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OPERA DE TOULON

www.operadetoulon.fr/

 

 

LA BELLE HELENE

in der Opéra de Toulon am 31.12.2014

Zu Silvester: Champagner, Offenbach und schöne Frauen!

Zu Silvester gehört in Frankreich nun einmal Champagner und eine Operette von Offenbach. Laut Marktstudie wird mehr als die Hälfte der Champagner-Produktion nicht exportiert, sondern durch die Franzosen selbst getrunken, vor allem an Sylvester. Und in Frankreich werden dann auch die meisten Operetten von Offenbach aufgeführt. Dieses Jahr am Sylvesterabend in Angers, Avignon, Colmar, Montpellier, Mulhouse, Nantes, Paris, Rennes, Toulon und Strassburg (die kleinsten Häuser nicht mitgezählt). Das ist deutlich weniger als früher und hat mit der heutigen Erweiterung des Repertoires zu tun. An der Pariser Oper (und auch in Rouen) spielte man nun zum Beispiel „Hänsel und Gretel“ und an der Opéra Comique (und auch in Reims und Tours) die „Fledermaus“. Doch die „Belle Hélène“ gehört fest zum französischen „Réveillon“ und war und bleibt die an Sylvester meist gespielte Oper in Frankreich.

Während man sich in Deutschland den Kopf zerbricht wie man diese Geschichte aktualisieren kann – wie gerade in Berlin und in Hamburg (durch ARTE ausgestrahlt) – spielt man sie in Frankreich ungeniert so wie zu Offenbachs Zeiten. Ein Opernhaus, das sich besonders für eine solche Aufführung eignet, ist die Oper in Toulon: 1862 eröffnet und seitdem kaum verändert. In der Mitte des Foyers thront eine Büste von Offenbach. Daneben Halévy, Gounod, Bizet, Massenet, Meyerbeer, Ambroise Thomas und einige weniger bekannte Komponisten wie Audran, Lecocq und Reyer. Wagner und Beethoven wurden später hinzugefügt und in den Bildern unter den Büsten sehen wir das Boot des „Fliegenden Holländers“ und die „Götterfunken“ der „Neunten Symphonie“. Bei den andern Komponisten erkennen wir Szenen aus „Carmen“, „Faust“ und „Mignon“, doch dann wird es schwierig.

Das ganze Opernhaus ist mit Gemälden aus dem neunzehnten Jahrhundert verziert und man kann sehr anschaulich verfolgen, wie viele einst so beliebte Werke inzwischen völlig aus den Opernspielplänen verschwunden sind. Die Operetten von Offenbach zum Glück nicht. Letztes Jahr gab es an Sylvester die „Grande Duchesse de Gerolstein“ . Die jetzige Produktion der „Belle Hélène“ wurde dann in Metz gespielt, im Jahr zuvor in Saint-Etienne. So tauschen die Provinztheater ihre Offenbachs aus und wird so inszeniert, dass es überall passt und gefällt. Der Regisseur und Choreograph Bernard Pisani bedient alle Klischees in der reisetauglichen Bühne von Eric Chevalier und den bunten Kostümen von Frédéric Pineau. Es werden vor allem Beine gezeigt: die Männer tragen Sandalen und kurze römische Röcke, die Frauen treten in griechischen Togas auf, die sie so schnell wie möglich fallen lassen. Die Lokalzeitung „Var Matin“ schrieb auf der Vorderseite: „Fahren Sie dieses Jahr an Sylvester nach Toulon, dort können Sie Karine Deshayes in der Badewanne erleben!“.

 Wegen Karine Deshayes waren auch wir angereist, denn die „Diva der Pariser Oper“ (siehe Merker-Interview VII/2014) gab ihr sehr erwartetes Rollendebüt als Hélène. Seltsamerweise wird seit einigen Jahren gerade die Rolle der „schönsten Frau der Welt“ an ältere Sängerinnen gegeben, wie Felicity Lott oder Jennifer Larmore, während die Sängerin der Uraufführung, Hortense Schneider, 1864 gerade 31 Jahre alt war. Und wie man es Seitenlang in dem Roman „Nana“ von Emile Zola nachlesen kann, beruhte ein Grossteil der Faszination, die sie auf das Publikum ausübte (273 Vorstellungen!) auf ihren „Rundungen“. Davon hat Karine Deshayes mehr als genug und sobald sie die Bühne betritt, steigt die Temperatur. Es war sicher ein guter Gedanke, um den jungen Hirten/Prinzen Pâris mit einem ebenfalls jungen Sänger zu besetzen und wir freuen uns, Cyrille Dubois, gerade dem Atelier Lyrique der Pariser Oper entstiegen, in einer so prominenten Rolle zu erleben. Doch leider fehlt ihm (noch) die Bühnenerfahrung, um Karine Deshayes das Wasser reichen zu können und erst im dritten Akt wird er ein vollwertiger Partner für sie. Der Rest der Besetzung hat Bühnenerfahrung aber leider keine Stimme (mehr). Wir haben schon viele Sänger im Rentenalter als Ménélas gehört, unvergesslich zum Beispiel Michel Sénéchal mit 76! Doch Yves Coudray kann einfach ein Drittel der Rolle nicht mehr singen und macht die seltsamsten Faxen um das zu kaschieren. Viele seiner Bühnenpartner kämpften mit ähnlichen Problemen – Offenbach ist leicht zu hören, aber deswegen nicht leicht zu singen! Hier hätte ein erfahrener Dirigent gewisse Passagen transponiert oder gestrichen, doch das fiel Nicolas Krüger nicht ein. Er hatte eine überaus sympathische Ausstrahlung und sorgte für gute Laune, aber der Chor und das Orchestre de l’Opéra de Toulon erzielten dabei keine nennenswerte Leistung.

Das Publikum hat es nicht gestört: über jeden Gag wurde ausgiebig gelacht. Die meist gelungenen lassen sich leider nicht übersetzen, denn sie haben mit den Eigenheiten der französischen Politik zu tun. Und deswegen ist die „Belle Hélène“ auch so beliebt. Seit Kaiser Napoleon III & Eugénie, Sarkozy & Carla und Hollande & Valérie hat sich in Frankreich nicht so viel geändert (der Enthüllungsroman von Valérie Trierweiler über ihr „Jahr im Elysée“ ist das zur Zeit meist verkaufte Buch in Frankreich). An Sylvester erinnern die Franzosen sich gerne daran, dass ihre Kaiser, Könige und Präsidenten auch nur Männer sind, die manchmal Probleme mit ihren schönen Frauen haben...

Waldemar Kamer 1.1.2015

Dank an unseren Kooperationspartner MERKER-online

Bilder (c) Frédéric Stéphan

 

 

 

 

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