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 Teatro REGGIO EMILIA

www.iteatri.re.it/

 

LA WALLY

Premiere in Piacenza: 17.02.2017

besuchte Aufführung in Reggio nell’Emilia: 05.03.2017

 

Lieber Opernfreund-Freund,

dass Übung den Meister macht, war am gestrigen Sonntag im norditalienischen Reggio nell’Emilia zu erleben. Dort fand die Derniere der überzeugenden Berloffa-Produktion von Alfredo Catalanis erfolgreichster Oper „La Wally“ statt, über deren Premiere vor gut zwei Wochen ich Ihnen bereits berichten durfte. Nach insgesamt drei Aufführungen in Piacenza und je zwei in Modena und Reggio nell’Emilia haben alle Beteiligten nicht nur die Premierennervosität abgelegt, sondern in ihren Rollen ein gutes Stück Routine erlagt, so dass die Aufführung szenisch und musikalisch noch runder und wie aus einem Guß von statten gehen konnte, als schon zur Premiere.

Nicola Berloffa, der in seiner Inszenierung die eisige Atmosphäre, die rund um Wally herum in Natur und Gesellschaft herrscht, in das Zentrum seiner Betrachtung stellt, ist eine dichte und überzeugende Produktion gelungen, die keiner Aktualisierung des Stoffes bedarf. Das Drama der gesellschaftlichen Außenseiterin ist ihm Drama genug, so dass er in der eindrucksvollen Kulisse von Fabio Cherstich schlicht die Geschichte rund um Liebe, Hoffnung und Kränkung erzählt, die in Wallys Freitod mündet, nachdem das so nahe Happy-End von einer Lawine zerstört wird, die ihren Giuseppe mit sich in die Tiefe reißt. Dazu hat der aus Lucca stammende Alfredo Catalani wunderbare Melodien erdacht, die einerseits Lokalkolorit versprühen, wie beim Ländler, den Walter zu Beginn des ersten Aktes zum besten gibt oder dem Tanz der Dorfgemeinschaft in Akt zwei, andereseits aber eine sinfonisch extrem dichte Tonsprache aufweisen, wie im atmosphärisch bedrückendenden Finalakt. Francesco Ivan Ciampa hat die musikalische Leitung inne und wählt mitunter recht gemessene Tempi, die die kraftraubenden Melodienbögen für die Sänger noch anstrengender machen, ihm aber gleichzeitig die Möglichkeit geben, so überraschende wie farbenreiche Tempiwechsel einzubauen und so die an sich schon klanglich bunte Partitur noch mehr auszumalen. Das Orchestra Regionale dell Emilia Romagna beherrscht diese nun auch in vollem Maße, selten habe ich das Blech in dieser Oper so ausgewoen gehört und vor allem die Harfinistin Elena Meozzi findet einen so überzeugenden Anschlag, der ihr zartes Instrument besonders im Vorspiel zum vierten Akt in ein ganz besonderes Licht rückt.

Über die stimmliche Kraft von Zoran Todorovich, der den Hagenbach singt, habe ich bereits bei der Vorstellung in Piacenza nur lobende Worte gefunden. Und auch am gestrigen Sonntag ließ sich der aus Serbien stammende Tenor nicht lumpen und warf sich überzeugend und mit Begeisterung in seine anspruchsvolle Rolle. Das dunkle, recht brustige Timbre von Saioa Hernandez war zu Beginn noch ungewohnt. Ihre Art zu singen und ihr überzeugendes Spiel haben mich aber von Takt zu Takt mehr überzeugt, so dass ich schon zum Ende des ersten Aktes ein regelrechter Fan ihrer Darstellung der Wally geworden bin. Ihr kraftvoller Sopran meistert die Rolle mit Bravour und wird in der großen Szene mit Walter im Finalakt zu einer klanglichen Einheit mit dem ebenfalls eher dunkel gefärbten Sopran von Serena Gamberoni. Die Sängerin glänzt mit wundervollen Koloraturen und macht die Hosenrolle Walter zu einem Ereignis. Claudio Sgura als verschmähter Gutsverwalter Gellner zeigt seinen eindruckvollen Bariton und überzeugt mit einer gekonnten aus Gefühl und Kraft. Mattia Dentis Pedone überzeugt von den klerineren Rollen am meisten, aber auch Carlotta Vichi als Afra und Giovanni Battista Parodi als Stomminger komplettieren das tolle Ensemble. Glänzend aufgelegt ist auch der Coro del Teatro Municipale di Piacenza.

Man hört den Sängerinnen und Sängern an, dass sich Chorleiter Corrado Casati intensiv mit den einzelnen Stimmen befasst hat, so homogen ist das klangliche Gesamtbild, dass diesen Hochgenuss krönt. Das Haus in Reggio nell’Emilia verfügt aber auch über eine ausgezeichnete Akustik, dank derer man als Zuhörer das Gefühl hat, mitten im Geschehen zu sein. Wenn dann noch eine so überzeugende Regie und talentierte und engagierte Sängerinnen und Sänger hinzu kommen, kann es ein so auf ganzer Linie überzeugender Nachmittag werden wie gestern.

Das Publikum im ausverkauften Haus ist also zu Recht begeistert. Die gelungene Inszenierung ist dem Vernehmen nach dann in der kommenden Spielzeit rechtzeitig zu Catalanis 125. Todestag in dessen Heimatstadt Lucca am Teatro del Giglio noch einmal zu erleben.

Ihr Jochen Rüth / 06.03.2017

Die Fotos stammen von Alessia Santambrogio.

 

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