Auch in diesem Jahr haben wir unsere Kritiker wieder gebeten, eine persönliche Bilanz zur zurückliegenden Saison zu ziehen. Wieder gilt: Ein „Opernhaus des Jahres“ können wir nicht küren. Unsere Kritiker kommen zwar viel herum. Aber den Anspruch, einen repräsentativen Überblick über die Musiktheater im deutschsprachigen Raum zu haben, wird keine Einzelperson erheben können. Die meisten unserer Kritiker haben regionale Schwerpunkte, innerhalb derer sie sich oft sämtliche Produktionen eines Opernhauses ansehen. Daher sind sie in der Lage, eine seriöse, aber natürlich höchst subjektive Saisonbilanz für eine Region oder ein bestimmtes Haus zu ziehen.
Nach der Semperoper Dresden blicken wir heute auf das Theater für Niedersachsen in Hildesheim.

Aus verschiedenen Gründen konnten wir in dieser Spielzeit insgesamt nur drei Produktionen besprechen.
Wiederentdeckungen des Jahres (Gesamtleistung):
Till Eulenspiegel von Emil Nikolaus von Reznicek und Die Göttin der Vernunft von Johann Strauß (Dirigent jeweils Florian Ziemen, Regie: Jan Langenheim/Christian von Götz).
Größte Regie-Enttäuschung:
Regisseurin Shira Zsofia Szabady ließ Rigoletto in einem Edel-Bordell spielen, was insgesamt überhaupt nicht dem Libretto der beliebten Oper entsprach.
Beste Sängerinnen (Ensemble):
In Till Eulenspiegel imponierte Gabrielė Jocaitė als entzückende Gertrudis mit blitzsauberem, höhensicherem Sopran; in Rigoletto war sie wieder mit durchweg intonationsreiner Stimme eine anrührende Gilda.
Im Mittelpunkt des Geschehens stand als Comtesse de Nevers in Die Göttin der Vernunft Neele Kramer mit munterem Spiel und charaktervollem, wie immer gut geführten Mezzosopran.
Die Bilanz zogen Marion und Gerhard Eckels.