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TRAPANI - Teatro Tonino Pardo

 

 

 

LUCIA DI LAMMERMOOR

Theatereröffnung und Premiere am 18.12.2016

Eröffnung: Der Bischof, der Bürgermeister, der Konservatoriumsleiter, der Intendant. Copyricht Trapani/ Teatro Tonino Pardo.

In von manischem Sparzwang getriebenen Zeiten wie diesen passiert es ja eher, dass Theater geschlossen werden, als dass ein neues eröffnet wird, auch und gerade im eigentlichen Heimatland der Oper, Italien.

Im westsizlianischen Trapani verhält man sich diesbezüglich dezidiert antizyklisch.

DIe immerhin 70000 Einwohner zählende Hafenstadt hatte seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs kein Theatergebäude mehr aufzuweisen. Das wunderschöne Teatro Garibaldi war in den letzten Kriegstagen zerbombt – und nie wieder aufgebaut worden. An seiner Stelle wurde schändlichsterweise eine Dependance der Banca Italia (!) errichtet. Und das Opernleben der Stadt musste bis zum heutigen Tag auf sommerliche Freiluftstagiones im, wenn auch mit majestätischen, Jahrhunderte alten Bäumen bestandenen, öffentlichen Park ausweichen.

Bis der Luglio Musicale Trapanese – die traditionsreiche EInrichtung, die diese Aufführungen seit 1946 betreut – vor zwei Jahren einen neuen jungen, dynamischen, energiegeladenen, musikalischen Direktor bekam. Dieser, Giovanni de Santis ist sein Name, verlängerte die Saison des „Luglio“ bis in den Winter hinein, begann leerstehende Kirchen und Klöster zu bespielen – und ruhte nicht, bis es in Trapani zumindest e i n funktionstüchtiges Theater mit einem Dach über dem Kopf gab.

Auf seiner Suche danach entdeckte er, dass das Trapenesische Konservatorium (eines der größten Italiens) ursprünglich auch mit einem hervorragenden Theatersaal erbaut worden war – der allerdings bis dato aus unerfindlichen, nicht nachvollziehbaren bürokratischen Gründen seit 25 Jahren noch nie benutzt wurde und daher in einem unseligen Dornröschenschlaf so vor sich hindämmerte.

De Santis zögerte nicht lange und griff mit Unterstützung des Bürgermeisters beherzt zu, Sein bewährtes Team (allen voran Nicola Auguliaro) befreite den verkommenen Ort binnen 40 Tagen von Vogeldreck, Schimmel, toten Mäusen und Katzen, malte neu aus, stellte saubere Sessel hinein, installierte Klos, verbesserte die Akustik …und und und…Und das alles für nur 40 000 €.

Ist es übertrieben, diesbezüglich von einem mittleren Wunder zu sprechen, vor allem auch deswegen, weil besagtes Theater, das mittlerweile nach dem Gründer des Konservatoriums, Maestro Tonino Pardo benannt worden war, nach diesen 40 Tagen nicht nur einfach so „nackert“ der Öffentlichkeit präsentiert wurde (was ja auch vorkommt). Sondern mit einer vollgültigen Opernaufführung – noch dazu der nicht allereinfachsten „Lucia di Lammermoor“ – feierlich eröffnet wurde ?

Das Hauptereignis bei dieser Gelegenheit war naturgemäß die überraschende Wiedergeburt dieses formschönen und modernen Theaterraums(von dessen Existenz die meisten Trapanesen bisher nicht einmal etwas geahnt hatten), aber die Opernproduktion selbst konnte sich in ihrem eigenen Recht durchaus sehen und hören lassen…

Der griechische Regisseur Vassilis Anastassiou brachte die tragische Geschichte mit wenigen, sparsamen Mitteln prägnant auf die „neue“ Bühne, und Maestro Andrea Certa sorgte für erstklassige musikalische Darbietungen. Das in letzter Minute zusammengewürfelte Festivalorchester war zwar ein gewisser Schwachpunkt, aber dafür war die Sängerriege nahezu ausnahmslos hervorragend: Gilda Fiume (Lucia), Danilo Formaggia (Edgardo), Sergio Bologna (Lord Ashton), Giovanni Furlanetto (Raimondo Bidebent), Luciana Pansa (Alisa),etc.etc.

DIe Wiedereröffnung des Teatro Tonino Pardo: ein historischer Tag, nicht nur für Trapani. Wie heißt es doch so schön: wer ein Menschenleben rettet, rettet die ganze Menschheit. Analog dazu könnte man sagen: wer eine Oper rettet, rettet die gesamte Opernliteratur…

Trapanis Nachbargemeinde Erice war einst dafür bekannt, die höchste Kirchenkonzentration in ganz Sizilien zu haben. Warum sollte Trapani, bemerkt De Santis keck, nicht die höchste Thesterkonzentration aufweisen?

Tja, warum eigentlich nicht…Weiter so !

Bilder (c) Teatro Tonino Pardo

Robert Quitta, Trapani 6.1.2017

Besonderer Dank an unsren Kooperationspartner MERKER-online (Wien)

 

 

 

 

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