DER OPERNFREUND - 51.Jahrgang
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TEATRO FILARMONICO

 

 

Vom Anfang und Ende einer Liebe


Ponchiellis Rarität Il Parlatore eterno und Puccinis Tabarro als virtuelle Doppelproduktion

Premiere bei youtube: 28.02.2021

 

Lieber Opernfreund-Freund,

auch wenn die jüngsten Regierungsbeschlüsse darauf hoffen lassen, dass hierzulande Theater doch in naher Zukunft eine, wenn auch zaghafte, Öffnungsperspektive haben, müssen wir uns bis dahin noch gedulden. So lange ist das Internet für manche ein Ersatz – und deshalb möchte ich Ihnen heute eine Neuproduktion aus Verona ans Herz legen, die Sie seit dem 28.02.2021 auf youtube ansehen können: Neben Puccinis Tabarro aus seinem Trittico mit durch die Bank überzeugender Besetzung, präsentiert Fondazione Arena die Verona eine absolute Opernrarität: Amilcare Ponchiellis nur rund 20minütiges scherzo comico Il Parlatore eterne – zu Deutsch etwa Der ewige Redner.

Dieser unterhaltsame Schwank ist wie gemacht für einen Sängerdarsteller, denn in der ganzen Handlung ist der titelgebende Protagonist der einzige mit solistischer Gesangseinlage. Ohne Unterlass erzählt und redet er, bezirzt die Angebetete und umgarnt deren Eltern, bis am Ende die Vermählung mit Susetta steht. In Biagio Pizzuti hat man in Verona einen würdigen Interpreten für diese musikalische Kleinod gefunden. Der Bassabriton aus Salerno stattet seine eingängige Stimme mit Witz und Gefühl geleichermaßen aus, changiert zwischen den Stimmungen seiner Figur und bequatscht wirklich alle und jeden mit einem feinen Gespür für Situationskomik. Da macht das Zusehen Freude; gerade auch weil das Regieteam um Stefano Trespidi mit verschiedenen Ebenen spielt und die Künstler in gefällige Kostüme aus der Entstehungszeit des Werkes steckt – die Uraufführung fand 1873 in Lecco statt und ebenda gab es 2006 die bisher einzige zeitgenössische Produktion. Ponchiellis Komposition lässt schon die Leichtfüßigkeit erkennen, die er drei Jahre später im Tanz der Stunden seiner Gioconda zeigt – auch ist der musikalische Schwank harmonisch ebenso dicht und spannend wie das besagte, bis heute einzig in Erinnerung gebliebene Werk des 1834 geborenen Lombarden.

 

An Spannung freilich mangelt es auch Puccini Il Tabarro nicht; 1918 als Teil seines Trittico uraufgeführt, erzählt das knapp einstündige Werk von Giorgetta und Michele, die auf einem Schleppkahn in Paris leben. Das gemeinsame Kind ist gestorben, Michele seither emotional wie erstarrt, doch sehnt sich seine Frau nach Liebe und Geborgenheit, die ihr der Arbeiter Luigi gibt. Mit ihm will sie fliehen, doch Michele vereitelt den Plan, ermordet den Nebenbuhler und präsentiert der schreienden Giorgetta dessen Leichnam als sie unter seinem Mantel Wärme sucht. Die Tristesse des Sujets verpackt Puccini in düstere Klänge, präsentiert neben den gewohnt schwelgerischen Bögen musikalische Farben, die man in keinem anderen seiner Werke findet.

 

In Verona hat man sich für ein traditionelles Setting entschieden, vom stimmungsvollen Sonnenuntergang in düstere totbringende Nacht wechselt der Hintergrund (Bravo, Paolo Mazzon). Dass es sich um eine coronakonforme Umsetzung handelt, fällt dank der geschickten Personenführung von Paolo Gavazzeni und Piero Maranghi kaum auf – und auch Alltagsmasken sind mittlerweile so in der täglichen Wahrnehmung verankert, dass ich sie vor den Gesichtern der Chorsänger erst nach Minuten überhaupt bemerke. Die Hauptcharaktere singen freilich maskenfrei – und das tun sie Exquisit: Elia Fabbian legt den Michele als seelischen Krüppel an, der seiner Frau gegenüber keine Gefühle mehr zeigen kann. Er gerät nur dann in Rage und wird dann emotional wach, wenn er sie als seinen Besitz verteidigen muss. Folgerichtig präsentiert Fabbian die Leistungsfähigkeit seines bisweilen bedrohlich wirkenden Baritons erst in der zweiten Hälfte des Werkes. So lange wartet Samuele Simoncini nicht, bis er seine Trümpfe ausspielt, ist vom ersten Moment an ein glühender Luigi, der seine voluminöse Mittellage mit brillanten Höhen krönt und mit überzeugender Virilität den emotionsgeladenen Gegenpart des alten Michele perfekt verkörpert. Maria José Siris Giorgetta beeindruckt mich zutiefst mit ihrem Facettenreichtum. Ihr satter Sopran klingt gerade noch nach einem Schutz suchendem Kind, ehe sie zur leidenschaftlichen Geliebten wird, um kurz darauf ihrem Mann als desillusionierte, enttäuschte Ehefrau zu begegnen. Eine echte Powerfrau mit Powerstimme, die allein schon das Einschalten lohnt. Rossanna Rinaldis skurrile Frugola ist so sehens- wie hörenswert, während Francesco Pittari ihren Mann Tinca mit hellem Tenor voller charmantem Timbre verkörpert.

 

Im Graben führt Daniel Oren durch den musikalisch so unterschiedlichen und gerade deshalb so interessanten Abend, kitzelt mit dem Orchestra della Fondazione Arena di Verona sämtliche Möglichkeiten aus beiden Partituren heraus, erweckt den vergessenen Ponchielli voller Leichtigkeit zum Leben, währen er beim Puccini die schwermütigen und dramatischen Farben der Komposition betont. Der Chor, der als einziger dem Ewigen Redner Paroli bietet, tut dies unter der Leitung von Vito Lombardi ebenso vorzüglich, wie er uns bei Puccini ans abendliche Seineufer entführt.

Also, lieber Opernfreund-Freund, schalten Sie um auf youtube und gönnen Sie sich Ponchiellis Rarität (https://www.youtube.com/watch?v=NJVsjFVu66g) oder Puccinis trügerisch wärmenden Mantel (https://www.youtube.com/watch?v=ya4pu9-cAAc).

 

Ihr
Jochen Rüth

05.03.2021

 

Fotos © Ph. Ennevi

DER OPERNFREUND  | opera@e.mail.de