plüschbeladene Idylle platzt plötzlich der „verlorene“ Bruder Alexander Obolski, seines Zeichens Zirkusdirektor mit seiner charmanten Gattin Iduna. Er, das schwarze Schaf der Familie, vor langer Zeit in den Westen gegangen und mit dem Zirkus Karriere gemacht, wirbelt alles durcheinander. Vor allem Anna ist fasziniert von der Welt „da draußen“ und möchte mit dem Onkel und Iduna, die für sie das große Vorbild ist, hinaus in die freie Welt, in die Welt des Zirkus. Am Ende bleibt sie doch Zu Hause mit ihrem Robert, ihr Onkel Gustav aber macht sich auf und zieht als Clown mit dem Bruder in die bunte Welt der Manege.

Rainer-Lentner-Rydlewsky-Fischer-Milev-Mehling-Zeromska-Masur

Als Dirigent ist Tobias Engeli ein aufmerksamer und präziser Begleiter. Er hat das Orchester der MuKo fest im Griff, lässt es feurig aufspielen, wo dies möglich ist und nimmt es auch behutsam zurück, um seine Sänger nicht zu überdecken. Vor der Pause klappt dies noch nicht ganz so gut, manches auf der Bühne ist akustisch nur schwer zu verstehen und wird teilweise überdeckt, nach der Pause aber ist es wesentlich angenehmer, niemand wird mehr zugedeckt, es wird insgesamt ausgezeichnet musiziert. Da „Das Feuerwerk“ keine reine Operette ist, ist es natürlich für Orchester und Darsteller etwas problematisch, ständig zwischen reinem Operettengesang, einer Art Sprechgesang und reinem Sprachtext hin- und her zu lavieren. Gut eingestellt von Mirko Mahr ist auch das ausgezeichnete Ballett, welches vor allem in den Zirkusszenen voll auftrumpfen kann.

Rainer-Rydlewsky-Milev

Viele „Schlager“, die ins Ohr gehen, hat das Stück nicht, obwohl es insgesamt eine ganze Reihe von Musiknummern gibt. Dies alles wird aber überlagert von dem Lied der Iduna „Oh mein Papa war eine wunderbare Clown …. Und die Krone soll an dieser Stelle auch der Darstellerin der Iduna gehören, der in Neustadt/Aisch geborenen Sopranistin Ruth Ingeborg Ohlmann. Um es gleich vorweg zu nehmen, sie ist eine ausgezeichnete Iduna und es wäre sehr zu wünschen, wenn sie öfter als Gast zur MuKo eingeladen werden würde. Mit leuchtendem, höhensicherem Sopran, der musikalisch jede Nuance ausfüllt und einem exzellenten Spiel macht sie diese Rolle zum Fixpunkt der Aufführung. Es ist nicht nachvollziehbar, wie diese Ausnahmekünstlerin in einem guten Tag, dies so auf die Reihe gebracht hat. Das Publikum jedenfalls spendet nicht nur reichlichen Beifall, nein, es trampelt wie wild und bringt damit seine Wertschätzung dieser außergewöhnlichen Leistung zum Ausdruck. Und die zweite Krone gehört an diesem Abend der Darstellerin der Anna, der in Coburg geborenen und seit nunmehr 5 Jahren an der MuKo befindlichen Sopranistin Nora Lentner. Sie verzaubert mit girrendem, klarem, höhensicherem Sopran, der auch zart zu vielen Facetten fähig ist. Sie ist nicht nur reizend anzuhören, sondern auch anzusehen. Dazu kommt eine überschäumende Spielfreude, die sich auch auf die anderen Darsteller überträgt. Die ehemalige Stipendiatin der Deutschen Johann Strauss Gesellschaft hat bisher ihren Weg gemacht und dieser ist mit Sicherheit noch nicht zu Ende. Aus dem insgesamt homogenen Ensemble stechen an diesem Abend noch der in Poznan in Polen geborene Radoslaw Rydlewski hervor, der einen schlanken geschmeidigen Tenor besitzt und der an diesem Abend auch eine überschäumende Spielfreude auf die Bühne bringt. Er lebt diese Rolle als Onkel Gustav sichtlich aus, ebenso wie der in Leipzig geborene Bariton Milko Milev, der neben einem feinen kräftigen und gesunden Bariton eine ausgesprochen humoristische Ader besitzt und aus der Partie des Onkel Fritz alles herausholt und sich richtiggehend in die Rolle hinein wirft. Die Mutter wird von Angela Mehlig gegeben und die in Halle an der Saale geborene Künstlerin, die seit 1983 an der MuKo beschäftigt ist, füllt die Rolle sichtlich aus. Ebenso wie ihr Mann (natürlich nur im Stück), der aus Herisau stammende Bariton Michael Raschle. Als Alexander Obolski steht der in Ehst in Nordfriesland geborene Bariton Hinrich Horn auf der Bühne und auch er füllt die Rolle des Westemporkömmlings beeindruckend aus. Als Robert, Freund von Anna bringt Justus Seeger alles. Der aus Krefeld am Niederrhein stammende Bariton wirft sich in die Rolle, für mich stört die doch etwas unvorteilhafte Frisur schon sehr. Tante Paula wird von der aus Weimar stammenden und seit 1982 an der MuKo beschäftigten Anne-Kathrin Fischer rollendeckend gegeben. Tante Berta wird von der in Berlin-Friedrichshain geborenen Mezzosopranistin Carolin Masur mehr als rollendeckend dargeboten. Tante Lisa ist die in Lund/Schweden geborene Dagmar Zeromska, die seit dieser Spielzeit im Chor der MuKo tätig ist und hier ihre Sache als Solistin ordentlich abliefert. Onkel Heinrich schließlich ist der Wiener Andreas Rainer, der seit 19 Jahren an der MuKo tätig ist und seinen schönen Tenorbuffo wohltönend einsetzt. Als Köchin schließlich die in Rudolstadt geborene Sabine Töpfer, die als Erzkomödiantin seit 29 Jahren Mitglied der MuKo ist. An diesem Abend hat sie stimmlich ein kleines Problem, deshalb entfällt leider das „berühmte“ Lied der Köchin. Darstellerisch zieht sie komödiantisch vom Leder und hat den Applaus des Publikums sicher. Wenn man im zweiten Akt die drei Tanten nicht in Raubtierkostüme gesteckt und sie fauchend über die Bühne geschickt hätte, was für mich schon einen kleinen peinlichen Beigeschmack hat, wäre an der Aufführung fast nichts auszusetzen gewesen.

Töpfer-Masur-Milev-Raschle-Mehling-Seeger-Lentner-Ohlmann-Horn-Rydlewski-Fischer-Rainer-Zeromska

Eine leichte Unterhaltung für alle, die mit viel Spielfreude und Witz und einigen außergewöhnlichen Stimmen auf die Bühne gebracht worden ist. Es hat wieder Spaß gemacht an der MuKo zu sein, die wegen Umbauarbeiten in der nächsten Zeit in Ausweichspielorte gehen muss. In einem Jahr soll dann die Eröffnung sein, hoffen wir, dass der Zeitplan auch eingehalten werden kann.

 

Manfred Drescher, 27.06.2019    

Bilder:  1-3 Kirsten Nijhof .Bild 4 Eigenaufnahme

 

 

ROSEN AUS FLORIDA

Besuchte Premiere am 12.01.19

Operette und Überoperette

Unter die Megararitäten der Saison muss die Operette "Rosen aus Florida" an der MuKo Leipzig gezählt werden, wenn Sie sie nicht kennen, geben Sie sich bestimmt keine Blösse, denn das Werk ist nur den "Hardcore-Fans" des Genres bekannt, und auch dann nur vom Hörensagen. Die Aufführungen fanden im Rahmen des Dirigentenworkshops der Muko/Oper Leipzig mit dem Deutschen Musikrat statt, und erlaubten einen Eindruck der Operette zu bekommen, vielleicht wird es sogar eine CD-Aufnahme davon geben.

So, jetzt zum Stück selbst: die Bezeichnung lautet Operette von Leo Fall in der musikalischen Einrichtung von Erich Wolfgang Korngold, die Handlung ist weder besser noch schlechter als andere Operetten der Zeit: eine geflohene russische Fürstin findet sich in der Intrige um einen allzu begehrten amerikanischen Millionär wieder, nach zwei harmlosen Akten in den USA, löst sich der melodramatische Knoten in der Hauptstadt der Liebe :Paris. Der Inhalt ist eher das Uninteressante des Werkes, die Musik ist das Wichtige! Und hier stapelt der musikalische Bearbeiter ungemein unter. Kann man bei "Wiener Blut" und "Das Dreimäderlhaus" eindeutig sagen, daß die Musik von Johann Strauß Jr. oder Franz Schubert, die Bearbeitung von Müller, respektive Bertè ist.

Sind die "Rosen aus Florida" ein völlig gebundenes Amalgam, wo man nicht sicher sein kann, wo Fall anfängt und Korngold endet. Leo Fall starb im Jahre 1925, die Operette wurde 1929 uraufgeführt. An mancher der reizvollen Nummern klingt es wie Fall, so bei synkopierten Walzern oder slawisierten Buffonummern, die üppige Orchesterbehandlung und mancher musikalische Bogen hört sich eindeutig nach Korngold an. Mancher wird sagen: für Operette zu opernhaft, für Oper zu operettenhaft. Doch Korngold weiß genau , wie man das leichte Genre bedient, so daß man nie das Gefühl hat, sich in der herb-schwülstigen Atmosphäre von "Wunder der Heliane" zu bewegen. Das Stück bereitet dem Publikum die nötige beschwingte Freude und könnte durchaus mal szenisch auf die Probe gestellt werden.

Alle Zuhörer hoffen auf einen musikalischen Mitschnitt, denn die Aufführung hatte echte musikalische Meriten. Zunächst das Traumpaar der Leipziger MuKo: Adam Sanchez mit strahlendem Tenor und der effektvollen Bonhomie als Millionär Goliath Armstrong und Lilli Wünscher als exzellent überspannte Emigrantin Irina Naryschkin in den großen melodischen Bögen der Korngoldschen Exstase schwer zu schlagen. Dèsirèe Brodka als charmante Intrigantin Dorritt Farring, eigentlich die Soubrettenpartie, die hier gar nicht soubrettig wirkt, denn die Sängerin hat selbst das Zeug zu einer Operettendiva. Andreas Rainer als pfiffiger Sekretär Tommy Webbs entspricht da eher, auf gekonnte Weise, dem Tenorbuffo-Klischee und darf sie vor den Altar führen. Anne-Kathrin Fischer, Milko Milev und Michael Raschle akkordieren präzise aus dem Ensemble. Der Chor der MuKo erledigt seine Aufgaben hervorragend. Cusch Jung führt als Sprecher charmant durch die Handlung.

Kommen wir zum besonders wichtigen Teil des Abends, denn die musikalische Leitung wird für die Teilnehmer des Dirigierworkshops gedrittelt. Wir haben also drei Dirigent/innen abwechselnd im Laufe des Abends am Pult. Talent haben sie hörbar alle drei, denn das Orchester der MuKo klingt ganz ausgezeichnet und nie hat man das Gefühl die Sänger stehen wirklich allein vor ihren Pulten. Gefällt bei dem Schweizer Reto Schärli der ausgefeilte Umgang mit dem Orchester, so überzeugt die Koreanerin Yura Yang mit Gestaltungswillen und Temperament, mein persönlicher Favorit ist allerdings der Koreaner Chanmin Chung ,der die richtige Verve für das schwierige Genre Operette absolut auf den Punkt serviert. Bei allen Teilnehmern wäre ich auf eine Wiederbegegnung auf jeden Fall (und natürlich auch bei anderen Komponisten) gespannt.

Ein sehr interessanter Abend, wobei auch dem musikalischen Leiter der MuKo gedankt werden muss, der bei diesem jährlichen Workshop das Abschlusskonzert eines "bunten Operettenabends", zu dem einer Wiederentdeckung einer kompletten Rarität, angestossen hat. Für nächstes Jahr soll auch schon ein spannender Pfeil im Köcher stecken, man darf gespannt sein.

 

Bilder (c) Tom Schulze

Martin Freitag 15.1.2019

 

 

 

DIE HERZOGIN VON CHICAGO

Besuchte Aufführung am 27.10.18 (Premiere am 20.10.18)

Großer Operettenspaß

Im Leipziger Opernhaus gab es Puccinis "Mädchen aus dem Goldenen Westen" als Premiere, wobei das "Golden" im Titel lediglich im deutschen Titel steht, das italienische Original nur "La fanciulla del West" lautet. Das eigentliche goldene Mädchen hatte dann nämlich in der Musikalischen Komödie Leipzig Premiere: Miss Mary Lloyd ist nämlich nicht nur wirkliches amerikanisches Millonärstöchterchen, sondern auch die Titelheldin von Emmerich Kalmans Operette "Die Herzogin von Chicago". Mary trifft in Europa auf Sandor Boris den Erb(s)prinzen eines slawischen Fantasiestaates, er mag Walzer und Csardas, sie Charleston und "Jazz". Es kommt zum Kampf der Nationen bis die Liebe siegt und man sich auf einen gemeinsam getanzten Slowfox einigt. Mit Kalmans Operette handelt es sich um eines der seltenen Werke die wieder ins Repertoire rutschen, ebenso erfreulich wie die Paul-Abraham-Renaissance derzeit. Und das mit Recht, denn das Werk erweist sich als eines von Kalmans Besten, die gut gemachte Musik mit ihren Reibungen aus dem guten, alten Europa gegen die Neue Welt, das wirklich witzig gemachte Libretto von Julius Brammer. Je öfter ich das Stück höre, um so besser gefällt es mir. Zumal enn es so gekonnt und amüsant auf die Bretter kommt, wie in Leipzig.

Ulrich Wiggers hat bisher vor allem viel Musical inszeniert, aber diese Arbeit zeigt, er kann auch Operette sehr gut ! Was natürlich auch am gesamten Team liegt, denn Leif-Erik Heine als Ausstatter ist einfach ein Gewinn, sein Bühnenbild zeigt mit wenigen Veränderungen und flotten Umbauten den Budapester "Grill Americaine", das schäbige Adelsschloß, dann später zeitgemäß renoviert durch die Amerikaner, ohne das es dem Auge langweilig wird. Seine Kostüme sind einfach eine Augenweide: die übliche Husarenuniformen, die Zwanziger Jahre Mode und die schon etwas (herrlich) verschrobenen slawischen Hoftrachten. Und die wirklich witzigen vielen Figurinen für das Ballett. Überhaupt das Ballett kommt viel zum Einsatz, ebenso wie das eingebundene Ensemble in den unterhaltsamen Choreographien von Kati Heidebrecht. Aber eben auch die Spielleitung von Ulrich Wiggers, denn das Libretto kann, voll ausgespielt, über vier Stunden dauern (Osnabrück vor einigen Jahren); die Uraufführung soll 1928 übrigens an die fünf Stunden gedauert haben. Wiggers bleibt unter drei Stunden, ohne Striche in der Musik und ohne das man etwas in der Handlung vermißt.

Tobias Engeli am Pult sorgt auch für die flotten Anschlüsse zwischen Dialog und Musiknummer, sehr spritzige Tempi, die das Orchester kurzzeitig etwas ins Trudeln bringen, aber es klingt alles richtig und ist ein Garant für die kurzweilige Unterhaltung und einen Ablauf ohne Unterbrechungen. Der Chor der MuKo agiert und klingt prächtig, das Ballett hat stets den nötigen Raum für seine vielfältigen Aufgaben, so wünscht man sich eine gute Operettenaufführung.

Auch bei den Solisten gibt es nicht viel zu meckern: mit Adam Sanchez hat man einen tollen Tenor mit Schmelz, Herz und schöner Stimme. Sein "Wiener Musik" geht direkt ans Gefühlszentrum. Mit Lilli Wünscher hat man eine Operettendiva voller Spiellaune und Charme, die ihre vielen Roben effektvoll wie auf einer Modenschau trägt, auch musikalisch bleiben wenig Wünsche offen. Wirklich ein richtig schönes Paar; und tanzen können sie auch noch ! Mit Laura Scherwitzl und Jeffery Krueger als Prinzessin Rosemarie und James Bondy (doch der heißt auch schon 1928 so) findet sich die zweite interkontinentale Verbindung, ein Traumbuffopaar. Milko Milev füllt die Doppelrollen des humanen Millionärspapas, wie des charmant degenerierten König Pankraz aus. Sehr schön das Violinsolo von Thomas Prokein, wie Eniko Ginzery am Cymbal. Überhaupt die ganzen Nebenrollen machen gute Figur, was wieder einmal das großartige Potential sämtlicher Beteiligten der MuKo aufzeigt

Eine echte Fünf-Sterne-Produktion, die jedem Operettenfreund ans Herz gelegt sei: zum einen schon wegen des unbekannten Werks, dann durch die äußerst gelungene, opulente Produktion, drittens für das durch die Bank hervorragende Ensemble. Wenn im Schlussapplaus dann der Dirigent das erste Csardas-Finale mittanzt, und zwar gut, dann flippt das Publikum aus, und das zu Recht !

Bilder(c9 Kirsten Nijhof

Martin Freitag 14.11.2ß18

 

 

 

 

Besuchte Premiere am 14.10.17

Schon fast eine Oper

TRAILER

 

Die Musikalische Komödie Leipzig hat mit ihrer ersten Premiere wieder ein besonderes "Schmankerl" für Operettenfreunde auf dem Spielplan: Eduard Künnekes sehr selten gespielte "Grosse Sünderin" (zum letzten Mal vor etwa zwanzig Jahren in Halberstadt). Ein besonderer Fall, wie Lehàrs "Giuditta" oder Kalmans "Kaiserin Josephine", eine Operette, die an einer großen Bühne uraufgeführt wurde und durchaus genreübergreifend die Nähe zu Singspiel und Oper sucht. Die Uraufführung fand 1935 an der Staatsoper unter den Linden in Berlin statt, die Hauptpartien waren mit Tiana Lemnitz und Helge Roswenge prominent besetzt und erfordern große Stimmen(, es gibt Ausschnitte mit beiden, so "Das Lied vom Leben des Schrenk" und das Duett "Immerzu singt mein Herz deinem Herzen zu", beides echte "Hits").  Künnekes prekäre Situation, im Dritten Reich mit einer Nichtarierin verheiratet zu sein, sorgt wohl nach dem ersten großen Erfolg für das Verschwinden von den Spielplänen. Die Handlung ist eine recht typische Operettenschmonzette wie andere auch, nicht besser, nicht schlechter: am ihrem Hof zu Rastatt lebt die Herzogin Sybilla Augusta von Baden zwischen "Eremitage" und dem Lustschloss Bonbonniere als Witwe , der Hof ist geteilt zwischen den eher sinnenfreudigen Mitgliedern unter Hofmarschall Dagobert und den frommen Spießern unter Anführung der Gräfin Arabella ("die Tugendwache"), mit zwei fiesen Verehrern wünscht der Vater der "großen Sünderin" sie wieder in den braven Hafen der Ehe zu locken, hübsche Verwechslungen , eine bezaubernde Gartenszene, ein dritter Verehrer, der Abenteurer von Schrenk, bringen alles zu einem glücklichen Finale. Vor allem Künnekes inspirierte Musik mit bezaubenden Ensembles, die ihre Reverenz an die romantische Oper erweisen, wären Anwalt das Werk durchaus öfter erklingen zu lassen.

So weit, so gut: die Inszenierung hebt auch mit einer wirklich lustigen Idee an, denn das Lustschloss erweist sich als aufblasbare Hüpfburg, wie sie auf Strassenfesten für die Kinder zu finden sind. Weiterhin weist Florian Parbs Bühne vor allem aufblasbare Riesengewächse auf, auch noch schön, doch leider, leider bleibt das so die einzige Idee an der sich Regisseurin Alexandra Frankmann durch die Handlung eher schlecht als recht entlanghangelt, es findet sonst alles recht uninspiriert und vor allem uncharmant statt; tödlich für eine Operettenaufführung ! Die Dialoge sind unlustig und haben alle so etwas "Pseudomäßiges", da hätte sie lieber die Dialoge von der Gesamtaufnahme unter Franz Marszalek nachahmen sollen und wäre auf der sicheren Seite gewesen. Alles was passt, so mein Gefühl, ist eher der Professionalität der Darsteller zu verdanken, als der sehr laienhaften Spielführung. Da nützen auch die Tanzeinlagen in der Choreographie von Mirko Mahr nichts mehr, wenn sich dann die Sänger zu einem Viervierteltakt walzermäßig bewegen sollen, wäre die Hilfe des Choreographen nötig gewesen. Die Kostüme von Rebekka Zimlich sind ziemlich, nämlich bunt, was leider keine Qualität darstellt, denn die Melange aus verschiedenen Zeiten, Stoffen ,Farben mit ein wenig "Fetisch" besitzen keinen durchgängigen Stil.

Die Rettung folgt durch die musikalische Seite der Vorstellung, denn Stefan Klingele als Chef der Muko kann Operette und ist den Sängern ein guter Partner, obwohl er ein wenig in die großorchestrige Künneke-Falle tappst, denn die brillante und prima orchestrierte Partitur entwickelt ordentliche Lautstärke. Das Orchester selbst spielt das großdimensionierte Werk mit hörbarer Freude. Die Sänger müssen da schon ordentlich dagegenhalten, was auch auf Kosten der Textverständlichkeit geht. Die beiden gewaltigen Hauptpartien verdienen schon daher große Achtung: Adam Sanchez in der Roswenge-Partie bleibt den stimmlichen Höhenflügen nichts schuldig und weiß tenoralen Schmelz gut einzusetzen, was nicht ganz ohne Anstrengung passiert, doch : "Chapeau!" ein guter Einstand für das neue Ensemblemitglied. Lilli Wünscher als Hausdiva wird der Titelpartie mehr als gerecht und rettet sich mit gekonnter Routine durch die uninspirierte Szene. Ganz hervorragend Mirjam Neururer als Freifrau Jakobe, eine Soubrette die Unschuld und durchtriebenen Charme verbindet, und vokale Spitzen setzt. Jeffrey Krueger als passendes Pendant im Buffopaar verletzt sich sogar beim Gehopse auf dem Aufblasplastik (gute Besserung!), bringt aber den Abend trotz Handikap zu einem guten Ende. Anne Evens gibt und singt einen wunderbaren, pubertierenden Herzog Ludwig, Angela Mehring als prüde Arabella weiß die Hebel der Komik zu bedienen.

Die anderen Sänger werden irgendwie von der Regie abbehandelt, ohne daß das Potential der bekannten Darsteller genutzt wird: Patrick Rohbeck bleibt als Dagobert recht blaß, die unmöglichen Bewerber von Andreas Rainer und Hinrich Horn ( Edolin von Bunzlau und Bodo von Bodenstein) werden lediglich als Knallchargen verheizt. Auch der gesanglich treffliche Chor bleibt szenisch unter seinen sonstigen Möglichkeiten. Das Ballett erfreut zu guter Musik das Auge.

Es lohnt sich, schon wegen Künnekes hervorragender Musik, sich die Vorstellung anzuschauen, schade, daß die szenische Umsetzung so enttäuschend ausgefallen ist.

Martin Freitag 20.10.2017

Fotos (c) Ida Zenna / MuKo Leipzig

P.S. noch zwei weitere Videobeiträge

Probeneindrücke

Premiereneindrücke

 

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DER WILDSCHÜTZ

Aufführung 28.2.2016

Vier Irrtümer und eine Überraschung

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Erster Irrtum: ich dachte, Lortzing werde heute überhaupt nicht mehr aufgeführt, weil er den modernistischen Regisseuren zu bieder erscheint. Was er, zweiter Irrtum, überhaupt nicht ist, da seine gewagten Bosheiten gegen Adel oder Obrigkeit halt wegen der damals allmächtigen Zensur eben nur sehr versteckt erscheinen durften und auch so noch sehr mutig waren. Das aber wissen historisch Unbedarfte meistens nicht und verkennen ihn, dritter Irrtum, als bieder verstaubt. Den vierten Irrtum beging ich, weil ich angesichts des unattraktiven Äußeren der Musikalischen Komödie in Leipzig glaubte, nicht viel erwarten zu dürfen.

Und dann kam die große Überraschung: eine Spitzenaufführung in jeder nur erdenklichen Hinsicht. Da war zunächst mal die Regie von Volker Vogel: durchwegs beweglich und ironisch frech, mit herrlicher Charakterisierungskunst. Er ging auch nicht wie viele unbedarfte Kollegen in die dumme Falle, alles in die Gegenwart zu verlegen. Denn solche Typen und Zustände (Adel!) gibt’s ja Gott sei Dank heute nicht mehr. Aber nur so gelang es auch, die Unsitten des Adels vorzuführen. Und dann das wunderschöne Bühnenbild von Alexander Mudlak: Poetisch aber auch ein klein wenig zu übertrieben romantisch.

Die Sänger waren alle auch hervorragende Schauspieler und gaben absichtlich eine kleine Prise „Zuviel“, was die Komik steigerte. Obwohl Milko Milev als Baculus natürlich von der Rolle her herrlich abräumen konnte, gefiel mir doch Mirjam Neururer in der halben Hosenrolle (Persiflage auf Mozarts Figaro) der Baronin stimmlich und darstellerisch am besten. Die wunderbare Parodie auf die in ihrer Griechenlandschwärmerei total überdrehte Gräfin brachte Carolin Masur mit prächtigem Understatement.

Den verkrampften Baron sang Radoslaw Rydlewski, in der Höhe zwar nicht immer ganz frei, aber ebenso überzeugend gestaltet wie der Graf von Julian Orlishausen als Gast, der allerdings auch noch mit herrlichem Höhenstrahl sang. Tobias Engeli leitete das inspiriert aufspielende Orchester spritzig und feurig und, was man auch an Staatsopern nicht immer erlebt: es gab nicht den kleinsten „Patzer“. So ging man voll Freude, begeistert, „erbaut“ und glücklich nach Hause.

In den Augen modernistischer Regisseure gleich vier Todsünden auf einmal: soll doch das Publikum durch eine wirklich zeitgemäße Inszenierung, ich zitiere: „aufgerüttelt, belehrt, erzogen und verunsichert“ werden oder, wie ein Münchner Intendant mal sagte: “Wenn nicht gebuht wird, haben wir was falsch gemacht!“ In Leipzig haben sie demnach viel „falsch“ gemacht, denn das Publikum jubelte lange und ausführlich.

Peter Klier 3.3.16

Bilder (c) Oper Leipzig

 

 

DER WAFFENSCHMIED

weiß in Leipzig leicht und locker aufzutreten

Die Wiederaufnahme in der musikalischen Komödie ist einfach nur „reine Unterhaltung“ – und was will man mehr...

besuchte Aufführung: Wiederaufnahmepremiere am 24. Mai 2014

Man hat sich in der musikalischen Komödie Leipzig einen Gefallen getan und nach drei Jahren Pause wurde „Der Waffenschmied“ wieder im Spielplan aufgenommen. Bei der ersten Vorstellung am 24. Mai saß ich voller Erwartung im Zuschauerraum und freute mich auf einen unbeschwerten heiteren Abend. Und genau dies wurde es, ein unbeschwerter Abend, der nur einen Zweck verfolgte, das Publikum zu unterhalten. Ja und nach den unzähligen, fürchterlichen Aufführungen in der ganzen Welt, wo überforderte, von der Musik keinerlei Ahnung habende Regisseure versuchen sich selbst zu verwirklichen, ohne auf das Publikum und ohne auf das Stück einzugehen, und die eigenartigerweise auch noch vielfach gefeiert werden, anstatt man sie schnellstens zu einem Psychiater schickt, war es erfrischend, eine herrlich konventionelle Aufführung des Waffenschmiedes mitzuerleben. Eine klare, gradlinige Inszenierung, bei der man wusste, um was es ging von Stefan Petraschewsky. Die Zeit des Biedermeier wird plastisch aufgezeigt, die Rollenzuweisungen, die festen gesellschaftlichen Regeln, die es in dieser Zeit der Restauration gab. Ein klares, buntes und ansprechendes Bühnenbild von Paul Zoller,  welches immer in Bewegung ist, mit erfrischend leuchtenden, einfach schön anzusehenden Kostümen von Annette Braun, die es verstanden hat die Biedermeierzeit mit den damals üblichen Handerabeiten zu mischen und so eine eigene Kostümschöpfung zu erstellen, die alles etwas überzeichnet, dadurch aber besonders eindrucksvoll wirkt. Ein toll agierender Chor, der von Mathias Drechsler auf den Punkt einstudiert wurde und eine musikalische Gesamtleitung von Peter Sommerer, der die wunderschöne Musik Lortzings aufblühen lies, sein Orchester mit straffer, fordernder Hand führte, es aber auch zurücknahm, um den Sängern den notwendigen Raum zu geben, um zu brillieren. Ein Abend zum genießen. Und was kann man eigentlich Schöneres über eine musikalische Aufführung sagen. Und wie singt der Waffenschmied: „Es war eine köstliche Zeit“.

Soll man die Handlung groß erzählen. Sie dürfte im Großen und Ganzen bekannt sein. Der Waffenschmied Hans Stadinger lädt zum Fest. Seine Gesellen sind Konrad und Georg, wobei Konrad der Graf von Liebenau ist, der sich in Marie die Tochter Stadtingers verliebt hat. Deshalb hat er mit seinem Knappen Georg bei ihm angeheuert. Als Ritter weiß er, dass er bei Marie keine Chance hat, da der Vater alle Ritter hasst, ist doch einst seine Frau mit einem solchen durchgebrannt. Konrad will nun in seiner Doppelrolle als Geselle und Graf die Treue Maries auf die Probe stellen. Er geht davon aus, dass Marie treu ist, wenn sie nur den Gesellen liebt, sollte sie auch den Ritter lieben, wäre sie seiner Meinung nach untreu. Marie besteht den Treuetest, doch Konrad fühlt sich als Ritter gedemütigt. Der Waffenschmied, bei dem unsicher ist, ob er überhaupt Mariens Vater ist, überlegt, ob nicht Georg Marie heiraten solle, denn er versteht etwas vom Handwerk und kann später sein Geschäft übernehmen. Irmentraut, die Erzieherin Maries, berichtet entsetzt, dass Marie vom Ritter entführt, von Konrad jedoch gerettet worden sei. Deshalb sei man ihm zu Dank verpflichtet und solle ihm Marie zur Frau geben. Stadinger will davon nichts wissen, denn er hat Georg als Mann im Sinn. Der Rat der Stadt verlangt nun von Stadinger, dass er Marie Konrad zur Frau geben solle und Stadinger gibt sich zähneknirschend geschlagen. Konrad und Marie werden vermählt. Zum Empfang des Grafen erkling ein pompöser Marsch und Stadinger, aber auch seine Tochter Marie wollen ihren Augen nicht trauen, als sie im Grafen den Gesellen Konrad erkennen. Soweit im Schnellverfahren der Inhalt. Doch nun zu den Sängern und hier kann man durchweg nur Positives vermelden.

Als Hans Stadinger, Waffenschmied und Tierarzt kann Michael Raschle brillieren. Der gepflegte Bass-Bariton hat eine klangvolle, durchschlagskräftige Stimme, die er entsprechend einsetzt. Auch vom Schauspielerischen her kann er effektvoll brillieren, insgesamt gesehen eine mehr als rollenfüllende Leistung. Neben ihm Nora Lentner als seine Tochter Marie. Sie verzaubert mit girrendem, klaren, höhensicheren Sopran, der auch zart zu vielen Facetten fähig ist. Sie war nicht nur reizend anzuhören, sondern auch anzusehen. Besonders erfreut hat mich natürlich, mit ihr eine ehemalige Stipendiatin der Deutschen Johann Strauss Gesellschaft wieder zu hören, deren Pressereferent ich ja seit einigen Jahren bin. Rundherum eine exzellente Leistung und ich habe noch nicht so oft ein so schönes „Wir armen armen Mädchen“ gehört, wie von Nora Lentner. Ich bin überzeugt, dass sie noch einen großen Weg vor sich hat. Als Ritter Graf von Liebenau aka Geselle Konrad war mit profundem Bariton Kostadin Arguirov zu hören. Er fügte sich sicher in das Ensemble ein, ebenso wie der junge Tenor Jeffery Krueger als sein Knappe Georg. Sicherlich noch ausbaufähig ließ er mit klarem sicheren Tenor aufhorchen und wurde ebenso zu einem Teil des ausgezeichneten Ensembles. Carolin Masur als Irmentraut, Maries Erzieherin konnte mit vollem kräftigen Mezzosopran, der auch zu leisen zarten Tönen fähig war, ebenfalls voll überzeugen. In den weiteren Rollen gab es keinerlei Ausfall und so war Milko Milev als Ritter Adelhof aus Schwaben ebenso ein positiver Teil der Aufführung wie Andreas Rainer als Gastwirt Brenner und Stadingers Schwager. Zu erwähnen seine auch noch Peter Waelsch als Schmiedegeselle und Tobias Latte als Pfarrer. Es war wieder einmal eine Aufführung, aus der man mit fröhlichem Gesicht und „Wir armen armen Mädchen“ pfeifend oder singend herausging. Und das ist das, warum wir diese Spezies der Musik so lieben, sie macht uns das Leben auf jeden Fall etwas schöner – und was will man eigentlich noch mehr.

Manfred Drescher, 21.6.14                                           Bilder von Andreas Birkigt

 

 

 

FRAU LUNA

wird zum Abschied einer beliebten Künstlerin

Letzte Inszenierung mit Ruth Ingeborg Ohlmann

in der Musikalischen Komödie Leipzig

22.7.13

Jedes Jahr fahre ich nach Leipzig und besuche die Oper und natürlich auch die „Musikalische Komödie (MuKo). Sie ist neben der Staatsoperette Dresden das einzige Haus in Deutschland, welches überwiegend Operette spielt. Ja, ja, ich weiß, die Staatsoperette Dresden ist eigenständige und die „Musikalische Komödie“ wenn man so will, ein Anhängsel der Oper Leipzig. Mir ist das egal, ich besuche beide Häuser gerne und mir gefallen auch beide Häuser und für mich sind es beides eigenständige Bühnen, die der leichten, aber manchmal so schwer zu bewältigenden Muse frönen. Lange Zeit war die Zukunft der MuKo offen, die Parole, dass man sie bald schließen werde, ging um und sie tat das, was am meisten beeindruckt, sie spielte vor immer vollerem Haus. Und so wie es momentan ausschaut, wird sie weiterbestehen – und wir alle, die wir die Musik lieben, freuen uns mit ihr.

„Frau Luna“ war die Abschiedsoperette von Ruth Ingeborg Ohlmann, die von 1998 bis 2000 und von 2008 bis 2013 in Leipzig engagiert war (von 2000 bis 2007 war sie am Gärtnerplatztheater in München). So viele Jahre haben auch geprägt und man geht mit einem wehmütigen Auge in die Vorstellung, weil man weiß, dass eine der tragenden Säulen der MuKo hier bald nicht mehr auftreten wird (außer vielleicht zu dem ein oder anderen Gastspiel, worauf die Operettengänger in Leipzig natürlich hoffen).

In der 3ten Vorstellung nach der Premiere, die ich besuchte, stand Daniele Squeo am Pult des ausgezeichneten Orchesters. Daniele Squeo war der Gewinner des diesjährigen „Deutschen Operettenpreises für Junge Dirigenten“. Und man merkte, dass er den Preis zu Recht gewonnen hatte. Feurig und engagiert ging er zu Werke, lies das Orchester aufblühen und war ein hervorragender Leiter, der mit straffer Hand führte. Leider fehlt ihm noch ein bisschen – aber das ist am Anfang einer Karriere nur zu verständlich – der Kontakt zu den Sängern. Die Einsätze sind exakt, jedoch lässt er die Wogen des Orchesters etwas über die Sänger hinwegspülen, so dass diese zum Teil große Mühe haben, sich entsprechend zu behaupten und gegen das Orchester durchzusetzen. Dieses Manko, und da bin ich mir sicher, wird jedoch bald behoben sein.  

Die Frau im Mond ist nicht leicht zu inszenieren, Dominik Wilgenbus hat es jedoch geschafft eine stimmige Inszenierung auf die Bretter zu stellen. Stimmig deshalb, weil man alles nachvollziehen konnte. Den Beginn in Berlin, die Fahrt zum Mond und den Aufenthalt auf dem Mond selbst. Gut, manchmal gibt er seinen Pferden etwas zu viel Zucker, manche Dinge werden etwas übertrieben, auch die Mondkostüme sind teilweise gewöhnungsbedürftig, aber das Ganze macht insgesamt gesehen Spaß und ist auch alles nachvollziehbar. Und das ist die Hauptsache bei einer Operette, sie muss Freude verbreiten und den Besucher mit einem Lächeln auf den Lippen das Theater verlassen sehen. Und das gelang hier ohne jede Einschränkung, man hat sich köstlich unterhalten.

Um es gleich vorweg zu nehmen, Ruth Ingeborg Ohlmann war eine ausgezeichnete Frau Luna, und das macht die Tatsache, dass sie das Haus verlässt, umso schmerzlicher. Sie interpretiert die Frau im Mond mit leuchtendem, höhensicheren Sopran, der musikalisch jede Nuance ausfüllt. Da versteht man den Steppke, dass er zumindest darüber nachdenkt, bei Frau Luna zu bleiben. Und dieser Steppke wird gesungen und gespielt von Andreas Rainer. Er ist ein echter Tenorbuffo, wie man ihn heut zu Tage nicht mehr oft antrifft. Mit wendiger und klangschöner Stimme gibt er den Berliner Mechaniker, der sich seinen Traum (auch wenn es ja nur ein Traum ist) erfüllt, einmal auf den Mond zu fliegen. Mirjam Neururer als seine Freundin Marie hat einen durchschlagskräftigen, kräftigen Sopran, beide sind eine tolle Besetzung für das „Liebespaar“. Sabine Töpfer macht aus der Rolle der Mathilde Pusebach ein kleines Kabinettstückchen und die Begegnungen mit ihrem – einmal auf die Erde ausgebüchsten – Theophil von Patrick Rohbeck sind Highlights der Aufführung. Selbst wenn sie manchmal etwas dick auftragen, das Publikum ist begeistert und applaudiert stürmisch und ausdauernd. Fabian Egli als Lämmermeier und Folker Herterich als Steuerberater Pannecke vervollständigen ganz trefflich den Berliner Teil der Operette, Auch von Folker Herterich gilt es Abschied zu nehmen, auch er verlässt die MuKo zum Spielzeitende. Er wird mit seinen Rollen fehlen, denn er versteht es die Charakteren der Rollen bis zum letzten auszuspielen. Angele Mehling als Stella, Frau Lunas Zofe, Jana-Maia Eberhardt als Venus, Kostadin Arguirov als Mars sowie Miranda Caasmann als Mondgroom und Martina Mühlnikel als Mondpolitesse vervollständigen das gut gelaunte Ensemble des Mondes. Enttäuscht war ich diesmal – und zwar zum ersten Mal – von Radoslaw Rydlewski als Prinz Sternschnuppe. Seine wohltönende, bewegliche, schlankgehaltene Stimme kam diesmal überhaupt nicht zum Tragen. Entweder liegt ihm die Rolle nicht (obwohl zwei wirklich tolle Tenorarien dabei sind), oder er hatte einen rabenschwarzen Tag oder aber – und das ist für mich die wahrscheinlichste Lösung - unser junger Preisträgerdirigent, kam mit seinem schönen, aber nicht zu großen Tenor nicht zurecht und überdeckte ihn einfach. Schade, denn ich schätzte Radoslaw Rydlewski, den ich schon in vielen tollen Rollen erleben durfte, sehr.

Der Chor, der Extrachor und das Ballett passten sich der hervorragenden Inszenierung an und verhalfen der „Frau Luna“ zu einer begeistert gefeierten Aufführung. Operette muss einfach Spaß machen und das hat sie heute in der Musikalischen Komödie ohne Zweifel getan.

Manfred Drescher

 

 

 

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