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Ölbronn ist immer eine Reise wert

oelbronn-duerrn.de

 

 

 

KÜNSTLERTREFFEN DER GOTTLOB-FRICK-GESELLSCHAFT

Am 13/14.10.2018

 

Der Name des kleinen, in Baden-Württemberg gelegenen Ortes Ölbronn dürfte nicht jedem ein Begriff sein. Das sollte er aber. Denn jedes Jahr Mitte Oktober wird dieses kleine, beschauliche Dorf zum Sammelpunkt zahlreicher Opernschaffender. Sänger/innen, Dirigenten, Intendanten, Kritiker und Redakteure treffen sich dort, um das Gedenken an den hier im Jahre 1906 geborenen „König der Bässe“ Gottlob Frick zu feiern. Auch dieses Jahr fand auf Einladung der in Ölbronn ansässigen Gottlob-Frick-Gesellschaft ein Künstlertreffen statt, zu dem prominente Gäste von nah und fern angereist waren. Und wieder einmal war es eine ganz großartige Veranstaltung, die noch lange in Erinnerung bleiben wird. Eine Einladung zu dem Künstlertreffen zu bekommen, ist etwas ganz Besonderes und eine große Ehre. Hier treffen sich viele Persönlichkeiten aus der Musikwelt, ehemalige Sänger, aber auch aktive und noch junge Künstler, um in Erinnerungen zu schwelgen. Auf diese Weise wird die Vergangenheit wieder lebendig. Ältere Sänger erhalten die Möglichkeit, ehemaligen Kollegen, die sie sonst vielleicht nie wieder getroffen hätten, wieder einmal zu begegnen. Das hat viele von ihnen auch dieses Jahr wieder sehr gefreut. Es ist schon wunderbar, dass die Gottlob-Frick-Gesellschaft ihnen dazu die Gelegenheit gibt. Ölbronn ist immer eine Reise wert. Hier geht einem das Herz auf und man ist beglückt, bei diesem Treffen dabei sein zu dürfen. In Ölbronn wird in einmaliger Weise ein Kontrapunkt gegen das Vergessen gesetzt, aber auch jungen Sängern/innen die Möglichkeit gegeben, sich zu profilieren. Diese Förderung junger Sänger und Sängerinnen ist eine der Zielsetzungen der Gottlob-Frick-Gesellschaft, wofür dieser sehr zu danken ist.

Ein Höhepunkt der bemerkenswerten Veranstaltung war der Festakt, der dieses Jahr in der Ötisheimer Erlentalhalle stattfand. Nachdem diejenigen Gäste, die zum ersten Mal das Künstlertreffen besuchten, die Gottlob-Frick-Medaille erhalten hatten, erfolgte die Verleihung der Gottlob-Frick-Medaille in Gold. Diese wird von der Gottlob-Frick-Gesellschaft besonders Verdienten um die Förderung der Kultur verliehen und ging dieses Jahr an das Europäische KulturForum Mainau und an Frau Brigitte Stephan. Diese Wahl kann durchaus nachvollzogen werden, denn die diesjährigen Preisträger haben sich im Bereich Oper mehr als verdient gemacht. Ehrenpräsident Hans A. Hey begründete das in seiner Laudatio folgendermaßen: „Das 1998 von Sonja Gräfin Bernadotte af Wisborg ins Leben gerufene KulturForum Mainau folgt dem Grundgedanken, Menschen auf kultureller Ebene zusammenzuführen. Als gemeinnütziger Verein fördert das Forum kulturelles Schaffen im Sinne des pro-europäischen Gedankens. Der Schwerpunkt bei dieser Zielsetzung ist es, hochtalentierte Nachwuchskünstler innerhalb Europas zu vereinen, zu fördern, zu qualifizieren und zu vernetzen. Durch die Organisation von Veranstaltungen, Treffen, Kongressen, Symposien, Workshops und Ausstellungen werden Begegnungen geschaffen und der internationale Austausch gefördert. Prägende Bedeutung genießt in diesem Rahmen der Anneliese-Rothenberger-Gesangswettbewerb, der von der unvergessenen Sängerin gestiftet und lebenslang begleitet wurde und auch nach ihrem Tod unter dem Dach des Europäischen KulturForums in ihrem Sinne weitergeführt wird. Das gesamte erfolgreiche Wirken des Forums wird wohl dadurch am sichtbarsten anerkannt und gewürdigt, dass der Europarat die Schirmherrschaft übernommen hat“. Auch für die zweite Preisträgerin, Frau Brigitte Stephan, hat Hans A. Hey in seiner Laudatio treffende Worte gefunden. Er informierte die Zuhörer, dass der Anneliese-Rothenberger-Gesangswettbewerb ein „Lieblingskind von Frau Stephan“ sei, „die dieses umfangreiche Projekt allein leitet. Seit 1995 ist sie auch für die konzeptionelle und organisatorische Programmplanung der Mainau-Open-Air-Konzerte verantwortlich. Bis heute organisiert die Opernaktivistin neben ihren Aufgaben beim Europäischen KulturForum Mainau weitere Veranstaltungen, u. a. Benefizkonzerte, entdeckt und fördert junge Sänger und vermittelt diese in ihrem nach wie vor funktionierenden Netzwerk“. Abschließend erwähnte Hans A. Hey noch, dass Frau Stephan für ihre großen Verdienste bereits das Bundesverdienstkreuz am Bande und das Ehrenkreuz „Pro Arte“ verliehen wurde. In ihren Dankesreden zeigten sich Christian Graf Bernadotte, der Präsident des Europäischen Kulturforums Mainau, und Frau Stephan sehr angetan von der ihnen zugekommenen Ehrung. Die haben sie sich aber auch redlich verdient. Ohne sie wäre das heutige Kulturleben um vieles ärmer. Ein Bravo seitens des OPERNFREUNDES für ihre verdienstvolle Tätigkeit!

In dem anschließend über die Bühne gegangenen Konzert, das dieses Jahr unter dem Motto „Dies Bildnis ist bezaubernd schön“ stand und zu einem Großteil Mozart galt, konnte man einige herausragende junge Sänger/innen bestaunen, denen bei verantwortungsbewusstem Umgang mit ihrem kostbaren Material wohl eine große Karriere bevorsteht. Bereits zu Beginn des Festaktes waren zwei bemerkenswerte junge Künstler zu erleben. Den Anfang machte Arminia Friebe, der es mit Toscas „Visse d’ arte“ leicht fiel, das Publikum für sich einzunehmen. Sie verfügt über einen ungemein klangvollen, warmen, bestens italienisch geschulten und mit perfekter Linienführung ausgestatteten lyrischen Sopran, der zudem noch über viele Farben und großes Nuancierungsvermögen verfügt. Die Begeisterung des Auditoriums war bei ihr genauso nachzuvollziehen wie bei Thomas Bastian Kohl, der mit profundem, beweglichem und mühelos bis in tiefste Tiefen herabreichenden Bass die Arie des Osmin „O wie will ich triumphieren“ aus Mozarts „Die Entführung aus dem Serail“ sang. Im Konzert dann konnte man ebenfalls nur staunen, was für größtenteils hervorragende Stimmen die Gottlob-Frick-Gesellschaft dieses Jahr aufgeboten hatte: Jennifer O’Loughlin vermochte insbesondere in der mit leichtem, flexiblem, die anspruchsvollen Koloraturen mit Bravour bewältigenden sowie gut gestütztem Sopran gesungene Arie der Konstanze „Martern aller Arten“ aus der „Entführung aus dem Serail“ zu begeistern. Auch die Arie der Amina aus Bellinis „La Sonnambula“ „Ah! Non credea mirarti“ war bei ihr in besten Händen. In dem Duett „Ah perdona al primo affetto“ aus Mozarts „La clemenza di Tito“ stand ihr die Mezzosopranistin Natalia Kawalek zur Seite. Auch mit ihr konnte man voll und ganz zufrieden sein. Sie nennt bestens fokussiertes, koloraturgewandtes volles und rundes Stimmmaterial ihr Eigen, mit dem sie außerdem noch Rosinas Cavatine „Una voce poco fa“ aus Rossini „Il barbiere di Siviglia“ und Mozarts Konzertarie „Vado, ma dove? O Dei!“ großes Gewicht verlieh. Das hohe Niveau der Damen wurde von Alejandro Làrraga Schleske problemlos gehalten. Hier haben wir es mit einem erstklassigen Verdi-Bariton zu tun, der insbesondere Posas Tod aus „Don Carlo“ mit trefflich fundierter, geradliniger Stimme, die zudem über einen schönen langen Atem sowie eine gute Höhe verfügt, grandios zum Besten gab. Mit Almavivas Aire „Hai gia vinta la causa“ aus Mozarts „Le nozze di Figaro“ und Don Giovannis „Fin chan dal vino” bewies er auch seine hohen Qualitäten als Mozart-Sänger. Der Tenor Tilman Lichdi war mit der Bildnis-Arie aus Mozarts „Zauberflöte“, Belmontes Baumeisterarie aus der „Entführung aus dem Serail“ sowie mit der Cavatine des Almaviva „Ecco ridente in cielo“ aus Rossinis „Il barbiere di Siviglia“ zu hören. Auch er stand hoch in der Gunst des Publikums. Seine Darbietungen hätten indes noch schöner klingen können, wenn er ein wenig mehr im Körper gesungen hätte. Als Zugaben erklangen die von Frau Kawalek mit hinreißender Sinnlichkeit gesungene Habanera aus Bizets „Carmen“ sowie das von allen vier Künstlern gesungene Quartett „Mir ist so wunderbar“ aus Beethovens „Fidelio“. Den Sängern ein versierter Begleiter war das Heilbronner Sinfonie Orchester unter der Leitung von Prof. Alois Seidlmeier. Auch mit Einzelstücken war das Orchester zu erleben, so mit den Ouvertüren zu Mozarts „Zauberflöte“, der „Entführung aus dem Serail“, Verdis „Nabucco“ und Bellinis „Norma“. Wieder einmal war zu konstatieren, welche hervorragende Aufbauarbeit Prof. Seidlmeier mit den Musikern in den letzten Jahren geleistet hat. Das Orchester spielte sauber, geradlinig, mit guter Intonation und folgte den Anweisungen des versierten Dirigenten bis ins kleinste Detail.

Im Anschluss an das Konzert fand in der Gemeindehalle Ölbronn ein riesiges Gala-Buffet statt. Für die liebevoll angerichteten köstlichen Speisen und Getränke und die herzliche Bewirtung durch Mitglieder der Gottlob-Frick-Gesellschaft gebührt den Verantwortlichen ein besonders herzliches Dankeschön. Am selben Ort fand am nächsten Morgen die Matinee statt. Begonnen hat sie mit einer CD-Einspielung der Fiesco-Arie „Leb wohl, Palast der Väter“ aus Verdis „Simone Boccanegra“, die von Gottlob Frick zwar in deutscher Sprache, aber wunderbar einfühlsam sowie mit großem Ausdrucksgehalt vorgetragen wurde. Ohne Zweifel haben wir es hier mit einer der besten Aufnahmen dieser herrlichen Arie zu tun, die eigentlich nicht besser als wie von Frick gesungen werden kann. Er hatte wahrlich Gold in der Kehle. Hier wurden nachhaltig Maasstäbe für junge Bassisten aufgezeigt. Anschließend wurde unter der Leitung von Fachjournalist Thomas Voigt zwei ganz großen, bereits verstorbenen Sängerinnen gedacht: Inge Borkh, die erst kürzlich diese Welt verließ, und Birgit Nilsson, deren Geburtstag sich dieses Jahr zum hundertsten Mal jährte. In fachkundiger Runde wurde der beiden grandiosen Jahrhundert-Sängerinnen gedacht. Die mit ihren Namen verbundene große Begeisterung manifestierte sich in Erzählungen - bei Frau Borkh durch eine langjährige Freundin, was besonders interessant war -, Filmclips und CD-Einspielungen. Das waren ganz große Augenblicke.

Zum Schluss gab es noch einen kleinen Imbiss, dann verabschiedeten sich die einmal mehr zahlreich erschienenen illustren Gäste und reisten wieder heim - und wieder um eine Begegnung reicher, die tief in ihr beglücktes Herz drang und den Wunsch weckte, im nächsten Jahr erneut beim Künstlertreffen dabei zu sein. Dieses ist eben eine ganz besondere Veranstaltung, die anderen dieser Art, beispielsweise in München, überlegen ist. Freuen wir uns also auf das Treffen 2019.

Ludwig Steinbach, 16.10.2018

 

 

KÜNSTLERTREFFEN GOTTLOB-FRICK-GESELLSCHAFT 2015

17. und 18. 10. 2015

Treffen der Generationen im „Operndörfle“ Ölbronn

Der vornehmliche Zweck der bereits im Jahre 1995 ins Leben gerufenen Gottlob-Frick-Gesellschaft besteht darin, das Andenken an den „König der Bässe“, wie Frick oft genannt wurde, zu bewahren. Ein weiteres, nicht minder wichtiges Anliegen der Gesellschaft liegt darin, alljährlich ein Treffen alter Sänger und Weggefährten Fricks zu ermöglichen, die sich sonst in diesem Leben vielleicht nicht mehr gesehen hätten. Deshalb wird jedes Jahr Mitte Oktober in Ölbronn, Fricks Heimatgemeinde, zu einem Künstlertreffen geladen.

Hans A. Hey und Mitglieder der Gottlob-Frick-Gesellschaft, Matti Salminen, Michael Nagl, Remus Alazaroae, Aiste Miknyte, Anna Hybiner, Alois Seidlmeier

Auch dieses Jahr fand in Ölbronn ein solches Treffen statt, bei dem alte und junge Sänger/innen, Regisseure, Dramaturgen, Intendanten, Produzenten, Redakteure und Kritiker teilnahmen. Bei diesem „Treffen der Generationen“ kamen Alt und Jung vielfach miteinander ins Gespräch, tauschten Gedanken aus und diskutieren rege miteinander. Dabei war, wie jedes Jahr, eine Herzlichkeit zu spüren, wie sie nicht alle Tage vorkommt. Die Freude der betagten Künstler/innen über das Wiedersehen mit ihren ehemaligen Kollegen/innen war groß. Den durch die Bank ehrenamtlich tätigen Mitgliedern der Gottlob-Frick-Gesellschaft gebührt auch heuer wieder großer Dank, dass sie so uneigennützig ihre ganze Kraft einsetzten, um den von nah und fern angereisten Gästen ein denkwürdiges Wochenende zu bescheren. Wieder einmal war zu bemerken, dass sich die Majestät des kleinen, idyllisch gelegenen und von wunderbarer Natur umgebenen „Operndörfles“ Ölbronn nicht von außen, sondern von innen her definiert. In den Herzen der hier versammelten großen Familie wird ein in jedem Oktober sich immer wieder neu gebärender immaterieller Wert liebevoll gepflegt, was nicht mit Geld zu bezahlen ist und Fricks ländliche Heimatgemeinde zum Zentrum der Opernerinnerung macht.

 

Sofia Kallio, Ludwig Steinbach, Thorsten Büttner

Erinnerung: Das ist der Kern jedes Künstlertreffens. Sie steht hier im Vordergrund. Und nicht nur die illustren Gäste unter sich sollen sich an gute alte Zeiten erinnern. Es ist ein weiteres erklärtes Ziel der Gottlob-Frick-Gesellschaft, dafür Sorge zu tragen, dass die Repräsentanten des Opernschaffens früherer Jahre unvergessen bleiben, was heutzutage leider keine Selbstverständlichkeit mehr ist, aber sein sollte. Der vor kurzem aufgrund seiner großen Verdienste zum Ehrenpräsidenten der Gesellschaft erhobene Hans A. Hey formulierte es in seiner Laudatio folgendermaßen, nachdem er bedauert hatte, dass in unseren Tagen die Namen großer ehemaliger Sängerlegenden und Weltstars wie Erna Berger, Hilde Güden, Margarete Klose, Ljuba Welitsch, Peter Anders, Paul Schöffler, Walter Berry und Otto Edelmann außer der Fachwelt eigentlich niemandem mehr geläufig seien: „Damit sind wir bei dem Problem, auf das ich hinführen wollte, Es ist die Schnelllebigkeit und Vergesslichkeit unserer Zeit. Größte Sängerinnen und Sänger, die das Opernschaffen während ihrer Karriere maßgeblich prägten, sind nach kurzer Zeit leider vergessen. Unserer Meinung nach darf das nicht sein. Die Erinnerung an solch großartige Künstlerpersönlichkeiten und ihr beispielhaftes Wirken muss erhalten werden“. Wie Recht hat Hans A. Hey doch. Die von ihm erwähnte Schnelllebigkeit der Gegenwart ist ein großes Problem und auch der Grund dafür, dass beispielsweise Größen wie Enrico Caruso, Friedrich Schorr oder Hans Knappertsbusch, um nur einige zu nennen, nicht mehr bekannt sind. Und das darf nicht sein. Diesen Missstand gilt es auszumerzen und die Namen der ehemals hochberühmten Künstler wieder im kollektiven Bewusstsein zu verankern. Dieses Ziel wird von der Gottlob-Frick-Gesellschaft unbeirrt und unablässig verfolgt. Sie hat auch schon Erfolge zu verzeichnen. „Bei der Erfüllung dieser Aufgabe haben wir durch die Künstlertreffen, unsere ständigen Appelle und vor allem die Verewigung unserer Gäste in der Händeabdruckgalerie schon einiges erreicht“, sagte Ehrenpräsident Hey.

Die illustren Bass-Bariton-Gäste

Der Geist des Künstlertreffens breitet sich stetig mehr aus. Belegt wird das durch die unumstößliche Tatsache, dass es von Jahr zu Jahr immer mehr Sängerpersönlichkeiten, alte und auch junge, sind, die den Weg nach Ölbronn finden und das Einzigartige dieser alljährlich stattfindenden Veranstaltung hoch beglückt in die Welt hinaustragen. Folgende Sänger/innen waren dieses Jahr zum ersten Mal dabei: Hans Dieter Bader (Opernsänger), Dr. Karl-Friedrich Dürr (Kammersänger), Dr. Reinhard Ermen (Redakteur), Karsten Evers (SWR2-Programm-Manager), Sofia Kallio (Opernsängerin), Jeanne Piland (Kammersängerin), Emily Rawlins-Struckmann (Opernsängerin), Professor Matti Salminen (Kammersänger), Falk Struckmann (Kammersänger) und Keiko Yamamoto-Dürr (Opernsängerin). Sie alle erhielten in dem Festakt, der dem Konzert im Mühlacker Mühlehof vorausging, die Gottlob-Frick-Medaille - eine Auszeichnung, über die sich die derart Ausgezeichneten sichtbar freuten. Alljährlich wird beim Festakt von der Frick-Gesellschaft auch die Gottlob-Frick-Medaille in Gold verliehen, die dieses Jahr eingedenk seiner großen Verdienste um die Oper an den Südwestrundfunk ging, vertreten durch den Programm-Manager Karsten Evers und den für den Bereich Oper zuständigen Musikredakteur Dr. Reinhard Ermen. Dazu Hans A. Hey: „Der SWR hat sich durch seine Sendungen rund um die Oper, das Opernschaffen und das Gedenken an große Sängerpersönlichkeiten die Auszeichnung mit der Gottlob-Frick-Medaille in Gold in besonderem Maße verdient“. Das trifft zu. Der SWR 2 ist in der Tat eine der ersten Adressen in Sachen Oper im Rundfunk.

Mitglieder der Gottlob-Frick-Gesellschaft, die „Erstmaligen“

Beim anschließenden Gala-Konzert, das unter dem Motto „Junge Sänger - Glanzvolle Arien“ stand, erklangen Ausschnitte aus Opern Mozarts, Donizettis, Dvoraks, Massenets, Lortzings, Verdis, Tschaikowskis, Bizets, Strauß’ und Offenbachs. Leider hatte an diesem Nachmittag der Krankheitsteufel zugeschlagen. Der ursprünglich vorgesehen Dirigent Prof. Peter Braschkat musste krankheitsbedingt absagen. Ein Ersatz war in dem renommierten Dirigenten und Ersten Kapellmeister des Nationaltheaters Mannheim Prof. Alois Seidlmeier indes schnell gefunden. Sein Engagement erwies sich als ein wahrer Glücksfall. Obwohl das Heilbronner Sinfonie-Orchester intonationsmäßig nicht immer ganz sicher war, musste doch konstatiert werden, dass es noch nie so gut gespielt hat wie unter diesem Dirigenten. Seidlmeier hatte es bestens im Griff und hielt es zu einem von großen Bögen geprägten, farbenreichen, frischen, klaren, und sehr transparenten Spiel an - Vorzüge, die sowohl in der Begleitung der Sänger/innen als auch in den Solo-Orchesterstücken hervorragend zum Tragen kamen und beredtes Zeugnis von den überragenden Fähigkeiten des Dirigenten ablegten, der zum Sommersemester 2015 als Professor und Leiter der Opernschule an die Hochschule für Musik in Karlsruhe berufen wurde. In Stücken wie den Ouvertüren zu Mozarts „Schauspieldirektor“, Donizettis „Don Pasquale“, Bizets „Carmen“, der „Navarraise“ aus der  Ballettmusik des zweiten Aktes von Massenets „Le Cid“ und der Polonaise aus Tschaikowskys „Eugen Onegin“ liefen die Musiker zu großer Form auf und bewährten sich auch bei der Sängerbegleitung.

 

Die auf der vokalen Seite aufgebotenen Stimmen waren ebenfalls recht beachtlicher Natur. Die Sopranistin Aiste Miknyte sang wunderbar innig und gefühlvoll das Lied an den Mond aus Dvoraks „Rusalka“. Sehr überzeugend war auch ihr von Feuer und großer Intensität geprägter Vortrag von Tatjanas „Puskai pogibnu ya“ aus Tschaikowskys „Eugen Onegin“. Sehr lyrisch gestaltete sie zusammen mit der Mezzosopranistin Anna Hybiner die Barkarole aus Offenbachs „Les contes d’ Hoffmann“. Frau Hybiner war außerdem noch mit der Canzone des Cherubino „Voi che sapete“ aus Mozarts „Le nozze di Figaro“, der Habanera der Carmen „L’ amour est un oiseau rebelle“ aus Bizets „Carmen“ sowie dem Couplet des Orlowsky „Ich lade gern mir Gäste ein“ aus Strauss’ „Fledermaus“ zu hören. Sie verfügt über einen insgesamt solide sitzenden, vollen Mezzosopran, der durchaus ein Versprechen für die Zukunft darstellt. Indes sollte sie sich einen etwas besseren italienischen Gesangsstil aneignen. Auch muss sie unbedingt ihr Lampenfieber, das insbesondere bei der Cherubino-Arie stark zu bemerken war, in den Griff bekommen. Sehr für sich einzunehmen vermochte der Tenor Remus Alazaroae , der mit frischer, wendiger, höhensicheren Stimme bereits mit „Una furtiva lacrima“ aus Donizettis „L’elisir d’amore“ auf sich aufmerksam zu machen wusste. Gut gefiel auch seine versierte Darbietung der Arie des Zatastra „Ah! Parais! Parais, astre de mon ciel“ aus Massenets „Le mage“. Das aus Verdis „Rigoletto“ entlehnte „La donna è mobile“ des Duca trug er dynamisch sehr differenziert vor. Nachdem er den ersten Vers noch kraftvoll ausgesungen hatte, kleidete er den zweiten in schöne bedächtige Piano-Töne. Vierter im Bunde war Michael Nagl , der mit gut fokussiertem, profundem Bass Figaros „Non piú andrai“ und Leporellos „Madamina“ aus Mozarts „Le nozze di Figaro“ und „Don Giovanni“ sowie die Arie des Baculus „Fünftausend Taler“ aus dem „Wildschütz“ von Lortzing sang. Am Ende des Konzertes durften sich auch die vier jungen Sänger/innen über die Verleihung Gottlob-Frick-Medaille freuen. Eine weit größere Motivation dürfte es für sie bedeutet haben, dass Hans A. Hey danach noch den großen Bassisten

Matti Salminen auf die Bühne holte. Die Verleihung der Frick-Medaille an Salminen hatte man sich bis zu diesem Augenblick aufgespart, um den vier jungen Künstler/innen auf diese Weise eine moralische Unterstützung zukommen zu lassen. Das war ein sehr rührender Moment.

 

Michael Küster, Matti Salminen

Den Ausklang des ersten Tages bildete wie jedes Jahr ein gemütliches Beisammensein der illustren Gäste in der Gemeindehalle von Ölbronn, in der ein von der Gottlob-Frick-Gesellschaft mit viel Liebe kreiertes, köstliches Gala-Buffet auf sie wartete. Am folgenden Morgen wurde Interessierten die Möglichkeit zu einem Besuch in der Frick-Gedächtnisstätte gegeben, in der zahlreiche Kostüme, Programmzettel, Photos, Schreiben anderer großer Persönlichkeiten an Frick, CDs  und noch weitere Exponate an den großen Bassisten erinnerten. Hier sind auch die Händeabdrücke sämtlicher Künstler zu bestaunen, die jemals das Künstlertreffen besucht haben. Diejenigen der diesjährigen erstmaligen Teilnehmer werden sich bald dazugesellen. Wer wollte, konnte danach auch noch Fricks Grab auf dem nahegelegenen Ölbronner Friedhof besuchen.

Anna Zassimova, Sofia Kallio

Die anschließend in der Gemeindehalle stattfindende Matinee stand ganz im Zeichen zweier grandioser finnischer Künstler. Zuerst sang die junge Sopranistin Sofia Kallio die Arie der Agathe „Wie nahte mir der Schlummer“ aus Webers „Freischütz“. Und das einfach wunderbar! Ihr herrlich dunkel timbrierter, bestens fokussierter Prachtsopran wurde allen Anforderungen der Partie mit Bravour gerecht. Mit herrlicher Innigkeit und hoher Einfühlsamkeit, warmer und gefühlvoller Tongebung, großem Differenzierungsvermögen und Nuancenreichtum sowie einem schier unendlichen Atem beglückte sie die Zuhörer mit lang gesponnenen Bögen und breiten Kantilenen, die Ausdruck von einer enormen Phrasierungskunst sind, und wartete zudem noch mit einem Maximum an beeindruckender Ausdrucksintensität auf. Die leisen, innigen Passagen gelangen ihr ebenso eindrucksvoll wie die großen Jubelausbrüche am Ende. Das ganze krönte sie mit einem imposanten, voll und rund klingenden und länger als von Weber vorgeschrieben ausgehaltenen hohen ‚h’ am Ende. Damit hatte sie sich voll und ganz in die Herzen des begeisterten Publikums gesungen und durfte sich über riesigen Applaus und spontane Bravo-Rufe mit Recht freuen. Ohne Zweifel gehört Frau Kallio zu den ganz großen Sängerinnen unserer Zeit, denen das Glück zukünftig hoffentlich hold sein wird. Begleitet wurde sie am Klavier von der Pianistin Dr. Anna Zassimova mit leichtem, sanft und kammermusikalisch anmutendem Anschlag. Zu konstatieren war, dass Sängerin und Pianistin aufs Beste miteinander harmonierten. Hier hat die Chemie gestimmt.

 

Anschließend erfolgte ein Gespräch mit dem finnischen Bassisten Matti Salminen .

Michael Küster, seines Zeichens Dramaturg an der Zürcher Oper,  interviewte den Sänger mit klugen, spannenden Fragen und ließ ihn unterhaltsam aus dem Nähkästchen plaudern. Es war sehr interessant Salminen zuzuhören, wie er aus seinem Leben und seiner langen Karriere erzählte und dabei neben mehr ernsten auch der heiteren Komponente Platz einräumte. Mit einem köstlichen Imbiss klang das diesjährige Künstlertreffen schließlich aus. Viele freudige Gesichter zog es wieder Richtung Heimat. Herzlichen Dank an die Gottlob-Frick-Gesellschaft für die freundliche Einladung. Das waren wieder zwei herrliche Tage, die sich tief in das Gedächtnis einbrannten.

 

Ludwig Steinbach, 22.10.2015

Die Bilder stammen von der Gottlob-Frick-Gesellschaft und Ludwig Steinbach

 

 

 

 

 

DER OPERNFREUND  | opera@e.mail.de