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SAN MARINO

 


6. INTERNATIONALER GESANGSWETTBEWERB 'RENATA TEBALDI'

Vom 16. bis 26. September 2015 fand in der ältesten Republik der Welt (die Gründung durch ihren Namenspatron geht auf das 3. nachchristliche Jahrhundert zurück) zum sechsten Mal der Gesangswettbewerb statt, der den Namen von Renata Tebaldi trägt.

Wie kam es zu der Ausrichtung dieses Bewerbs in San Marino der 1922 in Pesaro geborenen und in Langhirano in der Provinz Parma (woher ihre Mutter stammte) begrabenen Tebaldi? Es war so, dass sie sich nach Beendigung ihrer Karriere in Mailand, wo sie ihren Hauptwohnsitz hatte, nicht mehr sehr wohl fühlte und daher immer wieder San Marino aufsuchte, wo sich auch ihr Leibarzt befand. Da sie feststellte, dass sie dort nicht als die Tebaldi, sondern schlicht als Renata behandelt wurde, was zu vielen tief empfundenen Freundschaften führte, übersiedelte sie schließlich zur Gänze in die Republik, wo sie die letzten zwei Jahre ihres Lebens verbrachte. In ihrem Testament gab sie ausdrücklich die Bewilligung zur Verwendung ihres Namens für eine zu gründende Stiftung, die sich kulturellen Aufgaben und der Förderung junger Gesangstalente widmen sollte.

So gründeten ihre engsten Freunde die Fondazione Renata Tebaldi, die unter dem Patronat der Mailänder Scala und des Teatro San Carlo in Neapel steht und finanziell auf den Beiträgen der an die Sache glaubenden Gesellschafter und verschiedener Sponsoren aufgebaut ist, zu denen auch die Regierung der 61 km² großen und rund 30.000 Einwohnern zählenden Republik gehört. Der Gesangswettbewerb findet alle zwei Jahre statt.

Heuer hatten sich rund 150 Bewerber gemeldet, von denen auf Grund eingeschickter Aufnahmen 70 zugelassen wurden. Aus den Vorrunden waren 40 junge Leute übrig geblieben, von denen schließlich 11 ihren Weg ins Finale fanden. Die unter dem Vorsitz von Staatsoperndirektor Dominique Meyer stehende Jury bestand aus dem finnischen Heldentenor Jorma Silvasti (heute Leiter des Festivals von Savonlinna), der Österreicherin Evamaria Wieser (vormalige Mitarbeiterin von Ioan Holender und derzeit u.a. künstlerische Beraterin der Lyric Opera Chicago), dem italienischen Musikologen und Journalisten Guido Barbieri und dem Dirigenten Matteo Beltrami. Während des von Beltrami im Teatro Nuovo (das als einstiges Kino mit rund 850 Plätzen großzügig mit einer Klangmuschel zur Verbesserung der Akustik ausgestattet worden war) dirigierten Schlusskonzerts am 26.9. wurden die Sieger ermittelt: Es gewann der 22 Jahre alte Tenor Bror Magnus Tödenes aus Norwegen mit seinem technisch wie expressiv ausgezeichneten Vortrag von „Kuda, kuda“ aus „Eugen Onegin“ (€ 5.000,--). Den zweiten Platz (€ 3.000) errang die italienische Sopranistin Benedetta Torre mit „Mi chiamano Mimì“, auch sie erst 21 Jahre alt. Den dritten Platz (€ 1.500,--) teilten sich die polnische Sopranistin Lucyna Jarzabek („Morrò, ma prima in grazia“ aus „Ballo in maschera“) und die gleichfalls blutjunge Italienerin Vittoriana De Amicis mit der zweiten Arie der Königin der Nacht. Auch das Niveau der anderen TeilnehmerInnen war gut, bloß war die Tendenz festzustellen, mit schönen, aber nicht allzu großen Stimmen über das Fach zu singen (so interpretierte eine Japanerin mit Cherubino-Stimme die „Favorita“ oder ein Koreaner mit einem Bariton, der gut zum Malatesta gepasst hätte, den Ford). Über den Juryentscheid herrschte auch beim Publikum Einigkeit, das in seiner eigenen Abstimmung auch für den Norweger votierte. Der junge Mann wird von Direktor Meyer einen für die Siegerstimme vorgesehenen Vertrag nach Wien erhalten.

Während auf Eruierung der Sieger gewartet wurde, gab es ein Gespräch zwischen der Moderatorin Mirella Mastronardi (der eine bessere fremdsprachliche Vorbereitung ans Herz zu legen wäre) und Elizabeth Norberg-Schulz, die schon länger mit der Fondazione Tebaldi zusammenarbeitet. Am Vorabend, dem 25.9., waren im rund 280 Plätze umfassenden Teatro Titano (19. Jahrhundert) die Schüler ihrer Meisterklasse vorgestellt worden, was angesichts der gebotenen Leistungen eine herbe Enttäuschung war. Die Stimmung besserte sich am Schluss, als der Tenor Hakon Kornstad am Saxophon mit dem Pianisten Salvatore Scinaldi improvisierte und dabei nachwies, dass er auf dem instrumentalen Gebiet wesentlich mehr Talent hat denn auf dem vokalen.

In der Woche vor diesen Veranstaltungen hatte im Teatro Titano der Stimmenbewerb für Interpreten von Barock und Alter Musik unter dem Vorsitz von Sebastian F. Schwarz vom Theater an der Wien stattgefunden. Hier siegte die Sopranistin Lucia Martin-Cantòn aus dem spanischen Valencia. Eva Pleus 30.9.l15

Eva Pleus 1.10.15

Bilder: Fondazione Renata Tebaldi

 

 

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