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www.theaterschweinfurt.de/

 

GRÄFIN MARITZA

Aufführung im Theater der Stadt Schweinfurt 25.04.2017         

Premiere in Meiningen 24.06.2016

Das Südthüringische Staatstheater Meiningen reißt mit flottem Auftritt die Schweinfurter mit

Am heutigen Nachmittag hat der rührige Theaterdirektor Christian Kreppel erneut ein gutes Händchen gehabt. Mit der „Gräfin Mariza“ holt er ein Erfolgsstück von einer der renommiertesten Bühnen, nämlich Meiningen nach Schweinfurt. Das Südthüringische Staatstheater, in einer Kleinstadt beheimatet, ist seit vielen Jahren Garant für exzellente Aufführungen und für hervorragende Künstler.

Die Geschichte der Gräfin Mariza ist schnell erzählt. Die äußerst wohlhabende Mariza, holt sich, ohne zu wissen, wer er ist, den verarmten Graf Tassilo als Verwalter. Um sich vor aufdringlichen Verehrern zu schützen, erfindet sie einen Verlobten namens Kolomán Zsupán (aus der Operette „Der Zigeunerbaron“). Dieser, der einzig verbliebene aus seinem Geschlecht, erscheint nun bei ihr und das Verwirrspiel beginnt. Tassilo, der mit seiner Arbeit für seine Schwester Lisa die Mitgift erwirtschaften will, denn diese weiß nichts von der Verarmung Ihrer Familie verliebt sich unsterblich in Mariza. Nach einigem Hin und Her bekommt Mariza, die sich ebenfalls in ihren Verwalter verliebt hat, ihren nunmehr wieder reichen Tassilo, seine Tante Fürstin Bozena hatte alles wieder auf die Reihe gebracht und Kolomán Zsupán wird mit Lisa, der Schwester Tassilos glücklich. Dies alles ist eingebettet in die wunderbare feurige, mitreißende und spritzige Musik von Emmerich Kálmán, deren Uraufführung im Jahr 1924 war und die bis heute nichts von ihrem Zauber verloren hat.

Die Inszenierung von Wolfgang Dosch ist äußert „operettendienlich“, er weiß, was er inszeniert. Er ist nicht nur ein leidenschaftlicher Bewunderer und Kenner der Operette, nein, als langjähriger Sänger und auch Schauspieler, weiß er genau, wo der Schuh drückt, wo er etwas mehr Tempo geben muss und wo er es herausnehmen kann. Man merkt ihm bei jedem Detail die Liebe zur Operette an und das vermittelt sich auch in den Zuschauerraum. Auf der Bühne selbst sind verschiedene verzierte Bilderrahmen aufgebaut, in welchen sich ein Großteil des Geschehens abspielt. Dieses, ja sagen wir ruhig einmal verspieltes und gleichzeitig stimmiges Bühnenbild ist von Helge Ullmann gezaubert worden und regt auch die Phantasie der Zuhörer und Zuschauer an. Da passen sich die prächtigen farbigen und der damaligen Zeit entsprechenden Kostüme von Annette Mey an und nahtlos ein. Man schaut dem Geschehen auf der Bühne gerne zu und fühlt sich in die Puszta versetzt. Alles ist mit viel Humor versetzt, nur im 3. Akt gibt man dem Pferd etwas zu viel Zucker. Das Geplänkel zwischen Fürstin Bozena (gut verkörpert von Sylvia Hofmann) und ihrem Diener Penizek (der humorvoll von Lars Kretzer dargestellt wird) ist zu ausgedehnt, mitunter etwas zu albern, auf jeden Fall zu lang und unterbricht den Fluss der Operette doch schon etwas sehr. Hier wäre weniger mehr gewesen, aber dem Publikum gefällt es, sie nehmen jeden Gag auf und saugen ihn wie ein Schwamm ein.

Am Pult der wie immer ausgezeichneten Meininger Hofkapelle steht an diesem Nachmittag Mario Hartmuth. Er bringt das sehr gut aufgelegt Orchester zur Höchstleistung. Und auch hier merkt man wieder, wie sehr die Musiker mitgehen, wie sie selbst mit dem Stück leben. Und Mario Hartmuth hat alles im Griff. Er lässt das Orchester feurig aufspielen und nimmt es aber auch ganz sängerdienlich zurück. Mit straffer Hand, schwungvoll und voller Elan lässt er es aufblühen und reißt damit das Publikum mit. Alles würde aber nicht so ineinandergreifen, wenn nicht auch die Gesangssolisten Ihren Teil dazu beitragen würden. Und das ist an diesem Nachmittag – wie von Meiningen gewohnt – wieder ein weiterer Aktivposten der Aufführung.

Bild 2 : Carolina Krogius, Ballett Eisenach, Johannes Hupach (Geiger) 

Als Mariza ist am heutigen Nachmittag die aus Garmisch-Partenkirchen stammende Sonja Freitag dabei. Und sie ist eine hervorragende Mariza. Ihr beweglicher warmer Sopran blüht richtig auf, die Höhen bereiten ihr keinerlei Schwierigkeiten und auch vom darstellerischen kann sie punkten. Man kann verstehen, warum sich Graf Tassilo in diese Gräfin verliebt, nein verlieben muss. Ondrej Saling, ein junger aus der Slowakei stammende Tenor macht eine sehr gute Figur. Am Anfang noch etwas zurückhaltend, steigert er sich ständig. Sein klarer hoher und präzise geführter Tenor beeindruckt und sicher wird man von ihm noch mehr hören. Ich habe ihn an diesem Nachmittag zum ersten Mal gehört und es macht richtig Spaß ihm in den Soli, aber auch in den Duetten zuzuhören. Seine Schwester Lisa wird am heutigen Nachmittag von Monika Reinhard gegeben. Ein schöner weicher, gut geführter Sopran, der auch in den Duetten gut zum Ausdruck kommt. Heute ist sie mir jedoch etwas zu zurückhaltend, die Leidenschaft, das Feuer fehlt ein ganz kleines bisschen, ich habe sie von anderen Auftritten wesentlich überzeugender im Ohr. Aber vielleicht lag auch eine kleine Indisposition vor, bei diesem herrlichen Frühlingswetter wahrlich keine Ausnahme. Als Baron Kolemán Zsupán glänzt, der in Meiningen leider überwiegend in recht kleinen Rollen eingesetzte polnische Tenor Stan Meus, der einen Buffo par excellence auf die Bretter, die die Welt bedeuten, hinlegt. Mit beweglichem sicherem und klarem Tenor gestaltet er die Rolle auch durch eine überzeugende Darstellung. Eine sehr schöne Leistung und gerne möchte man ihn in weiteren größeren Rollen erleben. Als die junge Zigeunerin Manja ist Carolina Krogius zu erleben und dies im wahrsten Sinne des Wortes. Die in Finnland geborene Mezzosopranistin gestaltet die etwas kleinere Rolle mit einem hellen und abwechslungsreichen Mezzo. Klar, lyrisch und durchdringend kommt auch ein feines Spiel dazu. Die Musikalität ist in jedem kleinen Finger von ihr zu spüren.

Als Fürst Popelescu kann Thomas Lüllig doch einiges aus seiner kleinen Rolle herausholen. Sich gut ins Ensemble einfügend und keinerlei Ausfall darstellend sind noch Steffen Körner als Karl Stefan Liebenberg, Kati Rücker als Ilka und Ernst Volker Schwarz als Tschekko zu nennen. Besonders erwähnt sei jedoch noch der junge Geigenspieler Johannes Hupach, der auf die Bühne ungarische Leidenschaft brachte und starken Applaus erhielt. Ein schöner Nachmittag, der dem Publikum, am starken Beifall abgelesen, sehr gut gefallen hat und für einige Stunden alle Alltagssorgen vergessen ließ. Und was soll Operette sonst bringen, sie soll erfreuen, begeistern und alle Sorgen, wenigstens für die Dauer des Nachmittags vergessen lassen. Freuen wir uns auf weitere Schmankerln, die noch auf uns zukommen.

Manfred Drescher, 03.05.2017  

Fotos foto-ed, Meiningen

 

DER VETTER AUS DINGSDA

Operette funktioniert auch ohne großes Orchester

Aufführung im Theater der Stadt Schweinfurt 31.03.2017      

Premiere in Hof 05.11.2016

Das Theater Hof bringt den „Vetter aus Dingsda“ nach Schweinfurt und sorgt für überwiegend zufriedene Gesichter

Wieder einmal ist das Theater Hof im Theater Schweinfurt zu Gast und sorgt für einen fröhlichen Nachmittag und viele zufriedene Gesichter beim Nachhause gehen.

Die Geschichte, oder wollen wir lieber sagen das Märchen von der endlos liebenden Julia, die ganz fest daran glaubt, dass ihr Roderich, der ihr Treue fürs Leben geschworen hat, bevor er nach Dingsda, sprich Batavia aufgebrochen ist, zu ihr zurückkommt und man gemeinsam durchs Leben geht, ist halt auch gar so schön. Julia, die bei ihren ungeliebten Verwandten, Onkel und Tante aufwächst, verzehrt sich seit sieben Jahren nach ihrem Roderich und die einzige Verbindung, die sie zu ihm hat, ist der Mond, zu dem sie jeden Abend aufschaut, so wie man es sich versprochen hat. Ihre Freundin Hannchen steht ihr die ganzen Jahre treu zur Seite. Und dann erscheint er, der ferngeglaubte Roderich, der in Wahrheit ein gewisser August Kuhbrot ist, der die Situation erkennt und sie ausnutzt, vor allem, weil er sich unsterblich in Julia verliebt hat. Diese ist überglücklich. Dann jedoch wird das Glück von Egon von Wildenhagen, einem hoffnungslosen Verehrer Julias abrupt zerstört. Er kann ihr beweisen, dass ihr Roderich gar nicht ihr Roderich sein kann. Und obwohl sie ihn liebt, stößt sie den nunmehr Fremden fort, denn er ist ja nicht ihr ferner Geliebter. Dieser, nämlich der richtige Roderich, taucht nun auch auf, verliebt sich in Hannchen und ist total erstaunt, dass Julia so lange sich in Liebe verzehrend an ihn gedacht hat, denn für ihn war es eine Liebesspielerei, er hat sie längst vergessen. Er gibt sich als Roderich zu erkennen und nun erst merkt Julia, dass man mit dem Herzen lieben muss und nicht über den Mond. Sie sinkt ihrem Roderich, halt nein, August natürlich in die Arme und Roderich wird glücklich mit Hannchen. Und alle sind zufrieden - hoffen wir wenigstens.

Stefanie Rhaue – Marianne Lang - Benjamin Popson – James Tolksdorf (die zwei Vordergrund nicht gesungen)

Die Inszenierung von Holger Seitz bringt den märchenhaften Charakter der Handlung auf den Punkt. Viel Humor, manchmal sogar ein bisschen zu dick aufgetragen, und eine märchenhafte Handlung. Er führt die Rolle der Erzählerin ein, die Gute muss auch beide Diener spielen, und er kann hier auf ein Urgestein aus Hof zurückgreifen, die sich nach über 35 Jahren mit dieser zauberhaften Rolle von ihrem Theater verabschiedet, der in Bad Tölz geborenen Schauspielerin und Sängerin Marianne Lang. Sie ist immer als ein kleiner Kobold im Zentrum des Geschehens, verknüpft die Handlungsstränge miteinander, erläutert, wo es notwendig ist, führt, wo es erforderlich ist, ist immer präsent und gibt dem Ganzen eine außergewöhnliche Note. Man kann über diesen Kunstgriff verschiedener Meinung sein, auf jeden Fall ist sie ein belebender zentraler Teil im Zentrum des Geschehens. Die herrlich bunten, teilweise überdrehten und immer grell plakativen Kostüme von Ursula Gaisböck tragen einen weiteren Baustein zum Gelingen der Operette bei. Die Bühne selbst ist eigentlich sehr einfach, fast spartanisch ausgestattet. Verschiebbare Holzteile, Würfel, die man beliebig anordnen kann, geben das Geschehen dennoch gut wieder. Im hinteren Teil der Bühne, durch einen Vorhang abgetrennt spielen die Hofer Symphoniker oder das, was bei dieser Aufführung von Ihnen übriggeblieben ist. Ein Salonorchester, welches in kleiner Besetzung dennoch Großes zu leisten imstande ist. Das Dirigat hat an diesem Nachmittag Roland Vieweg und er macht einiges aus den im Verhältnis wenigen Musikern. Er führt sein Kammerorchester mit straffer Hand, schwungvoll, voller Elan, lässt es aufblühen und sich zum größten Teil auch sängerdienlich zurücknehmen, wenn es erforderlich ist. Fast vermisst man die rauschenden Wogen des normalen Symphonieorchesters nicht, oder nur wenig. Alles ist etwas überspitzt, die Bühne, die Kostüme, die Darstellungen. Alles auf einer bunten und spitzigen Fahrt durch die Landschaft des Vetters. Manchmal etwas überzeichnet, aber es passt und der Großteil des Publikums wird zu wahren Beifallsstürmen hingerissen. Ein paar ganz wenige haben in der Pause das Theater verlassen, ihnen ist es wohl etwas zu überzeichnet. Dies macht der guten Stimmung aber keinen Abbruch. Und zu dieser guten Stimmung tragen natürlich vor allem auch die Sängerdarsteller bei. Und da hat Hof an diesem Nachmittag einiges zu bieten.

Marianne Lang – nicht gesungen – nicht gesungen – Benjamin Popson

An erster Stelle zu nennen ist der junge amerikanische Tenor Benjamin Popson aus Port Clinton, Ohio, der als „erster Fremder“ August Kuhbrot, der den vermeintlichen Roderich gibt, eine gute Figur machen kann. Sein junges, unbekümmertes Spiel nimmt für ihn ein, sein geschmeidiger, warmer, lyrischer, zuweilen auch kraftvoller Tenor kann gefallen. Die Spitzentöne vermeidet er noch etwas, kann aber mit warmer fließender Stimme nicht nur seine Julia beeindrucken, sondern auch den größten Teil der anwesenden Damen im Publikum. Der arme Wandergesell erobert die Herzen der Damen im Nu und ist auf jeden Fall ein Glücksgriff für Hof, von dem und dessen Entwicklung man noch einiges erwarten kann. Ihm zur Seite die junge Rebekka Reister, die als Julia nicht nur den Mond besingt, sondern auch ihr Publikum bezaubert. Sie hat einen beweglichen, sehr schlanken und ausdruckstarken Sopran, der in jeder Lage zu leuchten und strahlen in der Lage ist. Sie kann nicht nur in ihren Soli punkten sondern auch in den Duetten mit Benjamin Popson. Mit vollem sonoren ausdrucksstarken, wuchtigen und kräftigen Bariton kann James Tolksdorf als Josef Kuhbrot, dem Vormund von Julia voll überzeugen, auch darstellerisch ist er ein eindrucksvoller Vormund. Als seine Frau Wilhelmine, genannt Wimpel, macht die Mezzosopranistin Stefanie Rhaue eine gute Figur. Präzise und stimmlich überzeugend verkörpert sie die Gattin des Vormunds. Ihr Kostüm ist vielleicht ein bisschen überzeichnet, aber das stört im Publikum niemanden. Karsten Jesgarz gibt den verliebten Intriganten Egon von Wildenhagen, er tut dies mit viel Einsatz, sowohl stimmlich als auch darstellerisch und kann seinen gepflegten Tenor gut zur Geltung bringen.

Stefanie Rhaue – nicht gesungen – Marianne Lang – James Tolksdorf

Als Hannchen muss Patrizia Margagliotta kurzfristig für die erkrankte Julia Spaeth einspringen. Sie stößt erst einen Tag vor der Aufführung zum Ensemble. Unter diesen Umständen, kann man der in Hilden geborenen Sopranistin nur gratulieren. Sie hat es geschafft, sich in kürzester Zeit in die Rolle zu singen. Darstellerisch mit viel Einsatz, sehr intensiv und charmant, nimmt sie für sich ein. Leider kommt sie mit ihrem warmen, aber nicht so durchschlagskräftigen Sopran nicht so über die Rampe. Dennoch eine – unter diesen Umständen – ausgezeichnete Leistung. Dem Einspringen ist dann wohl auch das wunderschöne Duett „Ach heil´ger Nikolaus“ zwischen dem zweiten Fremden und Hannchen zum Opfer gefallen. Dies ist umso bedauerlicher, weil der zweite Fremde von Tenor Thilo Andersson dargestellt wird. Dieser hat deshalb an diesem Nachmittag nur eine Sprechrolle, und dies finde ich deshalb so bedauerlich, weil ich Thilo Andersson in der Vergangenheit als exzellenten Sänger zu schätzen gelernt habe. Das Publikum jedenfalls ist zufrieden, langanhaltender warmer Applaus und fröhliche Gesichter beim Verlassen des Theaters zeigen, dass dieser Nachmittag eines auf jeden Fall gebracht hat, nämlich pure Unterhaltung. Und was will man mehr.

Manfred Drescher, 08.04.2017  

Fotos Harald Dietz Fotografie, Hof

 

CHARLYS TANTE

Auch eine „moderne“ Operette kann entzücken

Aufführung im Theater der Stadt Schweinfurt am 26.02.2017      

Premiere in München 09.01.2014

Die Kammeroper München bringt ein weltberühmtes Lustspiel als Neuoperette nach Schweinfurt und kann alle Vorurteile beseitigen

Fast hätte es bei uns einen Ehestreit gegeben, weil ich mich weigern wollte, die 100 km ins Theater der Stadt Schweinfurt zu fahren um dort die Operette „Charleys Tante“ anzuschauen und anzuhören. Ja, Sie haben richtig gelesen, die Operette. Das war es ja. Vor meinen Augen sah ich den exzellenten Film mit Heinz Rühmann als wunderbare Charleys Tante und den nicht minder guten Peter Alexander in einer weiteren Verfilmung. Diese Filme und damit das Lustspiel waren für mich nicht zu toppen und ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, dies als Operette zu sehen, in keinem Fall jedoch als gute Operette. Wenn ich voreingenommen bin, dann schon richtig und wenn meine Frau nicht so energisch auf der Fahrt bestanden hätte, wäre ich wohl nie in den Genuss eines außergewöhnlichen Nachmittags gekommen. Gut, die Operette wurde an diesem Nachmittag nicht neu erfunden, aber eine tolle Inszenierung mit eingängigen und richtig schön altoperettischen Melodien gaben meiner Frau (wieder einmal) Recht und mir blieb wieder etwas Zeit zu überlegen, ob man nicht sich doch erst vergewissern sollte, bevor man etwas vehement ablehnt.

Der Klassiker des Lustspiels wurde vom Engländer Brandon Thomas geschrieben, der von 1850 bis 1914 lebte und mit der Musik versehen, des für mich völlig unbekannten Komponisten Ernst Fischer, der von 1900 bis 1975 lebte und total vergessen worden war bzw. man hatte ihn eigentlich gar nicht groß zur Kenntnis genommen. Die Unterhaltungsmusik von Fischer, die dieser für Orchester komponiert hatte, wird von Dominik Wilgenbus mit Gesangstexten unterlegt und das ganze so geschickt arrangiert, dass es einfach Spaß macht, nicht nur zuzusehen sondern vor allem auch zuzuhören. Gut, einen richtigen ins Ohr gehenden Operettenschlager wie bei Strauss und Lehár gibt es hier nicht, aber alles ist mehr als gefällig, eingehend, teilweise mitreißend und wunderbar eindrucksvoll gesungen und gespielt. Man merkt die ganze Zeit über, wieviel Spaß es allen Beteiligten macht hier mitzuwirken. Dominik Wilgenbus ist nicht genug für diese Arbeit zu danken, denn er führt nicht nur die Regie (hatte in den ersten Aufführungen auch mitgespielt und gesungen), er übersetzt auch, arrangiert alles und ist eigentlich der Hauptinitiator im gesamten Ensemble, ohne dies herabwürdigen zu wollen. Ohne ihn hätte es diese „Neuoperette“ nie gegeben und er hat sie auch zu diesem für mich eigentlich sensationellen Erfolg geführt. Das Publikum sieht es genauso und applaudiert stürmisch, lacht befreit und geht durchwegs glücklich aus der Vorstellung heraus. Ja, sie hat einfach Spaß gemacht – und das ist mehr, als man von manchen anderen Operettenaufführung heutzutage sagen kann.

Hervorzuheben ist auch noch Alexander Krampe, der für die Bearbeitung und die Arrangements verantwortlich zeichnet. Einfühlsam, behutsam und einfach stimmig hat er die Musik von Fischer für das doch relativ kleine Orchester bearbeitet und arrangiert. Und noch mehr kommt dazu, ein wunderschönes informatives und ausführliches Programmheft, mit viel Gefühl und Stil von Nerina Wilter gestaltet und ein zweites Heft, welches die kompletten Texte der Operette enthält, so etwas findet man nicht oft, wenn ich ehrlich bin, habe ich dies in dieser Form noch nie gefunden. Herrlich stimmige Kostüme von Uschi Haug, ein einfaches aber desto mehr beeindruckendes Bühnenbild, zum großen Teil aus Buchrücken zusammengesetzt von Peter Engels, welches davon zeugt, dass Einfachheit auch wunderschön sein kann. Dazu eine Choreografie, für die Bettina Fritsche verantwortlich zeigt und die einfach gekonnt ist und wo bei allen der Funke überspringt, einfach weil hier ein Team am Werk ist, dass den Namen Team auch zu recht trägt.

Die musikalische Leitung liegt in den Händen von Nabil Shehata und er lässt sein kleines Orchester strahlen und leuchten. Man merkt ihm die Leidenschaft an, diese Musik dem Publikum näher zu bringen. Er lässt das gut aufgelegte Orchester der Kammeroper München funkeln und sprühen und nimmt es zurück, wo es sängerdienlich erforderlich ist. Die Lachmuskeln werden durch das Erfolgsstück gereizt, die Ohren durch die Sänger verwöhnt und das ganze durch den Klangteppich des Orchesters geadelt. Keine Sekunde habe ich bereut, den Weg nach Schweinfurt auf mich genommen zu haben.

Und dann ein Schreck, noch vor dem Beginn der Aufführung. Von der Bühne aus wird angekündigt, dass gerade einer der Hauptdarsteller, der Darsteller von Charleys Tante, Lord Fancourt Babberley kurzfristig erkrankt ist und mit vielen Medikamenten versehen wird. Er hat sich aber bereit erklärt, die Partie zu singen, da kein Ersatz vorhanden ist. Und eben dieser Maximilian Nowka singt und spielt die Rolle so begeisternd, dass man von seiner Erkrankung überhaupt nichts merkt. Er schont sich nicht im Geringsten und bringt eine außergewöhnliche Leistung als Mann in Frauenkleidern auf die Bühne. Sein klarer und frischer Tenor wirkt in keinem Moment angestrengt oder angegriffen und sein superbes Spiel, bringt das Publikum mehr als einmal zum befreiten Lachen. Bemerkenswert ist auch, dass er Abstand davon nimmt, dem Pferd zu viel Zucker zu geben, er übertreibt also den Humor in keinem Bereich und ist auch zu nachdenklich anregenden Szenen bereit. Eine ausgezeichnete Leistung. Ebenso wie die des jungen lyrischen Tenors Semjon Bulinsky als Charles Wykeham. Er spricht mit seinem hellen, beweglichen lyrischen Tenor die Zuschauer an und auch bei ihm ist eine große Spielfreude zu erkennen. Anne-Katrin Steffens als seine Liebste, hat einen klaren voluminösen durchschlagenden stimmschönen weichen Sopran, den sie gekonnt einsetzt und besitzt vor allem eine natürliche Spielbegabung, auch ihr merkt man in jeder Sekunde an, wie sehr sie bereit ist, alles auszuschöpfen um das Publikum zu unterhalten. Und wenn das Publikum, wie an diesem Nachmittag, begeistert mitgeht, dann ist das auch der schönste Lohn für die Künstler, bei denen alle ihr Herzblut einsetzen um diese Operettenlustspielität auf die Bretter, die die Welt bedeuten, zu bringen. Mit kräftigem klangschönem Bass gibt Burkhard Kosche einen überzeugenden Brassett und der junge Leipziger Bariton Torsten Frisch weiß mit vollmundigem rundem kräftigem klarem und stimmschönem Bariton in der Rolle des Colonel Sir Francis Chesney zu überzeugen. Maximilian Kiener als Lord Stephen Spettigue und Theresa Pilsl als Ela Delahay ergänzen das Ensemble eindrucksvoll und ohne Fehl und Tadel. Bleibt noch die aus der Soko Fernsehreihe bekannte Schauspielerin Katharina Blaschke als resolute Donna Lucia d´Alvadorez, die richtige und echte Tante von Charly. Sie überzeugt in erster Linie mit einem ausgezeichneten differenziertem Spiel und kann auch gesanglich einige Glanzpunkte setzten.

Insgesamt eine moderne schwungvolle und überzeugende Aufführung des altbekannten Lustspiels. Meine Befürchtungen, dass man dies nicht als Operette aufführen kann, vollkommen weggeblasen. Eine wunderschöne und begeisternde Aufführung, die auch vom musikalischen Teil voll zufrieden stellen kann und noch etwas darüber hinaus. Bei Nachhausgehen nur fröhliche und heitere Gesichter – und das soll Theater bewirken. Der Reiz der Bühne ist es, den Besucher für einige Stunden weg zu bringen vom Alltag. Und das ist der jungen Truppe der Kammeroper München mehr als gelungen und es ist zu hoffen, dass wir sie noch öfter zu sehen bekommen.

Manfred Drescher, 11.03.2017  

Fotos 1 und 2 (c) Sabina Tuscany, München, / Bild 3 Der Opernfreund

 

DIE CSARDASFÜRSTIN

reißt das Schweinfurter Publikum mit

Aufführung der Operettenbühne Wien in Schweinfurt

Besuchte Vorstellung: 11. Januar 2017

Theaterdirektor Kreppel gratuliert Heinz Hellberg zum 20jährigen Jubiläum

Nach den letzten Applauswogen, die Heinz Hellberg mit seiner Operettenbühne Wien für 20jährige Treue zum Theater Schweinfurt und für eine überaus gelungenen Vorstellung danken, springt der Schweinfurter Theaterdirektor Christian Kreppel auf die Bühne und gratuliert Heinz Hellberg für sein Jubiläum, 20 Jahre Operettenbühne Wien. Und er verspricht dem Maestro, dass er ihn noch oft verpflichten wird und die beiden ausverkauften Nachmittagsvorstellungen geben ihm Recht. Fast nicht endend wollender Applaus am Ende eines beschwingten, heiteren und erfrischenden Nachmittags. Doch nun der Reihe nach.

Die Operettenbühne Wien kommt mit der „Csárdásfürstin“ nach Schweinfurt, und wer kennt die Geschichte des Sohnes des Fürsten von und zu Lippert-Weylersheim nicht, der sich unsterblich in die reizende Chansonette Sylva Varescu verliebt. Nachdem diese auf eine Tournee gehen will, zwingt er sie mit seinem schriftlichen Heiratsversprechen zum Bleiben. Ihm ist die höfische Etikette egal, er liebt Sylva trotz aller Widerstände. Seine Eltern haben aber schon Verlobungskarten mit Komtesse Stasi gedruckt, die ihm seit Kindheit versprochen ist. Diese Karte kommt Sylva in die Hände und sie fährt überstürzt und total enttäuscht auf die Tournee. Wenige Tage vor Ablauf der schriftlichen Heiratsfrist erscheint sie bei Edwin Roland, dem Sohn des Fürsten und gibt sich als Frau seines Freundes Graf Boni aus. Edwin, der sich schon in sein Schicksal mit Komtesse Stasi abgefunden hat, glaubt nun, seine nach wie vor Geliebte als dann geschiedene Gräfin heiraten und seiner Familie vorstellen zu können. Nachdem sich Boni in Stasi verliebt hat, scheint alles einfach. Doch dann gibt sich Sylva als Chansonette zu erkennen, die um den Standesdünkel aufzuzeigen, sich verstellt hat. Sie verlässt Edwin und reist ab. Dieser jedoch kann nicht von ihr lassen und als sein fürstlicher Vater erfährt, dass seine eigene Frau, die Kupfer-Hilda vom Varieté ist, die sich hochgeheiratet hatte, gibt er seinen Widerstand auf. Sylva und Edwin sowie Boni und Stasi finden für immer zueinander.

Und um es gleich vorweg zu nehmen, das zwanzigjährige Jubiläum von Heinz Hellberg auf der Bühne in Schweinfurt ist in jeder Weise gelungen. Hellberg inszeniert die Operette in der authentischen ungarisch-wienerischen Form – und er tut gut daran. So macht Operette Spaß, so kann sie auch wieder in die Herzen ihres Publikums kommen, trotz aller Widerstände und trotzdem sie in den letzten Jahren einfach totgeschwiegen wird. Im Fernsehen kaum noch Operette, im Rundfunk ebenso, der öffentlich-rechtliche Auftrag alle Formen der musikalischen Unterhaltung anzubieten, wird auf das schmählichste ad absurdum geführt und leider erheben sich auch nicht die Stimmen der nach wie vor vielen Operettenliebhaber und zeigen an, dass man sie so nicht behandeln kann. Ein Aufschrei der Musikliebhaber müsste die Rundfunkanstalten erschüttern, und einer der liebenswürdigsten Formen der Musik, der Operette wieder die ihr gebührende Rolle zurückzugeben. Dies geschieht heute „nur“ auf den Brettern, die die Welt bedeuten, und die Operette begeistert nach wie vor ihr Publikum – natürlich nur, wenn sie so stilsicher aufgeführt wird, wie von Heinz Hellberg und seinen Mannen.

Die Kostüme von Lucia Kerschbaumer sind wunderschön anzusehen, stimmig und prächtig und beleben das Bild auf das trefflichste wie auch das an die Gegebenheiten hervorragend angepasste Bühnenbild, für das Adrian Boboc verantwortlich zeichnet. Man kann sich in die damalige Zeit richtig hineinversetzen und das ist doch schon sehr viel. Der Funken springt über, über auf ein Ensemble, bei welchem es keinen Ausfall gibt.

Dies merkt man zuerst am hervorragend aufgelegten Orchester, welches von Heinz Hellberg straff aber gleichzeitig mit leichter Hand geführt wird. Er lässt es jauchzend galoppieren, nimmt es aber auch stimmschonend zurück, wenn es der Begleitung der Gesangssolisten dient. Melodienreichtum und reine Walzerseligkeit lassen das Publikum dahinschmelzen und es im Walzerrhythmus begeistert applaudieren.

Es ist eine schmissige und schwungvolle Operettenaufführung, an der es praktisch nichts auszusetzen gibt. Sowohl szenisch als auch musikalisch kann man eine Operette erleben, wie sie leider nur noch selten aufgeführt wird. Als Csárdásfürstin Sylva Varescu steht mit der Wienerin Kerstin Grotrian eine lebendige und stimmschöne Sopranistin auf der Bühne. Ein bisschen fehlt ihr zu Anfang gerade beim feurigen Csárdás das leidenschaftliche Feuer. Stimmschön, mit warmem und weichem Sopran, kann sie jedoch weiter entzücken und die ungarische Leidenschaft kommt halt ein bisschen später. Nun wird sie immer besser, fast könnte man sagen, sie singt sich warm, um dann auch in den Duetten mit ihrem Edwin zu glänzen. Insgesamt gesehen eine sehr gute, auch mit viel Beifall versehene Leistung. Als Edwin steht der junge blonde gutaussehende Österreicher Stefan Reichmann auf der Bühne. Er besitzt einen strahlenden, höhensicheren Tenor, den er mühelos einsetzt, vielleicht ihn manchmal etwas zu sehr schont. Aber wo hat man noch einen so blendend aussehenden und auch vorzüglich spielenden sympathischen jungen Tenor. Ich freue mich, dass man wieder einmal einen tenoralen Hingucker und Hinhörer besitzt. Beim Buffopaar bin ich etwas gespalten. Da ist einmal die ewig junge Susanne Hellberg als Komtesse Stasi, die über die Bühne wirbelt, als wäre das ihre eigentliche Berufung. Leidenschaftlich, voller Feuer und Temperament gibt sie alles und auch stimmlich bekommen wir eine überdurchschnittliche Leistung zu sehen und zu hören. Man fragt sich, wo diese kleine, zierliche Person dieses ganze Feuer herholt und freut sich dann doch, dass sie es besitzt und damit ihr Publikum begeistert. Zusammen mit ihrem Bühnenpartner, dem aus Slowenien stammenden David Hojsak als Graf Boni sind sie die eindeutigen Lieblinge des Publikums. Darstellerisch und tänzerisch weiß David Hojsak vollstens zu überzeugen, er bringt eine überaus sympathische Rollengestaltung auf die Bühne. Was mir leider fehlt, ist ein bisschen die Stimme, da ist er für mich einfach zu schwach, zu untergewichtig und selbst bei zurückgenommenem Orchester schwer verständlich. Ich weiß, dass das Publikum dies an diesem heutigen Nachmittag ganz anders sieht, für mich bleibt er ein darstellerisch, gestalterisch und tänzerisch überdurchschnittlicher, stimmlich – momentan – leider etwas untergewichtiger Darsteller. Das Publikum mitreißen kann er jedoch schon vorzüglich. Auf jeden Fall sind beide ein toll aufeinander eingestimmtes Buffopaar, bei dem es einfach Spaß macht zuzuschauen.

Einen tollen, leichtlebigen, aber auch weisen und mahnenden Feri Bácsi brachte der Ungar Csaba Fazekas auf die Operettenbühne. Einige Rezensenten freuten sich, dass er mit ungarischem Akzent spricht – ja, wenn das ein Ungar nicht schafft, wer dann? Jedenfalls verkörperte er den alternden Schwerenöter exzellent. Er lebt alle Facetten dieser Rolle aus und wird zu Recht gefeiert. Gefeiert wie auch das Fürstenpaar, welches von Viktor Schilowsky und Judith Bellai, die beide eine Luxusbesetzung für diese Rollen darstellen, weit über das normale Maß hinaus verkörpert wurden. Beide trumpften toll auf und Judit Bellai zeigte in Spitzenunterwäsche, was sie noch alles so drauf hat. Lang anhaltender Applaus zeugte davon, dass diese Aufführung wieder den Weg zu den Herzen des Publikums gefunden hat. So will man Operette sehen und hören und so macht die gute alte Operette auch weiterhin viel Freude.

Manfred Drescher 20.01.2017      

Bilder (c) Operettenbühne Wien                 

 

HÄNSEL UND GRETEL

Aufführung im Theater der Stadt Schweinfurt 04.12.2016 

(Premiere in Hof 11.03.2016)

Etwas düstere Aufführung dieser Märchenoper

Das Theater Hof bringt zur Vorweihnachtszeit die Kinderoper, die eigentlich gar keine Kinderoper ist, „Hänsel und Gretel“. Weil diese Märchenoper von Engelbert Humperdinck halt gar so gut in die Weihnachtszeit passt, ist das Theater Hof damit in Schweinfurt zu Gast. An diesem Nachmittag fallen viele Kinder im Publikum auf, neben mir sitzt ein kleines vierjähriges Mädchen, welches mit großen Erwartungen auf ihr Märchen wartet. Die teilweise schwere und knallende Musik ist aus meiner Sicht so gar nichts für so kleine Kinder und die verbrannte Hexe trägt auch nicht so sehr zur Erheiterung meiner kleinen Nachbarin bei. Dazu ist das ganze Stück einfach zu dunkel gehalten, zu schwerblütig auf die Bühne gebracht. Nach der Pause ist meine kleine Märchenfreundin jedenfalls geschafft, Konzentration vorbei, es ist ihr schlicht und ergreifend einfach zu langweilig und die Musik zum Teil zu voluminös. Ich habe nie verstanden, warum man diese Märchenoper zu einer Kinderoper machen will, das ist sie – jedenfalls in dieser Inszenierung in keinem Fall. Überraschend, wie brav und ruhig sich die vielen kleinen Gäste verhalten haben, ob diese Aufführung aber dazu geführt hat, dass sie später verstärkt in die Oper gehen, wage ich sehr zu bezweifeln. So kann man sich keinen Publikumsnachwuchs heranziehen. Einige meiner Rezensionskollegen sprachen davon, dass diese Aufführung uneingeschränkt für kleine Kinder geeignet ist, diese Aussage verstehe ich in keinem Fall. Nein, dies ist keine Oper für kleine Kinder und meine kleine Freundin flüsterte mir beim Abschied noch leise ins Ohr, dass sie so große Angst vor der Hexe gehabt habe und sicher nicht gut schlafen könne.

James Tolksdorf - Vater, Patrizia Häusermann - Hänsel, Inga Lisa Lehr - Gretel, Stefanie Rhaue - Mutter

Die Geschichte der Märchenoper zu erzählen, wäre Eulen nach Athen getragen, sie dürfte jedem bekannt sein. Hinrich Horstkotte ist für die Inszenierung, die Bühne und die Kostüme zuständig. Außer dass es mir persönlich alles etwas zu duster und finster ist, hat er eine stimmige Inszenierung auf die Bühne gestellt. Der märchenhafte Charakter kommt gut zum Ausdruck, auch die Kostüme sind märchenhaft und alles passt und ist teilweise sogar sehr gut gelungen. Auf offener Bühne dürfen vier Lebkuchenmännchen die Kulissen schieben, ich hatte am Anfang etwas Probleme sie als Lebkuchenmännchen zu erkennen, weil sie auch ein bisschen bedrohlich wirkten und durch ihren schlurfenden Gang etwas in Untotennähe gerieten. Die jeweiligen Auftritte, zB. von Sand- und Taumännchen werden mit Bühnennebel, der durch die Reihen wabert, angekündigt, die 14 Engel werden hervorragend vom Kinderchor des Jean-Paul-Gymnasiums Hof verkörpert und man merkt ihnen auch an, dass ihnen der Auftritt großen Spaß macht. Auch der Chor trägt seinen Teil zum Gelingen bei, beide sind von Hsin-Chien Chiu einstudiert, beim Kinderchor tritt ihr noch Maniana Füg zur Seite. Richard Wagner ist ständig im Hintergrund auf der Bühne präsent, sei es als Wandbild in der Besenbinderwohnung oder sei es in der Darstellung des Hexenhäuschens, welches bewusst dem Festspielhaus Wagners in Bayreuth zum Verwechseln ähnelt.

Patrizia Häusermann und Inga Lisa Lehr zusammen mit dem Ensemble

Die musikalische Leitung hat an diesem Nachmittag im ausverkauften Theater in Schweinfurt Roland Vieweg und er hat sein Orchester gut im Griff. Schwungvoll und mit Elan und musikalischem Gespür lässt er das Orchester regelrecht aufblühen, auch die immer wieder angesprochenen Parallelen zu Richards Wagners Musik wird hörbar. Leider auch darin, dass er die musikalischen Wogen bisweilen etwas zu lautstark agieren lässt und damit leider auch die Sänger teilweise einfach etwas zudeckt. In Teilen sind die Stimmen der überwiegend ausgezeichneten Sänger fast nicht zu hören und daran tragen die Solisten die wenigste Schuld. Etwas mehr Rücksichtnahme auf die Sänger und etwas mehr Zurückhaltung hätten der musikalischen Umsetzung mit Sicherheit gut getan. Vor allem hatten Hänsel und Gretel mit den Wogen des Orchesters zu kämpfen. In einzelnen Bereichen, wie zum Beispiel dem Abendsegen zeigte der Dirigent und sein Orchester jedoch, dass sie auch zu feinem differenziertem Spiel fähig sind, plastisch und klangvoll im stimmlichen Bereich ging dies über die Bühne, eindrucksvoll und zurückhaltend und damit auch entsprechend beeindruckend.

Patrizia Häusermann, Stefanie Rhaue als Knusperhexe und Inga Lisa Lehr

Den Solisten merkt man an, dass dieser Ausflug in eine Märchenoper, der ja sicher nicht so oft auf dem Programm steht, ihnen Freude macht und sie sind auch leidenschaftlich mit dabei. Der Hänsel wird an diesem Nachmittag von Frauke Willimczik gesungen, die für Patrizia Häusermann (die auch auf den Fotos zu sehen ist) eingesprungen ist und sie macht dies vorzüglich. Die junge Mezzosopranistin verfügt über ein gutes Stimmvolumen und trumpft auch entsprechend auf, stellt einen frischen vollblütigen Hänsel auf die Bühne und kann sich auch durchaus gegen das Orchester behaupten, obwohl man es ihr leichter hätte machen können. Dies gilt auch für den aufblühenden, anmutigen Sopran von Inga Lisa Lehr, die die Rolle charmant und bezaubernd auf die Bretter legt, so wie es sich bei einer Märchenoper gehört. Mitunter leidet ein bisschen die akustische Verständlichkeit, gerade die vielen Kinder dürften da kaum etwas mitbekommen. Den Besenbindervater Peter sang und spielte James Tolksdorf, und er tat dies souverän mit wuchtigem, kräftigem durchschlagendem Bariton. Er brauchte keine Angst vor den Orchesterfluten zu haben und gab auch darstellerisch einen überzeugenden Part. Als seine Frau agierte die Mezzosopranistin Stefanie Rhaue, die gleichzeitig auch die böse Knusperhexe gab. Und beides voll überzeugend und vor allem auch mit einer stimmlichen aber auch darstellerischen Präzision, die mehr als überzeugte. Wie sagte meine kleine Nachbarin: Heute Abend werde ich wegen der Hexe aber schlecht einschlafen. Als Sand- und Taumännchen in schöner Maskerade konnte Dong-Joo Kim sich präsentieren. Die Sopranistin bot eine rollendeckende Leistung, mit hohem leuchtendem Sopran konnte sie die beiden gegensätzlichen Gestalten gut darstellen. Insgesamt gesehen ein Nachmittag, der viele Hochs bot, aber auch einige kleine Einschränkungen. Die größte war für mich, dass die vielen anwesenden Kinder sicherlich weniger Spaß an der Aufführung hatten wie die Erwachsenen. Man ging mit dem Gefühl nach Hause keinen vergeudeten Nachmittag gehabt zu haben. Und das ist heutzutage doch schon eine ganze Menge.

Manfred Drescher, 14.12.2016  

Fotos Harald Dietz Fotografie, Hof

 

 

LAND DES LÄCHELNS

Schwelgen in herrlichen Melodien mit kleinen Unebenheiten

Aufführung 08.05.2016         

Premiere 18.12.2015

Gastspiel Theater Hof

Wenn eines der Welterfolge von Franz Lehár aufgeführt wird, mit schwelgerischen Melodien, mit großen Tenorarien, die einst Richard Tauber präsentiert hat, für den diese Operette geschrieben wurde, dann ist das Theater in Schweinfurt bis auf den letzten Platz gefüllt. Die herzzerreißende Mär von der Liebe der Wiener Komtess zu dem Prinzen Sou-Chong aus dem fernen China ist aber auch zu schön anzuhören und anzusehen. Das für eine Operette traurige Ende, Lisa verlässt an der Hand ihres früheren Geliebten Ferdinand von Pottenstein, der der Schwester des Prinzen, der kleinen Mi den Kopf verdreht hat, ihren Traumprinzen, der sich für sie zum Tyrannen entpuppt hat und lässt eine tieftraurige Mi und einen noch berührteren Sou-Chong zurück, deren sentimentale „Immer nur Lächeln“ – Philosophie den Gegensatz von Europe und China aufzeigt. Diese vier Personen sind auch das Gerüst der Operette und mit ihnen steht und fällt die Aufführung.

Dorothee Koch als Lisa und Andre Nevans als Sou Chong

Die Hofer Symphoniker haben einen guten Tag erwischt, sie spielen brillant auf, leidenschaftlich geführt von Roland Vieweg, der sie immer sicher „in Griff hat“, viel Feuer, aber auch viele sentimentale Verträumtheit mitbringt. Er nimmt bei den Gesangspassagen seine Orchesterfluten behutsam zurück um den sängerischen Freilauf zu garantieren, was nicht ganz gelingt, vor allem bei den großen Arien des Sou-Chong´s. Der Chor, der von Hsin-Chien Chiu standesgemäß eingestellt wird und das Ballett geben eine ausgezeichnete Vorstellung, sind immer präsent und vor allem der Chor in seiner Choreographie, welche überzeugend von Barbara Buser gestaltet wird, gelangt mit zu einem Höhepunkt der Aufführung. Die Inszenierung von Francois de Carpentries und Karine van Hercke stellt das Werk in seine Anfangsbereiche, Gott sei Dank keine moderne Gestaltungsverhunzung. So wird dem Prinzen auch nicht die Gelbe Jacke verliehen, sondern er bekommt die rote Mao-Bibel überreicht, die auch vom Chor vielfach präsentiert wird. Es ist gewöhnungsbedürftig, aber durchaus stimmig, es gibt keinen Bruch in der Erzählung aus dem fernen Land. Teilweise sind prachtvolle Kostüme zu bewundern und alles ist üppig und schön anzuschauen.

Thilo Andersson als Gustl und Dorothee Koch und Andre Nevans

In die Rolle des Richard Tauber, dem aufgrund einer Erkrankung, durch welche er sich nur mühsam bewegen konnte, die Rolle von Franz Lehár auf den Leib geschneidert wurde, schlüpft Andre Nevans, der sich redlich bemüht. Die großen knallenden Höhen gehen ihm am heutigen Tag jedenfalls etwas ab, er muss auch des Öfteren transponieren und kann so den Schlagern der Operette zwar Leben einhauchen, aber es reicht für mich nicht ganz. Auch wird er vom Orchester öfter zugedeckt, vor allem, wenn er der Rampe abgewandt zur Seite oder gegen das Publikum singen muss. Hier hätte man auf ihn schon ein bisschen mehr eingehen müssen, denn er besitzt eine schöne vollmundige Stimme, für die Partie ist er mir jedoch an diesem Nachmittag etwas untergewichtig. Ebenso wie Lisa, die Tochter von Graf Ferdinand Lichtenfels, der ohne Tadel von Hans-Peter Pollmer dargebracht wird, die mit Dorothee Koch besetzt ist. Darstellerisch bringt sie eine sehr gute Leistung auf die Bühne, gesanglich ist jedoch auch sie mir etwas zu zurückhaltend, ihr schöner aber etwas kleiner zarter Sopran gibt alles, sie hat auch etliche sehr schöne Passagen und gefällt insgesamt in der Rolle. Thilo Andersson als Gustl, Graf von Pottenstein weiß da stimmlich schon mehr zu überzeugen. Er spielt gut, er singt sehr schön mit kräftigem Charaktertenor, der auch als sehr hoher Bariton durchgehen würde. Er ist ein ausgezeichneter Operettentenorbuffo und wirbelt in seinen nicht allzu großen Auftritten über die Bühne, dass es eine wahre Freude ist. Mit Tanja Christine Kuhn hat er aber auch eine adäquate Partnerin gefunden, die für mich eine Luxusbesetzung der Mi, der Schwester Sou-Chong´s darstellt. Quirlig, mit lebendigem glitzerndem Sopran ausgestattet, weiß sie als liebende Chinesin genauso wie als aufopfernd Versagende zu überzeugen. Sie bringt einen Hauch von Tragik in die ansonsten doch sehr kurzweilige Operette.

Dorothee Koch und Tanja Christine Kuhn als Mi

Alle weiteren Darsteller in teilweise sehr kleinen Rollen, machen ihre Sache recht gut und es gibt insgesamt gesehen keinen Ausfall. Marina Schuberth als Lore, die Nichte von Graf Lichtenfels, MacKenzie Gallinger als schottischer Botschafter, Lina Rifqa Kamal als Fini, Karsten Jesgartz als alter Diener und Obereunuch, Daniel Milos als Onkel Tschang und Tae Yil Yoon als Gardeoffizier vervollständigen stimmig das Ensemble.

Insgesamt eine Aufführung, die dem Publikum gefallen hat, teilweise wird sogar – was mich immer sehr stört – mitgesummt und bei „Dein ist mein ganzes Herz“ wird so manches Frauenauge feucht. Das Auge meiner Frau wird feucht, weil man auseinandergeht und der arme Prinz mit seiner noch ärmeren Schwester allein zurückbleibt. Aber so ist es nun einmal bei einer Operette, die nicht nur unbeschwert alle Paare zusammenkommen lässt. Unter dem Strich kann man festhalten, dass man sich sehr gut unterhalten hat, man geht, die eine oder andere Melodie vor sich hin pfeifend aus dem Theater und das ist doch schon sehr viel.

Manfred Drescher, 20.05.2016  

Fotos (c)  SFF Fotodesign Hof

 

 

Jubiläumsoperette bringt Stimmung nach Schweinfurt

Aufführung im Theater der Stadt Schweinfurt 11.01.2016         

Tourneebeginn Herbst 2015

DER BETTELSTUDENT

Die Operettenbühne Wien unter Heinz Hellberg feiert 20 jähriges Jubiläum mit der Erfolgsoperette „Der Bettelstudent“ in Schweinfurt

Ein gerngesehener Gast in Schweinfurt ist seit vielen Jahren Heinz Hellberg mit der Operettenbühne Wien. Diesmal ist es etwas Besonderes, feiert die Bühne doch ihr 20jähriges Jubiläum. Zwanzig Erfolgsjahre liegen hinter der Wiener Bühne und die treuen Besucher hoffen, dass noch ein paar Jubiläen draufgepackt werden können.  Der große Erfolg von Prof. Heinz Hellberg, der auch heute wieder für die Regie verantwortlich zeichnet,  liegt vor allem darin, dass er die Operette authentisch inszeniert, dass er sie nicht zum Kasperltheater macht, sondern dass er sie ernsthaft und mit Respekt behandelt. In dieser Art wird die schon so oft totgesagte Operette noch ein langes Leben führen, auch wenn sie vom Fernsehen und teilweise auch vom Rundfunk gnadenlos verbannt wird. Wo bleibt der Auftrag der öffentlichen Anstalten auch die Operette einem jungen Publikum näher zu bringen.

Wo bleiben die Leserbriefe, die Schreiben an die Rundfunkhäuser, endlich auch hier der Öffentlichkeit etwas zu bieten und damit auch den Ruf nach der Operette wieder hörbar zu machen. Wie sollen unsere Kinder denn mit dieser Musikgattung Kontakte aufnehmen können, wenn sie gnadenlos von unseren öffentlich rechtlichen Anstalten davon ferngehalten werden. Für mich ist dies einfach nicht nachvollziehbar und für die vielen zigtausend Operettenliebhaber in unserm Land sicherlich auch nicht.

Die Geschichte des tief gekränkten Oberst Ollendorf, der mit einer Ohrfeige durch die schöne Laura, einer Tochter der verarmten Gräfin Nowalska, für seine Zudringlichkeit „belohnt“ wird, daraufhin zwei Bettelstudenten als Fürst und Adjutant auftreten lässt, um nach geschlossener Ehe der schönen Laura den Bettelstudenten zu präsentieren, um sie damit vorzuführen, ist wohlbekannt. Durch seine Überheblichkeit wird er durch einen der Bettelstudenten, der eigentlich ein Herzog ist, abgesetzt und der andere Bettelstudent geadelt. Beide finden in den Töchtern der Gräfin ihr Glück und bei Hellberg bekommt der Oberst Ollendorf zum Schluss noch die Gräfin Nowalska, in sehr gewagter Auslegung des Librettos.

Ella Tyran, Stefan Reichmann

Das Orchester der Operettenbühne Wien wird von Lazlo Gyüker mit straffer und gleichzeitig leichter Hand geleitet. Er atmet mit dem Orchester mit, nimmt es auch behutsam zurück, um die ein oder andere Singstimme besser zur Geltung kommen zu lassen und ist insgesamt feurig und ohne Fehl und Tadel bei der Sache. Ein stimmiges Bühnenbild, einprägsam und immer darauf bedacht, dass es ja bei einem Tourneetheater nur begrenzte Möglichkeiten gibt, wird hier von Adrian Boboc auf die Bretter der Bühne gestellt. Ebenso gute Arbeit geleistet hat auch Lucya Kerschbauer, die für die Kostüme die Verantwortung trägt und diese recht farbenprächtig und stimmig darbietet. Das gefällt auch den Augen des Publikums, welches mit Beifall nicht geizt. Auch der Chor und das Ballett der Operettenbühne können voll überzeugen. Gerade im Bettelstudenten, bei dem die Dialoge wesentlich kürzer geraten sind, als bei anderen Operetten, kommt dies ganz besonders zur Geltung.

Den Studenten Symon Rymanowicz, den Bettelstudenten, gibt Stefan Reichmann mit weichem klarem Tenor. Ein bisschen fehlt für mich am heutigen Nachmittag das Feuer, das Strahlen der Spitzentöne, alles wirkt etwas wie gebremster Schaum. Bei einem seiner Soli, dem „Ich hab kein Geld bin vogelfrei“ merkt man, was eigentlich an stimmlichen Qualitäten in ihm steckt. Hier leuchtet es plötzlich, die Spitzentöne strahlen, hier macht das Zuhören Spaß. Vielleicht war er an diesem Nachmittag auch nicht gesundheitlich in Höchstform. Mit klarem, kernigem Tenor ist Anton Graner sein studentischer Freund Jan Janicki und kann voll überzeugen. Er macht seine Sache gut, vor allem auch in den Duetten. Hier ist ihm Verena te Best als Bronislawa, einer der Töchter der Gräfin Nowalska eine exzellente Partnerin. Mit reiner, glasklarer, nicht übergroßen aber äußerst warmer, hübscher und ausdrucksstarker Stimme weiß sie zu beeindrucken. Dass sie auch reizend anzusehen ist, kommt noch dazu und dann besitzt sie etwas, was leider heutzutage selten geworden ist, eine übersprühende Spiellaune. Bei jeder Geste jedem Ton von ihr merkt man die Leidenschaft, mit welcher sie sich bedingungslos in die Rolle wirft, eine exzellente Leistung.

 

Verena te Best, Anton Graner, Ella Tyran, Stefanb Reichmann, Alexandra Scholik, Viktor Schilowsky. Susanne Hellberg

Ella Tyran setzt als zweite Tochter Laura einen schönen klaren, vollmundigen und sicheren Sopran ein. Leider ist sie von Spiel her etwas zu sehr zurückhaltend, zu eisig, zu unnahbar. Natürlich sind die beiden Töchter etwas eingebildet und arrogant, aber für mich ist das eine kleine Spur zu viel. Sonst aber auch bei ihr eine untadelige Leistung. Alexandra Scholik bringt eine resolute, immer noch stimmschöne Palmartica Gräfin Nowalska auf die Bühne, der es Spaß macht zuzuhören aber auch zuzusehen. Eine weitere Bravourrolle hat Viktor Schilowsky dazubekommen. Er bringt einen mehr als rollendeckenden Oberst Ollendorf auf die Bühne. Verschlagen, intrigant, spielerisch ein Erzkomödiant, gesanglich eine gepflegte, durchsetzungsfähige doch auch warme und einfühlsame, kräftige und vollmundige Baritonröhre. Jeder Zoll ein nur an sich Denkender, der als Gouverneur von Krakau glaubt, sich alles herausnehmen zu können. Viel Zwischenapplaus auch für ihn. Und schließlich Susanne Hellberg in der kleinen Rolle des Offiziers Richthofen. Eine Vollblutkomödiantin, die alles aus dieser Rolle herausholt und bei der man sich mehr als nur ein Couplet gewünscht hätte. Sie ist und bleibt halt, auch in kleinen Rollen, die Stütze des Ensembles. Urs Mühlenthaler als Enterich, der sächsische Gefängniswärter, überzeugt in erster Line in schauspielerischer Hinsicht und auch ihm merkt man an, dass er sich vollkommen mit seiner Rolle identifiziert.

Erneut hat die Wiener Operettenbühne ihr Publikum überzeugt, begeistert und mitgerissen. Auch im zwanzigsten Bühnenjahr präsentiert sie sich frisch und jung wie eh und je. So wollen wir Operette auch weiterhin noch viele Jahre erleben.

Manfred Drescher, 17.01.2016  

Fotos Eigenaufnahmen

 

 

BALL IM SAVOY

Aufführung im Theater der Stadt Schweinfurt 05.01.2016      

Tourneebeginn Ende Dezember 2015

Temperamentvolle und farbenprächtige Aufführung einer selten gespielten Operette

Das Operettentheater Salzburg lässt die selten aufgeführte Operette „Ball im Savoy“ des ungarisch-deutschen Komponisten Paul Abraham im neuen Glanz und prächtiger Ausstattung erstrahlen. Neben der Operettenbühne Wien ist auch die Operettenbühne Salzburg ein gern gesehener Gast in Schweinfurt. Ist doch bekannt, dass sie farbenprächtige Ausstattungsoperetten mitbringt, die viel dem Auge aber auch dem Ohr bieten. Der Komponist Paul Abraham (1892 – 1960) hat neben etlichen heute vergessenen Operetten „Viktoria und ihr Husar“, „Blume von Hawaii“ und eben „Ball im Savoy“ komponiert und alle drei waren zur damaligen Zeit riesige Erfolge und erleben zur Zeit auf den europäischen Bühnen eine kleine Renaissance. Abraham verstand es das bewährte Gestrige mit dem neuen Zukünftigen zu verbinden, anders ausgedrückt gelang es ihm, traditionelle Elemente der Musik mit jazzigen Rhythmen zu kombinieren und damit sein Publikum zu begeistern. Lucia Meschwitz führt Regie und sie tut etwas, was leider heutzutage nicht mehr selbstverständlich ist, sie verkitscht die Operette nicht sondern nimmt sie in allen Phasen ernst und sie schafft dadurch auch den Spagat zwischen dem althergebrachtem und der Moderne. Sie inszeniert „Ball im Savoy“ als farbenprächtiges Spektakel und das Publikum geht begeistert mit. Einen großen Anteil am Erfolg hat auch Gerlinde Höglhammer, die für die Kostüme verantwortlich ist. Einfach nur toll, wie bunt, farbenprächtig, ja fast fließen die Augen vor dieser Farbenpracht dahin, die Kostüme und die Ausstattung sind. Dem steht auch das ebenfalls bunte und einprägsame Bühnenbild von Christine Sadjina-Höfer in nichts nach. Man muss ja immer bei allem berücksichtigen, dass es sich hier um ein Tourneetheater handelt, welches es wesentlich schwerer hat, dies alles auf die Beine zu stellen, als ein fest bespieltes Haus. In diesem Zusammenhang muss man auch lobend die Choreografie von Monica Fotescu-Uta erwähnen, die das Ballett zu einem herausragenden Punkt dieser Aufführung führt. Auch dies ist seit vielen Jahren ein Markenzeichen des Operettentheaters Salzburg. Die Mitglieder des Ballettensembles Illo Tempore aus Dortmund wirbeln über die Bühne, dass es eine wahre Freude ist.

Dieter Hörmann, Jasmin Bilek, Stefan Fleischhacker, Michael Kurz, Doris Langara

Die musikalische Leitung hat an diesem Nachmittag im ausverkauften Theater in Schweinfurt Dimitar Panov und er hat sein Orchester gut im Griff. In allen Facetten weiß das Orchester zu überzeugen und lässt es zum Teil auch ordentlich swingen, den Foxtrott, den Stepp und den Blues erklingen. Leider ist das Orchester ab und zu etwas zu euphorisch dabei und überdeckt die ein oder andere etwas schwächere Gesangsstimme. Die Geschichte um das Paar Marquis Aristide und seiner Frau Madeleine, die nach einer einjährigen Hochzeitreise zurückkehren, ein bisschen flirten, was der jeweilige Partner total missversteht und dem eheerprobten Mustafa Bey, der in der Jazzkomponistin Daisy Parker sein endgültiges Glück findet, ist überzeugend auf die Bühne gebracht. Die Spieldauer ist mit knapp drei Stunden (inclusive einer Pause) jedoch schon recht lange und es hätte der Geschichte sicher gut getan, etwas zu kürzen, vor allem in den teilweise doch sehr langen Dialogen. Etliche Ohrwürmer wie „Toujour lámour“, „Es ist so schön am Abend bummeln zu gehen“, „Was hat eine Frau von der Treue“, „Ich hab einen Mann der mich liebt“ oder „Wenn wir Türken küssen“ reißen das Publikum richtig mit, es ist halt eine Revueoperette, die richtig Spaß macht. In der Rolle des Marquise Aristide de Faublas ist Michael Kurz zu hören. Er, den ich in der Vergangenheit immer mit überdurchschnittlichen Leistungen im Ohr habe, ist an diesem Nachmittag für mich etwas gebremst, es fehlt der Glanz in der Stimme, er agiert sehr zurückhaltend, auch die strahlenden Höhen kommen nicht so, wie ich es von ihm gewöhnt bin. Darstellerisch wie immer ausgezeichnet, bietet er eine grundsolide Leistung, das Tüpfelchen auf dem I fehlt für mich jedoch. Doris Langara gibt seine getreue Gemahlin Madeleine und kann mit ihrem sicheren leichten Spiel, aber auch mit ihrem klaren, frischen und sauberen Sopran voll überzeugen. Als Mustafa Bey, dem türkischen Attaché in Paris hat Stefan Fleischhacker eine Paraderolle gefunden. Mit einer tollen Spiellaune verkörpert er den vielvermählten Türken und reißt das Publikum mehr als einmal zu Lachstürmen hin. Gesanglich kann man von ihm nicht so viel vernehmen, zum einen hat er keine so durchschlagende Stimme und zum anderen übertönt ihn das Orchester teilweise gnadenlos. Als Jazzkomponistin Daisy Parker legt Jasmin Bilek einen überzeugenden Auftritt auf die Bühnenbretter. In blendender Spiellaune und sauber geführtem hohem Sopran kann sie nicht nur Mustafa Bey von sich überzeugen sondern auch das Publikum – und den Rezensenten.

Dieter Hörmann, Jasmin Bilek, Stefan Fleischhacker, Doris Langara, Michael Kurz, Mariana Lazar

Da hat es Mariana Lazar als argentinische Tänzerin Tangolita ein bisschen schwerer. Sie, die ja den armen Aristide als Femme fatale verführen soll, hat für mich persönlich nicht diese Ausstrahlung einer männermordenden Verführerin. Die sinnliche Ausstrahlung, die diese Rolle eigentlich erfordert, ist an diesem Nachmittag für mich nicht so zu spüren. Gesanglich ist sie ohne Fehl und Tadel, kann hier wieder entsprechend punkten. Als verliebter, schüchterner, draufgängerisch sein wollender aber hoffnungslos scheitender Anwalt Célestin Formant liefert Dieter Hörmann ein Kabinettstückchen ab. Ein mit viel Beifall – und dies völlig zu Recht – bedachter Auftritt. Insgesamt ein Nachmittag, der ins Blut gegangen ist, der mit seinen schmissigen Melodien, seiner farbenprächtigen Ausstattung voll überzeugen konnte. Die kleinen Anmerkungen, die ich hier etwas beckmesserisch angebracht habe, fallen kaum ins Gewicht. Lediglich der zu viele Text war nicht unbedingt nötig. Hätte man hier etwas gestrafft, wäre die Aufführung noch schmissiger geworden. Unter dem Strich kann man festhalten, dass man hochzufrieden nach Hause gegangen ist. Und das ist in der heutigen Zeit schon sehr viel.

Manfred Drescher, 10.01.2016  

Fotos Eigenaufnahmen MDr

 

FEUERWERK DER OPER

Italienischer Arienzauber verzückt das Schweinfurter Publikum

Aufführung im Theater der Stadt Schweinfurt 03.11.2015      

Tourneebeginn Herbst 2015

Compagnia d´Opera Italiana di Milano reiht Opernperle an Opernperle

Nach dem geglückten Auftakt mit der Operettengala war nun in Schweinfurt die große Oper an der Reihe. Die Compagnia d´Opera Italiana di Milano kommt mit großem Orchester, einer Sopranistin, zwei Tenören, einem Bariton, einem Bass und einem kleinen aber feinen Chor nach Schweinfurt. Großer Aufwand für den Nachmittag, der unter dem Motto „Feuerwerk der Opernmelodien“ steht. Und es wird ein Highlight an das andere gereiht, leider wird weder das Stück noch der Interpret (denn es gibt alternierende) angekündigt. Bei den Stücken ist es noch zu verschmerzen, vor allem wenn man sich das dazugehörige Programm gekauft hatte, aber bei den Solisten wäre schon ein Hinweis recht schön gewesen – und wenn ihn der Dirigent gegeben hätte. Schade, denn so wirkt alles ein bisschen aneinandergereiht, ohne den berühmten roten Faden.

Maria Tomassi, Sopran

Das Orchester der Staatsoper Rousse ist auf der Bühne verteilt und gut aufgelegt. Vladimir Boshnakov leitet es mit sicherer und fester Hand. Insgesamt gesehen eine gute Leistung, auch wenn das italienische Feuer, die alles verzehrende Leidenschaft vom Orchester nicht immer so über die Rampe gebracht wird. In jedem Fall jedoch wird auf die Sänger eingegangen und die Klangwogen etwas zurückgenommen, wenn es erforderlich ist um den Sänger nicht zu überdecken. Das Orchester selbst stellt sich mit dem Preludio des 1. Aktes der Verdioper „La Traviata“ vor und nach der Pause mit dem Preludio des 4. Aktes fortzufahren. „La Traviata“ ist insgesamt gesehen sehr oft vertreten. Von den Sängern beeindruckt mich bei der heutigen Vorstellung die Sopranistin Maria Tomassi am meisten. Ob mit der Arie der Leonora aus Verdis „Troubadour“, der Arie der „Tosca“ von Puccini, ob mit „Madame Butterfly“, ebenso von Puccini, sie überzeugt in allen Rollen. Strahlend stimmschön ihr heller warmer leuchtender Sopran, der jede Regung auf das vortrefflichste übermittelt. Feurig, locker, leicht und durchschlagskräftig setzt sie an diesem Nachmittag Maßstäbe. Zu Recht erhält sie während und vor allem dann auch nach der Aufführung fast nicht endend wollenden Applaus. Eine ganz tolle Leistung an diesem Nachmittag. Eindrucksvoll auch der Tenor Thomas Yun. Er überzeugt neben Maria Tomassi mit der Arie aus „Das Mädchen aus dem goldenen Westen“ von Puccini und den beiden großen Arien des Cavaradossi aus „Tosca“. Sein strahlender Tenor ist belcantosicher, lyrisch zurückhaltend, aber wenn es erforderlich ist auch leidenschaftlich auftrumpfend. Ihm nimmt man das Feuer der Jugend und die Leidenschaftlichkeit in jedem Moment ab.

 

Luca Bodini, Tenor

Der zweite Tenor an diesem Nachmittag, Luca Bodini, hat die tenoristischen größeren Reißer. Er kann Mit La donna é mobile aus Verdis „Rigoletto“, der Celeste Aida aus „Aida“, ebenfalls von Verdi  und natürlich dem unverwüstlichen Nessun dorma aus Puccinis „Turandot“ punkten. Er singt zwar alles sehr überzeugend, mit auftrumpfender höhensicherer teilweise imponierender Stimme, aber irgendwie hat man ein bisschen das Gefühl von „gebremsten Schaum“, es fehlt – jedenfalls mir – die totale leidenschaftliche Verkörperung ohne jedes wenn und Aber. Das Publikum jubelt jedoch bei jeder seiner Arien und auch am Schluss tosender Applaus.

Andrij Shkurhan, Bariton

Eindrucksvoll wirkt auf mich der Bariton Andrij Shkurhan. Mit einem durchdringenden, urgewaltigen aber dennoch weichem und sehr schönem Bariton füllt er mühelos das Schweinfurter Theater bis in den letzten Winkel aus. Mit der großen Arie des Grafen Luna aus „Troubadour“, dem exzellenten Te Deum aus „Tosca“, bei welchem ihn der ausgezeichnete Chor, der nur aus 8 Personen besteht, aber ein Vielfaches an Stimmvolumen aufweist, vorzüglich begleitet, dem wunderschön gesungenen Qual Voce aus „Troubadour“, gemeinsam mit Maria Tomassi und nicht zuletzt dem beeindruckenden Di Provenza aus „La Traviata“ weiß er nicht nur voll zu überzeugen, sondern auch zu begeistern. Der Bass Slavin Peev ergänzt das Quintett überzeugend mit tiefem voluminösen durchdringenden Bass. Er kann mit der Arie Vi ravviso aus Bellinis „La Sonnambula“ glänzen, Ebenso mit der großen Arie des König Philipp aus Verdis „Don Carlos“.  Der Chor kann all seine Güte, vor allem erstaunlich bei der kleinen Besetzung, eindrucksvoll bei I Mattadori aus „La Traviata“ und Va pensiero aus „Nabucco“, ebenfalls von Verdi,  zeigen. Nicht endend wollender Applaus am Ende des Opernabends lassen als Zugabe dann noch ein weiteres Highlight zu. Spritzig, schwungvoll, das Publikum mitreißend treten alle Solisten nochmals mit „O Sole Mio“ auf und machen aus der Arie ein kleines Kabinettstückchen. Jetzt möchte das Publikum weiteres hören, jetzt ist das italienische Flair übergesprungen, aber auch ein schöner italienischer Abend muss einmal zu Ende gehen und so freut man sich auf das nächste Jahr und die Compagnia d´Opera Italiana di Milano. 

Manfred Drescher, 13.11.2015  

Fotos: Manfred Drescher

 

 

Heitere Operettenschmankerl

zum Saisonbeginn

Aufführung im Theater der Stadt Schweinfurt 29.09.2015      

Tourneebeginn Herbst 2015

Operettentheater Salzburg mit kleinen Schönheitsfehlern erfreut die Schweinfurter

Die musikalischen Aufführungen in Schweinfurt werden mit der großen Operettengala „Lass rote Rosen blüh´n“ eröffnet. Das hier gut bekannte Operettentheater Salzburg kann vor ausverkauftem Haus in Operettenseligkeit schwelgen und das Publikum geht begeistert mit. Dass die Operette im Fernsehen fast überhaupt keine Rolle mehr spielt und auch im Radio nur noch sporadisch aufgeführt wird (wo bleiben die Schreiben der vielen tausend Operettenbegeisteter an die Funkhäuser mit der Aufforderung, die Operette wieder verstärkt ins Programm zu nehmen?) ist an diesem Nachmittag nicht zu merken. Das Publikum freut sich über die altbekannten Weisen, applaudiert mit Feuereifer und geht mit allem, was es zu bieten hat mit. Leider ist der von mir hochgeschätzte Tenor Eugene Amesmann an diesem Tag nicht auf der Bühne und ich habe ihn schmerzlich vermisst.

Das Orchester ist auf der Bühne verteilt und gut eingerichtet. Katalin Doman leitet es mit fester, leidenschaftlicher Hand. Das Orchester folgt ihr in allen Belangen, zart zurückhaltend, dann wieder aufblühend und leidenschaftlich auftrumpfend, wenn es erforderlich ist. In jedem Fall aber sängerdienlich, denn Katalin Doman nimmt es immer dann etwas zurück, wenn die Sänger Probleme bekommen könnten. Durch das Programm führt mit leichtem Augenzwinkern und immer interessant und hörenswert Franziska Stanner, die auch als Juno im großen Querschnitt von „Orpheus in der Unterwelt“ auftritt. Sie verbindet die einzelnen Stücke und gibt Interessantes aus der Operettenwelt preis. Mit der Ouvertüre aus „Banditenstreiche“ von Suppé kann sich das Orchester gleich zu Beginn eindrucksvoll in Szene zu setzen und erntet zu Recht großen Applaus. Christian Bauer tritt dann als Barinkay aus dem „Zigeunerbaron“ auf und beweist mit „Als flotter Geist“ wieviel Feuer in dieser Bravourarie von Johann Strauss Sohn steckt. Der geborene sympathische Wiener weiß mit sanftem Timbre aber auch strahlenden Spitzentönen sein Publikum zu überzeugen. Er überzeugt auch die charmante Wiener Sopranistin Monika Medek, mit welcher er „Schenkt man sich Rosen aus Tirol“ aus dem Vogelhändler stimmungsvoll darbietet. Monika Medek konnte bereits kurz vorher mit „Es muss was Wunderbares sein“ aus „Im weissen Rössl“ mit ihrem klangschönen durchschlagskräftigen und leuchtenden Sopran voll überzeugen. Die zweite Sopranistin des Abends, die Schwedin Cecilia Berglund brilliert mit dem Auftrittslied der Saffi aus „Der Zigeunerbaron“. Sie erntet mit Recht den meisten Beifall des Abends, ihr reiner zarter lyrischer Sopran kann in allen Belangen überzeugen. Stimmschön mit bravourösen Koloraturen bringt sie das Publikum zum Luft anhalten, um ja keinen Ton der außergewöhnlichen Stimme, gepaart mit einer ebenso großen Spiellust zu verpassen. Auch das Viljalied aus der „lustigen Witwe“ gestaltet sie eindrucksvoll und erntet zu Recht donnernden Applaus. Das Bacchuslied aus „Orpheus in der Unterwelt“ wird durch ihre Interpretation zu einem Erlebnis. Der Wiener Baß-Bariton Manfred Schwaiger gestaltet mit kräftiger, vollmundiger und weicher Stimme einen Zsupán der Sonderklasse, auch in erster Linie deswegen, dass er seine komödiantische Ader voll ausspielen kann. Auch beim Überbringen der dunkelroten Rosen aus „Gasparone“ kann er die Herzen des Publikums und hier in erster Linie der anwesenden Damenwelt im Sturm erobern.

 

Der Tenor Raimund Stangl, ein geborener Österreicher bringt einen sympathischen Danilo aus „Die lustige Witwe“ auf die Bühne, ebenso wie das Operettenschmankerl „Ganz ohne Weiber geht die Chose nicht“ aus der „Csárdásfürstin“. Sein gepflegter Tenor ist sehr stimmschön, wenngleich die großen Höhen fehlen, die in diesen Arien auch nicht verlangt werden und die bei einem guten Buffo auch nicht von Nöten sind. Zu guter Letzt tritt noch der Schweizer Tenor Daniel Zihlmann auf. Er ist in Schweinfurt ein gefeierter Solist, seit Jahren die Stütze der Operettenfestspiele in Hombrechtikon und mit einem kraftvollen, ausdrucksstarken und höhensicherem Tenor ausgestattet. Seine große Bühnenpräsenz und seine strahlenden Höhen sind ein großes Plus, ebenso wie seine Wortverständlichkeit. Und gerade bei ihm beginnen die kleinen Schönheitsfehler, die vom Großteil des Publikums kaum wahrgenommen worden sein dürften. Zum einen wird er von Franziska Stanner mit der Arie aus Giuditta angekündigt, dies nimmt sie dann auch gleich zurück, erklärt, dass er nicht das Wolgaleid singen wird, um im nächsten Satz das Wolgalied anzukündigen. Und scheinbar ist er davon so durcheinander, dass er eine Textzeile des Wolgaliedes total „vergisst“ und sich nur mit großer Not wieder in die Arie zurückretten kann. Das dann auch noch in einer Orchesterpassage auf der Bühne ein leerer Stuhl des Orchesters lautstark und polternd umfällt, tut ein weiteres hinzu. Gott sei Dank hat er sich dann bei „Freunde das Leben ist lebenswert“ aus „Giuditta“ wieder gefangen und bringt diese Bravourarie aller Tenöre wunderbar mit schmetternden Spitzentönen über die Bretter, die die Welt bedeuten. Mit Recht kann er dazu tosenden Applaus erwarten. Ein großer Querschnitt aus „Orpheus in der Unterwelt“ beendet die rauschende Operettennacht (die in diesem Fall ein Operettennachmittag ist) und lässt das Publikum lange und ausdauernd klatschen. Hat sie doch der Cancan fast von den Sitzen gerissen. Ein wunderschöner Nachmittag mit viel schönen Melodien und vielen lachenden Gesichtern, die nach der Vorstellung das Theater verlassen.

Manfred Drescher, 07.10.2015  

Fotos Eigenaufnahmen

 

 

Moderne Version der altbekannten „Tosca“ erfreut Schweinfurt

TOSCA

Premiere Dessau 17.05.2014

Aufführung am 11.06..2015

Hermus verlässt Dessau und betrübt die Opernfreunde in Schweinfurt

Diesmal gab es im Theater der Stadt Schweinfurt einen Abschied. Abschied vom langjährigen Generalmusikdirektor und Chefdirigent dem Holländer Antony Hermus. Er verlässt das Anhaltische Theater Dessau zum Ablauf der diesjährigen Spielzeit. Doch davon später etwas mehr. Das Anhaltische Theater Dessau ist ein langjähriger, hochverehrter und vielgeliebter Gast in Schweinfurt. Diesmal stand die „Tosca“ von Giacomo Puccini auf dem Programm. Und auch diesmal kann das Anhaltische Theater Dessau Beifallsstürme entgegennehmen. Beifallsstürme in erster Linie für die sängerische Bewältigung der Oper und auch für das Orchester, welches letztmalig unter der Leitung von Antony Hermus steht. Der Regisseur Hans Peter Cloos bietet eine „aktualisierte Inszenierung“ der bekannten Oper, also den Versuch einer Modernisierung. Der werte Leser wird wissen, dass ich nicht unbedingt ein Freund der Aktualisierungen bin und auch nach dieser Inszenierung hat sich an meiner Meinung nicht viel geändert.

Der Maler Cavaradossi, der die Sängerin Flora Tosca unsterblich liebt, die auch der Polizeichef Scarpia begehrt, hilft seinem Freund Angelotti, der aus der Haft entflohen ist. Scarpia benutzt Tosca um den Aufenthalt Angelottis zu erfahren. Er nimmt Cavaradossi fest und foltert ihn, Tosca muss hilflos zusehen. Sie kann Cavaradossi retten, indem sie sich dem Drängen Scarpias hingibt. Nachdem dieser eine Scheinhinrichtung Cavaradossis zugesichert und Passierscheine ausgestellt hat, ersticht sie ihn, während er sie bedrängt. Sie eilt zu Cavaradossi, dessen Scheinhinrichtung wird jedoch real vollzogen und sie stürzt sich, bevor sie die Häscher Scarpias festnehmen können, in den Tod. Mit wenigen Worten ist dies die Geschichte Toscas.

Hans Peter Cloos verlagert dies alles in die Neuzeit, ich frage mich einfach nur warum? Statt Kirche eine Dombauhütte, der zweite Akt verläuft in der Halle eines Hotels, aus der Engelsburg wird ein Hochhausdach. Die Folterung Cavaradossis wird sehr direkt, sogar etwas überzeichnet, dargeboten und so könnte man fortfahren. Also gut, ich werde mich daran gewöhnen müssen, dass man Handlungen, die für mich auch heute noch zeitlos gezeigt werden können, aus welchen Gründen auch immer in die Jetztzeit stellt. Ob man damit jüngere Zuschauer anlockt möchte ich auf jeden Fall bezweifeln. Die Kostüme von Marie Pawlotsky passen sich der „Modernisierung“ an, Straßenkleidung, Lederschlips, rote Roben der 5oer Jahre Welle und etliches mehr. Gut, man kann diese Inszenierung wohlwollend betrachten, warum sie jetzt aber unbedingt sein musste, kann ich persönlich jedoch nicht ganz nachvollziehen.

Die zeitlose Musik Puccinis, die man Gott sei Dank nicht verändern kann (bzw. darf), wird von der Anhaltischen Philharmonie vortrefflich dargeboten. Musikalische Geschlossenheit, das Erarbeiten feinster Nuancen, feuernde Leidenschaft, wo sie machbar ist und feine Zurückhaltung, wo sie zum Wohle der Sänger angebracht ist, zeichnet das Orchester aus. Das liegt auch daran, dass der Generalmusikdirektor und Chefdirigent Antony Hermus die Musik in sich einatmet und leidenschaftlich wiedergibt. Ihn zu erleben ist schon allein ein Erlebnis. Er verausgabt sich bis zum letzten und atmet mit seinen Musikern. Ein leidenschaftlicher Dirigent, der sein Orchester seit nunmehr sechs Jahren in Dessau fest im Griff hat, Der charismatische Holländer verlässt aus persönlichen Gründen im Sommer Dessau, er wird nicht nur dort fehlen, er wird auch uns fehlen. Dieses Orchester und dieser Dirigent haben Maßstäbe gesetzt und dies auch heute in der Tosca.

Kammersängerin Iordanka Derilova gestaltet die Tosca. Und so leidenschaftlich wie ihr Dirigent, verkörpert auch sie die Partie der leidenschaftlichen Frau Tosca. Mit klarem leuchtendem Sopran, der zur Zurückhaltung aber auch zum leidenschaftlichen Forte fähig ist, verzaubert sie nicht nur Cavaradossi sondern auch das Publikum, welches mit stürmischem Applaus die tolle Leistung honoriert. Das sie auch darstellerisch auf höchstem Niveau agiert, braucht man bei ihr, der Primadonna Assoluta nicht extra zu betonen. Ihr durchaus ebenbürtig der Cavaradossi von Charles Kim. Am Anfang noch etwas zurückhaltend, steigert er sich immer mehr und kann mit strahlendem Tenor beeindrucken. Leider hat er nur zwei große Arien, doch die setzt er so, dass man eigentlich noch mehr hören möchte. Auch darstellerisch ist er seiner Tosca ein ebenbürtiger Partner. Und dann, fast hätte ich gesagt das Dessauer Urgestein, Ulf Paulsen als verschlagener, boshafter und lüsterner Scarpia. Wieder eine Rolle, die ihm wie auf den Leib geschneidert vorkommt. Hinterhältig und dämonisch, stimmlich bis an die Grenzen gehend, verkörpert er den machbesessenen Unmenschen, seine durchschlagskräftige Heldenbaritonstimme im Einklang mit einer überdurchschnittlichen darstellerischen Darbietung lassen diese Rollenbesetzung noch lange im Gedächtnis bleiben. Keinerlei Ausfälle in den übrigen Rollen, so Wiard Withold als Cesare Angelotti, André Eckert als Mesner, David Ameln als Spoletta, Cezary Rotkiewicz als Sciarrone und Steven Simon als Hirt. Der Opernchor des Anhaltischen Theaters, einstudiert von Helmut Sonne und der Kinderchor unter der Leitung von Dorislava Kuntscheva machen ihre Sache gut, man merkt ihnen auch die Freude am Spiel an. Insgesamt ein sehr erfreulicher Abend, der durch den Weggang von Antony Hermus ein kleines bisschen getrübt wird.

Manfred Drescher, 19.06.2015  

Fotos Claudia Heysel

 

 

 

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