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LA CENERENTOLA

Vorstellung am 14. April 2018 im Partika-Saal

Da kommt Freude auf

 

Jedes Jahr, wenn nach halbjähriger Arbeitsphase die Studenten der Opernklasse der Robert-Schumann-Hochschule von Thomas Gabrisch ihre Produktion zeigen, dann ist das schon ein mittleres Ereignis in der großen Landeshauptstadt Düsseldorf. Ein „Ereignis“, das die größte und immer noch populärste Lokal-Zeitung Düsseldorfs, die Rheinische Post, zwar ihren Lesern vorenthält, aber für renommierte Kulturportale wie den OPERNFREUND oder bei unseren Freunden von O-TON zu den Pflichtterminen des Jahres gehört. Da freut sich der Opernkritiker, denn man wird nie enttäuscht. Im Gegenteil! Und ich muß auch dieses Jahr sagen, dass ich mir so begeistertes Spiel, so frischen Gesang, so herzhaftes Musizieren und so eine wunderbare „Leichtigkeit des Opernseins“ an den großen Häusern wünschte. Man merkt den 20 jungen Studierenden weder die nervliche Anspannung, noch die Mühe und Fleißarbeit der intensiven halbjährlichen Vorbereitungsphase am Abend der dritten Vorstellung an.

Alles läuft locker mit bemerkenswerter Routine ab, als hätten diese jungen, tollen Talente nie etwas anderes gemacht und stünden schon seit vielen Jahren auf den Brettern, die später mal ihre Welt bedeuten werden. Regisseurin Sabine Hartmannshenn lässt eine durchaus ernste Geschichte spielen. Das Klamottige der üblichen bekannten Klamaukabende vieler Rossini-Interpretationen, die man so kennt und gerade als Kritiker schmerzvoll durchleiden muss, steht bei ihr gar nicht zur Diskussion, denn sie geht mit großem Ernst und tiefer Akribie an das musikalisch wie gesanglich immerhin sehr anspruchsvolle Stück heran. Schon im Vorspiel inszeniert sie Me-too-Aktualität, indem sie zeigt, wie Angelina vom geldgierigen Stiefvater an die Dorfdeppen verhökert wird, die sie dann für ein paar Münzen ausgiebig begrapschen dürfen. Ein gelungener Regie-Coup, denn nachdem die Kerle sich auf sie gestürzt haben, ist sie im Gewühl wie nach einem Copperfield-Zaubertrick von der offenen Bühne – ein von allen Seiten einsehbarer kreisförmiger Laufsteg – verschwunden.

Und es ist gerade diese Bühnenkonzeption von Lukas Kretschmer, die es ermöglicht, dass wir diese spannende Musiktheater-Produktion so hautnah wie berührend nachempfinden können. Fast sind die agierenden Künstler greifbar – sie könnten gerade dem Publikum entsprungen sein, hätten sie nicht die prachtvollen Kostüme von Stefanie Salm, die sich im klassischen Ambiente des Traditionellen mit modernen Aperçus wie Lederjacke, Jeans und Turnschuhen wunderbar verbinden lassen. Eine stilvolle Collage fröhlichen Theaterlebens.

Dass sich alle Mitwirkenden den heutigen Anforderungen zeitgemäßen Musiktheaters blendend stellen können, spricht für eine gute praxisorientierte Dozententätigkeit an der Hochschule. Wir erleben eine Oper, in der die Zeit keine Rolle mehr spielt, denn „tempus fugit“. Nach immerhin anderthalb Stunden bis zur Pause hat auch der Kritiker kein einziges Mal auf die Uhr geschaut, denn alles ist spannend, handlungsstringent und überzeugend lebendig. So sollte Oper inszeniert und aufgeführt werden.

  Ungern lobt der Rezensent bei einem so wunderbaren Ensemble – es lebt ja auch vom tollen Teamgeist – einzelne Künstler hervor, aber Valerie Eickhoff als Angelina, Anna Rabe als Clorinda sowie den Prinzen Brian Lopez Gonzales möchte ich doch erwähnen, weil sie die Klippen des heiklen Rossini-Gesangs schon ganz vortrefflich ausfüllen und auch in den nicht gerade einfachen Koloratur-Verzierungen nicht verzagen, sondern die angesichts ihrer ja nicht jahrzehntelangen Erfahrung doch ganz prima und liebenswürdig rüberbringen.

Auch über die Comprimarii Verena Tönjes als Tisbe, Magnifico Thomas Kildisius, Robin Liebwerth in der Rolle des Alidoro und Michael Daub als Diener kann man nur höchstes Lob aussprechen. Das gilt auch für das bald 50-köpfige Orchester, das hochkonzentriert diesen scheinbar leichten Rossini, der in Wirklichkeit doch ziemlichen Probenaufwand verlangt, so herrlich und temporeich spielerisch aufperlen lässt. Gabrisch gibt diesmal nicht nach der Pause den Dirigierstab ab, sondern lässt es sich nicht nehmen, die musikalisch ganz großartige Linie dann auch zu Ende zu dirigieren.

Fazit: Was für ein schöner kurzweiliger Opernabend – mal wieder! Ein Lichtblick im sonst oft düsteren und trüben Leben des bärbeißigen Opernkritikers. Da kommt Freude auf. Das war Medizin für mein so oft geschundenes Seelenheil. Ich freue mich schon aufs nächste Jahr. Dank an alle – Ihr wart spitze!

 

Bilder (c) Susanne Diesner

Peter Bilsing, 23.4.2018

 

 

P.S.: Ein Wermutstropfen

Da wird diese grandiose jährliche Opernproduktion auf allerhöchstem Niveau mit vier Kameras, über zig Mikrofone und Microport und sogar mit einer zentralen Bild-Ton-Regie im hochprofessionellen Übertragungswagen aufgezeichnet, und man verwendet diesen Schatz nur für „interne Übungszwecke“. Soviel Ignoranz und Naivität erschlägt, denn mittlerweile bringt ja jede mittlere Ballettschule schon von ihrer Jahresproduktion eine DVD heraus.

Sorry, liebe Dozenten, Professoren und verantwortliche Leiter auf der Führungsebene der Robert-Schumann-Hochschule, verehrter Verwaltungsrat, aber da fällt mir schlicht nichts mehr ein. Dient doch so eine Silberscheibe nicht nur der wunderbaren Erinnerung, sondern ist doch auch ein Werbeträger, den man nach außen tragen kann. Ihr könnt doch stolz auf so eine Opernproduktion sein. Wieso verschwindet die im Archiv-Kämmerlein und verdörrt ungesehen und gehört wie die Millionenschätze beim WDR. Ich finde das eine Schande, denn an Kostengründen (hier würde sogar notfalls DER OPERNFREUND Sponsoren liefern können) kann es doch kaum liegen?

Solch Kleinod muß der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Besseres Öffentlichkeitsarbeit und überzeugendere Werbung gibt es doch wohl kaum.

 

 

 

 

Von der Lokalpresse wieder unbemerkt gibt es einen tollen Opernabend:

Besuchte Dernière am 26. April 2017

Das beste Mittel gegen den Opernschlaf  ist ein gutes, spannendes Musiktheater wie dieses

Man fragt sich als Nicht-Düsseldorfer, der für solche einmalige Termine sogar von auswärts immer anreist, was eigentlich los ist in Düsseldorf - auch und vor allem berichterstattungs-mäßig in der Lokalpresse. Da lobt man von morgens bis abends die Ballettabende eines modernen Tanzmeisters ("Weltstar-Choreograph"), dessen großer Verdienst es ist, an der renommierten Rheinoper das klassische Handlungsballett praktisch abgeschafft zu haben und berichtet z.B. überhaupt nicht über das TANZHAUS NRW, eines der Top-Häuser in Europa, wo Ballett und vielfältiger Tanz auf teilweise höchstem Niveau gepflegt und geboten wird.

Gleiches gilt für die jährlich stattfindenden superben Aufführungen der Opernklasse der landeshauptstädtischen ROBERT SCHUMANN HOCHSCHULE DÜSSELDORF. Hier erlebt man als Kritiker noch Musiktheater von einer Frische und Spontaneität, die nicht nur jeden Ansatz des gefürchteten "Theaterschlafs" (eine heimtückische Kritikerkrankheit) vertreibt, sondern geradezu als Jungbrunnen wirkt, und man möchte am Ende gar nicht gehen, sondern würde am liebste "Da Capo!!!" rufen. Warum, zum Teufel, können Opernabende an den großen millionenschwer subventionierten Häusern nicht auch so unterhaltsam kurzweilig sein?

Unsere Freunde von O-TON - nebenbei bemerkt die anscheinend einzigen Pressevertreter, die außer uns, in einer großen "Weltstadt" wie Düsseldorf, welches sich selber ja auch "Klein Paris" nennt, über die jährlichen Aufführungen der Opernklasse berichten bzw. diese wunderbaren Theatertermine überhaupt wahr nehmen - sprachen von:

"Freudenfest des Musiktheaters"

Zu Recht! Denn was Regisseur Peter-Nikolaus Kante & Co-Regisseur Marcus Grolle bzw. Dirigent Thomas Gabrisch (Leiter der Opernklasse) und sein Team von frischen, engagiert agierenden Jungkünstlern da aus einem ziemlich mittelmäßig bis banalen Haydn-Opus machen, ist einfach bewundernswert.

Die Aufführung unterhält blendend und bietet eine Kurzweil, wie man sie selten bei Barock-Opern vorfindet. Das komödiantische Element deckt allerdings die durchaus schöne Musik nicht zu, sondern funktioniert werkdienlich - auch wenn diese mit modernen Einsprengseln von Klassik-Pop wie "Samba Pa Ti", "New York, New York" oder "Blue velvet" Crossover-Elementen für humorvolle Reaktionen beim Publikum sorgen.

Turbulent und schon fast zirzensisch geht es auf der mit simplen Requisiten (Tische, Stühle, Bier-Kästen, Sofa, Sackkarre, Pappröhren...) gefüllten Einheitsbühne zu. Der samtrote Brechtsche Vorhang, welcher die schmale Vorderbühne von der Hinterbühne teilt, hat geradezu cinemaskopische Dimensionen. Die Sänger stehen sich im Publikum schon visavis gegenüber, wenn sich der Saal füllt. Später agieren sie im Duett ihren Rollen entsprechend auf der Bühne.

"Rocky Horror Picture Show im Barock"

Auch hier sei mir das Zitat aus der O-TON-Kritik erlaubt, denn besser und plastischer kann man es kaum beschreiben, was Stefanie C. Salm hier an Kostümen gezaubert hat; so witzig, originell, sexy und von faszinierender Raffinesse; einfach ganz wunderbar. Bravo! Dabei müssen Bernd Staatz und Mylene Breyer (Maske) ebenso gelobt werden, wie Volker Weinhart (Lichtregie) und die Videografie von Moritz Hils. Alles passt zusammen und interagiert aufs Prächtigste zu einem großen Gesamtkunstwerk.

Aus der holden Sängerschar der Eleven wäre es unfair, jetzt Einzelne besonders zu loben; denn erst die Teamarbeit erzeugt  das große Theatererlebnis, vor allem, wenn auch die gesanglichen Leistungen durch die Bank beachtlich sind. Ich denke, daß sich keiner Sorgen um seine Zukunft machen muss, wenn es so weiter läuft. Wobei neben dem Gesang auch der körperliche Einsatz, die Körperlichkeit überhaupt, eine wichtige Rolle für das spätere Bühnenleben spielen muß. Hier gilt auch mal wieder ein Pauschallob "Leute, Ihr ward fabelhaft!" Ich wünschte mir im alltäglichen Opernalltag, den man ja als Kritiker meist sauerbierteigig durchleidet, solche vorbildliche Musiktheaterdarsteller! Danke für den schönen Abend.

Daß ein erfahrener Old-Star-Dirigent wie Thomas Gabrisch das Universitätsorchester in perfekter Art und Weise, hochmotivierend und exakt sowie mit großer Empathie leitet, gibt dem Abend zusäzliches Licht und Glanz. Witzig, daß der Maestro den fünften Satz aus dem vierten Streichquartett von Béla Bartók eingefügt hat; so etwas peppt Haydn nicht nur auf, sondern hat enorme dramaturgische und hier sehr passende Wirkung.

Bilder (c) Susanne Diesner

thomasgabrisch-dirigent.de

Peter Bilsing 27.4.2017

 

Credits:

 

 

 

P.S. Eine persönlicher Bemerkung außerhalb der Kritik

Warum man ein Urgestein wie das Arround-Talent Peter-Nikolaus Kante, dessen Regiequalitäten nun mehrfach unter Beweis standen und der seit 1989 eine der großen sängerischen Säulen der Rheinoper immer noch ist, im eigenen Haus der DEUTSCHEN OPER AM RHEIN als Regisseur nicht schätzt, ist mir ein Rätsel.

Stattdessen beschäftigt man z.B. aktuell einen - von Unken als "Pausenclown" bezeichneten - sündhaft teuren "Regisseur" wie Villazon, der bisher weder mit wirklich originell witziger noch besonders künstlerisch ambitionierter, anspruchsvoller Regie begeistern konnte.   PB

 

 

 

Exemplarisches Musiktheater voller Lebensfreude

 

Partika-Saal der Robert-Schumann-Hochschule am 27.4.16

Wenn Operette lebt

Die Erfolgsgeschichte der Opernklasse der Düsseldorfer Robert-Schumann-Hochschule ist beachtlich. Immerhin zieren Opern-Raritäten wie Beggar‘s Opera (Britten, 1995), Der Revisor (Egk, 1997), La Cantatrice Villante (1998), Der Operndirektor (Cimarosa, 2001), Der Roman mit dem Kontrabass (Baur, 2005) oder Viaggio a Reims (Rossini, 2009) ebenso die Vergangenheit wie klassisch alltägliches Repertoire à la Zauberflöte (2003), Figaros Hochzeit (2005), Così fan tutte (2012) oder Alcina (2015). Heuer war Die Fledermaus von Johann Strauss angesagt.

Die Fähigkeiten und Qualitäten angehender Künstler des Musiktheaters werden hier der Öffentlichkeit präsentiert. Diesmal hat Thomas Gabrisch, Leiter der Opernklasse, die berühmte Johann-Strauss-Operette aufs Programm gesetzt. Kein leichtes Unterfangen, denn als vielgereister Kritiker muss ich ehrlich zugeben, dass mir in den letzten Jahrzehnten eigentlich keine der zahlreichen Inszenierungen dieses immer noch als „Publikumsliebling“ gefeierten Werkes besonders gemundet hat. Vor gut einem halben Jahrhundert hatte Otto Schenk in Wien seine legendäre – damals wirklich lustige – Kult-Inszenierung herausgebracht, die heuer zwar immer noch im Wiener Staatsopernmuseum läuft, aber nur das ganze Elend einer verschleppten, völlig vermufften und – „unter den Talaren der Staub von tausend Jahren“ – überholten Opernsteinzeitproduktion offeriert; Schmierentheater für Touristen und ewig Gestrige. Das pure Grauen ...

Der Altersdurchschnitt von Besuchern des Werkes geht mittlerweile schon auf die 70 zu – nicht nur in Mörbisch ist Operette nur noch was für Grufties, Theater und Musik für Altenheimausflügler – so scheint es. Und egal, wo man sich das Werk anschaut, ist es meist am jüngeren Publikum vorbeiproduziert – eher Abschreckung schlimmster Provenienz. Ganz übel wird es, wenn sich „modern“ nennende Regisseure daran versuchen und die wunderbaren Texte auf Neuzeitniveau transponieren, oder das Ganze im Comedy-Jargon des RTL-Unterhaltungs-Trashs der heruntergelassenen Hose zu zeitaktualisieren; unterste Schublade à la Karneval und Komödiantenstadel geht bei dem Straussschen Meisterwerk meist in die selbige.

Dass es auch anders, nämlich witzig, spritzig, amüsant, charmant, werktreu und voller lockerer Lebensfreude geht, zeigt die diesjährige Schumann-Hochschul-Truppe unter den Musiktheater-Regisseuren Gregor Horres und Peter Nikolaus Kante, wobei der rührige Kante wohl die meiste Arbeit und die kreativsten Einfälle zur Produktion beigesteuert hat.

Fassen wir es gleich zusammen: Eine wirklich herrliche Fledermaus ist entstanden, der man auch als alter saturierter Kritiker von der ersten bis zur praktisch ungekürzten letzten Minute mit frohlockendem Herzen folgen kann – ein Jungbrunnen geradezu. Theaterschlaf stellt sich nicht ein. Besonderer Dank an die Regie, dass man dem Frosch keine Möglichkeit zur nervig kalauernden Klamotte gab – die einzige Kürzung, die bei diesem Werk wirklich Sinn macht ...

Und wie schön ist es, endlich mal nicht in bräsig gelangweilte Beamtenmusiker-Gesichter zu schauen (wo man bei jedem zweiten dieser Profis irgendwie immer das Gefühl hat, er warte nur auf eine längere Spielpause, damit man mal kurz eine rauchen gehen kann ...). Schön, endlich einmal keine Graben-Dudler zu erleben, sondern gutgelaunte und dennoch konzentriert aufspielende Musiker, die diese champagnerperlende Musik auch selber zu genießen scheinen und mit Spaß am Musizieren auch optisch ;-)) freudvoll zu Werke gehen.

Spaß und Lockerheit, die ich auch bei allen Mitwirkenden beobachten konnte (man vergebe mir, dass ich bei einem so tollen Team auf Einzelkritiken verzichte), die auf das Publikum überschlug, ja, es geradezu infiziert. Ich gebe zu, dass ich mich mit dem gesamten Auditorium im unison siebten Fledermaus-Himmel befand. Ein Erlebnis, das ich mir als finsterbäckiger Opernkritiker eigentlich in diesem Leben mit diesem Werk nicht mehr hätte vorstellen können.  Leute, Ihr wart phantastisch! Bravi tutti – dacapo!

Grandios gelingt es auch, eine moderne Diskoversion des einstigen Raffaella-Carra-Samba-Hits A far l'amore comincia tu, von dem es, nebenbei bemerkt, auch eine ganz üble deutsche Version gab, in das Werk stilvoll einzubauen, ohne dass Strauss hier Schaden nimmt. Ein herrlicher, wirklich köstlicher, sehr gelungener Spaß!

Natürlich darf in einer fröhlichen, zeitgemäßen Interpretation weder der Rosarote Panther (Frosch à la Inspektor Clouseau), noch der klassische Batman – der sich mit Eisenstein ein treffliches, perfekt einstudiertes Schlagstock-Duell exakt zu den Takten der Fledermaus-Polka (Opus 324) liefert – fehlen.

Die Bühne ist so einfach wie genial von Elisabeth Pedross gestaltet; sie besteht aus sagenhaften elf Türen in Reihe mit einem Laufsteg davor, die durch einfaches Öffnen und Offenstehen-lassen Sichtblenden liefern, Räume verkürzen oder sichtbar machen und jede noch so kleine Szene witzig präsentieren.

Auch könnte den Mega-Gag dieser Produktion (Eisenstein, der Brille und des Toupets beraubt, tappst als personifizierter Maulwurf herum und befingert alles, was irgendwie nach Haar oder Fell aussieht) – ein Blake Edwards hätte das nicht besser inszenieren können. Ich muss ehrlich zugeben, dass ich Tränen gelacht habe ... 

Überragend auch die Szene, wenn der Gefängnisdirektor (noch benommen vom Alkoholkater) durchs Publikum wankt – „Nanu, was macht ihr denn hier?“ – dem Dirigenten den Stab abnimmt und versucht, sein Lieblingswerk Die Zauberflöte zu dirigieren, die aber dann langsam wieder zur Straussschen Fledermaus umkippt. Gerard Hoffnung lässt grüßen!

 

Überhaupt ist der Humor mit gelungenem Slapstick und den charmanten original Libretto-Texten von Karl Haffner und Richard Genée als durchaus filmreif zu bezeichnen (Anmerkung: Hallo, liebe heutigen Musiktheater-Regisseure! Diese Texte sind nicht veraltet. Die sind immer noch ganz zauberhaft, wenn das Ambiente stimmt!), wobei auch die Kostüme von Yvonne Forster mit einfachen Mitteln stilvolle Alltags-Couture ins heitere Spiel bringen.

Zwar hatte Dietrich Hilsdorf in seinen besten Jahren – vor gut einem Viertel Jahrhundert – schon die kluge Idee, in Gelsenkirchen im Musiktheater im Revier seine Fledermaus in einem Schwimmbad spielen zu lassen, um viel Haut zeigen zu dürfen. Aber hier sieht es doch mehr nach einem privaten Sauna-Club aus, was die Mitwirkenden in ihren weißen Bademänteln zu manch süffisantem Tête-à-Tête und viel Offenherzigkeit anregt ... Eine Augenweide!

Unsere Freunde vom Opernnetz vergaben fast maximale „Points of Honour“ – wir vergeben dafür den OPERNFREUND-STERN, unsere besondere und begehrte Positivwürdigung, die ein Werk als vorbildlich auf allen Ebenen auszeichnet.

Peter Bilsing / 29.4.2016

(c) Mit besonderem Dank an Song Hangyul für die schönen Bilder der Aufführung

 

P.S.1

Ein letzter, wahrscheinlich einsamer und unerfüllbarer Wunsch des Strauss-Fans ist, dass sich vielleicht in naher Zukunft ein Sponsor findet, der es ermöglicht, einer solch wunderbaren Produktion ein Weiterleben als Konserve in Form einer DVD-Produktion zu ermöglichen. Dass das alles jetzt spurlos in der Versenkung des Never-Come-back verschwindet, stimmt mich dann doch am Ende traurig ...

P.S.2

DER OPERNFREUND empfiehlt auch die Kritik vom Opernnetz - sowie den Audiobeitrag, der während der Probenphase entstand.

 

Credits

ML                  Thomas Gabrisch

Regie              Gregor Horres/Peter Nikolaus Kante

Bühne             Elisabeth Pedross

Kostüme         Yvonne Forster

Video              Matthias Kulow

Licht               Volker Weinhart

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Gabriel            Sebastian Seitz

Rosalinde        Lisa Katarina Zimmermann

Frank             Gereon Grundmann

Orlowsky        Valerie Eickhoff/Christina Blaschke/Johanna Wehrhahn

Alfred             Ibrahim Ye

Falke              Justus Seeger

Adele              Sophie Theodoridis

Ida                 Marie Theresia Greve

Advokat          Raoul Düsterhus

Frosch            Laura Zeiger

 

DER OPERNFREUND  | opera@e.mail.de