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 Opernbühne e.V. Bad Aibling / Schloss Maxlrain

opernbuehne-badaibling.de/

 

Maxlrain bei Bad Aibling ist keine große Ortschaft: nahe beim Schlösschen (Bild) befinden sich Schlossbrauerei, Braustüberl und die Reithalle; im Umland einzelne Häuser und der Golfclub. Seit 1979 wird im Sommer in der Reithalle jeweils eine Oper gespielt; fast immer etwas aus der Raritätenkiste. Da braucht man es nicht mit den großen Häusern aufzunehmen und zieht immer auch überregional etliche "Opernsammler" an. Dieses Jahr berichtet der Opernfreund zum ersten Mal aus Bad Aibling / Maxlrain.  

 

 

Chapeau Maxlrain!

TURANDOT

Text nach Carlo Gozzi und Gustav Vollmöller vom Komponisten

Ausgrabung im Chiemgau: Busonis musikalisches Märchen und Komödie erfreut ein vielschichtiges Publikum

Wieder einmal hat sich die Opernbühne Bad Aibling e.V. mit der Produktion einer Rarität hervor getan; diesmal Ferruccio Busoni. Eine Suche bei opera base nach Produktionen der Opern dieses Komponisten ergibt von 2012 bis 2016 nur einen einzigen Treffer: Turandot in Bad Aibling/Maxlrain mit fünf Aufführungen! – Der Pianist, Musiktheoretiker und Komponist Ferruccio Busoni (1866-1924) ist zwar kein Vergessener, aber seine Werke findet man nur ganz selten auf den Programmzetteln der Konzertsäle oder den Spielplänen der Opernhäuser. Zu seinen Lebzeiten von dem  Reaktionär Pfitzner als „Neutöner“ („Futuristengefahr!“) beschimpft, von den wirklichen Neutönern (Zweite Wiener Schule) wenig beachtet, musste der Sohn einer deutschstämmigen Pianistin und eines italienischen Klarinettisten im ersten Weltkrieg gar als „feindlicher Ausländer“ seine Wahlheimat Berlin verlassen und in die neutrale Schweiz gehen, wo in Zürich 1917 diese seine Oper Turandot uraufgeführt wurde. Nach Kriegsende kehrte er wieder nach Deutschland zurück, das er als seine kulturell-musikalische Heimat ansah, wo er aber ein Solitär geblieben ist. Vor Busonis Oper gab es schon gut ein halbes Dutzend Vertonungen von Turandot, die allesamt der Vergessenheit anheimgefallen sind. Erst Puccinis Oper (postum 1926 in Mailand mit den Ergänzungen von Alfano uraufgeführt) fand Eingang ins internationale Repertoire und ließ Busonis Werk wieder vergessen. Ob Puccini Ferruccio Busonis zehn Jahre zuvor entstandenes Werk kannte, ist nicht dokumentiert. 

Ensemble, Chor

Der Turandot-Stoff selbst war durch Carlo Gozzis Schauspiel (1762 in Venedig uraufgeführt) und durch Schillers Nachdichtung (1801) bekannt geworden und geblieben. Über Karl Gustav Vollmöller ist die deutsche Vorlage an dessen Freund Busoni gelangt. Dramaturgisch verbleibt Busoni näher an der Gozzi-Vorlage mit ihren Figuren aus der commedia dell’arte und lässt nicht zuletzt dadurch das Komödiantische in seinem Werk überwiegen. Ansonsten findet man die meisten Figuren bei beiden Opernautoren wieder. Aus den beiden „Ministern“ Pantalone und Tartaglia sowie dem Eunuchen Truffaldino werden bei Puccini die „Minister“ Ping, Pang und Pong; aus Kalafs Freund Barak wird der alte Vater Timur. Turandots Lieblingssklavin Adelma kommt bei Puccini nicht vor, dafür hat er Liu erfunden, mit ihr das Stück heroisiert und damit genau die Rührkomponente eingebaut, die aus seiner Oper das für ein größeres Publikum und für den Repertoire-Betrieb bühnenwirksamere Musiktheater gemacht haben. Aber die Oper von Busoni ist deutlich origineller und vor allem musikalisch interessanter.

Aco Aleksander Bišćević (Truffaldino)

Julia Dippel hat für das Stück ein einfache, leicht verständliche Inszenierung auf die Bühne der Reithalle in Maxlrain gestellt, wobei sie der Gesamtleiter der Veranstaltung James Barnes mit einem sehr klaren Einheitsbühnenbild für die beiden Akte unterstützte und zu welcher Michaela Reinel und Werner Böhm die einfachen, bunten orientalisierenden Kostüme beisteuerten. So wirkt das Stück wie aus einem Guss. Das Bühnenbild zeigt eine große, steil ansteigende und sich schnell verjüngende Treppe, auf deren obersten Absatz der Kaiserthron steht, seine Berater und Minister nehmen neben ihm auf Bänken Platz. Die Treppe, auf welcher ein Großteil der Handlung abgespielt wird,  kann durch heruntergelassene Papierbahnen geteilt werden, die gleichzeitig als Schirme für von hinten beleuchtete Schattenspiele wirken, mit denen u.a. deutlich und gleichzeitig dezent genug am Beispiel des Prinzen von Samarkand gezeigt wird, was passiert, wenn man die drei Rätsel der Prinzessin Turandot nicht lösen kann. Der abgeschlagene Kopf wird unter der Papierbahn auf die Treppe gerollt... Große bunte Elemente begrenzen die Bühne nach den Seiten. 

Tobias Gründl (Tartaglia), Roger Krebs (Altoum), Philipp Gaiser (Pantalone)

Sowohl Busonis als auch Puccinis Musik lassen den Wagnerschen Einfluss erkennen. Während Puccini ihn zu mehr Italianità mit großer dramatischer Überhöhung führt, bleibt Busonis Musikstil dem Heiteren verbunden und unterstreicht damit das Komödiantische und Parodierende der Handlung. Ohrwürmer baut Busoni nicht ein; seine Partitur ist mit viel Polyphonie sorgfältig durchgearbeitet, viel feingliedriger in Komposition und Instrumentierung und in der Begleitung von mehr „deutschem“ symphonischem Charakter. Selbst vor fugati schreckte Busoni nicht zurück. Das italienische musikalisch-emotionale Pathos geht ihm ab; er kommt auch mit einem wesentlich kleineren Orchester aus, was dem Dirigenten Richard van Schnoor bei seiner kammermusikalisch transparenten Durcharbeitung des Werks zugute kam. Zwar kam aus der Ecke der Trompeten und Hörner zuweilen recht Ungenaues, aber insgesamt wurde fein, genau und konzentriert gespielt und die zuweilen etwas manieristisch gesetzte Partitur durchaus mit Inspiration musiziert. Akustisch ging das Konzept in der Reithalle auch gut auf. Neben dem 44-köpfigen gut ausgewogen besetzten Orchester mit schöner Streichergrundierung und Holzbläserpassagen gab noch ein etwas vergrößertes Schlagwerk Kolorit. Bis auf eine Chorpassage zu Beginn des zweiten Akts verzichtet Busoni auf vordergründiges pentatonisches Kling-Klong, sondern verwebt dieses ostasiatische Kolorit sehr fein mit der Gesamtpartitur. Auch das konnte van Schnoor mit seinem Orchester, das pberwiegend aus professionellen Musikern aus der Region zusammen gesetzt ist, gekonnt transparent machen. Überraschend hat Busoni zu Beginn des zweiten Akts auch die Melodie des mittelalterlichen englischen Volkslieds Greensleeves aufgenommen, abgewandelt und verarbeitet. Also doch ein Ohrwurm! Der große, 30-köpfige Opernchor (manch Sparzwängen unterliegendes deutsches Stadttheater hätte da schon den Extrachor aufbieten müssen!) aus interessierten Laiensängern der Region war von Hubert Dobl präzise einststudiert, erledigte sich auch seiner schauspielerisch-choreographischen Aufgaben bestens und gefiel mit klangschöner, weicher Intonation; der Stimmdruck wurde durch die große Zahl der Sänger erreicht. 

Yasu Nakajima (Kalaf)

Die Oper wurde in der deutschen Originalfassung gegeben. Busonis Turandot ist keine Nummernoper, sondern durchkomponiert, obwohl von Sprechpassagen unterbrochen; diese wurden von den Darstellern durchweg gut gemeistert, was heute wegen der vielfach multinational zusammengesetzten Ensembles an größeren Häusern bei weitem keine Selbstverständlichkeit ist. Die Festspielleitung hatte die Oper indes aber bis auf wenige Ausnahmen mit deutschen Muttersprachlern besetzt. Die komplizierten Rätsel der Prinzessin wurden für das Publikum auf einen Schirm projiziert. Da nicht immer textverständlich gesungen werden kann, würde es sich anbieten, auch weitere Teile des gesungenen Texts als Übertitel zu zeigen; denn die Anlage ist ja vorhanden. Mit einer halbstündigen Pause kam die Oper auf eine Spielzeit von gut zwei Stunden.

Das beachtliche Solistenensemble, zusammengesetzt aus „gestandenen“ Opernsängern, Absolventen und Chorsolisten, zeigte fast durchweg gute Leistungen. Stephanie C. Braun sang die Titelrolle mit jugendlich frischem, dramatischem Sopran, schön konturiert und in der Höhe ohne jegliche Schärfe. Roger Krebs gab den Kaiser mit mächtigem Bass, sonoren Tiefen und bester Textverständlichkeit. Mit Tibor Brower war ein kraftvoller, kultivierter und sauber intonierender Bariton als Barak besetzt. Aco Aleksander Bišćević mit wendigem Spiel und strahlendem, hellen Buffo-Tenor gefiel als Truffaldino. Ein weiterer Charaktertenor war als (Minister) Tartaglia mit Tobias Gründl besetzt, der - wenn er nicht gerade stottern musste - ebenfalls helles klares Stimmmaterial vorwies. Als Pantalone (zweiter Minister) gefiel der Bariton Philipp Gaiser. Anna Fischer von schlanker Erscheinung gab die Rolle der Sklavin Adelma mit ebenso schlankem wie klarem und klangschönem Alt. Enttäuschend waren hingegen Vortrag und Spiel des kleinen Japaners Yasu Nakashima als Kalaf; auch hatte er mit der Sprache zu kämpfen. Ikumu Mizushima, in vorhergehenden Vorstellungen auch als Turandot besetzt, gab an diesem Abend nur die kleine Rolle der Königinmutter. 

Chor

Starken, lang andauernden Beifall erhielt der Abend bei dieser vorletzten Aufführung aus dem ausverkauften Saal von einem äußerst gemischten Publikum, das überwiegend in gediegener Garderobe erschienen war und mit dieser Rarität neben dem lokalen Publikum auch Interessenten aus der weiteren Umgebung und natürlich Urlauber angezogen hatte. Auch den vielen Mitwirkenden hinter und neben der Bühne, die hier durch ihren persönlichen Einsatz ein Stück Kulturgut hochgehalten haben, sei Dank.

Manfred Langer, 21.07.2014      Die Probenfotos sind  von Robert James Perkins

 

OF-CD-Tipp

 

 

Letztere gibt es zusammen mit einer weiteren völlig unbekannten Busoni-Oper namens "Arlecchino" - eine schöne Box mit viel Info-Material.                 PB

 

 

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