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ARIS AGIRIS

„Der Kunst dienen auf höchstem Niveau“

Vor wenigen Tagen traf ich mich mit dem Opernsänger und Universitätsprofessor Aris Argiris in einem Cafe in Dortmund. Er kam gerade von der Berliner Uni und war auf dem Wege ins heimatliche Bonn. Es wurde ein ausführliches Gespräch, deutlich länger als die ursprünglich angedachte Zeit. Wir sprachen über seine Kunst, seinen Gesang, seine Karriere, seine Tätigkeit als Gesangsprofessor an der UDK in Berlin, seine Familie und seine Ambitionen ein Opernhaus als Intendant künstlerisch zu leiten. Und wir sprachen viel über Verantwortung. Die Verantwortung, die ein Opernsänger seinem Publikum gegenüber hat, wie auch dem Komponisten und der Musik gegenüber. Aber auch die Verantwortung, die ein erfahrener und renommierter Sänger seinen jüngeren Kolleginnen und Kollegen gegenüber in sich trägt, sieht er seinen Beruf und die Kunst wichtiger an als sich selbst.

Geboren und aufgewachsen als Sohn einer, wie Aris Argiris selbst sagt, normalen griechischen Familie war es ihm nicht unbedingt in die Wiege gelegt Opernsänger zu werden. Er entstammt nun mal keiner Musikerfamilie, wo den Kindern die Wege zumindest vorgezeichnet werden in Richtung musikalische Ausbildung. Aber die Musik zog ihn dennoch an und so studierte der gebürtige Athener in seiner Heimatstadt neben Marketing und Sprachen auch Saxophon und Musiktheorie sowie Gesang bei Kostas Paskalis, Frangiskos Voutsinos und Despina Calafati. Schon mit 22 Jahren wurde er zum Gesangssolisten ausgebildet und bereits mit 24 verließ er Griechenland um in Deutschland Opernkarriere zu machen. Die Opernhäuser in Gelsenkirchen, Dortmund, Bonn und Frankfurt bildeten die ersten Stationen des heute freiberuflich tätigen Baritons. Viele Gastauftritte führten ihn quer durch Europa, in die USA, nach Südamerika und auch nach Israel. Er gehört zu den gefragtesten Baritonen unserer Zeit und er bringt dafür auch vieles mit. Natürlich seine unverwechselbare und kräftige Baritonstimme, die mit ihrer mühelosen Höhe auch die größten Partien seines Fachs, besonders auch und gerade die des italienischen, begeisternd meistert. Bedeutende Dirigenten unserer Zeit arbeiten und arbeiteten mit ihm, wie unter anderem Zubin Mehta, Christian Thielemann oder auch der unvergessene Kurt Masur. Die Stationen seiner Karriere und auch seine weiteren Pläne sind der gutgemachten und informativen Website des Künstlers zu entnehmen. Alles dies hier aufzuführen, würde den Rahmen sprengen. Gibt es doch so viel mehr über den Menschen und Sänger Aris zu berichten.

Den musikalischen Schwerpunkt seiner Tätigkeit als Opernsänger sieht Aris Argiris, wie bereits erwähnt, im italienischen Fach. Verdi, Donizetti und Puccini seien dort genannt. Eine seiner Lieblingspartien ist die des Rigoletto aus Verdis gleichnamiger Oper. Diese vielschichtige Rolle des verzweifelten Hofnarren und liebenden Vaters, den Verdi mit einer zutiefst ergreifenden Musik ausgestattet hat, darf als eine der Glanzpartien Argiris‘ bezeichnet werden. In Gelsenkirchen habe ich ihn vor einigen Jahren in dieser Rolle bewundern und auch genießen dürfen. Neben den italienischen Komponisten hegt Aris Argiris auch große Bewunderung für deutsche Musiker wie Erich Wolfgang Korngold ( am 22. und 25.7. wird er in Freiburg den Herrscher in dessen Werk „Das Wunder der Heliane“singen. Auf dem CD-Label NAXOS wird es einen Mitschnitt der Aufführung geben ) und natürlich Richard Wagner. Hier wird Aris Argiris im Dezember 2017 als Wotan/Wanderer in der reduzierten Fassung des Ring der Nibelungen am Theater an der Wien debütieren. Er wäre damit der wahrscheinlich erste griechische Bariton der diese großen Wagner-Partien interpretiert.

Er dient der Kunst mit seinem Talent, seinem Wissen und dem ständigen Lernen und Weitergeben von beidem an seine Studenten/-innen in Berlin. Und er tut es so wie es auch sein Anspruch ist: auf einem sehr hohen Niveau. Ein Niveau welches er in nunmehr 700 Vorstellungen unter ständigem Beweis stellen konnte und es auch weiterhin kann. Für Argiris gibt es offenbar keinen Status quo wenn es darum geht, eine Partie neu zu erlernen oder oft gesungene Partien zu interpretieren.

Er spricht in diesem Zusammenhang immer wieder von Verantwortung. Einer Verantwortung, die ein Sänger, – eine Sängerin -, gegenüber des eigenen Berufes hat. Nicht nur dem Komponisten und seiner Komposition gegenüber, sondern auch gegenüber dem Publikum und ganz besonders auch dem sängerischen Nachwuchs und den Gesangsstudenten. Den möglichen Opernstars von morgen.

Antrieb, Motor und größtes privates Glück für Aris Argiris ist seine Familie, seine Frau Guadalupe (gen. Lupe) Larzabal und seine beiden Töchter. Lupe, selbst ausgebildete Opernsängern im Fach Alt, war Aris erste Gesangsschülerin und ist nun das für ihn, was man seinen „Anker“ nennt. Die gebürtige Argentinierin unterstützt ihren Mann im privaten und beruflichen Bereich. Gleichzeitig ist sie aber noch weiterhin künstlerisch tätig. So hat sie u.a. die Leitung eines Chores ( VOCES DE LAS AMÉRICAS ) inne, der mit seiner erfolgreichen Aufführung der „Misa criolla“ große Beachtung fand. Lupe, die von Haus aus spanisch spricht und der Grieche Aris, kommunizieren untereinander auf englisch. Für die beiden Töchter ergibt sich dadurch der ungemeine Vorteil mit deutscher, englischer, spanischer und griechischer Sprache aufwachsen zu können, ja zu dürfen. Ein ganz besonderes sprachliches Fundament und auch Geschenk, welches ihnen ihre Eltern, – neben der gemeinsamen Liebe zur Musik -, für das Leben mitgeben.

„Ein Sänger ist irgendwie auch eine multiple Person„, sagt mir Aris im Gespräch und weiter: „Wir haben jahrelang studiert, manche sogar mehr als ein Studium, sprechen in der Regel 3 bis 4 Fremdsprachen, verfügen oftmals auch über Managerqualitäten und doch findet das alles nicht immer die Anerkennung, die es verdient hätte.“ Und er fügt hinzu: „Es gibt einfach zu wenige Sängerpersönlichkeiten in gehobenen Positionen“.

Hier findet Aris Argiris in mir einen ihm voll zustimmenden Gesprächspartner. Wo sind die vielen großartigen Sänger, die nach ihren Karrieren vielleicht noch als Gesangslehrer auftauchen, aber von denen man im Opernbusiness nichts mehr hört. Wo bleibt dieser große und wundervolle Erfahrungsschatz dieser ehemaligen Sängerinnen und Sänger? Wieso wollen die Opernhäuser und Theater davon nicht oder nur wenig partizipieren? Wo sind die erfahrenen Sängerinnen und Sänger, wenn es um die Besetzung von Intendantenposten an den Theatern und Opernhäusern geht oder gehen diese Posten einfach „unter der Hand“ weg, wollte ich von Aris Argiris wissen.

Für Argiris ist es wichtig, dass es einfach viel mehr Vertrauen für die Künstler geben sollte die eben diesen beruflichen Weg in die Leitung eines Opernhauses gehen wollen. Das Rüstzeug dazu ist bei den allermeisten vorhanden. Der Wille dazu auch. Die allgemeine Akzeptanz wohl auch. Nur das allein reiche wohl meist nicht.

Aris Argiris sieht sich und seine berufliche Zukunft in einer Intendantenposition an einem Opernhaus, um dort seine Erfahrungen, sein Wissen im künstlerischen, wie auch im wirtschaftlichen Bereich, einbringen zu können. Hinzu kommen bei ihm auch seine vielen und langjährigen Kontakte zu Künstlern und Bühnen weltweit. Wichtig ist es für ihn, dass dann die Rahmenbedingungen stimmen, auch politischer Art. Denn manchmal gerät die Besetzung der Opernintendantenstelle zu einem Politikum und einem Interessenskampf auf nicht gerade künstlerischen Niveau. Der Wunsch und auch der Wille bei Aris Argiris, -und auch bei vielen seiner Kolleginnen und Kollegen -, auf eine solche Tätigkeit sind da. Das sich immer drehende Intendantenkarussell sollte sich nicht nur immer mit den gleichen Gästen drehen sondern ab und an anhalten, wie es die wirklichen Karussells auch tun, um neue Mitfahrer mitzunehmen. Dann geht es umso schwungvoller weiter.

Ein weiteres wichtiges Anliegen sind ihm die vielfach großen bürokratischen Hürden, die freischaffenden Künstlern/-innen zur Ausübung ihrer Arbeit in den Weg gestellt werden. So würden immer öfter kleinere künstlerische Projekte durch die überbordende Bürokratie der zuständigen Behörden gestoppt oder auch gar verhindert.Hier sieht Argiris Handlungsbedarf auf politischer und kommunaler Ebene.

Ein Interview mit dem Opernsänger und Gesangspädagogen Aris Argiris ist nicht nur ein Gespräch über das „Dies und Das“ der Opernszene. Es offenbart viel mehr. Es zeigt den sehr ernsthaft um seinen Berufsstand bemühten und besorgten Opernsänger ebenso klar, wie es tiefe Einblicke darin gibt, wie professionell Aris seine Tätigkeit als Professor für Gesang an der Universität der Künste in Berlin (UDK) definiert und sieht.

Das OPERNMAGAZIN dankt Aris Argiris für ein besonderes Gespräch mit vielen unterschiedlichen Einblicken und Aussichten auf sein Leben als Opernsänger. Ein Gespräch, welches wir in sehr freundschaftlicher, offener und angenehmer Atmosphäre geführt haben und was sicher nur als Ouvertüre zu weiteren dieser Art gesehen werden kann.

Detlef Obens 17.3.2017

Bilder (c) Musiktheater im Revier

Dank für die Übernahme an das OPERNMAGAGZIN

 

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