Deutsche Oper Berlin: Tops und Flops – „Bilanz der Saison 2025/26“

Auch in diesem Jahr haben wir unsere Kritiker wieder gebeten, eine persönliche Bilanz zur zurückliegenden Saison zu ziehen. Wieder gilt: Ein „Opernhaus des Jahres“ können wir nicht küren. Unsere Kritiker kommen zwar viel herum. Aber den Anspruch, einen repräsentativen Überblick über die Musiktheater im deutschsprachigen Raum zu haben, wird keine Einzelperson erheben können. Die meisten unserer Kritiker haben regionale Schwerpunkte, innerhalb derer sie sich oft sämtliche Produktionen eines Opernhauses ansehen. Daher sind sie in der Lage, eine seriöse, aber natürlich höchst subjektive Saisonbilanz für eine Region oder ein bestimmtes Haus zu ziehen.

Nach dem Staatstheater Braunschweig blicken wir heute auf die Deutsche Oper Berlin.


Christoph Seuferle, jahrelang verantwortlich für die Sängerbesetzungen an der Deutschen Oper, agierte auch als Interimsintendant nach dem Abschied von Dietmar Schwarz und bevor Aviel Cahn sein Amt antreten konnte. Inwieweit er für den Spielplan der vergangenen Spielzeit verantwortlich ist, ist kaum erkennbar, trotzdem gebührte ihm nach Ablauf seiner Amtszeit als was auch immer sehr viel mehr Dank als ein Blumenstrauß und die floskelhafte, Wort für Wort abgelesene Dankesrede der Senatsvertreterin nach der Premiere von Zar und Zimmermann. Es dürfte vor allem sein Verdienst sein, dass die Deutsche Oper, der es offensichtlich am Geld für Starbesetzungen wie an der Staatsoper mangelt, immer wieder interessante junge Säger vorstellen und ihnen zum Erfolg verhelfen konnte. Die Ehrenmitgliedschaft hätte er sich mehr als manch tatsächlich Ausgezeichneter verdient. Die vergangene Spielzeit ist auch die letzte zum nach Dresden wechselnden Sir Donald Runnicles gewesen, und man kann gespannt sein, wie es ohne Generalmusikdirektor und damit Orchestererzieher mit drei Dirigenten weitergehen wird.

Mit sechs Premieren und einer konzertanten Aufführung war der Spielplan reich bestückt, allerdings waren drei davon Überahmen aus anderen Häusern (Tristan aus Genf, Fedora aus Frankfurt und Giulio Cesare in Egitto aus Glyndebourne) und zudem die erfreulichsten. Wie schon so oft bemerkt, besteht der Reichtum der Deutschen Oper aus ihrem Repertoire, aus dem sich allerdings Schritt für Schritt wertvolle Produktionen völlig oder an andere Häuser entfernen.

Beste Produktion als Eigengewächs:
Die drei Rätsel

Beste Produktion als Übernahme:
Giulio Cesare in Egitto

Größte Enttäuschung:
Zar und Zimmermann

Beste Regie:
David Mc Vicar für Giulio Cesare in Egitto

Bestes Dirigat:
Sir Donald Runnicles für Tristan und Isolde und Alessandro De Marchi für L’Italiana in Algeri

Beste Chorleistung:
Chor der Deutschen Oper und Rundfunkchor in Gurrelieder

Beste Bühne:
Jo Schramm für Violanta

Beste Kostüme:
Brigitte Reiffenstuel für Giulio Cesare in Egitto

Beste Sängerin:
Elena Tsallagova als Cleopatra, Annika Schlicht als Waldtaube

Bester Sänger:
Christophe Dumaux als Cesare, Thomas Lehman als Kurwenal   


Die Bilanz zog Ingrid Wanja.