DER OPERNFREUND - 51.Jahrgang
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BYTOM/Katowice/ Schlesische Oper


 


Premiere am 29.Mai 2021


Eine Cooperation mit dem Südthüringischen Staatstheater Meiningen

Dirigent: Yaroslav Shemet
Regie  : Bruno Berger-Gorski
Bühnenbild : Helge Ullmann
Kostüme: Francoise Rabaud-Pace
Licht-Design: Dariusz Albrycht

„La Rondine“ in der Gegenwart

Ein begeistertes Publikum feierte als erste Opernpremiere nach langer Coronapause die selten aufgeführte Puccini-Oper “La Rondine“ an der Schlesischen Oper Bytom als Co-Produktion mit dem Südthüringischen Staatstheater Meiningen in der gelungenen Inszenierung von Bruno Berger-Gorski.

„Meiningen holt Puccini aus der Kitschfalle“ war der Titel der Würzburger Kritik und das kann für die Neueinstudierung mit dem polnischen Ensemble in Bytom nur unterstrichen werden. Der Regisseur lässt uns hinter den glitzernden Vorhang der scheinbar heilen Operettenwelt schauen.

Puccinis Zwitterwesen zwischen Operette und großer Oper bedient das ganz große Gefühlspathos des letzten  Meisters der italienischen Gefühlsoper. Es erinnert eher an Strauss' „Capriccio“ als Kálmáns Operetten. Die Titelheldin der „Rondine“ stirbt nicht an Schwindsucht wie „Mimi“ oder die der Rondine ähnelnde Pariser Edelkurtisane „Violetta“, sondern verkümmert innerlich an ihrer Suche nach „Liebe“.

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Die elegante von Musik und Poesie träumende „Magda“ verlässt im ersten Bild ihren wohlhabenden Mäzen und Partner „Rambaldo“ und seinen kunstfrönenden Kreis von Geschäftsfreunden im Jet-Set-Ambiente des glitzernden Paris, um dem vergleichbar armen jungen Künstler „Ruggero“ zuerst verkleidet in das Pariser Nachtleben zu folgen und dann im 3.Akt gemeinsam mit ihm in ein einfaches Hotel an die Cote-Azur zu ziehen – als Liebhaberin des jungen Künstlers unter dem Pseudonym „Paulette“.

Der Regisseur macht aus dem eingentlich uninteressanten Charakter des „Ruggero“ einen Komponisten und Dichter und interessanterweise geht das Konzept auf.An der südfranzösischen Küste, wo das Alterswerk Puccinis in Monte Carlo uraufgeführt wurde, entwickelt sich im 3.Akt die  Beziehung dramatisch, als der junge Mann die von ihm noch nicht  erkannte „Paulette“ als seine erste Liebe und Muse seiner Kunst heiraten will. Sie muss sich entscheiden zwischen den Salons von Paris oder den Rest ihres Lebens gut bürgerlich abgesichert im Kreis der Familie ihres jungen Ehemannes zu leben und weigert sich, ihm ins gesellschaftliche Korsett einer Ehe zu folgen.

Puccini deckt die gesellschaftlichen Zwänge im religiösen Italien auf, wo „La Mamma“ eine „benedetta =gesegnete“ Schwiegertocher erwartet. Der Sohn muss selbstverständlich die Eltern um Erlaubnis bitten, bevor er seine Auserwählte vorstellen möchte.

„Paulette“ gibt sich als Lebedame „Magda“ mit Vorgeschichte zu erkennen und verlässt „Ruggero“, um ihm eine mögliche Zukunft mit einer passenden Partnerin für seine Familie nicht zu verbauen.

Die „Rondine= Schwalbe“ kehrt bekanntermaßen immer an ihren Nestplatz zurück- man nimmt daher an, dass „Magda“ nach Paris zu ihrem Mäzen und in ihre Kreise zurückkehrt - aber was hinterläßt sie?

In dieser packenden Inszenierung erlebt das erschüttert mitfühlende Publikum einen am Boden zerstörten Liebhaber, der sich selbst das Leben nimmt. Seine Auftrittsarie „Parigi“ hiess ursprünglich „Morire“. Puccini hat bekanntermaßen mit diesem Alterswerk sehr gerungen und drei Fassungen erarbeitet. Er fügte für den Tenor die Arie „Morire“ ein (für das Rote Kreuz im ersten Weltkrieg komponiert) und übersetzte sie in die wunderbar melancholische „Parigi“-Arie, mit der sich „Ruggero“ im ersten Akt präsentiert. Dadurch weckt er als Komponist und Dichter in der melancholisch lauschenden „Magda“ Erinnerungen an ihre erste Liebe.

Diese Neudeutung von Puccinis selten gespielter Oper geht auf : „Morire“ steht auch an der Türe des kleinen Liebeshotels an der Cote Azur, das Ruggero und Magda nicht mehr lange bezahlen können. Hier komponiert und dichtet „Ruggero“ weiter an seinen Werken - „Paulette“ alias „Magda“ inspiriert ihn als Muse.

Die von Andrzeij Lampert atemberaubend und verzweifelt gesungene Arie  „Ma come puoi lasciarmi se mi struggo in pianto /Wie kannst Du mich verlassen, sieh mich verzweifelt in Tränen“ rührte nicht nur Teile des Publikums und „Magda“ auf der Bühne selbst zu Tränen, sondern führt zu einer leidenschaftlicher Auseinandersetzung im Bett des Hotelzimmers .Die zur Abreise entschlossene „Magda“ hinterlässt („Lascia ch'io Ti Parli come una madre als suo figliuolo“ / Laß mich wie eine Mutter für ihren Sohn sprechen)  ihrem jungen Liebhaber genau den Geldumschlag, welchen ihr der Ex-Mäzen „Rambaldo“ durch ihren Seelen-Verwandten und Hauskomponist „Prunier“ (Albert Memeti mit wunderbar deutlichem Tenor) an die Cote Azur überbringen ließ mit der Bemerkung, sie wäre jederzeit wieder in Paris willkommen.

Der so als „Liebhaber“ ausbezahlte „Ruggero“ fragt erschüttert, ob dies „AMORE = Liebe“ sei und schleudert „Magda“ das Geld und seine verletzten Gefühle entgegen.

Das leidenschaftliche Paar kehrt einander den Rücken zu - das geniale Bühnenbild von Helge Ullmann mit seinen symbolischen Flügeln bricht unmerklich auseinander und ein lichterloh brennender Flügel symbolisiert das Ende dieser tragischen Liebe. „Magda“ projiziert ihre unerfüllten Gefühle auf den jungen Künstler. Zumindest der Komponist und Dichter scheint die Liebe für eine kurze Zeit fast gefunden zu haben, wogegen alle anderen Paarbeziehungen in dieser psychologisch genau gezeichneten Inszenierung gescheitert und sinnlos scheinen.

In dieser interessanten neuen Sichtweise wird „Magda“ als Muse des jungen Komponisten bzw. Poeten mitschuldig am Tod des verlassenen „Ruggero“.

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Nach einer fast ungeheuerlichen Stille feiert das ergriffene Publikum die international bekannte Iwona Sobotka als hinreißende „Magda“ und den polnischen Jung-Star-Tenor Andrzeij Lampert für ihr überzeugendes Rollendebut. Das gesamte Team wurde auf offener Bühne mit Standing Ovations bejubelt.

Als leidenschaftlicher „Ruggero“ erfüllte der Newcomer Puccini-Star-Tenor Andrzeij Lampert restlos alle stimmlichen Erwartungen der weit angereisten Opernfans und überzeugt in seiner unglaublich packenden und glaubwürdigen Darstellung als junger italienischer Liebhaber. Der ehemalige Teenie-Pop/Rock-Star reüssiert seit 2010 auch als Opernsänger und wurde 2020 in Salzburg zu Recht als bester österreichischer Nachwuchssänger ausgezeichnet. Er lockt mit seiner natürlichen Darstellung und charismatisch-leuchtenden Stimme auch junges - meist weibliches – Publikum in die Oper.

An der Oper in Krakau wurde er schon für seinen „Rodolfo“ gefeiert - als „Ruggero“ in Bytom reißt er das Publikum von den Sitzen und überzeugt mit seiner berührenden Stimme mit tadellosen Spitzentönen und einer besonders klaren Aussprache der herrlich poetischen Texte von Guiseppe Adami.

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Berger-Gorski stellt in seiner psychologisch analysierenden genau gezeichneten Personenführung die erkalteten Beziehungen von Paaren an sich in Frage – die scheinbar glücklichen, aber gefühlsmäßig gescheiteren Ehepaare im Pariser Salon des Kunstmäzen „Rambaldo“ (überzeugend und eiskalt berechnend dargestellt: Adam Wozniak) wurden durch erfahrene Mitglieder aus dem Bytomer Ensemble dargestellt: Yvette (Roksana Majchrowska), Bianca (die zurecht beliebte Joanna Ksciuszyk-Jedrusik) und die einsame Suzy (Anna Borucka) zeichneten die drei Damen als quasi innerlich zerrissene Seelenbilder einer scheinbar heilen Paarbeziehung dar, deren Ehemänner  Pericaud (wunderbar Bogdan Kurowski), Gobin (Michal Bagniewswki) und Crebillon (Juliusz Krzysteczko) für andere Frauen und Alkohol schwärmen und genau das abschreckende Bild einer gesellschaftlich anerkannten „heilen“ Ehe darstellen, vor der „Magda“ im dritten Akt flüchtet.

Der Regisseur und sein Team lassen uns im 2. Akt im Pariser Nachtleben hinter den Glanz der Operette schauen: Prostituierte und Putzfrauen lachen über die „scheinbare“ Liebe. Man erahnt die harte Realität der käuflichen Liebe im Nachtclub „Bulier“. Der Bytomer Chor, das hinreissende Ballettensemble und Kleindarsteller spielen freudig mit und manche Ironie auf der Szene erstickt einem das aufkeimende Lachen im Hals.

Die berührende „Magda“ von Ivona Sobotka ist eine nach dem Lebenssinn suchende finanziell unabhängige Fraumittleren Alters, die im ersten Akt von ihren Erinnerungen an ihre scheinbar erste „wahre“ Liebe zehrt und ihre Sehnsucht nach Gefühlen auf den jungen „Ruggero“ projiziert. „Ruggero“ wird interessanterweise als aus dem Umland von Paris anreisender und als arbeitssuchender Poet/Komponist  im Kunstsalon des Pariser Mäzen und Magdas wohlhabender Partner „Rambaldo“ eingeführt.

Ist sie – so melancholisch nachdenklich und als vom Leben gezeichnete Society- Dame – wirklich noch „liebesfähig“? Ihre Flucht vor der Nähe wird offensichtlich, als „Ruggero“ sie im dritten Akt leidenschaftlich anfleht, sie nicht zu verlassen, sondern zu heiraten. Er hat die Liebe durch sie gelernt und kann ohne sie nicht mehr leben.

Der leuchtend strahlende Sopran von Iwona Sobotka und die ihr auf den Leib gezeichnete einsam nach Liebe suchende Lebedame „Magda“ zieht schon in der berühmten „Doretta“-Arie im ersten Akt das Publikum mit seinen kristallklaren Spitzentönen und unglaublichen Crescendi in seinen Bann.

Diese atemberaubende Darstellerin hat schon eine internationale Karriere begonnen und Bytom kann sich glücklich schätzen, sie für ihr „Rondine“-Debut gewonnen zu haben.

Ein großes Lob verdient auch der Haus-und Extra-Chor unter der Leitung von Krystyna Krzyzanowska-Loboda für seine hervorragende gesangliche, darstellerische und musikalische Leistung und genauso die Ballettcompanie des Theaters Bytom in der Choreografie von Andris Plucis.

Besonders interessant und aufschlussreich die Farb-Symbolik der aus Nizza stammenden Kostümbildnerin Francoise Rabauld, die normalerweise an Theatern wie Monte Carlo und Orange arbeitet: die gefühllos und abgestumpften Charaktere sind in schwarz–weißen Kostümen der Pariser High-Society und in einfachen Kostüme der Arbeiterklasse gezeichnet – nur „Magda“ auf ihrer Suche nach Gefühlen trägt rote Elemente.

Der junge hochtalentierte Dirigent und Chef der Philharmonie Kattowitz, Yaroslav Shemet, hatte die undankbare Aufgabe, das teils im Parkett und im Graben platzierte Orchester mit den auf der Bühne und Rängen agierenden Solisten und Chören zu einem homogenen Klang zu verbinden und konnte trotz dieser wegen Covid in Polen vorgeschriebenen ungünstigen Ausgangssituation durch einen sauberen Klang, rasante Tempi-Wechsel und bezaubernde Pianissimi überzeugen.

Jung-Maestro Shemet schaffte das kleine Bytom-Wunder, die Sänger nie unter den gewaltigen Puccini-Klängen versinken zu lassen und zu überdecken. Eine Entdeckung waren die zauberhaft spielenden und singenden Ewelina Szybilska als „Lisette“ und Albert Memeti als „Prunier“.

Der alte Maestro Puccini wollte einen besseren Rosenkavalier schreiben – keine Operette.

Dank dieser gelungenen Cooperation Meiningen-Bytom ist ein hinreißend berührendes Meisterwerk als ernst zu nehmendes „Zwitterwesen“ gelungen.

 

Gunhild Kranz, 7.6.2021

 

Copyright: Schlesische Oper Bytom


Besonderer Dank an unseren Kooperationspartner Merker-online (Wien)

 


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