Salzburg: „La finta giardiniera“, Wolfgang Amadeus Mozart

Je mehr ich über Mozarts „Dramma giocoso“ La finta giardiniera, KV 196 nachdenke, desto mehr bin ich davon überzeugt, dass die Musik und das Libretto eine Mischung aus Ironie und Aufrichtigkeit widerspiegeln, wie sie im achtzehnten Jahrhundert üblich war. Keine der Situationen ist für bare Münze zu nehmen, und doch kommen gleichzeitig echte, tiefe Gefühle zum Ausdruck. Das Libretto, das . . .

Nürnberg: „Goldberg“, Ballett von Goyo Montero

Abstrakt? Ein abstraktes Ballett. Kann ein (Tanz-)Theater zumal von Goyo Montero, der sich so gut auf die Menschendarstellung versteht, „abstrakt“, also nur dem Verstand oder in der Einbildungskraft zugänglich sein? Natürlich kann ein Theater nicht abstrakt sein – aber die neue Produktion des Nürnberger Compagniedirektors ist sicher das Abstrakteste, das er je für Nürnberg geschaffen . . .

Frankfurt: „Blühen“, Vito Žuraj

Daß man unheilbar kranken Frauen beim Siechtum und schließlich beim Sterben zusieht, ist ein erstaunlich beiläufiger Vorgang zweier der erfolgreichsten Opern des internationalen Repertoires: Verdi läßt seine Traviata ebenso bühnenwirksam an Tuberkulose zugrunde gehen wie Puccini seine Mimi. Das Publikum ist gerührt bis ergriffen und empfindet keinerlei Scham über den eigenen Voyeurismus, . . .

Wien: „Orpheus in der Unterwelt“, Jacques Offenbach

Innerhalb einer Woche Offenbach zum zweiten in den Musiktheatern Wiens. Ist im MuseumsQuartier eine Herde Trampeltiere für die „La Perichole“-Aufführung des Theaters an der Wien herumgerast (dafür wurde ausgezeichnet gesungen), nahm die Volksoper für „Orpheus in der Unterwelt“ einen ganz anderen Weg. Man engagierte ein englisches Comedy-Ensemble, von dem man sicher sein konnte, dass . . .

Hamburg: „Lady Macbeth von Mzensk“, Dmitri Schostakowitsch

Die Handlung der Oper Lady Macbeth von Mzensk von Dmitri Schostakowitsch bietet „Sex and Crime“ pur: Vergewaltigung, Ehebruch, Brutalität und Mord sind die äußerlichen Zutaten. Katerina Ismailowa lässt sich auf ein Verhältnis mit Sergei ein, einem Arbeiter im Betrieb ihres Schwiegervaters Boris.  Dieser Boris ist ein bigotter, brutaler und geiler Tyrann. Katarina vergiftet ihn. Und . . .