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Museum der Moderne Salzburg

                                                          

Josef Tal

Hommage an Else Lasker-Schüler

27.8. (Szenische Uraufführung)

Minimalistisches Stationendrama über eine schillernde Dichterin

Der israelische Komponist Josef Tal (eigentlich Grünthal) wurde 1910 bei Pinne in Posen geboren und starb 2008 in Jerusalem. Er gilt als einer der Mitbegründer der israelischen klassischen Musik. An der Musikhochschule Berlin machte ihn sein Lehrer Paul Hindemith mit Friedrich Trautwein (1888-1956) bekannt, der daselbst ein Studio für Elektronische Musik leitete. Unter dem Titel „Hommage an Else Lasker-Schüler“ hat Regisseur Bruno Berger-Gorski aus Tals Oeuvre zwei Sologesänge mit Instrumentalbegleitung, „Else“ (1975) auf einen Text von Israel Eliraz (1936-2016) und „Mein blaues Klavier“ (1993) nach einem Text von Else Lasker-Schüler (1869-1945), sowie einen Sologesang ohne Instrumentalbegleitung, „Scene“ (1978/1982) nach einem Text aus Franz Kafkas Tagebuch, zusammengestellt sowie das Gedicht „Ein Lied“ von Else Lasker Schüler in diese Collage eingeflochten.

Wiewohl die drei Einzelkompositionen von Josef Tal bereits allesamt bereits ihre Uraufführung erlebt hatten, handelt es sich bei dieser Collage dennoch um eine szenische Uraufführung. Für Tal, der die Stoffe seiner Opern bis dahin der hebräischen Bibel (Saul in Ein Dor, 1955), den Legenden aus dem Talmud (Ashmedai, 1968) oder der Geschichte der Juden (Massada 967, 1972) entnommen hatte, stellt die Dichterin Else Lasker-Schüler als Thema eines musikalischen Monodramas ein völliges Novum dar.

Zum Inhalt: Die deutsch-jüdische Zeichnerin und Dichterin Else Lasker-Schüler sehnt sich verarmt und einsam in Israel nach glücklicheren Tagen. Sie hat weder den Tod ihrer geliebten Mutter, noch den ihres Sohnes überwinden können. Sie beschwört die Namen ihrer alten Freunde Trakl, Kokoschka, Brod, Marc und Werfel und gibt sich selbst Fantasienamen wie Yussuf, Prinz von Theben oder Tino von Bagdad. Auf der Bühne schiebt die alte Else (ergreifend Julia Gschnitzer) einen klapprigen Einkaufswagen, angehäuft mit Erinnerungsstücken und schreibt an ihrem letzten unvollendet gebliebenen Drama „IchundIch“, eine vielschichtige Fortsetzung von Goethes Faust, in der Faust und Mephisto vom Höllengrund aus beobachten, wie Hitler die Welt stückweise erobert.

Angewidert ob seiner Greueltaten bitten beide Gott um Vergebung, die ihnen auch zu Teil wird, während das Dritte Reich in einem Infernal zu Grunde geht. Sie führt Selbstgespräche mit sich und in ihrer Erinnerung kann dann die junge Else I und II, von Einat Aronstein und Ethel Merhaut mit ansprechendem Sopran vorgetragen, auch in Hebräisch singen, jener Sprache, die sie nie erlernt hatte. Als Sprecherin verband Sandra Kreisler die einzelnen Szenen miteinander. Augustin Grotz und Maximilian Menzel, beide Schauspielstudenten am Thomas Bernhard Institut des Mozarteums Salzburg im ersten Jahrgang, wirkten als Yussuf und Tino mit. Marko M. Feingold (28.5.1913*), der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Salzburg und ältester Holocaust-Überlebender Österreichs, trug als Sprecher Else Lasker-Schülers Gedicht „Ein Lied“ vor. Am Ende der szenischen Collage intonierte noch Shmuel Barzilai, Oberkantor in Wien, das berühmte Heiligungsgebet „Kaddisch“, dessen wichtigste Gedanken sich auch in dem von der Tradition Jesus von Nazareth zugeschriebenen Vaterunser wieder finden.

Die musikalische Leitung lag in den verdienten Händen von Alexandra Helldorff und dem Ensemble SÆSCH, bestehend aus Alexey Grots (Klavier), Ruth Kemna (Viola), Elisabeth Grain (Violoncello) und Johannes Gerl (Waldhorn). Diese vier Instrumente werden von Tal freilich nicht als ein Kammerensemble eingesetzt, sondern als seperate, eigenständige Teile, wobei der melodische Stil des Klaviers, der Viola und des Cellos jenem der Sängerin angeglichen ist. Darüberhinaus zitiert Tal auch den „Valse de Chopin“ aus Schöbergs Melodrama „Pierrot Lunaire“ (1912).

Regisseur Bruno Berger-Gorski changierte gekonnt zwischen der Traum- und Fantasieebene hin und her und eröffnete auf diese Weise in einem Stationendrama in sieben Bildern spannende Dialoge zwischen Sopran und Sprecherin und Sopran bzw Sprecherin und Instrument. Am Ende dieser in Gedanken vollzogenen Zeitreise stirbt die alte Else eingeknickt auf einem Stuhl. Die minimalistische Bühnenausstattung entwarf Christoph Rasche, die überwiegend in Schwarz und Weiß gehaltenen Kostüme Gera Graf. Tadeusz Krzeszowiak besorgte die sensible Einleuchtung. Als Projektionen wurden noch während der Aufführung Motive aus den Werken von Hubert Scheibl (1952*) und Daniel Spoerri (1930*) gezeigt.

Veranstaltet wurde diese Produktion vom Verein Musiktheater Wien in Kooperation mit dem Museum der Moderne Salzburg und der Israelitischen Kultusgemeinde Salzburg.

Der starke Applaus im Anschluss an die etwa einstündige Präsentation galt in erster Linie Marko Feingold und Julia Gschnitzer, die beide auf ihre Weise das Publikum nachhaltig erschütterten.                                                

Harald Lacina, 28.8.                                                                 

Fotocredits: Verein Musiktheater Wien

 

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