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TRISTAN UND ISOLDE

Premiere: 22. September

besuchte Vorstellung: 1. Oktober 2013

VIDEO

Einen echten Kraftakt leistet die niederländische Reiseoper in Enschede mit Richard Wagners „Tristan und Isolde“. An der Aufführung sind viele Künstler beteiligt, die man von deutschen Bühnen kennt.

Regisseur Jakob Peters-Messer hat in der vergangenen Spielzeit mit Meyerbeers „Vasco da Gama“ in Chemnitz für Aufsehen gesorgt. Besonders häufig arbeitet er an den Wuppertaler Bühnen, denen er mit „Der fliegende Holländer“ einen großen Kassenerfolg beschert hat. Seine „Tristan“-Inszenierung erzählt die Geschichte verständlich und übersichtlich. Die rechteckige Holzspielfäche von Guido Petzold ist sängerfreundlich und tourneetauglich, denn diese Produktion ist bis Ende Oktober noch in acht niederländischen Städten zu sehen, darunter auch in grenznahen Orten wie Heerlen (4. Oktober), Maastricht (20.Oktober) und Assen (31. Oktober).

Eine zweite rechteckige Fäche, die über der Bühne schwebt, symbolisiert im ersten Akt ein Segel und ist im zweiten Akt mit Blumen versehen. Im dritten Akt senkt sie sich hinab und wird zu Tristans Krankenlager. Wenn sich die obere Fläche während der Akte bewegt und so den Raum verengt, erinnert das an Willy Deckers Ruhrtriennalen-„Tristan“ von 2011.

Die Inszenierung, in der die Sänger plausible Charaktere spielen, braucht etwas Zeit, um sich warm zu laufen. Ab Isoldes Entschluss, sich mit gemeinsam mit Tristan umzubringen, gewinnt die Aufführung aber eine große Intensität. Peters-Messer folgt Wagners Geschichte und setzt nur wenige eigene Akzente, so wenn Melot am Beginn des zweiten Aktes das Gespräch zwischen Isolde und Brangäne kriechend belauscht. Im Liebesduett gönnt die Regie dem Paar auch Küsse und Umarmungen zur Begrüßung. Wenn im Finale Isoldes Gesang den toten Tristan zum Leben erweckt und er Isoldes Worte stumm mitsingt, dann erinnert das an Peter Konwitschnys Münchener Inszenierung, in der das Paar zu einem Glück jenseits der Wirklichkeit findet. Bei Peters-Messer verschmelzen Tristan und Isolde schließlich im grellen Gegenlicht mit der Rückwand.

Am Dirigentenpult ist der Dessauer Generalmusikdirektor Antony Hermus zu erleben, der gebürtiger Niederländer ist und am Theater Hagen einen rasanten Aufstieg vom Korrepetitor über den Kapellmeister bis zum GMD erlebt hat. Er leitet eine Aufführung, in der das Orchester großflächig und sinfonisch aufspielt, wobei er aber auch den Sängern viel Raum lässt.

Die Instrumental- und Farbschattierungen der Partitur könnten noch feiner und magischer gestaltet werden, doch die Leistung des Noord Nederlands Orkest ist beachtlich, wenn man bedenkt, dass dieses Ensemble nicht die Wagner-Tradition eines deutschen Orchesters besitzt. Ärgerlich ist freilich, dass der Strich des Tag-Gespäches im 2. Akt hier noch über die Kürzungen hinaus geht, die in Deutschland üblich sind.

Auch die Sänger können sich hören lassen. Die Schweizerin Claudia Iten hat die Isolde schon in Aachen und Nürnberg gesungen. Ihre Stimme besitzt eine mädchenhafte Anmut. Das „Frau Minne kenntest du nicht?“ singt sie geradezu betörend. Eine echte Hochdramatische ist sie aber nicht, was im Duett des 2. Akt zu einigen unschön herausgeschrienen Tönen führt. Packend gestaltet sie aber den Schlussgesang.

Robert Künzli ist der Haus-Heldentenor der Staatsoper Hannover und besitzt eine beachtliche Kondition. Von einem Kampf mit der Rolle, die andere Interpreten ausfechten, ist bei ihm nichts zu hören. Er singt den Tristangeschmeidig und wo nötig, besitzt er auch den richtigen Nachdruck. Bietet er bereits in den ersten beiden Akten eine starke Leistung, so steigert er sich noch im mörderischen dritten Akt.

Wenn Yorck Felix Speer mit seinem Marke-Monolog beginnt, ist man erstaunt von so viel Wohlklang und bassiger Wärme. Dass dieser Sänger in Oldenburg engagiert ist und nicht in einer der großen Metropolen erscheint unverständlich. Doch gegen Ende des Monologs wird klar, dass er keinen der tiefen Töne wirklich singen kann und nur in der Höhe glänzt. Wahrscheinlich wäre er besser als Kurwernal eingesetzt, denn Sebastian Noack bietet nur eine solide Leistung mit blasser Höhe. Ann Marie-Owens ist eine etwas biestige Brangäne, die ihre Rolle aber stimmlich und darstellerisch gut ausfüllte.

Die Niederländische Reiseoper bietet mit „Tristan und Isolde“ eine dem Werk dienende Aufführung, die aber auch erfahrenen Wagnerianern den einen oder anderen Gänsehautmoment bescheren kann

Rudolf Hermes

Bilder: http://www.reisopera.nl/

Marco Borggreve

 

 

 

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