Auch in diesem Jahr haben wir unsere Kritiker wieder gebeten, eine persönliche Bilanz zur zurückliegenden Saison zu ziehen. Wieder gilt: Ein „Opernhaus des Jahres“ können wir nicht küren. Unsere Kritiker kommen zwar viel herum. Aber den Anspruch, einen repräsentativen Überblick über die Musiktheater im deutschsprachigen Raum zu haben, wird keine Einzelperson erheben können. Die meisten unserer Kritiker haben regionale Schwerpunkte, innerhalb derer sie sich oft sämtliche Produktionen eines Opernhauses ansehen. Daher sind sie in der Lage, eine seriöse, aber natürlich höchst subjektive Saisonbilanz für eine Region oder ein bestimmtes Haus zu ziehen.
Nach dem Staatstheater Meiningen blicken wir heute auf das Staatstheater Braunschweig.

Beste Produktion (Gesamtleistung):
La Traviata beim Burgplatz Open Air (Dirigent: Srba Dinic, Regie-Team: Beatrice Müller, Robert Schrag)
Größte Regie-Enttäuschung:
Die Fledermaus gilt als unumstrittene Königin der Operette. Und was hat das Regieteam unter der Leitung von Katharina Schmidt und Roman Konieczny daraus gemacht – eine total überdrehte Klamotte mit viel zu vielen, teilweise unverständlichen Einzelaktionen.
Bestes Dirigat:
In der Fledermaus sorgte Alexander Sinan Binder mit souveränem Dirigat von Anfang an neben dem auch nötigen Sentiment für flotte, vorwärts drängende Tempi.
Bester Sänger (Gast, Hauptpartien):
Als Rodolfo setzte Hyunjai Marco Leein La Bohème in der dankbaren Partie tenorale Glanzpunkte.
Bester Sänger (Ensemble, Hauptpartien):
In Peter Grimes beherrschte Marius Pallesen in der Titelfigur die höchst anspruchsvolle Partie mit durchschlagendem Heldentenor, aber auch mit beachtlich eindringlichen lyrischen Passagen.
Beste Sängerinnen (Ensemble und Gast, Hauptpartie):
In Peter Grimes beeindruckte Ekaterina Kudryavtseva als Ellen Orford einmal mehr mit ihrem volltimbrierten, geradezu belkantistisch geführten Sopran, den sie in den Höhen schön aufblühen ließ.
Von besonderer Klasse waren in I Capuleti e i Montecchi Milda Tubelytė (Romeo) und von der Deutschen Oper Berlin Nina Solodovnikova (Giulietta), die beide durchweg intonationsreines Belcanto vom Allerfeinsten vorführten.
Die Bilanz zogen Marion und Gerhard Eckels.