Reisebilanz III: Tops und Flops der „Saison 2025/26“

Um die Berliner Opernhäuser steht es künstlerisch nicht allzu gut bestellt: An der Deutschen Oper Berlin sind zusehends miserablere Inszenierungen zu erleben wie u.a. Rossinis L’Italiana in Algeri in einer hässlichen Wrestling-Arena, in der tatsächlich auch Wrestling zur Musik stattfand. Aber vermutlich war das noch glimpflich gemessen an dem, was das Publikum dort in der Zukunft erwartet. Die Spielzeitvorschau des angehenden Intendanten Aviel Cahn jedenfalls weckt keine Erwartungen auf einen vielversprechenden Kurswechsel.

Die Komische Oper Berlin fokussiert zusehends in aufwendigen, teuren, verschwenderischen Produktionen auf Musicals als gäbe es keine eigenen Musicaltheater wie das Stage Theater des Westens oder das Theater am Potsdamer Platz (Ausnahme: die gelungene Händeloper Belshazzar).

Dass einzig an der Berliner Staatsoper noch hörens- und sehenswerte Produktionen zu erleben sind, verdankt sich Christian Thielemann, der an diesem Haus mit der Schweigsamen Frau und dem Rosenkavalier exzellente Wiederaufnahmen präsentierte, zudem mehrere grandiose Konzerte dirigierte. Leider finden sich daneben aber auch Produktionen mit verunglückten Inszenierungen wie der Festtags-Maskenball, den einzig Anna Netrebko halbwegs retten konnte. (Über die vermutlich total entgleiste Entführung mit dem Comedian Bülent Ceylan kann ich nicht mitreden, ich will sie mir, nachdem ich die Premiere krankheitsbedingt absagen musste, auch ersparen).

Die besten Neuproduktionen, in denen Musik und Szene Hand in Hand gehen, konnte ich in dieser Spielzeit in Turin, Mailand und Bregenz erleben. Wobei es hier wie an der Berliner Staatsoper einzelne Künstlerpersönlichkeiten sind, denen sich solche Highlights verdanken. Vielfach konnte ich mich schwer entscheiden, welche Produktion in welcher Hinsicht noch besser war, deshalb gibt es von mir viele geteilte Auszeichnungen.

Beste Produktion (Gesamtleistung):
Macbeth, Opernhaus Turin

Größte Enttäuschung:
L’Italiana in Algeri, Deutsche Oper Berlin

Beste Wiederaufnahme:
Die schweigsame Frau, Rosenkavalier, Staatsoper Berlin

Beste Gesangsleistung (Hauptpartie):
Sophie Juncker, Deidamia, Händelfestspiele Göttingen

Beste Gesangsleistung (Nebenrolle):
Sarah Gilford (Nerea in Deidamia), Händelfestspiele Göttingen

Nachwuchssänger des Jahres:
Iris Candelaria (Antigone), Oedipe, Bregenzer Festspiele

Bestes Dirigat:
Riccardo Muti, Macbeth, Turin
ex aequo: Christian Thielemann, Rosenkavalier, Die schweigsame Frau, Berliner Staatsoper

Beste Regie:
Chiara Muti, Macbeth, Turin
ex aequo: Vasily Barkhatov, Lady Macbeth von Mzensk, Mailänder Scala

Bestes Bühnenbild:
Alessandro Camera, Macbeth, Turin
ex aequo: Zinovy Margolin, Lady Macbeth von Mzensk, Mailand

Beste Chorleistung:
Prager Philharmonischer Chor, Oedipe, Bregenzer Festspiele
ex aequo: Alberto Malazzi, Lady Macbeth von Mzensk, Mailand

Größtes Ärgernis:
Die Entlassung von Markus Hinterhäuser als Intendant der Salzburger Festspiele

Bestes Dirigat (Konzert)
Christian Thielemann, Pfitzner Klavierkonzert, Staatskapelle Berlin
ex aequo: Herbert Blomstedt, Bruckners 7. Sinfonie, Berliner Philharmoniker

Bestes Dirigat Barockoper:
Leonardo García Alarcón, Pompeo Magno, Bayreuth Baroque Opera Festival 
ex aequo: Gianluca Capuano, Giulio Cesare, Zürich


Es reiste für Sie Kirsten Liese.