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 COESFELD

 

 

 

 

 

 

TRISTAN UND ISOLDE

Aufführung am 2. Februar 2014

Gastspiel des Staatstheaters Oldenburg

Ungefähr 40 km westlich von Münster liegt die kleine Kreisstadt Coesfeld (ausgesprochen Koosfeld – norddeutsches Dehnungs-e!) Seinen Sitz hat dort das weithin - sogar bis nach Wien - bekannte Textileinzelhandelsunternehmen „Ernsting`s family“ Zusammen mit seiner Frau Lilly gründete der 2011 verstorbene Gründer und Eigentümer Kurt Ernsting die Stiftung „Alter Hof Herding“, die der Stadt Coesfeld ein Theater schenkte, das vielseitig für Schauspiel, Konzerte und Oper, aber auch Unterhaltung, Kinder- und Jugendtheater genutzt werden kann, deshalb der Name konzert theater. Zusätzlich garantiert die Stiftung den Spielbetrieb – ein privates Engagement, das nicht genug bewundert werden kann!.

Ein eigenes Ensemble existiert natürlich nicht, neben Auftritten lokaler Gruppen erfolgt die Bespielung durch Gastspiele. Ein sehr ehrgeiziges Projekt in diesem Zusammenhang war die Aufführung von „Tristan und Isolde“ von Richard Wagner am vergangenen Sonntag durch das Staatstheater Oldenburg, wo die Premiere als Beitrag zum Wagner-Jahr am 5. Oktober 2013 stattgefunden hatte.

Für Besucher, die nicht aus benachbarten Großstädten anreisten oder keine Erfahrung mit modernen Operninszenierungen hatten, war es schwierig nachzuvollziehen, daß statt der in der Inhaltsangabe angegebenen Schauplätze – Schiff, Garten und Burghof mit Seeblick – sie alle drei Akte hindurch einen grauen Kasten als Einheitsbühnenbild sehen mußten.

Inszenierung und Bühnenbild Alexander Müller-Elmau. In diesem standen im I. Aufzug mehrere Sanatoriumsbetten, in einem hielt sich Isolde auf, unter einem anderen kroch Kurwenal hervor, auch Morolds Schwert befand sich in einem solchen. Als Opernfreund fragt man sich, welche Oper wohl nicht in ein Sanatorium o.ä. hineininszeniert werden kann, vielleicht soll ja angedeutet werden, daß überhaupt Opernfans ein wenig anormal sind.

Auch in der recht sparsamen Personenführung blieb mancher Einfall wenig verständlich, etwa, als der Todestrank nicht den erwarteten Erfolg hatte, dies Tristan und Isolde zu ausgelassenen Lachanfällen reizte. Im zweiten Akt gab es dann nur den nackten Bühnenboden, auf dem Tristan und Isolde in keuschem weitem Abstand voneinander das vielleicht wildeste Liebesduett der Opernliteratur singen mußten, allerdings fügten sie sich bei „So stürben wir“ mit sinnvollerweise bereitliegenden Messern Verletzungen zu. Im dritten Akt mußte Tristan denn auch wenig bequem auf dem Holzboden seine Fieberphantasien aussingen.

Die Kostüme von Werner Fritz waren auch nicht vorteilhaft, Kurwenal mit hampelmannhaftem Hut, bei erotischen Stellen entledigten sich Tristan und Isolde einzelner Oberteile, zum Schluß traten Melot und Brangäne passend zum Beginn in weisser Anstaltskleidung auf. Der Hirt im III. Aufzug war bocksartig kostümiert und kroch den ganzen Akt entsprechend auf der Bühne herum. Unklar blieb, wieso Hunde in jedem Aufzug einmal über die Bühne liefen oder wieso Marke im II. Aufzug direkt von der Jagd kommend eine Krone trug, die sich dann Melot aneignete. Passend war die Idee, daß am Ende des II. Aufzuges Tristan geblendet wurde, sodaß im III. Aufzug als Blinder seine häufigen Fragen nach dem Aufenthaltsort und der berühmte Ausspruch „Hör ich das Licht“ einen unerwarteten Sinn bekamen.

Musikalisch war die Aufführung von hohem Niveau. Das galt vor allem für den Tristan von Christian Voigt. Mit seinem etwas baritonal timbrierten Tenor war er weitgehendst textverständlich und gestaltete doch schöne Legatobögen (etwa„Dem Land das Tristan meint“ oder ganz großartig im III. Aufzug „Isolde wie schön bist Du“) Auch die verzweifelten Ausbrüche in den Fieberphantasien des III. Aufzuges ( etwa „Verflucht sei furchtbarer Trank“) meisterte er grandios, ohne daß ihm auch bei Spitzentönen die Anstrengung allzu sehr anzuhören war. 

Für die Isolde verfügte Melanie Maennl über die passende hochdramatische Stimmgewalt, was besonders im I. Aufzug, den Isolde stimmlich und szenisch beherrscht, grossen Eindruck hinterliess. Im weiteren Verlauf forcierte sie ihre Spitzentöne ein wenig, hatte aber bei innigen p-Stellen kaum Schwierigkeiten, insgesamt eine respektable Leistung, obwohl sie wenig textverständlich sang.

Ganz im Gegensatz dazu war Linda Sommerhage als Brangäne sehr textverständlich und sang mit ausdrucksvoller Mezzo-Stimme –   ganz verschieden im Timbre vom Sopran der Isolde, wie es sein soll. Leider kamen ihre „Habt-Acht“ - Rufe im II. Aufzug zu sehr aus dem Hintergrund – das war wohl in Oldenburg anders – sodaß man sie nicht ausreichend hören konnte.

Benjamin LeClair als König Marke ließ sich als stark erkältet ansagen, der Zuhörer fieberte fast mit, ob er zumindest markierend die Partie überstand, was er dank guter Technik auch schaffte. Der Kurwenal von Peter Felix Bauer beeindruckte trotz etwas rauem Bariton besonders im III. Aufzug mit an Tristans Unglück anteilnehmendem Gesang und Spiel. Ziad Nehme sang mit hellem Tenor ausser dem Hirten auch die Stimme des jungen Seemanns. Paul Brady als Melot und Alwin Kölblinger ergänzten das Ensemble. 

Herren- und Herrenextrachor des Oldenburgischen Staatstheaters sangen in der Einstudierung von Thomas Bönisch exakt die kurzen Choreinwürfe im I. Aufzug.

Anstelle von GMD Roger Epple hatte sein Stellvertreter Robin Davis die musikalische Leitung des Oldenburgischen Staatsorchesters übernommen. - der ausgebildete Pianist war vor gar nicht langer Zeit noch Solorepetitor in Dortmund. Er hatte das musikalische Geschehen gut im Griff, legte teils schnelles, rauschhaftes Tempo vor, gab aber dem Orchester, wo notwendig, Zeit, die harmonischen und melodischen Feinheiten der Partitur zum Klingen zu bringen. Bei der ausgezeichneten Akustik des konzert theaters machte somit das Hörerlebnis der genialen Instrumentation intellektuelle Freude, was teils zu Lasten der Sängerinnen und Sänger ging. Sehr passend war in diesem Zusammenhang, daß im Programmheft die Namen wichtiger Solisten genannt wurden, vor allem natürlich Jan Bergström mit dem ausdrucksvollen Englisch-Horn, aber auch Josef Muhr mit der im „Tristan“ so wunderbar verwendeten Baßklarinette und die Spieler der Holztrompete. Die Solos von erster Geige und erster Bratsche hätten auch erwähnt werden müssen.

Im zunächst fast vollbesetzten Haus klafften nach erstem und zweiten Akt einige Lücken, insgesamt war das Coesfelder Publikum aber aufmerksam bei der von Wagner trotz wenig Aktion genannten „Handlung“ . Die für diese Theaterbesucher ungewohnt lange Aufführungsdauer hinderte nicht, hinterher reichlich und bis zum Fallen des eisernen Vorhangs andauernden Applaus zu spenden, auch mit Bravos vor allem für Tristan und Brangäne. Beim Verlassen des Theaters hörte ich eine Gruppe (älterer) Besucher sich gegenseitig bestätigen „Es hat sich doch gelohnt“ - was will man mehr!

Sigi Brockmann 4. Februar 2014

Fotos Andreas J. Etter der Aufführung am Oldenburgischen Staatstheater

 

nächste Musiktheater-Aufführungen sind am 31. März 2014 vom Landestheater Detmold „West Side Story“, am 28. Mai „L'elisir d'amore“ vom Theater Osnabrück und am 13. Juni die Operette „Feuerwerk“ vom Theater Hagen – über alle hat www.deropernfreund.de bereits berichtet 

 

 

 

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