Hagen: Tops und Flops – „Bilanz der Saison 2025/26“

Auch in diesem Jahr haben wir unsere Kritiker wieder gebeten, eine persönliche Bilanz zur zurückliegenden Saison zu ziehen. Wieder gilt: Ein „Opernhaus des Jahres“ können wir nicht küren. Unsere Kritiker kommen zwar viel herum. Aber den Anspruch, einen repräsentativen Überblick über die Musiktheater im deutschsprachigen Raum zu haben, wird keine Einzelperson erheben können. Die meisten unserer Kritiker haben regionale Schwerpunkte, innerhalb derer sie sich oft sämtliche Produktionen eines Opernhauses ansehen. Daher sind sie in der Lage, eine seriöse, aber natürlich höchst subjektive Saisonbilanz für eine Region oder ein bestimmtes Haus zu ziehen.

Nach dem Staatstheater Nürnberg blicken wir heute auf das Theater Hagen.


Nach eigenen Angaben blickt das Theater Hagen auf eine erfolgreiche Saison zurück. 12% mehr Besucherinnen und Besucher wurden gezählt ebenso wie 5% mehr Abos. Die Einnahmen aus Kartenverkauf wuchsen um 25% und die Auslastung konnte auf 70% gesteigert werden – alles gegenüber der Saison 24/25. Die Besucherzahl erreichte einen sechsstelligen Wert. Begründet wird dies mit einem populärerem Programm. Tatsächlich richteten sich gut gemachte Musiktheater-Produktionen wie Like a Rolling Stone, Flashdance und Soultrain an ein Mainstream-Publikum, und die beliebte West Side Story sorgte stets für ein ausverkauftes Haus. Mit Der goldene Drache, Platée und Salome wurden aber auch künstlerisch hochwertig produzierte Stücke gezeigt, die ein eher speziell interessiertes Publikum ansprechen. La Traviata war die einzige populäre Oper, falls man nicht West Side Story auch dazu zählen wollte. Unter Joseph Trafton hatte das Philharmonische Orchester Hagen eine hohe Klangkultur entwickelt, auf der neue, erfahrene GMD Sebastian Lang-Lessing aufbauen konnte. Das gut zusammengewachsene Ensemble mit der großartigen Principal Guest Artist Serenad Uyar kam fast ohne weitere Gäste aus.

Die Opernfreund-Kritiker haben gehört, gesehen, besprochen und bewertet:

Der goldene Drache von Peter Eötvös: Modernes Musiktheater, bei dem das Publikum auf der Hauptbühne den Darstellern ganz nahe ist und dem das Schicksal eines migrantischen Arbeiters und anderer Unglücklichen nahe gebracht wird. Ein ungewöhnliches Stück, das von der Regie und dem Ensemble überzeugend realisiert wird. Nike Tiecke macht als Nachwuchssängerin des Jahres auf sich aufmerksam.

La Traviata, Giuseppe Verdi: Eine gefällige Inszenierung mit interessanten Aspekten, aber ohne allzu hohe Verständnisansprüche, aus den Händen des neuen Intendanten. Musikalisch ist sie ausgezeichnet, besonders dank der besten Sängerin (Gast): Serenad Uyar als Violetta Valéry.

Flashdance, Robbie Roth und Robert Cary: Insgesamt bietet das Theater Hagen ein Musical, das mit einer sehenswerten Inszenierung punkten kann und zu sehr fairen Eintrittspreisen zu sehen ist, weshalb die Vorstellungen ausverkauft sind.

Platée, Jean-Philippe Rameau: Kurzweiliges, pralles, lebendiges barockes Musiktheater. Hier brillierte   Theodore Browne als bester Gastsänger in der Titelpartie.

Der kleine Prinz, Pierangelo Valtinoni: Eine Familienoper, die nicht nur junges Publikum begeistert. Die Inszenierung ist eine Übernahme vom Staatstheater Darmstadt, aber vom eigenen Ensemble anrührend dargebracht. Wird in die neue Spielzeit übernommen. Als beste Chorleistung sei hier der Kinderchor, einstudiert von Caroline Piffka, hervorgehoben.

West Side Story, Leonard Bernstein: Szenisch uns größtenteils musikalisch gelungene, stets ausverkaufte Realisierung des Musical-Klassikers. Wird in die neue Spielzeit übernommen.  Beste Sängerin (Nebenrolle) der Saison ist erneut Angela Davis in der Rolle der Anita.

Salome, Richard Strauss: 1 Stunde und 50 Minuten Oper als packendes, erschütterndes und aufwühlendes Seelendrama und Psychogramm in einer besonderen Lesart mit einer langen Nachhallzeit. Der zweite Besuch bestätigte, dass dies die beste Produktion des Jahres ist und den Opernfreund-Stern wahrhaft verdient hat. Außer erneut Serenad Uyar (Salome) seien namentlich hervorgehoben als  bester Sänger Hauptrolle: Insu Hwangbester Sänger Nebenrolle: Richard van Gemert (Herodes), sowie die beste Regie von Noa Naamat, das spektakuläre Bühnenbild von Bettina John und die beste musikalische Leitung durch Sebastian Lang-Lessing genannt.


Die Bilanz zog Bernhard Stoelzel mit Markus Lamers und Detlef Obens.