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www.onassis.org/en/cultural-center.php

 

IN THE PENAL COLONY

von Philip Glass


Premiere am 29. Januar 2016

besuchte Vorstellung am 30.1.2016


Das Onassis Cultural Centre ist einer der wichtigsten Akteure des Athener Kulturlebens. Sein Programm widmet sich insbesondere den zeitgenössischen Formen von Theater, Musik und Tanz. Dabei werden regelmässig ortsspezifische Projekte ausserhalb der eigenen vier Wände entwickelt. Aktuell zeigt das Centre Philip Glass‘ Oper „In the Penal Colony“ im Diplareios Schulgebäude im Zentrum der Stadt. Zwischen Markthalle und Immigrantenviertel gelegen, bietet die industriell anmutende Halle der Schule einen idealen Spielort für das nach Franz Kafkas Erzählung „In der Strafkolonie“ geschaffene Musiktheater.

 Mit seinem bis heute Beklemmung auslösenden Text erweist sich Kafka geradezu als Prophet totalitaristischer Kräfte im 20. Jahrhundert. Er berichtet darin von einem Besucher, der auf eine Insel kommt, um einer Hinrichtung beizuwohnen. Der zuständige Offizier beschreibt jenem akribisch den vom verstorbenen Kommandanten erfundenen Tötungsapparat. Dieser tätowiert dem Verurteilten seine Schuld in den Körper und tötet ihn damit nach Ablauf von 12 Stunden. Der Verurteilte, welcher nicht der Sprache von Offizier und Besucher mächtig ist, erfährt nicht, wessen er sich schuldig gemacht hat. Da dem Offizier der Zuspruch des Gastes versagt bleibt, programmiert er den Apparat mit „Sei gerecht“ und liefert sich selbst diesem aus. Dem Libretto von Rudy Wurlitzer hat Philip Glass einen Klangraum hinzugefügt, der mit atmosphärischer Dichte dem Schrecken der Erzählung Widerhall verleiht. Die repetitiven Strukturen seiner Minimal Music, deren kontinuierlicher Fluss und Reichtum an Klangfarben sind sehr geeignet, um Kafkas Welt in Tönen neu entstehen zu lassen.

Der Regisseur Paris Mexis hat im Bühnenraum von Beetroot und mit dem Lichtdesign von George Tellos eine bemerkenswerte szenische Lösung gefunden. Das Publikum ist zweigeteilt an den Schmalseiten der Halle platziert, das Geschehen spielt sich dazwischen ab. Auf der Spielfläche deutet ein mit Kreide gezeichnetes Zahnrad den Hinrichtungsplatz und den Apparat an. Die Projektion farbiger Schriftzüge und Lichtspots veranschaulichen die Prozedur des Tötens. Die Handlung ist im Hier und Jetzt angesiedelt, die Zuschauer sind mit Nummernschildern versehen und so als Beteiligte am Geschehen in der Strafkolonie markiert. Die Nähe des Publikums zur Spielfläche und das Heraustreten von Besucher und Verurteiltem aus der Zuschauermenge tragen zur starken Wirkung der Inszenierung bei.

Die 14 Musiker der Armonia Atenea unter der Leitung ihres Dirigenten George Petrou realisieren Glass‘ Musik mit grossem Engagement in hervorragender Weise. In einem Nebenraum platziert, dessen Fenster und Türen zur Halle hin geöffnet sind, entwickeln sie einen farbenreichen und energetischen Klangfluss. In bestechender Form zeigt sich der Bassbariton Timos Sirlantzis als Offizier. Es ist ein Genuss seiner wandlungsfähigen Stimme und seiner ausdrucksstarken Interpretation zuzuhören. Überzeugend ebenso Giannis Filias als Besucher, dessen lyrischer Tenor sich bestens in die musikalische Atmosphäre einfügt. In stummen Rollen agieren eindrücklich Sotiris Triantis als Verurteilter sowie Eva Oikonomou-Vamvaka und Zenia Agkistrioti als Wächterinnen. Alle Beteiligten machen die Aufführung zu einem erstklassigen musikalischen Ereignis, das vom Publikum zu Recht gefeiert wird.

Ingo Starz 2.1.16

Besonderer Dank an MERKER-Online (Wien)

 

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