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Klassik am See

http://www.klassik-am-see.com/

 

RIGOLETTO

Besuchte Vorstellung 31. Juli 2014 (einzige Vorstellung)

Über 3.500 Besucher sind begeistert am Dechsendorfer Weiher

Im letzten Jahr wurde am Dechsendorfer Weiher das erste Mal eine szenische Oper aufgeführt, und jeder war begeistert. Damals passte auch alles, das Wetter spielte mit, die Solisten waren großartig, das Ambiente beeindruckend und damit der Erfolg vorprogrammiert. Was toll ankam, sollte man wiederholen. Und aus diesem Grund beschloss man in diesem Jahr den „Verdi-Thriller“ „Rigoletto“ aufzuführen und das Spitzenergebnis von 2013 zu wiederholen. Doch diesmal lief nicht alles so, wie geplant. Drei Tage vor der Opernaufführung sollte am Dechsendorfer Weiher das erste internationale Jazz-Open-Air mit international gefeierten Jazzstars stattfinden. Alles war vorbereitet, alle Karten ausverkauft – und dann der Schock für die Veranstalter. Sturm, Regen, Unwetter ließen das erste Fest ausfallen. Es musste wegen der Witterung abgesagt werden.

Und dann kam der 29. Juli. Aufgrund der schlechten Wetterprognosen für den 30. Juli, der geplanten Aufführung von „Rigoletto“, entschlossen sich die Veranstalter kurzfristig die Aufführung um einen Tag auf den 31. Juli zu verschieben. Und taten damit einen Glücksgriff. Wunderschönes warmes Wetter belohnte den Mut und konnte die zweite Opernaufführung bei „Klassik am See“ wie geplant pannenfrei über die Bühne gehen lassen.

„Klassik am See“, die in diesem Jahr zum zwölften Mal stattfindet und zum zweiten Mal als konzertante Opernaufführung, hat schon ein besonderes Flair. Wenn die über 3.500 Besucher um den See pilgern, ist dies schon etwas Einmaliges. Etliche im Smoking, viele im Anzug, eine Menge aber auch in leichter Freizeitkleidung – auch dies macht den Reiz der Aufführungen am Dechsendorfer Weiher aus. Man stärkt sich vor der Vorstellung am Würstchenstand oder aber etwas gehobener bei den Schnittchen. Und alles läuft miteinander und alles ist aufeinander eingespielt. Auch dies macht den Reiz am Weiher aus. Prominenz flaniert neben den sogenannten „einfachen“ Besuchern, ein Miteinander, welches man nicht oft an anderen Opernpilgerstätten erleben kann.

Auf den Plätzen liegen kleine Tütchen, sie enthalten Feuchttücher, zur Abwehr der vielen Schnaken, vor denen man mich schon im Vorjahr gewarnt hatte und die sich – Gott sei Dank – auch dieses Jahr kaum sehen und hören lassen. Das Problem, dass es bei den Sitzreihen natürlich keine Erhöhungen gibt, besteht nach wie vor und wenn man etwas weiter hinten sitzt, ist die herrliche Musik hervorragend zu hören (die Anlage entspricht modernsten Erkenntnissen), dem Geschehen auf der Bühne kann man jedoch nur bedingt folgen. Bei einer konzertanten Aufführung ist dies jedoch nicht so tragisch, vor allem auch, wenn man wie in diesem Jahr an den Kulissen doch recht gespart und ein sehr spartanisches Bühnenbild erstellt hat. Aber in erster Linie geht es ja um die Musik und so kann man diese Kleinigkeiten getrost verschmerzen.

Was mich persönlich mehr gestört hat, für das aber die Veranstalter und die Künstler rein gar nichts können, sind die teilweise ungehobelten Besucher. Nach der recht langen Pause wird man mehrfach aufgefordert auf seinen Platz zurückzukehren, damit das packende Operngeschehen weiter gehen kann. Ja – und dies zieht sich. Eine ganze Reihe von Besuchern kommen, das gefüllte Glas in der Hand, und ohne Rücksicht auf andere Besucher zu nehmen, lange nach Beginn des zweiten Teils angeschlendert, quetschen sich – teilweise lautstark – in die Reihen und dies bis zu 15 Minuten, nachdem die Vorstellung weiter gegangen ist. So, aber jetzt genug der Vorreden, kommen wir zur musikalischen Seite und die ist, das darf ich schon vorwegnehmen, teilweise weit überdurchschnittlich gelungen. Aber der Reihe nach.

Nach ein paar Begrüßungsworten, erfrischend kurz und für die man vollstes Verständnis hat, weil sie auch auf die Sponsoren verweisen, ohne die eine solche Veranstaltung nicht auf die Beine zu stellen gewesen wäre, geht der imaginäre Vorhang auf, es beginnt die schauerliche Mär um „Rigoletto“.

Der gute Geist der szenischen Opernaufführungen am See, die Italienerin Ljubka Biagoni hebt den Taktstock und es wird still in dem riesigen „Konzertsaal“. Die Dirigentin hat auch in diesem Jahr die Regie übernommen, daneben ist sie ebenfalls verantwortlich für die Bühnenausstattung und die Kostüme. Sie hat auch erneut als Orchester die „Sofia Symphonics“ mitgebracht, diese bestehen, von ihr gegründet, aus den besten Musikern Bulgariens. Als Chor, der diesmal ein bisschen weniger zu tun hat, als in „La Traviata“, sind wieder die Mitglieder der Philharmonischen Chöre Nürnberg und Herzogenaurach zusammengekommen und sie beeindrucken erneut mit präziser Stimmgewalt.

Und Frau Biagoni lebt mit ihrem Orchester. Man merkt richtig, wie sie mitgeht, leidenschaftlich jede Passage auskostet und doch zupackend ihr Orchester fest im Griff hat. Locker, luftig, aber dennoch energisch bringt sie die Musiker dazu, alles zu geben und eine Spitzenleistung abzuliefern. So gewaltig sie zuweilen die Orchesterwogen über den Zuhörern zusammenschlagen lässt und sie mit brachialer Gewalt der Töne zudeckt, so sehr nimmt sie das gleiche Orchester bei den Gesangspassagen zurück, um ja nicht die Stimmen ihrer Protagonisten zuzudecken. Eine erneut außergewöhnliche hervorragende Leistung der Dirigentin und Allroundtalent, die mit Recht starken Applaus bekommt.

Beginnen wir bei den Solisten mit dem titelgebenden Rigoletto. Er wird verkörpert durch Anton Kerimitchiev der bereits im letzten Jahr als Vater Germont restlos überzeugen konnte. Und er setzt dieses Jahr noch etwas drauf. Selten habe ich die Partie des spöttischen Vasallen des Herzogs, der über jeden seine Häme verbreitet, dann zum bettelnden unterwürfigen Bittsteller wird, der um seine Tochter zittert, dann als gnadenloser Rächer die Ehre der Tochter rächen und den Herzog vernichten will und der am Schluss gebrochen erkennen muss, dass seine eigene Tochter sich aus Liebe geopfert hat und der Fluch, der über ihn verhängt worden war, grausame Realität erlangt. Diese verschiedenen Charakteren glaubhaft darzustellen, auch mit der entsprechenden Stimmlage ist eine Kunst, die Anton Kerimitschiev an diesem Abend mit Bravour meistert. Sein durchschlagskräftiger, ausdrucksstarker Bariton, der sowohl zu leidenschaftlichen Ausbrüchen, als auch zu zarten Passagen fähig ist, lässt die Zuhörer und –schauer in jeder Sekunde mit ihm mitleiden. In den Soli als auch in den Duetten kann er voll überzeugen, eine exzellente Leistung von ihm, die mit brausendem Beifall bedacht wird.

Mit dem gleichen brausenden Beifall bedacht wird Marta Torbidoni, die im letzten Jahr eine überzeugende Leistung als Violetta brachte. Auch sie steigert diese exzellente Leistung noch einmal und ist einfach eine anrührende Gilda, mit der man in jedem Moment mitleidet. Zart, aber dennoch mit Feuer und Leidenschaft bietet sie eine ergreifende Gilda, die vor allem auch in den Duetten mit ihrem Vater brillieren kann. Der ergreifende Liebestod lässt manchen im weiten Zuhörerrund ebenfalls ergriffen schluchzen. Das macht große Oper aus, wenn der Zuschauer sich ins Geschehen hineinversetzt fühlt – und dies ist an diesem Abend der Fall.

Und als leichtfertiger, lebenslustiger Herzog, der nur seinem Vergnügen lebt und dem die Schicksale anderer fremd sind, punktet an diesem Abend Mihail Mihaylov. Der bulgarische Tenor, der im letzten Jahr der Alfredo in „La Traviata“ war, kann mit seinem hellen, metallischen Tenor, der auch warm und leuchtend eingesetzt wird, voll überzeugen, sowohl in den leisen Passagen, als auch in den auftrumpfenden. Er bietet stimmlich einen Herzog, bei dem sicher auch manche Dame im Parkett schwach geworden ist und er überzeugt auch mit seiner Bravourarie „Oh, wie so trügerisch“.

Das Triumvirat aus Rigoletto, seiner Tochter Gilda und dem Herzog bietet eine stimmige, zusammenpassende Gestaltung – eine ausgezeichnete Leistung der Künstler. Bei den weiteren Rollen gibt es keinen Ausfall, hervorzuheben noch Sarah Ferede, die als Magdalena, der Schwester des Mörders Sparafucile, den Igor Storozhenko mit geläufigem Bass darstellt, ihren angenehmen Mezzo in die Waagschale werfen kann. In den weiteren Rollen Elisabetta Lombardi als Giovanna, Emiliya Atanasova als Annina, Rossitsa Pavlova-Indzheva als Gräfin Ceprano sowie Petar Petrov als Graf Ceprano, Lynbomir Chernev als Monterone, Alexander Baranov als Borsa, Orfey Petrov als Marullo und schließlich Emile Dakov als Gerichtsdiener. Sie alle geben ihr Bestes und vervollständigen das ausgezeichnete Ensemble. 

Lange anhaltender, herzlicher Applaus belohnt die Leistungen der Künstler und geben Beleg darüber, dass es den über 3.500 Besuchern erneut ausgezeichnet gefallen hat. Man freut sich bereits auf das nächste Jahr und ist begeistert über das fulminante Feuerwerk, welches noch über dem See abgebrannt wird. Im nächsten Jahr gibt es wieder ein sinfonisches Konzert unter dem Motto „Eine italienische Sommernacht“. Ich jedenfalls freue mich schon darauf und werde wieder dabei sein.

Manfred Drescher 5.8.14                                                    Bilder  Kilian Reil

 

 

 


5. Internationale Gluck Opern-Festspiele Nürnberg 2014

Markgrafentheater Erlangen, am 15.07.2014

Tommaso Traetta

IPHIGENIE AUF TAURIS

Aus der Versenkung geholt

Viel zu lang schlummerte Tommaso Traetta in der Versenkung, immerhin zweihundert Jahre lang, ehe die rührige Heidelberger Bühne beim Barock-Festival „Winter in Schwetzingen“ einen Ausgrabungsfund präsentierte - die im Oktober 1763 aus der Taufe gehobene Oper „Iphigenie auf Tauris“. Im Markgrafentheater  zu Erlangen gastierte das Theater Heidelberg im Rahmen der Gluck Opernfestspiele mit einer in erster Linie musikalisch inspirierenden Produktion dieser Oper. Gespielt wurde in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln. Tommaso Traetta, einst Hofkapellmeister in Parma, war ein umtriebiger Typ, dessen neapolitanische Opernerfolge sich in ganz Europa herumsprachen. Auch wenn der Reformator Gluck Tommaso Traetto den Rang ablaufen sollte, staunt man doch über dessen supreme musikalische Qualitäten seiner Seria-Oper, die stilistisch zwischen barocken vokalen Errungenschaften und Frühklassik atmenden Elementen zu orten ist. Feinsinnig lässt Traetta  melodische Linien strömen, affektreich  charakterisiert er die Figuren. So entstand ein ausgesprochenes Erfolgsstück, das eine mit dramatischem Instinkt komponierte Musik vorführt, die Personen in ihren inneren Beweggründen ausdeutet und auch verschiedene Stilelemente aus Glucks „Orpheus“ einbezog. Die starre Haltung der Opera seria wird zwar zugunsten einer dramatischen Charakterisierung der Figuren aufgebrochen, doch der Nummerncharakter bleibt im wesentlichen erhalten.  

Foto: Ludwig Olah

Orest hat seine Mutter getötet, um seinen von ihr ermordeten Vater zu rächen. Beruhigen könnte sein Gewissen nur der Besitz des Bildnisses der Göttin Pallas von der Insel Tauris. Nach altem Brauch soll Orest wie jeder Fremde nach der Ankunft auf der Insel geopfert werden, was seine unerkannte Schwester, die griechische Opferpriesterin Iphigenie zu vollziehen habe. Nach der Enthüllung von Orests Identität opfert Iphigenie jedoch nicht ihren Bruder, sondern erschießt den blutrünstigen Urheber dieser insularen Gepflogenheit – den König Thoas.  

Lautten Compagney Große Besetzung           Foto: Ida Zenna

Ergiebig wird auf der Koloraturenleiter geklettert, so der polnische Sopran Aleksandra Zamojska, die von ihrem Peiniger Toante (Francisco Fernández-Rueda) mit Spielsachen, Plüschtierchen, Schulranzen und einer riesigen Kollektion von Schuhen versorgt wird. Man staunt über feine Piani, die Sprengkraft ihrer Gefühle, mag auch die Traumatisierung sich ein wenig outrierend offenbaren. Einen Volltreffer landen die Heidelberger Opernmacher mit dem Engagement des aus Russland stammenden Artem Krutko, der dem Oreste stimmlich faszinierendes Profil gibt. Und er versteht frei von Manierismen prächtig zu countern. Als Dori imponiert die isrealische Sängerin Rinnat Moriah mit klangschöner Leichtigkeit, während die Sopranistin Irina Simmes die Hosenrolle des Pilade zur fesselnden Darstellung bringt. Der Chor hinterlässt einen sicheren Eindruck. Als Mischung zwischen griechisch-barockem Stil und aktuellem Zeitbezug assoziierend, stellt der Regisseur Rudolf Frey diesen antiken Tragödienstoff dar. Inwieweit der Tempelkerker für Iphigenie einen bekannten Entführungsfall signalisiert (Fototapete Einfamilienhaus im Bühnenhintergrund), bleibe dahingestellt. In der peinigenden Atmosphäre vergegenwärtigt eine Opferstätte eine geplante Hinrichtung. Das Personal trägt weiße Schutzanzüge. Wenn Iphigenie den Tyrann Toas mit Pistolenschuss ins Jenseits befördert, spritzt das Blut nach allen Seiten. So bildkräftig sich die szenische Umsetzung in der Bühnenarchitektur und Kostümierung von Aurel Lenfert auch immer ausnimmt, irgendwann ist man der aufgemotzten Künstlichkeiten und der klischeehaften Gesten (gestelzter Maskentanz der Furien) doch überdrüssig. Umso mehr fasziniert die exzellente klangrednerische Musizierweise der „Lautten Compagney“ Berlin unter der flexiblen Leitung von Wolfgang Katschner. 

Egon Bezold/15.7.14   

 

Diese Produktion wurde vom Theater und Orchester Heidelberg bereits zum "Winter in Schwetzingen" vorgestellt. Unsere ausführliche Besprechung der dortigen Premiere vom 15.12.2013 befindet sich unter Schwetzingen.

 

 

 

 

 

Klassik am See

http://www.klassik-am-see.com/

 

 

Klassik am See

lädt zur Verkostung ein
8.5.14

Einführung zum diesjährigen „Rigoletto“ am Dechsendorfer Weiher 

Nachdem im letzten Jahr erstmals bei „Klassik am See“ mit großem Erfolg die Oper „La Traviata“ gespielt wurde, hat man sich entschlossen, auch in diesem Jahr eine Oper aufzuführen und zwar Giuseppe Verdis „Rigoletto“. Und erstmals stellte man dies in einer exklusiven Abendveranstaltung im Wassersaal der wunderschönen Orangerie in Erlangen vor. Einmal um Werbung für diesen herausragenden Open-Air-Event zu machen, dann um den Freundeskreis, der neu gegründet worden war vorzustellen und nicht zuletzt um Kostproben zu hören, aus der letztjährigen Aufführung von „La Traviata“ und aus der kommenden von „Rigoletto“.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann lies es sich nicht nehmen persönlich anwesend zu sein und auch ein Grußwort zu sprechen, wie auch Oberbürgermeistre Florian Janik und Uni-Präsident Karl-Dieter Grüske. Natürlich durfte auch die lokale Prominenz nicht fehlen und die Vertreter der Presse. Zu Beginn gaben Jan-Peter Dinger, Geschäftsführer und Vorsitzender des Vereins „Klassikkultur“ und der künstlerische Vorstand Roland Scheuer einen unterhaltsamen Rückblick über die Anfänge der „Klassik am See“ bis zu diesem Jahr, dem zwölften seit dem Beginn der Konzertreihe. Dann sprach die Dirigentin der letzten beiden Jahre Ljubka Biagioni, die auch in diesem Jahr den „Rigoletto“ dirigieren wird, über die Geschichte und auch über das Orchester, die Sofia Symphonics, die dieses Jahr auch wieder am Dechsendorfer Weiher zu hören sein werden. Persönliche Erlebnisse, Anekdoten und vieles mehr, ließen die Zeit wie im Flug vergehen. Britta Dassler, die frisch gewählte Präsidentin des Fördervereins stellte diesen dann vor und bat natürlich um rege Beteiligung, sprich Eintritt in den Verein zur Unterstützung von „Klassik am See“. Und dann kam der Höhepunkt des kurzweiligen Abends. Ljubka Biagioni hatte den diesjährigen Herzog aus „Rigoletto“ Michail Michailov mitgebracht und dessen Gattin, die Sopranistin Emilia Kircheva. Diese beiden sorgten dann, im Zusammenspiel mit dem Pianisten Stefan Vracev dafür, dass der Saal zum Kochen kam und der Beifall am Ende fast nicht enden wollte.

Mit geläufigen Fingern begann der Pianist Stefan Vracev die originale Ouvertüre von „La Traviata“ zu interpretieren und erhielt hierfür zu Recht großen Applaus der Anwesenden. Michail Michailov begann mit Rezitativ und Arie des Alfredo aus „La Traviata“ und legte alles Feuer hinein. Stimmschön, durchschlagskräftig, mit strahlendem, hohem und sicherem Tenor bewältigte er diese nicht gerade leichte Partie mit Bravour.

Dann konnte man dann das Ehepaar Michail Michailov und Emilia Kircheva im Duett Violetta/Alfredo aus „La Traviata“ „O lass uns fliehen aus diesen Mauern (Parigi, o cara) erleben. Und es war wirklich ein Erlebnis. Die beiden Stimmen waren in jedem Ton aufeinander eingespielt, sie zart jedoch durchschlagskräftig und er mit einem fulminanten hohen und klaren Tenor, bei dem man keinem Moment Angst darum haben musste, ob er die Töne trifft. Leidenschaftlich in diesem, ja sagen wir ruhig letzten Liebesduett vor dem Tod von Violetta rissen sie die Zuhörer hin. Weiter ging es dann mit „Rigoletto“ und hier sorgte auch wieder Emilia Kircheva für Gänsehaut und stille Ergriffenheit bei den Zuhörern. Mit der großen Arie der Gilda „Teurer Name, dessen Klang (Caro Nome)“ begeisterte sie erneut. Sie spielte nicht die Gilda, in diesem Augenblick verkörperte sie sie so, als wenn sie es selbst wäre. Man hätte bei ihrem Vortrag eine Stecknadel fallen hören. Zart, trotzdem in den entsprechenden Passagen leidenschaftlich und auftrumpfend, mit perlenden Koloraturen, optisch ebenfalls ein Hingucker und vor allem war man verblüfft, welche Stimmgewalt dieses kleine zarte Persönchen aus sich herausholen konnte. Langanhaltender begeisterter Beifall der Anwesenden.

Nach Klaviervariationen über Rigoletto Themen von Krüger, eindrucksvoll wieder von Stefan Vracev dargeboten, verzauberte Michail Michailov (nicht nur) die anwesenden Damen mit der brillant, höhensicher, schmelzend und gleichzeitig durchschlagskräftig gesungenen Arie des Herzogs „Oh, wie so trügerisch (La donna e´ mobile)“ erneut aus „Rigoletto“. Gerne hätte man noch mehr von den beiden gehört und sie gar nicht mehr von der Bühne gelassen, doch jeder – und wenn noch so beeindruckender Abend – geht einmal zu Ende. Geblieben war die Vorfreude auf den 30. Juli 2014, dann nämlich wenn am Dechsendorfer Weiher „Rigoletto“ auf dem Spielplan und auf der Bühne steht.

Manfred Drescher in der Orangerie am 08. Mai 2014

Bilder:  Kilian Reil

 

LA TRAVIATA

verzaubert den Dechsendorfer Weiher

Klassik am See erstmals mit einer stürmisch bejubelten Opernaufführung

(besuchte Aufführung am 31.07.2013)

Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah. Dies konnte ich vor einigen Tagen feststellen, als ich eine Einladung zur „La Traviata“ am Dechsendorfer Weiher erhielt. Dechsendorfer Weiher, ja wo ist denn das, fragte ich ungläubig, obwohl dieser gerade einmal knapp 40 km von meinem Wohnort entfernt ist. Der Dechsendorfer Weiher liegt bei Erlangen und ist seit über 10 Jahren Treffpunkt musikverliebter Menschen, die unter dem Begriff „Klassik am See“ dort Jahr für Jahr ausverkaufte exzellente Konzerte erleben konnten. Und diesmal im 11ten Jahr, wagte man es, erstmals eine Oper auf die Bühne zu stellen. Und bis auf ein paar Kleinigkeiten ist das Wagnis voll gelungen. Über 4000 Menschen pilgern an den See, können vor der Vorführung Gespräche an den vielen kleinen Tischchen und Tischen führen, können Kleinigkeiten essen und trinken, können sich auch im Grünen niederlassen und den Beginn des Abends abwarten. Der Weg zum See, zu Fuß zurückgelegt oder per überfüllten Shuttle-Bussen ist bei den Gott sei Dank hochsommerlichen Temperaturen recht beschwerlich, aber das nimmt man gern in Kauf. Viel Prominenz wandelt zwanglos unter den normalen Musikfreunden umher, ich erkenne unseren Innenminister Joachim Herrmann, den unglaublich beliebt gebliebenen Ministerpräsidenten a.D. Günter Beckstein, den OB von Erlangen Siggi Balleis und viele viele mehr. Die Schnaken, vor denen man mich so gewarnt hat, und die mich zum Kauf eines Sprays verführten, lassen sich nicht sehen, auch hier Gott sei Dank. Ja und nach vielen Häppchen und Schlückchen begibt man sich dann auf seinen Platz. Und hier müssen sich die Macher noch etwas einfallen lassen, wenn Oper am See keine Eintagsfliege werden soll. Es gibt in den Sitzreihen natürlich keine Erhöhungen, und wenn man nur etwas weiter hinten sitzt, kann man zwar die herrliche Musik hören, das Geschehen auf der Bühne aber leider nur mehr erahnen. Aber sei’s drum, es ist ja eine halbszenische Aufführung und da ist das nicht ganz so schlimm. Etwas schlimmer ist, dass mitten im Operngeschehen (natürlich gerade in einem romantischen Liebesduett) die Sirenen eines Großeinsatzes der Feuerwehr fast zehn Minuten über den See heulen, weil ein Wohnmobil ins Brennen geraten ist und ausbrennt. Aber selbst dies kann die Stimmung am See nicht nachhaltig stören. Nach ein paar – erfrischend kurzen - Begrüßungsworten, die sein müssen, weil ja auch die Sponsoren im nächsten Jahr wieder eifrig dabei sein sollen, geht es los. Der nicht vorhandene Vorhang öffnet sich für „La Traviata“. 

Ljubka Biagoni (die Italienerin leitete auch das vielumjubelte Jubiläumskonzert des letzten Jahres und hat in der Opernaufführung am See die Regie, die Bühnenausstattung und die Kostüme verantwortlich übernommen) führt das Orchester, welches sich „Sofia Symphonics“ nennt und von ihr gegründet wurde und aus Musikern aus den besten Orchestern Bulgariens besteht, zur Ouvertüre. Daneben tritt auch der gewaltige Chor, der auch schon einmal durch die langen Reihen stapft, des Philharmonischen Chors Nürnberg und des Philharmonischen Chors Herzogenaurach auf. Und Frau Biagoni hat ihr Orchester fest im Griff. Unbeschwert, ja fast luftig und locker, der Situation angepasst, einem lauem Sommerabend gleichend, führt sie das ausgezeichnete Orchester zu Spitzenleistungen. Sie fordert das es mit harter zupackender Hand, nimmt sich aber in den Gesangspassagen zurück, um die Sänger nicht zu überdecken und atmet musikalisch mit ihnen. Eine ganz tolle Leistung.

Und sie hat in Marta Torbidoni als Violetta eine kongeniale Partnerin. Zart, dennoch durchschlagskräftig, aufblühend und ergreifend gestaltet sie die Violetta, man zittert und fühlt mit ihr mit und kann am Schluss der Aufführung sicherlich die eine oder andere Träne nicht unterdrücken. Was kann man schöneres über ein solch musikalisches Ereignis sagen.

Ihr Partner Mihail Karaivanov als Alfredo hat einen durchschlagskräftigen, metallischen schönen und warmen Tenor. Leider scheint er an diesem Abend mit einer leichten Indisposition zu kämpfen, und man kann eigentlich nur erahnen, zu was er im Vollbesitz seiner stimmlichen Kräfte fähig gewesen wäre.

Der Violetta ebenbürtig war Anton Kerimitchiev als restlos überzeugender Vater Germont. Er ließ sein herrliches Material voll strömen und überzeugte nicht nur in seinen großen Arien sondern auch in den Duetten – eine wahrlich meisterliche Leistung, die er an diesem Abend hier am Dechsendorfer Weiher bot.

Keinen Ausfall gab es bei den sonstigen Besetzungen, sowohl Elisabetta Lombardi als Flora, Emiliya Atanasova als Annina, als auch Momchil Karaivanon als Gaston, Dobromir Momekov als Barone, Alexander Georgiev Nosikoff als Marchese, Joannes Wiedeke als Dottore, Rainer Ostermeyer als Joseph, Felix Hacker als Commissionär sowie Sascha Betram als Diener gaben ihr Bestes und vervollständigten das Ensemble stimmig.

Langanhaltender Applaus, der sich für eine Freilichtaufführung sehr lange hinzog, gab darüber Aufschluss, dass es den über 4000 Besuchern ausgezeichnet gefallen hatte – und als dann noch ein fulminantes Feuerwerk über dem See abgebrannt wurde, sah man kein griesgrämiges Gesicht mehr. Das Wagnis mit der Oper am See war jedenfalls aus meiner Sicht ein voller Erfolg.

Manfred Drescher                                         Bilder: Thomas Langer

 

 

 

 

 

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