DER OPERNFREUND - 51.Jahrgang
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 PAPA BIL´s MEMOIREN

Ich mache es seit meinem 67. wie die

großen Opernstars - es nur noch Jugendbilder ;-)

 

 

 

Ringflation

Wahn, überall Wagnerwahn... Hinweg vom Ring!

Gut nun - Richard Wagners „Ring des Nibelungen“ ist mit rund 16 Stunden das längste Opernwerk aller Zeiten. Daß der Meister es auf vier Tage verteilt hat, tut den Sitzschmerzen keinen Abbruch, denn die 2,5 Stunden „Rheingold“ des ersten Tages laufen ohne Pause ab und die weiteren Stücke (Walküre, Siegfried & Götterdämmerung) haben zwar zwei Pausen, sind aber praktisch in jedem der drei Akte schon italienische Abendfülle; weswegen alle Musiker für diese Opern auch gleich zwei sogenannte „Dienste“ bezahlt bekommen. Dieses Monsterwerk sollte eigentlich nur in Bayreuth aufgeführt werden, dem großen Meister RW war schon klar, daß sein geradezu gigantisch besetztes Orchester jede noch so gute Stimme übertünchen würde - weshalb er den Orchestergraben besonders tief (er geht weit unter die Bühne, wie eine richtige Wurmhöhle) gestalten ließ, und vorne gibt es eine große Blende am Übergang zum Zuschauerraum. Einzig da und nur da können also seine Werke in der richtigen Abstimmung zwischen Orchesterlautstärke und gesanglicher Verständlichkeit korrekt realisiert werden.

Das führte vor allem im späten letzten Jahrhundert zu Monsterstimmen von Künstlern mit teilweise Monsterkörpermaßen von den Altar-Wagnerianern in Salzburg, Wien, der Scala, an der MET und sonst wo solange bejubelt, bis ihre Stimmen ruiniert waren. Zu den ganz unrühmlichen Ruinator-Legenden gehörte (pars pro toto) der „große“ Herbert von Karajan - eines von seinen vielen Opfer die einstmals fabelhafte Rheinopern-Ikone Ursula Schröder Feinen. Sie beendete ihre Kariere, wie verlautet, in einer Bratwurstbude am Kölschen Rhein. Heute, im Zeitalter des zu Recht so betitelten „Musiktheaters“, wird im Orchestergraben nicht mehr so stimmtotschlägerisch herumgeholzt, sondern man bemüht sich (was zugegebenermaßen bei Wagner sehr schwer, aber umsetzbar ist) um ein ausgeglichenes Klangbild und um Textverständlichkeit. Übertitel des deutsch gesungenen Textes in Deutsch sind keine Seltenheit mehr, muten aber dennoch irgendwie an, als wären sie von Loriot erfunden worden.

Der RING blieb also, zumindest bis zur Jahrhundertwende (mit Ausnahmen), nur größeren Häusern vorbehalten. Und das war gut so! Das 21. Jahrhundert entwickelte sich langsam und zunehmend zum Opernzeitalter der „Ringflation“ - jede mittlere Pommes-Bude, jedes noch so kleine Provinz- und Reisetheater setzte Ritchies RING aufs Programm. Da wollte keine hinter dem anderen zurückstehen. „Wir haben auch ein Recht auf den RING!“ erscholl es allerorten. Und all die lokalen Kritiker berichteten von berückenden Produktionen auf internationalem Niveau (!) in Quadratquietschendorf, Oberuntertürschleim am Walde, Kleinbonnum oder Hinterfuzzingen an der Leier. Kleinkarierter Kritik, daß ihr Haus nur maximal der Hälfte der von Wagner geforderten Musikern Platz im Orchestergraben böte, bot man forsch die Stirn und präsentierte reduzierte Orchester-Fassungen z.B. der von Lessing und Co. - oder man sourcte ganze Orchestergruppen out und spielte sie per Lautsprecher ein, was beim durchschnittlichen Alterslevel der Besucher teutscher Opernbesucher von mind. 65 Jahren - bei Wagner oft älter - dann ohnehin kaum jemandem auffiel.

Oder fiel Ihnen, verehrte hochgebildete und weltreisende Leser & Opernfreunde, auf, daß in gut der Hälfte aller Weltklassehäuser die Sänger schon regelmäßig elektronisch verstärkt werden? Kein Scherz! Technisch ist das im Zeitalter, wo man TV-Kameras oder Mikrophone schon quasi im hohlen Zahn verstecken kann, ein Kinderspiel. Man braucht nur einen exzellenten Toningenieur - den man dann allerdings auch mit einem Unkündbarkeitsvertrag ausrüsten sollte. Seien Sie versichert, daß ich mindestens zwei dieser Leute persönlich kenne.

Doch zurück zum Thema! Jetzt sprechen Sie mir bitte zehnmal nach: „Wagners RING ist nicht für kleine und mittlere Häuser komponiert worden!“ - schreiben es nun 100-mal hintereinander auf und verschicken es an alle Dirigenten, Intendanten und Sänger, die sie kennen oder von denen Sie wenigstens eine Adresse haben. Oder befragen Sie bei der nächsten Opernpremiere mal die Dame am Pressetisch oder ihren Apotheker. Es liegt an ihnen!

Wenn ich etwas zu sagen hätte, würden die Ring-Noten für die nächsten zehn Jahre gesperrt. Danach würde dieser „Ring des Nibelungen“ mal wieder, wie früher (ja - ich bin Nostalgiker, nicht alles war schlecht früher) zu einer Ausnahmeveranstaltung im sonstigen Mittelmaß des im Allgemeinen immer noch viel zu hoch subventionierten Operntreibens in Deutschland. In Coronazeiten und noch Jahre später wird sich das Problem ohnehin von selbst erledigen. Letztendlich träume ich davon wir würden wieder (hoffentlich!) das auch zu sehen bekommen, was sich in der Musik Wagners ausdrückt, nämlich irgendwie und irgendwo hehre Geschichten, Träume, Fabeln, Mythen oder Märchen von Göttern und Menschen.

Und im Zeitalter der ausgefeilt technisch-optischen Magien und Wunderbilder (gehen Sie mal in den wunderbaren Fantasy-Film „Thor“ oder bestellen sich den schönsten und phantasiereichsten Märchenfilm alle Zeiten „Der Sternwanderer“), dann wissen Sie, was ich meine. Wovon der sehr erfinderische Wagner in der zukünftigen szenischen Realisation seiner Opern nur träumte, das ist heute Realität und machbar. Unsere Opernhäuser gaben Unsummen aus für Produktionen die aussehen, als wären sie vom Sperrmüll ausstaffiert und die mit Dritte-Welt-Kleidung oder restaurierter Nachkriegsware ausgestattet - aber ich habe noch in keiner Produktion gelesen, daß hier je ein Illusionist oder Magier für tolle Zaubereien beschäftigt wurde. Stattdessen dominiert der Brechtsche Vorhang oder der Koskysche Umzugskarton viele Bretter, die einst die Welt bedeuteten.

Ich frage mich wieso und muß zugleich sagen, daß es mich regelrecht anwidert, daß bald alle RING-Szenarien der letzten Jahrzehnte (von der Kritik hochgejubelt) nur noch auf schäbigen, verdreckten Pissoirs, in schmuddeligen Bordellen, auf Spießers Sofa, in Harz-4 Wohnanlagen, Irrenanstalten, im Sperrmüll Asozialer oder direkt auf der städtischen Müllhalde spielen. Und als Krönung pißt Siegfried bei der Schwertschmelze, falls überhaupt vorhanden, noch auf die Glut. Viele Regisseure, die Wagner inszenieren, hassen ihn offenbar. Einziges Ziel ist die Provokation, das Niedermachen und die Publikumsverärgerung. Nun war der alte Richard sicherlich auch kein angenehmer Mensch - aber warum müssen Regisseure ihren Volkshaß, Weltschmerz, ihr kommunistisch geprägtes Weltbild und ihr Weltverbesserertum nun immer nur und so höchst destruktiv schmutzig und illusionslos an Richard Wagner auslassen.

Natürlich hat er neben den tollen berauschenden Opern auch hirnrissige, übelst denunziatorische und rassistisch demagogische Texte verfasst. Er war ein Judenhasser wie er im Buche steht, wie viele seiner Zeitgenossen, menschlich - würden wir heute sagen - ein echtes Arschloch, mit Verlaub. Aber weder trägt er die Verantwortung für den Holocaust, noch den Vietnamkrieg, die Ausrottung der Indianer, der Inkas oder der Millionen stalinistischer GULAG-Opfer. Wagner ist z.B. auch nicht schuld an der Verödung unserer Städte, der Verblödung der Menschen, der Zwei-Klassen-Gesellschaft, den Bankenskandalen, ertrinkenden Boat-Pepole, Mafiamorden oder dem (gottbefohlenen?) Kindesmißbrauch durch Priester. Aber es geht im RING um das Übel auch der Menschheit heutiger Tage: DIE GIER. Die Götter gingen immerhin daran zugrunde....

Da lobe ich mir wenigstens den letztens Castorf Blödsinns-Ring in Bayreuth - zwar haben die durchaus passablen Bühnenbilder nicht das Geringste mit dem Libretto zu tun, aber sie störten auch nicht, waren ästhetischer Trash, schön professionell gefertigt und bunt anzusehen. Erinnerten mich an den moderner Realismus eines Hopper oder Bellows. Aber jetzt mal Hand aufs Herz, liebe Leute, was erwartet der Opernkenner von einem Regisseur, der nicht die geringste Ahnung von Fach Opernregie hat - davon so viel versteht, wie die sprichwörtliche Kuh vom Segelfliegen? Wer zahlt für solch einen Blödsinn auch noch 300 Euro pro Karte?

Wahn! Wahn! Überall Wahn! Wohin ich forschend blick in Stadt- und Weltchronik,

den Grund mir aufzufinden, warum gar bis aufs Blut die Leut sich quälen und schinden in unnütz toller Wut?“ (Monolog des Hans Sachs)

Peter Bilsing, recycled 13.Mai 2020

 

 

 
Wenn Sekunden zu Stunden werden

 

oder

Das 2. Gesetz der Thermodynamik*

Achtung: Ein Theaterbesuch von Yasmina Rezas „Der Gott des Gemetzels“ am Dortmunder Schauspielhaus kann Ihrer Gesundheit schaden!

Es gibt in meinem bisherigen langen Kritikerleben nur zwei Produktionen, die ich frisch und fromm direkt von der Leber weg unbeschönigt und proletenhaft als "gequirlte Scheiße" bewerten würde; das eine war der Ratten-Lohengrin aus den Bayreuther Versuchslaboren von Alki Hans Neuenfels (2010/11), und das zweite geschah gestern (14.1.) in Dortmund - Premiere: DER GOTT DES GEMETZELS, Machwerk und Publikumsverarsche unter der Regie von Marcus Lobbes. Shit happens - aber warum mußte ich mal wieder dabei sein?

WARUM STEHLT IHR MIR ZWEI STUNDEN LEBENSZEIT? WAAAAARUM? 

Doch gehen wir in medias res:

Es sind mal gerade erst drei (!) Sätze, aufs schlimmste affektiert und künstlich (künstlerisch?) verfremdet gesprochen, da möchte der Kritiker schon panikartig das Schauspielhaus verlassen. Kennen Sie auch solche Situationen? Dann verfügen Sie über ein gerüttelt Maß an Empathie um nun mitzuleiden; Sie wissen eines genau: das ist "Scheiße hoch 3" und wird garantiert nicht besser; aber wir müssen noch geschlagene 89 Minuten sitzen bleiben, weil wir halt gut erzogen sind und uns nicht, wie Fußballplatzpöbel oder Opernbesucher, während der laufenden Vorstellung störend, mitten durch die anderen Zuschauer quetschen. Das tut man nicht! Das tun wir auch nicht.

Weiter: 
 
Puh! Ich habe Schweißperlen auf der Stirn. Jedes gesprochene Wort auf der Bühne wird zum Martyrium, welches sich in den unendlichen Sekunden des zäh springenden Zeigers meiner Armbanduhr spiegelt. In der Tat ein Gemetzel!

Der Versuch zu entfliehen, wenigstens virtuell, indem ich mich in den Sekundenschlaf flüchte, was sonst in jeder Oper gelingt, klappt diesmal nicht, denn mein Hals ist zornesgeschwollen und mein wutentbrannt forcierter Puls tendiert gegen 180 - Blutdruck 200. Ich bin in der Stimmung für eine ordentliche Schlägerei.

Von Schlafen keine Spur; ich kann mich auch nicht in meinen zumindest körperlich doch vorhandenen Panzer zurückziehen. Rien ne va plus. Keine nahegelegene Notausgangstüre ist in Sicht! Zwei Stunden sind, so scheint es, vergangen, doch meine exakt funktionieren Funkarmbanduhr zeigt erst 13 Minuten Spieldauer!

Zu diesem Zeitpunkt gehe ich fatalistisch davon aus, daß ich diese Schmiere nicht überleben werde. Warum muß ich ausgerechnet bei so einem Schund sterben?
 
Welcher Teufel hat den Regisseur geritten diese landauf, landab vielgespielte und international gefeierte wunderbare Tragikomödie so zu verhunzen und ein derartiges Affentheater mit grimassierenden Darstellern zu inszenieren? Was sollen die dauernden homoerotischen Anspielungen? Die körperlichen Verrenkungen beim Sprechen? Die Kindergartengestik? Die vielen Rollen Klopapier?

Versuch einer Erklärung:

Natürlich dachte das Regieteam beim Titel "Gott des Gemetzels" an Antike. Die Griechen hatten bekanntlich viele Götter, denn für alle Phänomene, die sie sich nicht erklären konnten, erfanden sie neue. Einen richtigen "Gott des Gemetzels" gab es vielleicht bei den Inkas - allerdings noch unentdeckt. Wegen des Titels und weil halt keine Zeitsprünge im Stück sind - wir erleben alles in Echtzeit - verwendet Regisseur Lobbes Symbole griechischer Tragödien.

Ein nachlässig umgeworfenes Bett-Tuch verunziert als eine Art Toga alle Mitwirkenden. Da bei der griechischen-Tragödie (wie wir ja wissen! Oder nicht?) alle Rollen von Männern gespielt wurden, müssen auch hier die Männer Frauenkleidung tragen und sich auf Stöckelschuhen über die Treppen quälen, was dazu führt, daß sie natürlich öfter stolpern und sich fast hinlegen.

Hahahaha... Das ist wirklich urkomisch und das Premierenpublikum schlägt sich unentwegt auf die Schenkel. Man trifft anscheinend haargenau den Publikumsgeschmack. Bei soviel Spaß müßten eigentlich gleich alle den Karnevalshit "Es steht ein Pferd auf dem Flur..." intonieren.

Doch einige Zuschauer ziehen nicht mit. Sicherlich - so vermute ich - Theater-Besucher, die das Stück kennen und eventuell sogar den superben Film gesehen haben. Sie schauen  so finster drein wie der Kritiker. Ich suche Verbündete per Blickkontakt - im Halbdunkel.

Na klar: die Schuhe sind eine "hochintelligente" Reminiszenz an die klassischen Kothurnen: Männer tragen Stöckelschuhe, Frauen tragen Schuhe mit Tableau-Sohlen; Gott-sei-Dank torkelt keiner auf Stelzen herum. Aber beides wirkt durch die Bewegungshemmung wirklich (?) saukomisch - zumindest  mal wieder für einen nicht gerade kleinen Teil der Premieren-Zuschauer. Jerry Lewis läßt grüßen. Witze auf Pocher-Niveau! Vielleicht tritt gleich noch Harald Schmidt auf.
 
Ich versinke immer tiefer in meinem Theatersessel - was, zugegebener Maßen, bei einer Größe von gut zwei Metern schwer fällt. Gerade versucht eine Schauspielerin sich an einer der vielen von der hohen Decke herunterhängenden Klopapierrollen zu erhängen - geniale Idee - jodelnde Begeisterung im Publikum!

Die Logik und Sinnhaftigkeit der Bühnendekoration wird mir jetzt klar. Die Akteure tun mittlerweile so, als ob sie sich besaufen. Auch diese Sequenzen werden natürlich künstlerisch intellektuell verklärt und verfremdet, indem man sich gegenseitig mit großen Stücken schwarzen Textilbandes eine klebt bzw. sich und anderen das Gesicht verklebt. "Hier noch einen Drink!" – klatsch, ein Stück schwarzes Klebeband auf die Backe! "Danke! Prost" klatsch - Klebeband zurück. Merde...

Ich schließe die Augen. Aber der seltsam verfremdend deklamierte Text (Man sagt z.B. nicht "unser Junge" sondern "Uuuuuuunseeeeer Junnnnggggge!"), die Schauspieler müssen mal schnell mal langsam sprechen, zerhacken den Text, brüllen und grunzen sinnlos, rollen mit den Augen und gehen sich an die Wäsche.

Als ich zwischenzeitlich mal wieder die Augen öffne, geht ein Darsteller nicht nur sich, sondern auch dem drei Meter großen Teddybären auf der rechten Bühnenseite ans Gemächt. Wo ist jetzt da der Sinn? Der sinnsuchende Kritiker grübelt, versinkt in Verzeiflung.

Nur noch 60 Minuten signalisiert meine Uhr - nach gefühlten und schmerzlich erduldeten durchlittenen zehn Stunden baren Unfugs und spätpubertären Blödsinns. Das ist Folter dritten Grades!
 
"Gallia est omnis divisa in partes tres, quarum unam incolunt Belgae, aliam Aquitani..." Jau - das ist es: Ich erinnere mich nun mit Freuden an die Lateinstunden vor 50 Jahren und erkenne jetzt endlich den Sinn dieser elenden Auswendiglernerei. Zum ersten Mal bereitet mir Latein Freude im Leben. Welch wunderbare Ablenkung! Ich versinke mental in Caesar - und... - überlebe dieses Schmierentheater. Unmerklich ist es 21 Uhr geworden und das Publikum jubelt und jodelt plötzlich los. Die Pfiffe sind Akklamation - wir sind ja in Dortmund (Stichwort: BVB). Ein paar Wenige buhen. Jetzt nur kein Dacapo! Ach Entschuldigung... wir sind ja im Schauspiel.
 
Der Nachhauseweg zu "Siegfrieds Trauersmarsch (Wagner) ist mir ein innerer Durchmarsch - ich sehe mich auf der Opernbühne, vor mir den Regisseur, den ich grausam gemeuschelt und viergeteilt, zu Grabe trage. Herrlich! Wunderbar!

Ein roter Blitz zerstört meinen Abendtraum. Diese dreckeligen Schweinepriester haben doch auf dem Ruhrschnellweg anscheinend alle 5 Kilometer Radarkästen aufgestellt. NUN IST DAS MASS ENDGÜLTIG VOLL.

Was sind eigentlich zwei Stunden Lebenszeit wert?

 

Peter Bilsing, refurbished 7.5.2020

 

 

 

Kottan / die gesamte Musik

Ein Kaleidoskop der tollsten und schönsten Schlager-Juwelen der 50er und 60er Jahre

Als Ergänzung zur Besprechung der Filmbox - siehe Serienseite

 

Erster Film:Hartlgasse 16a

Georg Danzer - Des Kaun Do No Ned Ollas Gwesen Sein / Loch

Amoi / Oide I Hoid Auf Di

Ollas Leiwaund / So Kaunsd Eifoarn

 

Folge 2: Der Geburtstag

The Carpenders - Solitaire

Georg Danzer - Schau Schatzi

Hazy Osterwald Sextett - Kriminal Tango

Peter Kraus - Sugar Baby

Georg Danzer - Jo Da Foi Wiad Imma Glora

Johnny Cash - Bonanza

Smokie - Living Next Door To Alice

Gus Backus - Da sprach der alte Häuptling der Indianer

Georg Danzer - Das kann doch noch net alles gewesen sein

 

Folge 3: Wien Mitte

Paul Anka - Lonely Boy

Billy Vaughn - Sail Along Silvery Moon

Bob Dylan - Knocking On Heaven's Door - Live Version

McGuiness Flint - When I'm Dead And Gone

Paul Anka - Tonight My Love Tonight

 

Folge 4: Nachttankstelle

Konstantin Wecker - Stur die Straße lang

John D. Loudermilk - Language Of Love (Dubidubidu)

Elvis Presley - Early Mornin' Rain

Georg Danzer - Ganz Wien träumt von Kokain

Elvis Presley - Are You Lonesome Tonight

Louis Prima - Buona Sera

Bonnie Tyler - It's A Heartache

Elvis Presley - Help Me Make It Through The Night

Bonnie Tyler - Lost In France

Paul Anka - My Home Town

Paul Anka - Uh-Huh

 

Folge 5: Drohbriefe

Le Roy Holmes - A Fistfull Of Dollars

Randy Newman - Short People

Elvis Presley - Return To Sender

Elvis Presley - Suspicious Minds

Lee Marvin - Wandrin' Star

Ennio Morricone - The Good, The Bad And The Ugly

Sonny & Cher - I Got You Babe - Live Version

Ennio Morricone - Once Upon A Time In The West

Randy Newman - Little Criminals

Anton Karas - Harry Lime Theme (Der dritte Mann)

Bob Dylan - Take A Message To Mary

Bob Dylan - Take Me As I Am

Duane Eddy - The Ballad of Paladin

Elvis Presley - Devil In Disguise

 

Folge 6: Räuber und Gendarm

Paul Anka - Goodnight My Love

Billy Swan - I Can Help

The Beatles - Please Mr. Postman

Specials - A Message To You Rudy

Billy Swan - Don't Be Cruel

The Doors - The Mosquito

Electric Light Orchestra - Daybreaker

Warren Zevon - Werewolves Of London

Nana Mouskouri - Guten Morgen Sonnenschein

Barry McGuire - You Were On My Mind

The Beatles - Birthday

The Doors - Alabama Song Whisky Bar / Backdoor Man (Live Version)

Ennio Morricone - Paying Off Scores

The Bee Gees - Nowhere Man

Queen - We Are The Champions

 

Folge 7: Die Beförderung

Gene Kelly - Singin' In The Rain

Four Aces - Love Is A Many Splendoured Thing

The Beatles - Words Of Love

Pink Floyd - Money

Elvis Presley - Tonight Is So Right For Love

Johnny Cymbal - Mr. Bass Man

AC/DC - Highway To Hell

The Everly Brothers - Keep A Knockin'

Abba - Ring Ring

Ferrante & Teicher - High Noon Velvet Underground & Nico

The Who - Run Run Run

Harry Belafonte - Island In The Sun

Tom Jones - Thunderball

Bobby Bare - Tequila Sheila (Live Version)

The Who - Run Run Run

Harry Belafonte - Cu Cu Rru Cu Cu Paloma

Paul Anka - It's Time To Cry / A Steel Guitar And A Glass Of Wine

Auf, auf, zum fröhlichen Jagen - Verdis Triumphmarsch aus Aida

 

Folge 8: So long, Kottan

Rodney Crowell - Only two Hearts

Falco - Der Kommissar

The Rolling Stones - Waiting On A Friend

Shakin Stevens - You Drive Me Crazy

Steppenwolf - Born To Be Wild

Eurovison Fanfare

Bobby Bare - Good Night, Irene

Box Tops - The Letter

The Beatles - I'm So Tired

The Ventures - The Good The Bad And The Ugly

Ideal - Sex in der Wüste

Roger Miller - King Of The Road

The Beatles - Thank You Girl

 

Folge 9: Die Einteilung

The Rolling Stones – If You Need Me

The Cascades – Rhythm Of The Rain

Roxy Music – In The Midnight Hour

Nancy & Frank Sinatra – Something Stupid

Queen – All Dead All Dead

Dion – A Teenager In Love

Cliff Richard – Don't Talk To Him

Neil Sedaka - Oh Carol

Ennio Morricone – The Good, the Bad and the Ugly

Francis Lai – A Man And A Woman

Otis Redding – Sittin' On The Dock Of The Bay

Rod Stewart – Do You Think I´m Sexy

Randy Newman – Rider In The Rain

Dr. Hook – When You're In Love With A Beautiful Woman

Bobby Vinton - Coming Home Soldier

 

Folge 10: Kansas City

The Edgar Broughton Band – American Boy Soldier

Mungo Jerry – In The Summer Time

Freddy Quinn – Du mußt alles vergessen

The Beatles – You're Going To Lose That Girl

Ringo Starr – Only You

The Kinks – Village Green Preservation Society

The Ventures – Raindrops Keep Falling On My Head

Fats Domino – I Want To Walk You Home

Shirley Bassey – Big Spender

Wilbert Harrisson – Kansas City

Earl Grant – The End

Crystal Gayle – Livin' In These Troubled Times

The Ventures – Airport 75

Brenda Lee – Kansas City

 

Folge 11: Entführung

Elvis Presley – A Whistling Tune

The Beatles – Two Of Us

Drahdiwaberl – Superscheriff

John Lennon – Imagine

Willie Nelson – On The Road Again

Drahdiwaberl – Ausgeflippter Lodenfreak / Ganz Paris Träumt Von Der Liebe

The Beatles – Don´t Let Me Down

Roy Orbison – Pretty Woman

Elvis Presley – Can't Help Falling In Love

Paul Anka – I'm Watching You

Rod Stewart – Sailing

Lindisfarne – When The War Is Over

Paul Robeson – John Brown's Body

Eddie Cochran – Three Steps To Heaven

Fred Bertelmann – Der Lachende Vagabund

Dion – This Little Girl

Freddy Quinn – Unter Fremden Sternen

Cliff Richard – Lucky Lips

 

Folge 12: Hausbesuche

Mike Post – Rockford Files

Edvard Grieg – Peer Gynt Suite

Bo Diddley – I'm A Man

Elvis Presley – Teddybear

Rodney Crowell – Til I Gain Control Again

Elvis Presley – Are You Lonesome Tonight

Bob Dylan – Lay Lady Lay

Elvis Presley – It's Now Or Never

Michel Polnareff – Love Me Please Love Me

The Platters – The Great Pretender

The Dave Clark Five – One Night

The Andrew Sisters – Rum And Coca Cola

Nilsen Brothers – Aber dich gibt's nur einmal für mich

Jimi Hendrix – Hey Joe

Marilyn Monroe – I Wanna Be Loved By You

Heinz Gamper – Der dritte Mann

Mozart & Max Schönherr – Österreichische Bundeshymne

 

Folge 13: Fühlt wie du

Queen – We Will Rock You

Duane Eddy – Peter Gunn

Linda Ronstadt – Love Me Tender

Rodney Crowell – Only Two Hearts

Hans Moser – Sperrstund Is

Dr. Hook – The Millionaire

Johnny Cash – Ghost Riders In The Sky

Billy Joel – The Stranger

The Shadows – Apache

Kris Kristofferson & Rita Coolidge – Back In My Baby's Arms

Randy Newman – Sigmund Freuds Impersonation of Albert Einstein in America

Bing Crosby & Grace Kelly – True Love

 

Folge 14: Genie und Zufall

The Troggs - Wild Thing

The Beatles - The Fool On The Hill

J.J.Cale - City Girls

The Beatles - Girl

Dr. Hook - Only Sixteen

Franz Schier - Meine Cousine Leopoldine

Neil Sedaka - Stupid Cupid

Dr. Hook - Sylvia's Mother

David Lindley - El Rayo-X

 

Folge 15: Die Enten des Präsidenten

The Spotnicks – Ghostriders In The Sky

Ben Vereen & Roy Scheider – Bye Bye Live

Roger Miller – Walking In The Sunshine

Ludwig Hirsch – Gel du magst mi

Tanja Tucker – San Francisco

Marlene Dietrich – Johnny

The Beatles – Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band

Ennio Morricone – Das Lied vom Tod

The Tremeloes – Silence Is Golden

Brenda Lee – Sweet Nothings

David & Jonathan – Lovers Of The World Unite

 

Folge 16: Smokey und Baby und Bär

Klaus Doldinger – Tatort Melodie

The Ventures – The Pink Panther

Die Sieben Raben – Smoky

Johnny Preston – Running Bear

Johanna von Koczian – Lauf nach Hause, Dominik

The Troggs – With A Girl Like You

The New Seekers – Never Ending Song Of Love

Johann Strauss – Donauwalzer

Johann Strauss – Radetzky Marsch

Santana – Samba Pa Ti

John Lennon – Nobody Loves You

Movie Theme – Der Weiße Hai

Kris Kristofferson & Rita Coolidge – I'm Back In My Baby's Arms Again

Grauzone – Eisbär

Joe Cocker – With A Little Help From My Friends

 

Folge 17: Mein Hobby: Mord

Louis Armstrong – New Orleans (Oh Didn't He Ramble)

Elvis Presley – Are You Lonesome Tonight – Lachversion

The Rolling Stones – As Tears Go By

Lou Reed – Walk On The Wild Side

Bob Dylan – Wigwam

The Beach Boys – Little Deuce Coupe

Neil Sedaka – Oh Carol

The Beatles – I'm Only Sleeping

The Beatles – Golden Slumbers-Carry That Weight

Bob Dylan – The Times They Are A Changin'

Peter Kraus – Blue Melodie

Jean Michel Jarre – The Last Rumba

 

Wir danken Ralf Saak von den Musenblaetterm für die aktuelle Ergänzung der Folgen 18 und 19:

 

Folge 18: Der Kaiser schickt Soldaten aus

Kris Kristoffersen - The pilgrim chapter 33

Alfred Hitchcock - Music to be murdered

Drahdiwaberl - Lonely

The Beatles - Here comes the sun -

The Beatles - Carry that weight

The Crystals - Da doo ron ron

Ted Herold - Ich bin ein Mann

Bobby Bare - So good to so bad

Rock-a-Teens - Woo hoo

Duane Eddy - Lonely boy lonely guitar

 

Folge 19: Mabuse kehrt zurück

Frankie Miller - Darlin'

Carmine Appice - Paint it black (drums)

Rodney Crowell - Ashes by now

The Beatles - I want to hold your hand

Harry Belafonte - Cu cu ru cu cu Paloma

Elmar Bernstein - The magnificent seven

The Ventures - Also sprach Zarathustra

Bobby Bare - The last time

 

 

Wenn Sekunden zu Stunden werden

oder

 

Das 2. Gesetz der Thermodynamik*

Achtung: Ein Theaterbesuch von Yasmina Rezas „Der Gott des Gemetzels“ am Dortmunder Schauspielhaus kann Ihrer Gesundheit schaden!

 

Es gibt in meinem bisherigen langen Kritikerleben nur zwei Produktionen, die ich frisch und fromm direkt von der Leber weg unbeschönigt und proletenhaft als "gequirlte Scheiße" bewerten würde; das eine war der Ratten-Lohengrin aus den Bayreuther Versuchslaboren von Alki Hans Neuenfels (2010/11), und das zweite geschah gestern (14.1.) in Dortmund - Premiere: DER GOTT DES GEMETZELS, Machwerk und Publikumsverarsche unter der Regie von Marcus Lobbes. Shit happens - aber warum mußte ich mal wieder dabei sein?

WARUM STEHLT IHR MIR ZWEI STUNDEN LEBENSZEIT? WAAAAARUM? 

Doch gehen wir in medias res:

Es sind mal gerade erst drei (!) Sätze, aufs schlimmste affektiert und künstlich (künstlerisch?) verfremdet gesprochen, da möchte der Kritiker schon panikartig das Schauspielhaus verlassen. Kennen Sie auch solche Situationen? Dann verfügen Sie über ein gerüttelt Maß an Empathie um nun mitzuleiden; Sie wissen eines genau: das ist "Scheiße hoch 3" und wird garantiert nicht besser; aber wir müssen noch geschlagene 89 Minuten sitzen bleiben, weil wir halt gut erzogen sind und uns nicht, wie Fußballplatzpöbel oder Opernbesucher, während der laufenden Vorstellung störend, mitten durch die anderen Zuschauer quetschen. Das tut man nicht! Das tun wir auch nicht.

Weiter: 
 
Puh! Ich habe Schweißperlen auf der Stirn. Jedes gesprochene Wort auf der Bühne wird zum Martyrium, welches sich in den unendlichen Sekunden des zäh springenden Zeigers meiner Armbanduhr spiegelt. In der Tat ein Gemetzel!

Der Versuch zu entfliehen, wenigstens virtuell, indem ich mich in den Sekundenschlaf flüchte, was sonst in jeder Oper gelingt, klappt diesmal nicht, denn mein Hals ist zornesgeschwollen und mein wutentbrannt forcierter Puls tendiert gegen 180 - Blutdruck 200. Ich bin in der Stimmung für eine ordentliche Schlägerei.

Von Schlafen keine Spur; ich kann mich auch nicht in meinen zumindest körperlich doch vorhandenen Panzer zurückziehen. Rien ne va plus. Keine nahegelegene Notausgangstüre ist in Sicht! Zwei Stunden sind, so scheint es, vergangen, doch meine exakt funktionieren Funkarmbanduhr zeigt erst 13 Minuten Spieldauer!

Zu diesem Zeitpunkt gehe ich fatalistisch davon aus, daß ich diese Schmiere nicht überleben werde. Warum muß ich ausgerechnet bei so einem Schund sterben?
 
Welcher Teufel hat den Regisseur geritten diese landauf, landab vielgespielte und international gefeierte wunderbare Tragikomödie so zu verhunzen und ein derartiges Affentheater mit grimassierenden Darstellern zu inszenieren? Was sollen die dauernden homoerotischen Anspielungen? Die körperlichen Verrenkungen beim Sprechen? Die Kindergartengestik? Die vielen Rollen Klopapier?

Versuch einer Erklärung:

Natürlich dachte das Regieteam beim Titel "Gott des Gemetzels" an Antike. Die Griechen hatten bekanntlich viele Götter, denn für alle Phänomene, die sie sich nicht erklären konnten, erfanden sie neue. Einen richtigen "Gott des Gemetzels" gab es vielleicht bei den Inkas - allerdings noch unentdeckt. Wegen des Titels und weil halt keine Zeitsprünge im Stück sind - wir erleben alles in Echtzeit - verwendet Regisseur Lobbes Symbole griechischer Tragödien.

Ein nachlässig umgeworfenes Bett-Tuch verunziert als eine Art Toga alle Mitwirkenden. Da bei der griechischen-Tragödie (wie wir ja wissen! Oder nicht?) alle Rollen von Männern gespielt wurden, müssen auch hier die Männer Frauenkleidung tragen und sich auf Stöckelschuhen über die Treppen quälen, was dazu führt, daß sie natürlich öfter stolpern und sich fast hinlegen.

Hahahaha... Das ist wirklich urkomisch und das Premierenpublikum schlägt sich unentwegt auf die Schenkel. Man trifft anscheinend haargenau den Publikumsgeschmack. Bei soviel Spaß müßten eigentlich gleich alle den Karnevalshit "Es steht ein Pferd auf dem Flur..." intonieren.

Doch einige Zuschauer ziehen nicht mit. Sicherlich - so vermute ich - Theater-Besucher, die das Stück kennen und eventuell sogar den superben Film gesehen haben. Sie schauen  so finster drein wie der Kritiker. Ich suche Verbündete per Blickkontakt - im Halbdunkel.

Na klar: die Schuhe sind eine "hochintelligente" Reminiszenz an die klassischen Kothurnen: Männer tragen Stöckelschuhe, Frauen tragen Schuhe mit Tableau-Sohlen; Gott-sei-Dank torkelt keiner auf Stelzen herum. Aber beides wirkt durch die Bewegungshemmung wirklich (?) saukomisch - zumindest  mal wieder für einen nicht gerade kleinen Teil der Premieren-Zuschauer. Jerry Lewis läßt grüßen. Witze auf Pocher-Niveau! Vielleicht tritt gleich noch Harald Schmidt auf.
 
Ich versinke immer tiefer in meinem Theatersessel - was, zugegebener Maßen, bei einer Größe von gut zwei Metern schwer fällt. Gerade versucht eine Schauspielerin sich an einer der vielen von der hohen Decke herunterhängenden Klopapierrollen zu erhängen - geniale Idee - jodelnde Begeisterung im Publikum!

Die Logik und Sinnhaftigkeit der Bühnendekoration wird mir jetzt klar. Die Akteure tun mittlerweile so, als ob sie sich besaufen. Auch diese Sequenzen werden natürlich künstlerisch intellektuell verklärt und verfremdet, indem man sich gegenseitig mit großen Stücken schwarzen Textilbandes eine klebt bzw. sich und anderen das Gesicht verklebt. "Hier noch einen Drink!" – klatsch, ein Stück schwarzes Klebeband auf die Backe! "Danke! Prost" klatsch - Klebeband zurück. Merde...

Ich schließe die Augen. Aber der seltsam verfremdend deklamierte Text (Man sagt z.B. nicht "unser Junge" sondern "Uuuuuuunseeeeer Junnnnggggge!"), die Schauspieler müssen mal schnell mal langsam sprechen, zerhacken den Text, brüllen und grunzen sinnlos, rollen mit den Augen und gehen sich an die Wäsche.

Als ich zwischenzeitlich mal wieder die Augen öffne, geht ein Darsteller nicht nur sich, sondern auch dem drei Meter großen Teddybären auf der rechten Bühnenseite ans Gemächt. Wo ist jetzt da der Sinn? Der sinnsuchende Kritiker grübelt, versinkt in Verzeiflung.

Nur noch 60 Minuten signalisiert meine Uhr - nach gefühlten und schmerzlich erduldeten durchlittenen zehn Stunden baren Unfugs und spätpubertären Blödsinns. Das ist Folter dritten Grades!
 
"Gallia est omnis divisa in partes tres, quarum unam incolunt Belgae, aliam Aquitani..." Jau - das ist es: Ich erinnere mich nun mit Freuden an die Lateinstunden vor 50 Jahren und erkenne jetzt endlich den Sinn dieser elenden Auswendiglernerei. Zum ersten Mal bereitet mir Latein Freude im Leben. Welch wunderbare Ablenkung! Ich versinke mental in Caesar - und... - überlebe dieses Schmierentheater. Unmerklich ist es 21 Uhr geworden und das Publikum jubelt und jodelt plötzlich los. Die Pfiffe sind Akklamation - wir sind ja in Dortmund (Stichwort: BVB). Ein paar Wenige buhen. Jetzt nur kein Dacapo! Ach Entschuldigung... wir sind ja im Schauspiel.
 
Der Nachhauseweg zu "Siegfrieds Trauersmarsch (Wagner) ist mir ein innerer Durchmarsch - ich sehe mich auf der Opernbühne, vor mir den Regisseur, den ich grausam gemeuschelt und viergeteilt, zu Grabe trage. Herrlich! Wunderbar!

Ein roter Blitz zerstört meinen Abendtraum. Diese dreckeligen Schweinepriester haben doch auf dem Ruhrschnellweg anscheinend alle 5 Kilometer Radarkästen aufgestellt. NUN IST DAS MASS ENDGÜLTIG VOLL.

Was sind eigentlich zwei Stunden Lebenszeit wert?

 

Peter Bilsing, recycled 21.4.2020

 

 

Unsitten und Ärgernisse beim Besuch in Oper, Konzerthaus und Theater

Ein Beitrag von 2007 - heute noch aktuell ;-) corona recycled

Allerwertester oder von Angesicht zu Angesicht

Vor über einem halben Jahrhundert – damals habe ich es jedenfalls so gelernt – war es noch Usus, wenn man sich durch bereits besetzte Reihen zu seinem Mittelplatz mal durchlavieren mußte, dann wenigstens dem bereits sitzenden Besucher beim hautnahen Vorbeischieben nicht den Allerwertesten, sondern sein (möglichst freundliches) Gesicht mit einem aufmunternd entschuldigenden „Guten Abend!“ zuzuwenden. Opernknigge – Regel 1! Die heute allgemein in der Gesellschaft eingerissene rüde Haltung zueinander spiegelt sich auch im Opernhaus wider. Vielerorten und vieler Art. Da schieben sich massive Gesäße ohne Rücksicht und Gnade in Schlagdistanz an ihrer Nase vorüber. Ach wenn´s doch mal Jennifer Lopez wäre! Aber es ist immer nur Frau Schulze im 60er-Jahre-Taft Größe 44-48 oder Herr Meier im blank gesessenen Bürobeinkleid.
Ist ihnen übrigens schon mal aufgefallen, daß immer die Besucher als letzte, gar zu spät kommen, welche die Mittelplätze einer Reihe haben. Das tun sie dann mit konsequenter Bosheit auch nach der Pause. Macht Spaß, gell?

Stinker

Wenn ich über Stinker in der Oper spreche, meine ich damit nur am Rande jene häufig älteren Damen, die ausgiebig in Chanel No. 5, Tosca (sic!) oder anderen aufdringlichen Wässerchen gebadet zu haben scheinen. Da legt sich dem opernfrohen Gast eine dicke, schwere Duftschicht wie Pelz auf die Zunge, die später nur mit mehreren Gläsern Chablis weggespült werden kann. In der Hauptsache zielt der Begriff „Stinker“ auf jene Menschlein, die nur zu Weihnachten in den Bottich klettern. An sie richtet mein kleiner „Knigge der empfindlichen Nasen“ den Appell: Liebe Freunde! Schweißfüße wirken nicht so penetrant, wenn sie in komplett festes Leder-Schuhwerk einbettet sind! Laßt eure Reform-Sandalen, Badelatschen und Turnschuhe zuhause bei Muttern! Auch schwarze Hemden möchten ab und zu eine Waschmaschine von innen sehen! Haare sind Wasserpflanzen! Laßt sie nicht verdursten! Deos sind, wie (im Theater abgeschaltete) Mobiltelefone, eine tolle Errungenschaft moderner Forschung und dienen beide der positiven zwischenmenschlichen Beziehung! Knoblauch ist nur nach der Oper gesund! Wenn ihr auch die Unterwäsche nur einmal im Jahr wechselt, dann bitte vor dem jährlichen Opernbesuch. Danke!

Zwanghafte Schwatzhaftigkeit bei Lichtentzug

Ein netter Kollege, der auch eine Klassik-Homepage betreibt, bewertet bei Opernproduktionen auch den sogenannten „Chat-Faktor“. Darum geht es hier ausdrücklich nicht! Es geht um jene reizenden Mitbürger, deren Mitteilungsbedürfnis geradezu umgekehrt proportional zur Theatersaal-Beleuchtung ansteigt. Licht aus – Klappe auf! Ich sitze leider fast immer in solcher Menschen Nähe. Das müßte doch ein interessantes Thema für eine wissenschaftliche Untersuchung oder gar eine Doktorarbeit sein: „zwanghafte Schwatzhaftigkeit bei Lichtenzug“ - völlig unbeirrt von Faktoren, wie Musik, Gesang und sich lauthals beschwerenden Sitznachbarn. Leider hilft bei solchen Zeitgenossen heutzutage selbst hartnäckiges Zischen kaum noch, freundliches Ansprechen - in der Pause - schon gar nicht, denn diese Opern-Zerquatscher werden lediglich mit empörtem Unverständnis auf sie als Störenfried reagieren - überdies ist eh bereits die halbe Oper verdorben.

Was tun? Tun Sie, was ihnen sowieso in den Fingern juckt – eine anständige Backpfeife hat noch keinem Erwachsenen geschadet. Mit guten Rechtsbeistand, Zeugen (!) und vor einem kultivierten Richter kommen Sie ggf. mit 300,- Euro weg – na soviel muß uns doch dieser pädagogische Spaß wert sein. Aber Achtung! Nicht vorher warnen, nach dem Motto „Wenn Sie jetzt nicht endlich ihre Klappe halten setzt´s was!“ – oh, oh… das ist dann Vorsatz und kann dann recht teuer werden.

Röcheln, Rauschen und noch mehr

Es gibt allerdings auch Störungen und Ärgernisse, die unvermeidbar sind. Können sie das Röcheln ihres asthmakranken Sitznachbarn noch dadurch beheben, indem sie ihm ein lautlos arbeitendes Sauerstoffgerät oder eine portable Beatmungsmaschine schenken bzw. leihweise überlassen, so sind hausbedingte lokalspezifische Nebentöne und Geräusche aufgrund baulicher Ignoranz oder Sparsamkeit, wie z.B. das hörbare Gesummse der Klimaanlage, das laute Quietschen von Unter- bzw. Obermaschinerie oder das Netzbrummen altersschwacher Scheinwerfer – schlicht „Kismet“! Ähnliches gilt für schlecht eingepegelte Mikroports (die man vorzugsweise bei Operetten und Musicalproduktionen heuer einsetzt), miserabel (weil nicht live) eingespielte Ballettmusik von alten wabbeligen Kassettenrecordern oder selbst aufgenommenen CDs. Hier kann nur das Motto gelten: solche Häuser bitte unbedingt meiden! Ein Brief an den Oberbürgermeister, der meist auch Vorsitzender des Kulturausschusses ist – Tenor: „Ich komme erst wieder in Ihre Oper, wenn….abgestellt wurde“ kann eventuell beeindrucken. Hunderte solcher Briefe schaffen garantiert Abhilfe!

Mitsingen, Mitsummen und sonstige Ärgernisse

Der „wahre“ Opernfreund und Theater-Kenner zeigt heutzutage Sachverstand und Notenfestigkeit, indem er leise mitsingt, mitsummt, den Takt mit dem Fuß oder auf dem Oberschenkel seiner Freundin schlägt oder gar feinsinnig mitdirigert. Im „Weißen Rössl“ ist das angesagt, ja geradezu Pflicht. Bei der „Götterdämmerung“ grenzt so etwas an selbstzerstörerischen Wahnsinn, denn unter echten, hartgesottenen Wagnerianern gilt so etwas als quasi Aufforderung zur Körperverletzung. Altar-Wagnerianer verstehen dann überhaupt keinen Spaß mehr! Kein Wunder, hat der große Richard ja auch nur ein einziges wenigstens stellenweise lustiges Werk (für Nichtfachleute: gemeint sind „Die Meistersinger“) fabriziert. Umso gewalttätiger sind die anderen, das färbt ab. Also Vorsicht, denn selbst untereinander sind sich Wagnerianer - vorzugsweise in Bayreuth - schon mal öfter kräftig in die Haare geraten. Das Verprügeln von werkuntreuen Regisseuren gilt in Bayern nur als Ordnungswidrigkeit! Bei Mozart ist eigentlich alles erlaubt; wurde doch zu des Meisters Lebzeiten in den Logen sogar….

Von Fächern und vom Wedeln mit Programmheften

In Japan hat jede Frau einen wunderbaren Fächer. Damit wedelt sie in der Oper ständig die warme und verbrauchte Luft von der Nase weg, bzw. verschafft sich Kühlung. Blödsinn! Die japanischen Opernhäuser sind perfekt klimatisiert. Fächer unnötig. Das ist leider in unseren Opernhäusern häufig  nicht der Fall. Erreicht die Raumtemperatur auch nicht unbedingt jene gut 40 Grad, wie sie regelmäßig auf den preiswerteren Bayreuther Galerieplätzen gemessen werden, so ist doch bei den meisten Häusern die Klimaanlage nicht auf ein rappelvolles Haus ausgelegt. Am angenehmsten sind in solchen Fällen dann die teuren Plätze nahe der Bühne, denn diese ist meist sehr gut klimatisiert. In anderen Fällen hilft das Programmheft. Aufgefaltet läßt es sich prima zum Fächer degradieren; das bringt zwar keine große Erleichterung, ärgert aber ihren Sitznachbarn, der sich vielleicht ernsthaft für die Musik und das Bühnengeschehen interessiert, bis zur Weißglut.

Nur dreimal klingelt der Opern-Postmann

Meine Kinder nehmen im Theater meist schon 15 Minuten vor Vorstellungsbeginn ihre Plätze ein. Verständlich unter dem Aspekt, ja nichts zu verpassen. Ähnliches Verhalten beobachte ich bei den Mitgliedern der Theatergemeinden und Volksbühnen in der 15. Abo-Vorstellung.

Im kraß-frechen Gegensatz steht dazu allüberall das Premieren-Publikum. Beim ersten Klingeln gießen wir uns erstmal noch ein Gläslein Schampus ein. Du bi duh! Das zweite Klingeln ist nicht akustischer Hinweis für eventuell angesagte Mobilität in Richtung Zuschauerraum, sondern für das Anzünden der vorletzten Zigarette. Das dritte Klingeln dann (so in etwa eine Minute vor offiziellem Vorstellungsbeginn) erinnert meist an die schwache Altersblase und an den auf jeden Fall noch zu erledigenden erleichternden Gang. Hat immerhin den Vorteil, daß diese Räumlichkeiten jetzt relativ leer sind.

Zum offiziellen Vorstellungsbeginn, Punkt 20 Uhr, sitzen gerade einmal 50 Prozent des Publikums auf ihren angestammten Plätzen, was dazu führt, daß fast jede Premiere mit mindestens fünfminütiger Verspätung beginnt. Ärgerlich, aber man gewöhnt sich an alles… immerhin besser, als die Ausweitung dieser Phase auf die akademische Viertelstunde! Rabiate Dirigenten fangen allerdings gelegentlich dann einfach rotzfrech pünktlich an (wenn die Hauslichtregie mitspielt), was dann immer zu einem köstlichen Reise-nach-Jerusalem-Spektakel im dunklen Zuschauerraum führt.

Claqueure - oder: Ja sind wir denn auf dem Fußballplatz?

Nein, damit meine ich nicht die Herrschaften aus dem letzten Kapitel! Schon eher jene Bayreuthianer, die im holden Gralstempel anno domini 1976 mit Trillerpfeifen bewaffnet, ihrer persönlichen Ansicht über die Altarschändung durch Patrice Chereau Einhalt gebieten wollten. (Witzig: Heute gilt diese Ring-Inszenierung auch unter den damaligen Protestlern als Kult!). Hic et nunc sind diese Trillerpfeifen-Protestler seltsamer Weise rar geworden, obwohl der Regieschmarrn doch ganz erheblich zugenommen hat. Seltsam! Dafür nimmt die Zahl der „Kenner“ zu, die sich auch in der Lage sehen, das Jubel-Plural einzusetzen: „Bravi!“ schallt es dann oft, wo ein „Bravo“ schon mehr als genug gewesen wäre. 
Schlimmer sind heutzutage jene Jubelschreihälse, die mit Pfiffen, Gequietsche und Fußtrampeln unser aller Nerven strapazieren. Eine besondere Spezies dieser Lärmvögel ist mittlerweile gehäuft bei Premieren zu vernehmen – früher nannte man sie Claqueure – bezahlte Applaudierer oder Buh-Rufer. Heute sind es verzückte Familien-Angehörige, Fans, Kommilitonen von Schauspielschülern, die durch hysterisches Lachen an unkomischen Stellen signalisieren, daß sie die Pointe verstanden haben, daß sie etwas vom Theater verstehen, oder es ist einfach nur ausgesuchtes, Flagge zeigendes Hauspersonal, das derart Stimmungen zu manipulieren sucht. Das ist ein ganz großes und leider überhand nehmendes Übel und sollte von verantwortlicher Intendanz rigoros unterbunden werden.

Sozialistisches Parteitagsklatschen

Da hört für mich persönlich jeder Spaß auf! Leider ist diese höchst anrüchige und unangenehme Unsitte, die man früher nur aus den Fernsehberichten über die gleichgeschalteten kommunistischen Parteiversammlungen und Volkskongresse aus Moskau und dessen Satelliten kannte, zwischenzeitlich anscheinend allüberall präsent. Kaum ist eine Aufführung vorbei - egal ob Andre Rieu oder Janaceks „Totenhaus“, Shakespeare oder Kabarett – Hunderte, die zuvor mitunter mehr oder weniger emotionslos zugeschaut haben, wie sich die Künstler abgerackert haben, verfallen umgehend in stumpfsinnigen Klatschrhythmus und merken nicht, wie peinlich das wirkt. Anscheinend gibt es einen unerklärlichen geheimen Drang im Publikum, vielleicht ist es auch ein bisher unbekannter Virus, der die Menschen zwingt, sich in derart gleichförmigen Stumpfsinn entäußern zu müssen. Übel, übel… Es kann allerdings auch sein, daß die Aliens (Körperfresser) tatsächlich schon unter uns sind. Mein stiller Protest gegen diese fürchterliche Unsitte: ich höre sofort auf zu klatschen, oute mich damit als noch nicht infiziert und terrestrischer Herkunft - und verlasse spontan das Theater.

Standing Ovations

Hierzu gab es 2018 einen extra Beitrag im Kontrapunkt

Mobiltelefone

In einer modernen Inszenierung von z. B. TURANDOT (ist jetzt wirklich nur ein erfundenes Beispiel), wo gerade auf dem Tien-An-Men in Beijing eine Maschinengewehrsalve den halben Chor, der – wie fachkundige Opernbesucher ja wohl wissen – aus Revoluzzern besteht, dahinmetzelt, stört es mich wenig, wenn des Sitznachbarn tragbares Kleintelefon sich mit dem elektronisch getrötetem Wagnerschen „Walkürenritt“ kleinspurig meldet. Solche Zeitgenossen zeigen in meinen Augen wenigstens einen Anflug von Kultur und humorvollem Opern-Understatement – tolerabel - tolerant!

Absolut intolerabel und nicht duldbar ist allerdings ein „Schnipp-schnapp-schnappi“ in beinah Zimmerlautstärke zu den aushauchenden Klängen des Aida-Finales. Ein befreundeter Rechtsanwalt ist der Meinung, daß man da bei unmittelbarer Gewaltanwendung durchaus („Totschlag im Affekt“) mit Bewährung rauskäme. Solcherlei Straf-Aktionen hätten auf lange Sicht auch heilpädagogischen Wert.

In vielen Theatern bittet man das „verehrtes Publikum“ allerdings (meist bevor der Dirigent kommt) über Lautsprecher das mitgebrachte Telefönchen lieber abzustellen und auch das Fotografieren zu unterlassen. Irgendwann wird man noch ergänzen „Bitte schnallen Sie ihre Kinder an!“ doch davon mehr unter: „Rotzlöffel“. Derlei Ansagen sind natürlich so wirkungsvoll wie lächerlich und suggerieren falsche Sicherheit… klingt so, als ob man per Durchsage das Husten verbieten könne. „Müh ohne Zweck!“

„Rotzlöffel“

Kinder sind für Opernhäuser und Theater im Grunde die wichtigsten Menschen, denn beim jetzigen Publikums-Altersdurchschnitt von rund 60 Jahren geht die Theaterwelt der schönen Tosca, der wunderbaren Aida, der selig sterbenden Isolde, eines Macbeth, Tartuffe oder Kirschgarten bald zugrunde. „Ihrem Ende eilen sie zu, die so stark im Bestehen sich wähnen.“ schrieb der alte Richard W. seinen Göttern ins Stammbuch, wiewohl er dabei natürlich sicher nicht an unser hochverehrtes heutiges Publikum dachte. Tatsache ist jedenfalls, daß für unseren Nachwuchs etwas getan werden muß. Dabei ist alles gut, was didaktisch intelligent und kindgemäß aufbereitet wird, ob als Kinderoper, Jugendtheater, in Schüler-Seminaren oder theaterbegleitenden Aktionen. Hier wird an manchen Häuser schon sehr viel getan.

Nur eines bitte nicht! Mama und Papa schleifen ihren „Rotzlöffel“ unvorbeitet in die Oper. Ob nun der Babysitter fehlt, das Kindermädchen krank ist oder die Oma indisponiert: Von der Spiele-Konsole direkt zur Tosca oder den Räubern - damit tut man dem Kinde wenig Gutes an; seiner Umgebung erst recht. Wer je so einen Zappelphilipp vor neben oder hinter sich hatte, wird mir beipflichten. Da lautet mein Plädoyer auf Einführung der Prügelstrafe für Eltern! Bastonade auf der Stelle! Außerdem gibt es für jede Oper ein Mindestalter (Obacht moderne Mütter: Für Säuglinge gibt es gar keine Opern!), welches allerdings stark von der Vorbereitung und Entwicklung bzw. auch Medienerziehung des Kindes abhängt. Ganz schlimm, wenn die Eltern Opernfans sind: „Unser Fabian hat jetzt schon mit 12 seinen dritten TRISTAN gesehen…schön isser der Wagner, gell Fabi!“ Bumm. Wieder ein Kind für die Oper verdorben!

Schulklassen

Wenn der normale Musik- oder Deutsch-Lehrer sich schon einmal breitschlagen läßt, mit Schulklassen ins Theater zu gehen, dann strebt er möglichst „Aida“, „Die Zauberflöte“ oder „Don Giovanni“ hie, „Die Physiker“, „Emilia Galotti“ oder „Die Räuber“ dorten an; man gönnt sich ja sonst nichts! Wunschträume, die bei der Kartenvergabe schnell platzen, denn größere Schüler-Kartenkontingente sind meist nur fürs „Frauenorchester von Auschwitz“, „Wozzek“, „Das Leben mit einem Idioten“ oder „Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte“ disponibel. Dummerweise gerade die Werke mit denen sich der Rezensent auch mit echter Hingabe widmet; daher weiß ich wovon ich spreche: Schulklassen!
Dabei möchte ich aber gleich festhalten, daß nicht alle so schlimm sind, wie die meisten. Vereinzelt trifft man auch auf Gruppen, die produktionsbegleitend von ihrem hochengagierten Lehrern sich ein Werk richtig und verständlich erarbeitet haben und in den meisten Fällen sogar besser vorbereitet sind, als die Mehrzahl aller Besucher, welche ja (wie wir wissen) en gros immer noch wertvolle Zusatzinformationen (wie z.B. Opern- und Schauspielführer, Einführungsmatineen oder Programmhefte) meiden wie der Teufel das Weihwasser. Doch zurück zu den Schulklassen. Verständlich eigentlich, daß man sich langweilt, bietet die Bühne doch weder diese wunderbaren Werbeclips alle 10 Minuten, noch ist die Oper textverständlich; außerdem darf man nicht dabei saufen, mitgrölen oder seinen Freunden SMSen…Daß es tatsächlich so ist, erfahren viele dieser Jugendlichen leider erst am Abend in der Vorstellung – ihr Lehrer hatte gedacht die wissen so was! Dummerweise habe ich das Glück, meist in der Nähe eines solchen Event-Erwartungshäufleins zu sitzen.
Da die Theater heute in dieser Form der Jugendarbeit sehr großzügig geworden sind, schützt sie auch ein teurer Platz nicht! Im Gegenteil, wenn Sie Ruhe haben wollen, buchen Sie am besten den dritten Rang. Die Ränge sind z.B. in der Rheinoper für Radaugruppen solcher Art tabu, nachdem herausgeschraubte Birnen und ähnliche Dinge in den Orchestergraben flogen und darob die Musiker ihren Dienst verweigerten.
Was will ich damit sagen? ...ach ja: Vermeiden Sie solche Opernabende! Die dezente Frage bei der Kartenbestellung: „Sind Schulklassen drinnen?“, wird sicherlich von der Kassendame ehrlich beantwortet und erspart Ihnen mächtigen Ärger.

So - nun aber viel Spaß beim nächsten Opernbesuch!                        P.B. 3.4.2020



 

AN DER SCHWEIZER GRENZE

(Grenze Bregenz, Juni 2011 -  ca. 15 h)

 

Als ob ich es geahnt hätte. Mal wieder! Alle dürfen fahren, nur mein schmutziger alter Golf (wäre ich doch nur vorher durch die Waschstraße gefahren) wird zielgenau - zwischen lauter Mercedes Geländewagen-Panzern, Bentleys, Luxuslastern à la Audi Q 7 und weiteren Prunkkarossen mit Chauffeur - herausgewunken. Der offene Supersportwagen Ferrari Sondermodell mit dem VIP (ich glaube es war Michael Schumacher) darf sogar auf einer Sonderspur vorbeibrettern. Die folgende Dialoge gebe ich wörtlich wieder. Auf meine Ehre ! ;-)

 

Zöllnerin (mit finsterem Blick) Sie haben keine Vignette!

PB: Stimmt auffallend! 

Zöllnerin (Ihr Blick wird noch finsterer und erinnert mich fatal an ein ehemalige DDR-Grenzerin vor 20 Jahren, die ich sie mit "Grüß Gott Genossin" ansprach und mich als alter ebenfalls-Ossi spontan outete)

Haben Sie vor, über Schweizer Autobahnen zu fahren?

PB: Aber... Frau Oberzollrätin! Dann hätte ich doch eine Vignette!

Jetzt kommt der alte Robin Hood und Anti-Vietnam-Demonstrant in mir durch

"Und um es einmal klar und deutlich zu sagen: Ich aber halte Vignetten für eine Form mittelalterlicher Wegelagerei; sozusagen modernes Raubrittertum. Bei den Milliarden, welche die Schweiz an nichtabgeholten Judenvermögen einkassiert hat und den Zinsgewinnen aus dem Blutgeldern der Weltdiktatoren, dürfte das Land eigentlich so etwas nicht nötig haben. Sehr peinlich! Außerdem heißt das grammatikalisch richtig "auf Schweizer Autobahnen zu fahren!"

Junge, das hat gesessen - jetzt ist sie bestimmt beeindruck.

Zöllnerin: Was wollen Sie in der Schweiz?

PB: Meinen Sie die Frage ernst?

Zöllnerin: Ich meine alles ernst. Sehr ernst!

Bitte benantqworten Sie meine Frage.

PB: Ich möchte am Bernina-Gletscher einen Schneemann bauen

Zöllnerin (barsch fragend): Wollen Sie mich auf den Arm nehmen? 

PB: Sie meinen "verarschen"?

Zöllnerin: In etwa!

PB: Frau Oberkriminalrätin! Was meinen Sie denn wohl, was das Presseschild da vorne in meinem Auto bedeutet? Und der danebenliegende Ausweis! Die sind echt - keine Fälschung - sogar mit Lasersignatur.

Zöllnerin: Sie sind also Journalist?

PB: Können Sie lesen?  

Zöllnerin: Wieso?

PB: Wenn Sie lesen könnten, wäre diese Frage überflüssig!

Zöllnerin: Bringen Sie irgend etwas mit in die Schweiz?

PB: Ja Geld! Milch, gute Laune und ein Wurstbrot! Das esse ich aber sofort auf, wenn Sie möchten wg. des ev. Rinderwahnsinns.

Zöllnerin: Wieviel Geld?

PB: Sage ich nicht!

Die Zöllnerin geht zu einem Kollegen zeigt auf mich und bespricht sich länger. Der zuckt mit den Schultern. Macht sich dann aber auch auf den Weg zu meinem Voiture. Kommt jetzt böser Cop / guter Cop...

Haben Sie ein Navigationsgerät?

PB: Was ist das wohl da für ein kleiner Kasten der mittels eines schwarzen Saugnapfes da mitten auf meiner Windschutzscheibe prangt?

Zöllner: A ha. Zeigt das Gerät Radarstationen und polizeiliche Messpunkte an?

PBDas wäre ja höchst illegal!

Zöllner: Sehr richtig! Zumindestens bei uns in der Schweiz!

PB: Wusst ich es doch. In Österreich übrigens nicht!!

Zöllner: Öffnen Sie bitte ihren Kofferraum!

PB: Ich habe keinen Kofferraum

Zöllner (droht ärgerlich zu werden): Wie bitte?

PB: Das ist ein Variant, der hat nur eine Heckklappe.

Da ich sehe, daß der Mann puterrot wird im Gesicht und wohl gleich zu einem Tobsuchstanfall neigt, werde ich jetzt ganz nett.

Und wenn ich jetzt die Schweizer Nationalhymne singe?

Zöllner: Kennen Sie die denn?

PB: Nö! Aber die Heckklappe ist offen! Sie dürfen darin wühlen, soviel Sie wollen! Aber passen Sie bitte auf die Spritzen auf!

Zöllner (legt die Hand schon auf sein Waffenholster): Waaaas........?

PB (grinsend): Kleiner Scherz am Rande!

Zöllner: Haben Sie Drogen oder Ähnliches dabei? 

PB: Was verstehen Sie unter "oder Ähnliches"?

Zöllner: Zum Beispiel Alkohol und Zigaretten!

PB: Ist das in der Schweiz verboten?

Zöllner: Bitte beantworten Sie meine Frage!

PB: Nein! Habe ich nicht dabei - diesmal.

Zöllner: Und Drogen?

PB: Was für Drogen?

Zöllner: Haschisch oder Marihuana z.B.

PB: Das ist Tabak in meinen Augen!

Zöllner: Haben Sie nun so etwas dabei?

PB: Heute ausnahmsweise mal nicht.

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Es kommen noch zwei weitere Zollbeamte und man fängt an mein Auto zu durchsuchen... findet aber nichts.

PB: Wollen Sie nicht auch die Polster aufschlitzen?

Zöllner: Wo ist denn ihr Warndreieck?

PB: Links in der Klappe!

Findet die Klappe öffnet diese und kontrolliert mein Warndreieck, indem er es zusammenbaut; eine haklige Angelegenheit, denn hier spart Volkswagen. Anschließend kriegt er das Billigteil nicht wieder zusammen.

Zöllner: Merde..

PB: Wie bitte?

Zöllner: Jetzt krieg ich das Ding nicht mehr wieder auseinandergebaut...

PB: Egal! Werfen Sie es in den Kofferraum - mach ich dann später.

Wollen Sie nicht auch noch die Luft aus meinem Reifen lassen? 

(Ich kann es einfach nicht lassen)

Homosexuelle z.B. verstecken Verbotenes auch gerne lustvoll im Enddarm!

Oder die Mädels in ihrer...

Zöllner: Jetzt reicht es aber!

Die Zöllnertruppe verschwindet im Zollhaus und kontaktiert einen anscheinend Hochrangigen. Es folgt wildes Gestikulieren und ständiges Zeigen in meine Richtung. Ich verfolge das Ganze mit meinem Fernglas! Via Smartphone suche ich sicherheitshalber schon einmal die Telefonnummer des deutschen Botschafters in Zürich heraus.

30 Minuten später darf ich fahren... 

P.S.

Ich beschließe nun, doch ein Stück über die Autobahn zu fahren; auch ohne Vignette und werfe, als keiner mehr hinter mir ist, Müll aus dem Fenster. Dann schalte ich die Radarwarnfunktion meines Navis ein!

Darüber hinaus werde ich einen Brief an Jean Ziegler schreiben (Autor von: "Die Schweiz wäscht weißer") - jenem tollen Buch, welches genau beschreibt, wie der Schweizer Banken-Reichtum u.a. durch nicht mehr abgeholte Judengelder und das Judengold ursprünglich zustande kam und wie international  gesuchte Schwerverbrecher und afrikanische Massenmörder mit Polizeischutz vom Flughafen Genf zwischen Demonstranten hindurch zur nächsten Schweizer Bank und wieder retour sicher eskortiert wurden. Kann ich jedem nur empfehlen. Gibt es immer noch bei Amazon.                                                             Peter Bilsing (Hrg.) 1.4.2020

 

SCHWANENSEE anno 1953 & ein Rotzlöffel

Ein ständig wiederkehrender Alptraum

Erinnerungen an ein Gastspiel des Moskauer Stanislawsky-Balletts in der Rheinoper vor vielen Jahren. Eigentlich sollte alles ganz friedvoll & schön werden an der Deutsche Oper am Rein in Düsseldorf

Trügerische Vorfreude! Auf Einladung des Düsseldorfer Oberbürgermeisters geht auch der bärbeißigste Kritiker besonders gerne ins Theater; es ist ja auch eine Ehre! Daneben freut man sich an solch seltenen Abenden natürlich besonders darüber, endlich einmal wieder - ohne Chronistenpflicht - einen schönen Ballett-Abend genießen zu dürfen. Ach, was hätte es idyllisch sein können! Allein schon deshalb, weil ich modernen Schwanensee-Choreografien, wie in Essen oder esoterisch moderner Tanzchoreografie doch ziemlich reserviert gegenüberstehe.

Daher war ein Abend angesagt, wo „Schwanensee“ in der originalen Burmeister-Choreografie von 1953 das Düsseldorfer Publikum mal so richtig zum träumerischen Schwelgen bringen sollte. Als wenn ein altes Märchenbuch aufgeschlagen wird. Herrlich sollte es werden! Doch wie es so oft im Leben ist, wenn sich jemand besonders auf etwas freut, hat er die Rechnung ohne den Wirt gemacht…

Und mögliche Wirte gab es annähernd 1350 im voll besetzten Düsseldorfer Opernhaus. Die meisten waren harmlos und konnten sich adäquat unauffällig benehmen. Immerhin war „Event“ angesagt. Für mich leider Dantes Inferno! Wieder einer jener Tage, wo sich die letzten schwarzen Haare noch in weisse verwandeln.

Vielleicht war es auch eine göttliche Bestrafung für meine oberlehrerhafte Glosse„Unsitten in der Oper“  Späte Rache irgendeines Hilfsgottes - wer weiß? Gestern Abend war Wotan mal wieder zum Schabernack aufgelegt.

Verstehen Sie Spaß, Herr Bilsing?

Das Stichwort „Rotzlöffel“ wird den Großteil dieser Sottise prägen – leider! Denn eigentlich sollte es eine Kritik werden. Held meiner wahren Geschichte ist ein kleines, süßes, ca. 6-jähriges Mädel (Parkett rechts, Reihe 9 - Platz 163/165). Eigentlich kein „Rotzlöffel“, oder „Rotziges“, wie man in Düsseldorf sagt, sondern ein hübsch zurecht gemachtes und adrett gekleidetes Engelchen, welches von einer unsensiblen Mutter - wohl mangels spätabendlichen Kinderhortes - augenscheinlich völlig unvorbereitet in den „Schwanensee“ getaucht wurde. Gala-Ballett als Kindermädchen für Begüterte, oder sollten das etwa preiswerte Hauskarten gewesen sein? Egal – die variantenreiche Mobilität der Kleinen war frappierend.

Zuerst das Positive: Am Wenigesten störte, daß die Mutter ihr ständig das Geschehen erklärte, auf Russisch.

Nun ist es in der Düsseldorfer Oper leider so, daß der Besucher im kaum ansteigenden Parkett unter Körpergröße 1,65 eigentlich permanent, bei nicht-japanischem Vorsitzenden, per saldo Sichtbehinderung „genießt“. Wie verzweifelt muß sich da erst so ein 1-Meter-Zwanzig-Knirps hinter lauter Sitzriesen fühlen.

Doch dafür bietet das Opernhaus immerhin seit einigen kinderfreundlicheren Jahren separate Sitzkissen an. Ich nahm früher immer für meine Kinder den Kleinkinderautositz mit und drehte ihn herum, was ältere Opernbesucher (die ja bekanntlich 95 Prozent in der Rheinoper ausmachen) stehts zu einem lauten "Ich seh nichts mehr!" veranlasste.

Doch zurück:

Immerhin besorgte das „fürsorgliche“ Muttertier ihrem Sprösslinchen nach dem ersten Akt und diskreteren Hinweisen der umsitzenden rund 20 Personen schließlich diese Sicht- und Sitzhilfe.

„Jetzt wird doch wohl endlich Ruhe sein!“, so mein sichtlich genervter Nachbar. Der Mann sprach uns allen aus der hoffnungsvollen Seele. Man will ja nicht gleich als Kinderhasser gelten. Erratio diabolico! Jetzt ging´s erst richtig los. Nun entdeckte unser Schatzilein die wunderbare Möglichkeit, die nun mal halt so ein großes dickes Sitzkissen für talentierte Jungsportler bietet, nämlich:

Die wunderbare Welt des Trampolinspringens.

Heia jupheidi – das war ja wie zu Hause auf dem Sofa. Welche Freude! „Mama! Oper ist suppi! Geil! Schau nur! Nastrowje womm!“ Dagegen hatte sich die Kleine im ersten Akt noch richtig zurückgehalten. Gab es vorher wenigstens noch einige ruhige Minuten, wenn sich die Süße zur Freude der Hintersitzer, wenigsten gelegentlich („Buhuh - schau her Mama, wo bin ich?“) unter ihrem Sitz versteckte, so wurde im 2. Akt unsere kleine Königin geradezu sprunghaft ständig sichtbar. Man kann sagen, sie blühte richtig auf.

Den mittlerweile schon zunehmend ärgerlicher werdenden Beschwerden unseres Leidenskollektivs begegnete die Mutter mit einem sicherlich ehrlich gemeinten „Ja, ja... ein Talent meine Kleine - die will halt ständig mittanzen… hihihi!“

Angesichts der Tatsache, daß wir wohl hier die zukünftige Anna Pavlowa erleben durften, wurde die Empörung etwas gedämpft – nicht aber die Bewegungsfreude unseres Schnuckelchens! Hegten wir noch die bare Hoffnung, daß der Zwerg wenigstens im dritten Akt müde werde und uns endlich die herrlichen Schwäne genießen lassen würde, wurden wir realiter eines anderen belehrt.

Manche Kinder werden halt um 22.00 h erst richtig munter.

Wir hatten natürlich genau diese Ausnahme von den 100 000 friedvollen anderen Pänzen erwischt, die da so in Düsseldorf herumlaufen. Pech! Schluchzend und weinend fiebern wir dem dritten Akt entgegen. Ein älterer Herr bekam zwischenzeitlich einen lautlosen Herzanfall...

Zu diesem Zeitpunkt (3. Akt. 22.15 h) waren allerdings nicht wenige „Ballettfreunde und Fachleute“ schon gegangen. Nicht unbedingt aus Ärger über ähnliche reizende Sitznachbarn, sondern eher, weil man in der örtlichen Tagespresse - und solcher glaubt man halt blind, egal was im Programmheft steht - gelesen hatte:

Ende 22.00 h! Und wenn da 22 h steht, dann gehen wir auch. Basta!

Selbst den dezent gehauchten freundlichen Worten der, angesichts dieses frühen Menschenschwalles, sichtbar überraschten Garderobieren: „Es ist aber doch noch lange nicht zu Ende“ wurde nicht geglaubt, insbesondere angesichts der langen Kette geldgieriger Taxifahrer, die – ebenfalls fehlinformiert – bereits draußen hupend und ungeduldig warteten. Hinzu kamen jene Privat-Chauffeure, die ihre Angehörigen selbstverständlich ebenfalls „pünktlich“ abholen wollten und heftig gestikulierend mit der anderen Seite der Familie (die sich logischerweise ja noch im Inneren des hehren Opernhauses aufhielt und Schwanensee zu Ende sehen wollte) mobiltelefonisch auseinandersetzten. Sie werden von diesem unverhofften Verkehrschaos auf der Heine-Allee sicherlich in den Tageszeitungen gelesen haben. Nein, es war keine Kurdendemonstration.

 

Fazit:

Hier hört jetzt der Spaß auf, wenn ich an dieser Stelle drei Fragen zu stellen wage:

1) Wie blöd, egozentrisch, naiv und rücksichtslos können eigentlich Eltern heutzutage sein?

2) Wie unbedarft ist ein Publikum, welches ein dreiaktiges Ballett (eigentlich sind es vier Akte) mit angegebenen 2 Pausen und einer Netto-Musik von beinahe 140 Minuten schon nach 2,5 Stunden, zumal bei solch hohen Eintrittspreisen, herdenartig vorzeitig verlässt?

3) Wo bitte ist der Minimalservice der Rheinoper, die sich sogar selbst auch im Programmheft verschätzt hat: Angekündigtes Ende 22.30 h ! – tatsächliches Ende nach 23.00 h !! Hätte man nicht wenigstens ein paar Reiter aufstellen oder Zettel kopieren können, um das verehrte Publikum auf solche Divergenzen hinzuweisen?

 

Wer derartig kritisiert, muß auch Verbesserungsvorschläge machen.

 

Voila!

a) Die Eintrittskarte wird zukünftig erst ausgehändigt, wenn jeder Besucher schriftlich bestätigt, das Programmheft gelesen und keine Fragen mehr an das selbstverständlich an jedem Abend anwesende Dramaturgen- oder Musikpädagogenteam zu haben.

b) Eltern mit kleinen Kindern kommen nur noch ins Auditorium, wenn sie einen Pfand in Höhe von 100 Euro pro Balg beim Türsteher hinterlegen: Dieses wird nur zurückgezahlt, wenn die Sitznachbarn am Ende der Vorstellung dies wohlwollend abnicken und das ordentliche Verhalten der Zwerge bestätigen. Ansonsten wird das Geld von den Gestressten, quasi als Schmerzensgeld, hinterher veralkoholisiert. Bei Schulklassen zahlt grundsätzlich der Lehrer!

c) Abendspielleiter und Dirigent bestätigen schriftlich und verbürgen sich dafür im Namen des Generalintendanten auf mehreren Aushängen, daß die Aufführung tatsächlich zur angekündigten Zeit endet. Für jedes überzogene 5-Minuten-Intervall gibt es ein Freigetränk, ab 15 Minuten hinterher ein Gratis-Buffet.

d) Sollten Schulklassen in der Oper sein, wird das Ordnungspersonal der Türsteher mit Elektroschockern ausgestattet.

 

Peter Bilsing, 30.3.2020

- recycled aus dem Buch BILSING IN GEFAHR

 

 

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