Nürnberg: Tops und Flops – „Bilanz der Saison 2025/26“

Auch in diesem Jahr haben wir unsere Kritiker wieder gebeten, eine persönliche Bilanz zur zurückliegenden Saison zu ziehen. Wieder gilt: Ein „Opernhaus des Jahres“ können wir nicht küren. Unsere Kritiker kommen zwar viel herum. Aber den Anspruch, einen repräsentativen Überblick über die Musiktheater im deutschsprachigen Raum zu haben, wird keine Einzelperson erheben können. Die meisten unserer Kritiker haben regionale Schwerpunkte, innerhalb derer sie sich oft sämtliche Produktionen eines Opernhauses ansehen. Daher sind sie in der Lage, eine seriöse, aber natürlich höchst subjektive Saisonbilanz für eine Region oder ein bestimmtes Haus zu ziehen.

Nach dem Theater Krefeld und Mönchengladbach blicken wir heute auf das Staatstheater Nürnberg.


Beste Inszenierung:
Kateryna Sokolova für Turandot, weil sie ein szenisch-interpretatorisch-musikalisches und bildmächtiges Gesamtkunstwerk ist.

Schlechteste Inszenierung:
Jossi Wieler und Sergio Morabito für Der Freischütz, weil sie dem Stück jegliches Leben ausgetrieben haben.

Beste Sängerinnen:

  • Julia Grüter (Agathe in Der Freischütz), weil sie selbst in einer verpfuschten Inszenierung weiß, welchen goldenen Ton sie zu treffen hat, um das Publikum wenigstens dann zu ergreifen, wenn sie singt.
  • Erika Hammarberg (Markéta in Innocence), weil sie die schwierige Partie dramatisch hinreißend gestaltet hat.

Beste Sänger:

  • Ragaa Eldin (Calaf in Turandot), weil er den berühmt-berüchtigten Part bis in den letzten Ton stimmschön und -stark gestaltet.
  • Simon Neal (Dr. Schön in Lulu), weil er einen starken und imposanten wie zerrissenen Charakter auf die Bühne stellt.

Bester Nachwuchssängerin:
Clarissa Maria Undritz als Serpetta (La Finta Giardiniera), weil sie trotz ihres kleinen Anteils zeigt, wie guter Mozartgesang heute aussieht.

Beste Operntänzerin:
Stephanie Roser (Turandot), weil sie mit ungeheurer Energie zum integralen Bestandteil des Gesamtkunstwerks der Inszenierung wird.

Bestes Dirigat:
Tarmo Vaask (permanente Chorleitung), weil er mit „seinem“ Chor immer Wunderdinge vollbringt.

Bestes Bühnenbild:
Nicolaus Webern für Turandot, weil man auf schönste Weise in die surreale Welt eines modernistischen China und zugleich in eine kulturübergreifende Kunstwelt hineingerissen wird.


Die Bilanz zog Frank Piontek.