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FIDELIO

Premiere mit aktuellem politischen Bezug

22.02.2020


Als großartige Ensemble – Leistung !

Während die Oper der Hauptstadt Bratislava am selben Tag wieder mal eine ‚Rusalka‘- Premiere produziert, bringt die kleine Staatsoper im schönen Kosice / Kachau eine homogen besetzte Neu- Produktion von ‚Fidelio‘ zum Beethoven- Jubiläum heraus.

Unter der Schirmherrschaft der deutschen und österreichischen Botschafter aus Bratislava, die beide anwesend waren, spielte man die übliche letzte Fassung mit der Fidelio – Overtüre und alle Solisten konnten mehr als Rollendeckend vom Haus-Ensemble besetzt werden !

Operndirektor Karol Kevicky ist seit Jahren stabil im Amt und bürgt für Qualität – Die Oper Kosice spielt im Repertoire neben Otello, Falstaff, Traviata auch Samson und kann Dank des Haustenor Titusz Tobisz als strahlender Florestan ‚Fidelio‘ aus dem eigenen Ensemble besetzen :

Die frisch klingende und einfühlsam spielende Aneta Holla als Marzellina besticht mit einer strahlenden Höhe und als Leonore überzeugt die slovakische jugendlich- dramatische Neu-Entdeckung Janette Zsigova in ihrem erfolgreichen Debüt in dieser schweren Partie ! Hatte sie am Anfang noch mit Nervösität zu kämpfen und tat sich schwer, im ersten Akt über das teilweise zu laute Orchester zu kommen, war sie im zweiten Akt ganz bei sich und überzeugte mit dramatischen Spitzentönen als Pistolen- Weib neben dem als nicht mehr zur realen Welt zurückfindenden inszenierten Florestan von Titusz Tobisz. Er scheint Leonore als Vision und reale Person zu verwechseln und sehnt sich im Schlussfinale in sein Gefängnis zurück. Man hat lange nicht mehr einen solchen Florestan gehört – auch größere Häuser sollten einen solchen Tenor schnell anfragen ! Diese mörderische Partie ist dem in Ungarn und der Slovakai sehr gefragten Tenor auf den Leib geschrieben und als leicht wahnsinnig gezeichneter Gefangener berührt seine Darstellung eines gebrochenen Charakters. Der Regisseur stellt Leonore als gefeierte Heldin ins Zentrum der befreiten Gefangenen und assoziiert einen Bezug zu heutigen Helden und Heldinnen als Kämpfer gegen Unterdrückung und politische Machenschaften . Leonora wird gefeiert vom akkurat genau einstudierten Chor ( Chordirektor Lukas Kozubik ), der sich als aufgebrachter Mob auf Pizarro stürzt und ihn mit seinen Handlangern tötet im dramatisch überzeugenden Finale: Don Fernando tritt als friedenswilliger UN- Botschafter mit Sekretären auf und verbreitet Hoffnung:

Gibt es durch die Demokratie und humanistisch denkende Politiker eine Lösung gegen Macht -Missbrauch und Korruption ? Genau zum Premierendatum jährt sich zum zweiten Mal in der Slovakai die Ermordung des Journalisten Jan Kuziak und seiner Partnerin Martina Kusnirova, deren Bild als Projektion im Finale die aktuelle Bedeutung von Beethoven‘s Oper betont.

Man sang auf deutsch und auch die Dialoge waren sehr textverständlich sauber gearbeitet. Kachau / Kosice war historisch schon immer eine mehrsprachige Stadt und das Publikum spricht ungarisch , slovakisch, deutsch und englisch. Der international arbeitende Regisseur Bruno Berger Gorski aus Wien und seine spanische Ausstatterin Carmen Castanon stellen in ihrem zeitlosen Konzept die Frau an sich ins Zentrum – schon während der Overtüre ( meisterhaft vom Orchester unter seinem Chefdirigent Vinicius Kattah interpretiert) steht Marzelline im Putzkittel mit Wäsche im zentralen Lichtkegel.

Im gleichen Lichtkegel erlebt Leonore später wie brutal die Gefangenen von den Wachen und Joaquino behandelt werden, bevor sie als ‚Retterin‘ zum Schluss in genau diesem erhellten Zentrum von den Gefangenen gefeiert wird und durch Projektionen in Bezug gesetzt wird zu aktuellen großen Kämpferinnen wie der erschossenen Journalistin Daphne Galizia aus Malta, der politisch ermordeten Marielle Franco aus Rio de Janeiro und das in der Bratislava brutal ermordete junge Paar Kuciak / Kusnirova, die wie Leonore und Florestan gegen Korruption kämpften und mit ihrem Leben bezahlen mussten.

In der Personenführung psychologisch genau gezeichnet ist neben dem kämpferischen Geist und der mit Kalkül subtil agierenden Leonore die Verbitterung des machohaft aufdringlichen Jaquino ( mit schöner klarer Tenorstimme von Maksym Kutsenko), der Marzelline verständlicherweise auch im Finale nicht bekommt und frustriert als Handlanger von Pizzaro agiert. Auch die Entwicklung des inneren Kampfes von Rocco gelingt Berger-Gorski, der sich vom Mitläufer im Regime zum Widerstandskämpfer entwickelt und Leonore im Quartett seine Pistole zuspielt, um sie gegen Pizzaro zu erheben ! Michael Onufer singt den Vater Rocco mit samtenem dunklen Bass und wohligem Klang und steht am Beginn einer echten Karriere.

Rocco selbst traut sich nicht, seine Waffe zu erheben, aber klagt zumindest Pizzaro später öffentlich an. Dieses Rollendebüt zeigt einen neuen menschlich empfindenden Rocco, der als der sogenannte kleine Mann im Hausmeisterkittel Courage und Mut beweist. Der in Kosice bekannte und beliebte Bariton Marian Lukac singt ideal besetzt die schwere Partie des Pizzaro, die häufig an vielen Häusern zu leicht besetzt wird und auch Martin Kovacs kommt als heutiger Friedens-Botschafter Don Fernando stimmlich gut über die manchmal etwas zu lauten Orchesterwogen. Chefdirigent Vinicius Kattah überzeugt aber mit flotten Tempi und Charme und es gelingen auch manchmal Piani.

Im Finale schlägt Berger Gorski mit seiner Ausstatterin Castanon durch Projektionen einen Bogen von der Französischen Revolution bis heute und zeigt Paare bzw Frauen, die wie Leonore heute kämpfen.


 

Stürmischer und langanhaltender Applaus nach dieser berührenden Inszenierung, in der alle Darsteller ein überzeugendes Debüt gaben.

Ein betroffen machender Beitrag zum Beethoven- Jubiläum mit Bezügen zur aktuellen Situation.

 

Sören Wicking, 23.2.2020

Dank an unseren Kooperationspartner MERKER-online

Foto (c9 Theater Kosice / Joseph Marcinsky


 

 

 

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