DER OPERNFREUND - 51.Jahrgang
Startseite
Unser Team
Impressum/Copyright
Christoph Zimmermann
---
Kontrapunkt
Die OF-Schnuppe :-(
Der OF-Stern * :-)
Opernpremieren 18/19
NRW Vorschau aktuell
KINO Seite
Neue Silberscheiben
Buchkritik aktuell
Oper DVDs Vergleich
-----
Aachen
Aachen Sonstige
Aarhus
Abu Dhabi
Bad Aibling
Altenburg Thüringen
Altenburg Österreich
Amsterdam DNO
Amsterdam Th. Carré
Amst. Concertgebouw
Andechs
Annaberg Buchholz
Ansbach
Antwerpen
Arnheim
Aschaffenburg
Athen
Athen Onassis Cultur
Augsburg
Avignon
Bad Ischl
Bad Reichenhall
Bad Staffelstein
Baden bei Wien
Baden-Baden
Badenweiler
Baku
Bamberg
Bamberg Konzerte
Basel
Basel Konzerte
Basel Musicaltheater
Basel - Casino
Basel Sonstige
Bayreuth div.
Pionteks Bayreuth
Bayreuth Festspiele
Belogradchik
Bergamo
Berlin Deutsche Oper
Berlin DO WA
Berlin Staatsoper
Berlin Staatsoper WA
Berlin Kom. Oper
Berlin Kom. Oper WA
Berlin Neuköllner Op
Berlin Konzerte
Berlin Ballett
Berlin Sonstige
Bern
Bielefeld
Bochum Ruhrtriennale
Bochum Konzerte
Bochum Sonstiges
Bologna
Bonn
Ära Weise 2003-2013
Bordeaux
Bozen
Brasilien
Bratislava
Braunschweig
Braunschweig Konzert
Bregenz Festspiele
Bremen
Bremen Musikfest
Bremerhaven
Breslau
Britz Sommeroper
Brünn Janacek Theate
Brünn Mahen -Theater
Brüssel
Budapest
Budap. Erkel Theater
Buenos Aires
Burgsteinfurt
Cagliari
Casciana
Chemnitz
Chicago
Coburg
Coburg Joh. Strauss
Coesfeld
Colmar
La Coruna
Cottbus
Crevoladossola
Darmstadt
Dehnberg
Den Haag
Dessau
Dessau Weill Fest
Detmold
Dijon
Döbeln
Dortmund
Dortmund alt
Dortmund Ballett
Dortm. Konzerthaus
Dortmund Sonstiges
Dresden Semperoper
Dresden Operette
Dresden Ballett
Dresden Konzert
Duisburg
Duisburg Sonstiges
MusicalhausMarientor
Düsseldorf Oper
Rheinoper Ballett
Düsseldorf Tonhalle
Düsseldorf Sonstiges
Schumann Hochschule
Ehrenbreitstein
Eisenach
Ekaterinburg
Enschede
Erfurt
Erl Festspiele 2015
Erl Festspiele 2014
Erlangen
Essen Aalto Oper
Essen Aalto Ballett
Essen Aalto WA
Essen Phil NEU
Essen Philharmonie
Essen Folkwang
Essen Sonstiges
Eutin
Fano
Fermo
Flensburg
Florenz
Frankfurt
Frankfurt WA
Bockenheimer Depot
Frankfurt Alte Oper
Frankfurt Oder
Freiberg
Freiburg
Füssen
Fürth
Fulda
Sankt Gallen
Gelsenkirchen MiR
Genova
MiR Ballett
Genf
Gent
Gera
Gießen
Glyndebourne
Görlitz
Göteborg
Gotha Ekhof-Festsp.
Graz
Graz Styriarte
Graz Konzerte NEU
Graz Konzerte alt
Graz Sonstiges
Gstaad
Gütersloh
Hagen
Halberstadt
Halle
Halle Händelfestsp.
Hamburg StOp
Hamburg StOp Wa
Hamburg Konzert
Hamburg Sonstige
Hamm
Hanau Congress Park
Hannover
Hannover Sonstiges
Heidelberg
Heidenheim Festsp.
Heilbronn
Heldritt
Helsinki
Hildesheim TfN
Hof
Hohenems
Gut Immling
Ingolstadt
Innsbruck Landesth.
Innsbruck Festwochen
Jekaterinburg
Jennersdorf
Kaiserslautern
Karlsruhe
Karlsruhe Händel
Kassel
Kiel
Kiew
Bad Kissingen
Klagenfurt
Klosterneuburg
Koblenz
Oper Köln
Wa Oper Köln
Köln Konzerte
Köln Musical Dome
Köln Sonstiges
Konstanz Kammeroper
Kopenhagen
Krummau a.d. Moldau
Krefeld
Kriebstein
Landshut
Langenlois
Bad Lauchstädt
Leipzig Oper
Leipzig Mus. Komödie
Leipzig Ballett
Lemberg (Ukraine)
Leoben
Leverkusen
Lille
Linz/Donau
Linz Sonstiges
Ljubljana/Laibach
Loeben
London ENO
London ROH
London Holland Park
Lucca
Ludwigshafen
Luisenburg
Lübeck
Lübecker Sommer
Lüneburg
Lüttich/Liège
Luxemburg
Luzern
Lyon
Maastricht
Macerata
Madrid
Magdeburg
Mahon (Menorca)
Mailand
Mainz
Malta
Mannheim
Mannheim WA
Mannheim Opernstudio
Maribor/Marburg
Marseille
Martina Franca
Massa Marittima
Meiningen
Melbourne
Meran
Minden
Minsk
Miskolc
Modena
Mönchengladbach
Mörbisch
Monte Carlo
Montpellier
Montréal
Moskau Bolschoi N St
Moskau Sonstige
München NT
München NT Wa
München Cuvilliés
MünchenPrinzregenten
München Gärtnerplatz
München Ballett
München Sonstige
Münster
Münster Konzerte
Münster Sonstiges
Muscat (Oman)
Nancy
Nantes
Neapel
Neuburger Kammeroper
Neuburg/Donau
Neustrelitz
Neuss RLT
New York MET
Nizhny Novgorod
Nordhausen
Novara
Nürnberg
Nürnberg Gluck Fest
Nürnberg Konzerte
Oberammergau
Oberhausen
Odense Dänemark
Oldenburg
Ölbronn
OperKlosterNeuburg
Oslo
Osnabrück
Ostrau
Palermo
Paris Bastille
Paris Garnier
P. Champs-Elysées
Théâtre du Châtelet
Opéra Comique
Paris Ballett
Paris Philharmonie
Paris Versailles
Paris Sonstiges
Parma
Passau
Pesaro
Pfäffikon
Piacenza
Pisa
Pforzheim
Plauen
Posen
Potsdam
Prag StOp
Prag Nationaltheater
Prag Ständetheater
Radebeul
Raiding
Recklinghausen
Regensburg
Reggio Emila
Remscheid
Rendsburg
Rheinsberg
Riga
Rosenheim
Rouen
Rudolstadt
Ruhrtriennale
Saarbrücken
Saint Etienne
Salzburg Festspiele
Salzburg LT
Salzburg Osterfestsp
Salzburg Sonstiges
San Francisco
San Marino
Sankt Petersburg
Sarzana
Sassari
Savonlinna
Oper Schenkenberg
Schloss Greinberg
Schwarzenberg
Schweinfurt
Schwerin
Schwetzingen
Sevilla
Singapur
Sofia
Solingen
Spielberg
Spoleto
Staatz
Stockholm
Stralsund
Straßburg
Stuttgart
Stuttgart Ballett
Sydney
Szeged (Ungarn)
Tampere (Finnland)
Tecklenburg
Tel Aviv
Teneriffa
Toggenburg
Tokyo
Toulon
Toulouse
Tours
Trapani
Trier
Triest
Turin
Ulm
Valencia
Valle d´Itria
Venedig Malibran
Venedig La Fenice
Verona Arena
Weimar
Wels
Wernigeröder Festsp.
Wexford
Wien Staatsoper
Wien TadW
Wien Volksoper
Wien Konzerte
Wien Ballett
Wien Sonstiges
Wiesbaden
Wiesbaden Wa
Bad Wildbad
Winterthur
Wolfenbüttel
Wolfsburg
Wunsiedel
Wuppertal
Würzburg
Zürich
Zürich WA
Zürich Ballett
Zürich Theater 11
Zürich Konzert
Zürich Sonstiges
Zwickau
---
INTERVIEWS A - F
INTERVIEWS G - K
INTERVIEWS L - P
INTERVIEWS Q - Y
---
Bilsing in Gefahr
YOUTUBE Schatzkiste
Jubiläen
HUMOR & Musikerwitze
Musical
Essay
Nationalhymnen
Leser reisen
Doku im TV
Oper im Fernsehen
Oper im Kino
Lenny Bernstein 100.
Unsitten i.d. Oper
Herausgeber Seite
Buckritiken alt
Wiesbaden Archiv
---
---

BRASILIEN

 

 

Recife/Bundesstaat Pernambuco und Riberão Preto/Bundesstaat São Paulo:

Meisterklassen Gesang

25.09.-4.10. und 14.-19.10.2018

 

Nach der ersten Reise nach Recife im Januar/Februar diesen Jahres mit dem Ziel, in Gesprächen mit den drei Musikschulen der Stadt die Möglichkeiten einer Verbesserung des klassischen Musikangebots zu eruieren und dazu entsprechende Vorschläge zu machen, reiste ich Ende September bis Ende Oktober wieder nach Brasilien, diesmal aber mit einem anderen Schwerpunkt. Da die Musikschulen ihren starken Wunsch zum Ausdruck gebracht hatten, dass u.a. Meisterklassen in Gesang für ihr Leistungsangebot wünschenswert wären, sprach ich den Dirigenten, Organisten und Klavierbegleiter Radu Pantea aus Luxemburg an, diesmal mitzukommen und solche Meisterklassen nicht nur in Recife, sondern auch in Riberão Preto im Hinterland des Bundesstaates São Paulo, zu halten. Ich hatte ihn als äußerst kompetenten Begleiter beim Gesangswettbewerb „Competizione dell’Opera“ 2014 in Tashkent/Usbekistan kennen gelernt.

Radu ist der Sohn des bekannten rumänischen Baritons Ionel Pantea, der sich insbesondere im Mozartfach einen Namen machte. Den Anstoß zu Meisterklassen auch in Riberão Preto gab mein ehemaliger brasilianischer Arbeitskollege Sérgio Miranda da Cruz, der dort aufgewachsen war und in Gesprächen mit der Fakultät der Universität von São Paulo, Campus Riberão Preto, auf entsprechendes Interesse stieß. Die direkte künstlerische Arbeit mit den Gesangsstudenten durch die Meisterklassen würde auch weitere Erkenntnisse hinsichtlich der Art und des Ausmaßes der Verbesserung des klassischen Curriculums der Musikschulen geben. In Recife erhielten wir wieder die umfangreiche Unterstützung des Rechtsanwalts und Sponsors der Musikschulen ETECM und CEMO (Escola Técnica de Criatividade Musical, Centro de Educação Musical de Olinda) Tiago Carneiro Lima, dem besonders an der Intensivierung des klassischen Musiklebens in Recife gelegen ist. Dazu plant er ein längerfristiges Projekt.

Obwohl in der Zeit unseres Aufenthalts in Recife wichtige Prüfungen stattfanden, waren die Sänger und Pianisten stark an den angebotenen Meisterklassen interessiert, wofür Lima Carneiro im Übrigen ein Theater angemietet hatte, das Teatro Valdemar de Oliveira. Vier Pianisten, 16 Gesangsstudenten und drei Gesanglehrerinnen machten vom Angebot Gebrauch und wurden von Pantea in der Interpretation der von ihnen einstudierten Stücke im Hinblick auf Sprache und musikalische Gestaltung in mehreren halbstündigen aulas unterwiesen.

 

Die Meisterklassen wurden mit einem beeindruckenden Abschlusskonzert in der barocken Basilika Madre de Deus im Zentrum von Reife abgeschlossen, zu dem über 120 Besucher kamen und den jungen Sängern begeisterten Applaus spendeten. Neben Barock-Arien von Händel und Bach wurden vor allem Opernarien und -duette sowie Ensembles von Mozart, Verdi, Puccini, Bizet und Offenbach, aber auch Lieder von Schubert, Gounod, César Franck, Reynaldo Hahn und Richard Strauss gesungen. Als Zugabe sangen alle den Gefangenenchor aus „Nabucco“, der nicht einmal einstudiert worden war - ein großer Erfolg! Zuvor hatte Radu Pantea, der das Konzert am Flügel begleitete, auf der Empore der Basilika eine Merklin-Orgel um das Jahr 1860 entdeckt, die über 10 Jahre lang nicht mehr gespielt worden war. Er stimmte sie neu und gab zu Beginn des Konzerts Stücke von Bach und Händel sowie Giordani, mit der erst 19jährigen Sopranistin Yanne Cordeiro, der charismatischen Vanessa de Melo und den strahlenden Barock-Bariton Matheus Alvarenga.

Insbesondere die am von Roseane Hazin geleiteten Conservatório Pernambucano de Música-CPM beschäftigte Gesangslehrerin Rosemary Carlos war mit den meisten ihrer Studenten vertreten. Gesanglich ragten bei den Damen besonders heraus: Elizete Félix, Gesangslehrerin mit dramatischem Sopran; Vanessa de Melo, kraftvoller Koloratursopran; Gleyce Melo mit exzellentem Spinto Sopran; Giovana Restrepo mit technisch perfekt geführtem Koloratursopran und Jessica Soares mit einem klangvollen Mezzo. Auch Dayanne Torres ist mit einem voluminösen dramatischen Sopran - trotz ihres noch sehr jungen Alters - hervorzuheben. Unter den Männern beeindruckten besonders Elias Marques und Bruno José als sehr gute lyrische Tenöre sowie der exzellente Bass Fernando Almeida. Die Sängerin und Gesangslehrerin Amarílis de Rebuá aus João Pessoa im Bundesstaat Paraíba wirkte bei einigen Meisterklassen mit und gab wertvolle Ratschläge.

Auf Anregung des Chefonkologen des Krebskrankenhauses von Pernambuco (Hospital de Cancer de Pernambuco - HCP), Dr. Marcelo Gonçalves de Sousa, fand mit den Gesangsstudenten dort ein weiteres Konzert statt, und zwar im Patio des alten Krankenhauses unter freiem Himmel bei herrlichem Sonnenschein - das erste seiner Art! Es war menschlich eine ganz starke Erfahrung, zumal einige der Patienten mit großer Rührung und gar Tränen in den Augen das Konzert verfolgten. Radu Pantea saß am Klavier, und ein Stück wurde auch von dem talentierten jungen pernambucanischen Pianisten Luis Felipe Oliveira dargebracht. Er hatte im Übrigen maßgeblich bei der Vorbereitung unserer Mission gewirkt, unter anderem auch die ganze Logistik inkl. der Anmietung der Klaviere und des Theaters Teatro Valdemar de Oliveira bewerkstelligt. Das Konzert am HCP zeigte klar auf, dass man klassische Musik auch bestens zur Therapie von schwerwiegend erkrankten Patienten einsetzen kann. Man will solche Konzerte in diesem Sinne am Krebs-Krankenhaus fortsetzen. Auch der von Maestro Jadson Oliveira geleitete Madrigal-Chor Lindbergh Pires von Recife, dessen Konzert zum 75jährigen Bestand der Katholischen Universität von Pernambuco wir im Teatro Santa Isabel erleben konnten, ist auf diesem philanthropischen Gebiet aktiv und will das HCP nun in sein Programm einbeziehen.

Die Erfahrung dieser Woche mit den Gesangsstudenten in Recife zeigte, dass Investitionen in die Musikschulen des Nordostens Brasiliens nicht ausreichen, wenn nicht auch die künstlerische Ausbildung der Musiker in Form von regelmäßigen Proben erfolgt. Dabei können Meisterklassen oder gar die Vorbereitung einer Oper eine bedeutende, auch motivationale Rolle spielen. So ist geplant, dass wir im März/April 2019 wieder kommen, um „Le nozze di Figaro“ vom W. A. Mozart mit den Studenten szenisch aufzuführen. Sie arbeiten bereits seit einiger Zeit daran. Die Aufführung ist im Teatro Valdemar de Oliveira in Recife mit Orchester unter der Leitung von Radu Pantea geplant.

Mit einem Zwischenstopp beim luxemburgischen Botschafter Carlo Krieger in Brasília, D.F., der Hauptstadt Brasiliens, der großes Interesse für das Projekt bekundete, ging die Reise weiter nach Riberão Preto. Der Besuch an der Fakultät für Musik wurde durch deren Leiter Rubens Russomanno Ricciardi angebahnt. Während der Meisterklassen dort mit etwa 15 Gesangsstudenten wurden wir aber ausschließlich von der Gesangslehrerin Yuka Almeida betreut, die sich nach all ihren Kräften um das Gelingen der Unterrichtsstunden und des Abschlusskonzertes kümmerte, für das Radu Pantea die „Petite Messe solenelle“ vom G. Rossini vorbereitete. Obwohl die Studenten das Stück teils noch nie gehört hatten, waren sie in der Lage, nach den individuellen Meisterklassen und den speziellen Proben dazu, die „Petite Messe Solennelle“, die alles andere als petite (klein), sondern ein hochkomplexes 90 Minuten langes Stück ist, in nur fünf Tagen einzustudieren.

Das finale Konzert am 19. Oktober wurde so zu einem großen Erfolg für die Studenten und Radu Pantea, sowie den dänischen Prof. Bo Lyngby Jaeger, der das 2. Klavier übernommen hatte. Marcos Vinícius Pessoa saß an der Orgel. Der Chor wurde auch von den Sängern gestellt. Unter den Sängerinnen ragten gesanglich heraus: Janaina Lemos mit nur 19 Jahren als heller lyrischer Sopran und Lilian Giovanini mit einem dramatischen virtuosen, auch barocken Spinto-Sopran (sie hat momentan ein Engagement in Leipzig). Bei den Männern beeindruckten gesanglich besonders: Rafael Stein als junger Tenor; Luis Felipe Sousa als für ein Alter mit 20 außergewöhnlicher Bass-Bariton. Als Sensation könnte man Felipe Rissatti mit seinem glänzenden Countertenor bezeichnen. Die Sänger wurden am 1. Klavier von der hervorragenden Pianistin und Cembalistin Giovana Ceranto begleitet. Bei entsprechender Weiterentwicklung und Unterstützung könnten sich hier einige internationale Karrieren entwickeln. Etwa 50 Personen kamen zu diesem Konzert. Bei entsprechender Vorankündigung am Campus der Universität von São Paulo in Riberão Preto, im Übrigen wunderschön in einer tropisch bewachsenen und denkmalgeschützten ehemaligen Kaffee-Fazenda gelegen, hätte das Publikum sicher zahlreicher sein können. Das trifft auch für den Minicurso de Ópera zu, ein Kurz-Kurs zur Oper, den ich wie schon in Recife im Februar, nun auch hier hielt. Er umfasste die gesamte Geschichte der Oper mit all ihren Untergattungen und zehn szenischen Beispielen anhand von YouTube cuts.

Auf dem Rückweg über Rio de Janeiro besuchten wir schließlich noch Myrian Dauelsberg, die hier seit langer Zeit Dell'Arte, eine der bedeutendsten Musikagenturen Brasiliens, führt. Wenn es in Recife und Riberão Preto weiter geht, ist mit ihr auch eine Zusammenarbeit angedacht. Sie interessierte sich sehr für das Thema und die jungen Künstler.

Unabhängig von institutionellen Aspekten wurde auf dieser Reise wieder klar, wie interessiert und engagiert die jungen Studenten für ihre Liebe zu Gesang und Musik LEBEN. Leider ist der Markt für Opernsänger in Brasilien allzu begrenzt und im Prinzip nur auf den Südosten und Süden des riesigen Landes beschränkt. Vielleicht gelingt es aber dem einen oder der anderen, den Sprung nach Europa oder in die USA zu schaffen. Die Qualität und Reife dazu hätten sie eines Tages sicher!

Es wäre zu hoffen, dass der Sektor der klassischen Musik im Lande unter dem neuen Präsidenten Jair Bolsonaro wieder mehr Mittel bekommt, nicht zuletzt unter einer besseren Anwendung des sog. Lei Rouanet, das schon seit 1992 besteht. Dass eines der schönsten und sogar größten Opernhäuser der Welt, das prachtvolle Theatro Municipal do Rio de Janeiro, dem Palais Grand Garnier - also der Grand Opéra von Paris nachempfunden - seit einiger Zeit wieder einmal wegen Geldmangels geschlossen ist, scheint für einen europäischen Opernliebhaber kaum fassbar. Es hat mit etwa 2.300 weit mehr Sitzplätze als die Wiener Staatsoper und ein Keller-Cafe, welches das Alte Ägypten auferstehen und „Aida“ ganz nahe kommen lässt… Jedes europäische Opernhaus würde es darum beneiden!                                                                                              

Fotos vom Autor

Klaus Billand  14.12.2018


 

 

 

 

Drei Opernhäuser und eine Opernkompanie in Pernambuco, São Paulo und Rio de Janeiro

Im Rahmen der kürzlichen Reise durch Brasilien zur Durchführung von Meisterklassen in Gesang mit dem Dirigenten, Organisten und Klavierbegleiter Radu Pantea, Sohn des rumänischen Baritons Ionel Pantea (Bericht Merker 11/2018), kamen wir mit drei Opernhäusern und einer privaten Opernkompanie in Kontakt, die ich hier vorstellen möchte.

 

Klaus Billand  8.12.2018

(c) Der Opernfreund / Billand

Teatro de Santa Isabel

RECIFE - Pernambuco (Nordostbrasilien)

Als wir in Recife waren, fand im ehrwürdigen Teatro de Santa Isabel in Recife, der Hauptstadt des brasilianischen Bundesstaates Pernambuco, die Feier zum 75. Jubiläum der Katholischen Universität von Pernambuco statt. Die Chorgemeinschaft Madrigal Lindbergh Pires trug unter der Leitung ihres Chefdirigenten Jadson Oliveira zu diesem Anlass ein interessantes Programm mit Werken von Wolfgang Amadeus Mozart (Das Duett und Chor „Giovinette, che fate all’amore“ aus „Don Giovanni“, (mit den Solisten Vanessa de Melo, Sopran, Interview Merker 11/2018, und Matheus Alvarenga, Bariton), von Charles Gounod, Keith Hampton, und Anna Maria Ribakoffi vor. Dabei bot sich die Gelegenheit, dieses schöne Theater, das leider nur selten Opernaufführungen erlebt, vielleicht gerade mal zwei pro Jahr (!), etwas besser kennen zu lernen. Es wurde vom französischen Architekten Louis Léger Vauthier im neoklassischen Stil der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts Brasiliens erbaut und 1850 eingeweiht. Wie beim Teatro Amazonas in Manaus (über das jährlich stattfindende Amazonas-Opernfestival FAO wurde hier oft berichtet) wurden damals die Architekten und viele Fachkräfte für den Theaterbau aus Europa angeworben. Auch Baumaterialien wurden aus der „Alten Welt“ beschafft…

1869 brannte das Theater fast völlig nieder, wurde aber im originalen Stil wieder aufgebaut. Es trägt den Namen der Tochter des beliebten brasilianischen Kaisers Dom Petro II, Prinzessin Isabel. Der Kaiser besuchte im Jahre 1859 bei einer Reise durch die Nordostprovinzen Brasiliens das Haus auch persönlich. Das Teatro de Santa Isabel war die Plattform für die Kampagne von Joaquim Nabuco zur Abschaffung der Sklaverei in Brasilien.

 

 

 

Theatro Pedro II

RIBERÃO PRETO - São Paulo Staat

Das Theatro Pedro II, benannt nach dem letzten Kaiser Brasiliens, ist das einzige Opernhaus Brasiliens, welches nicht in der Hauptstadt des jeweiligen Bundesstaates liegt. Der eklektizistische Bau liegt an der Praca XV de Novembro (Platz des 15. November) und wurde in der Zeit des Kaffebooms mit der Unterstützung einer großen brasilianischen Bierbrauerei von 1928-30 erbaut. Meira Júnior, einer der Gründer der Unternehmung Cervejaria Paulista, eben jener Bierbrauerei, nahm den Architekten Hippolyto Gustavo Pujol Júnior unter Vertrag, während die strukturellen Baubereiche durch die deutsche Firma Kemmitz, geführt von Fritz Hans Urlass, durchgeführt wurden. 1930 wurde das gegenüber dem Teatro Carlos Gomes erbaute Haus eingeweiht. Es hatte zur damaligen Zeit 2.000 Plätze aber heute „nur“ noch 1.588 und ist damit ein großes Haus. Nachdem das Theater seit 1970 als Kino diente und wesentliche Teile seiner Dekoration beseitigt worden waren, erlitt es 1980 einen Großbrand, bei dem das Dach und wesentliche Bereiche des Innenraums zerstört wurden. Ganz ähnlich wie nach der teilweisen Zerstörung der Wiener Staatsoper zum Ende des Zweiten Weltkriegs bedurfte es großer Überzeugungsarbeit und der Unterstützung einiger Persönlichkeiten, das Theater nicht ganz abreißen zu lassen, sondern wieder aufzubauen. Ab 1991 wurde es über einen Zeitraum von fünf Jahren in zwei Etappen wieder aufgebaut, wobei man die metallene Dachkonstruktion nachbaute und auch sonst weitgehend alle originalen Dekorationen nach den Originalplänen restaurierte. Eine Reihe wichtiger technischer Neuerungen kamen bei der Gelegenheit natürlich hinzu. Eine besondere Attraktion ist die völlig neue und moderne scharze Decke mit einem tropfenförmigen Leuchter, gestaltet vom brasilianischen Künstler Tomie Ohtake. 1996 wurde das Theater wieder eröffnet, und zwar mit der Ouvertüre zu „Il Guarani“ von Carlos Gomes und der Neunten Symphonie von Ludwig van Beethoven. Das Teatro Pedro II ist eines der fünf größten Theater Brasiliens und zeichnet sich durch eine gute Akustik aus.

In einem ausführlichen Gespräch mit Mariana Aude Jábali, der Präsidentin der Fundação D. Pedro II (sie ist bereits zum 2. Mal in dieser Funktion), der Trägerin des Theaters, und mit der Künstlerischen Direktorin Regina Scatena (bereits zum 3. Mal in dieser Funktion), schilderten sie mir die Produktionsbedingungen des Hauses. Es gibt keine festen Corps, also weder ein Orchester, noch ein Ensemble oder eine Tanzgruppe. Man hat sehr begrenzte finanzielle Möglichkeiten für künstlerische Projekte. Das Haus muss vom jeweiligen Veranstalter gemietet werden, wobei eine umfangreiche Bürokatie die Prozesse verlangsamt. Im Prinzip besteht nur ein Budget für die fixen Kosten. Aber sie inszenierten bereits „Rigoletto“ selbst, als noch die Möglichkeiten der Steuerfinanzierung durch das Lei Rouanet bestanden. Eine „Don Giovanni“-Produktion kam aus São Paulo mit reduzierten Bühnenbildern, um es finanzierbar zu machen. Aber man hat bisher noch nie Klassiker wie „Carmen“, „Turandot“ oder „Tosca“ aufgeführt. Immerhin gab es 1930 eine „Bohème“. Und 1999 tanzte im Pedro II kein geringerer als Mikhail Baryshnikov. Gelegentlich führt die private Opernkompanie Minaz aus Riberão Preto im Pedro II Opern auf, zuletzt „La serva padrona“. Natürlich spielt im Spielplan die brasilianische Volksmusik eine große Rolle.

 

 

Companhia Minaz

RIBERÃO PRETO

Die Cia. Minaz wurde 1990 gegründet, um ein Publikum und professionelle Sänger in den Städten des Hinterlandes des Bundesstaates São Paulo zu fördern, zum Wohle der Kunst der Musik und des Gesangs. Das Teatro Minaz wurde 2009 im Bau eines Kino im zentralen Stadtteil Jardim Paulista errichtet, wie auch das Theatro Pedro II lange als Kino funktionierte (s.o). Es hat 270 Sitzplätze. In den vergangenen 28 Jahren wurden mit Kooperationen interessante Projekte, auch viele Opern, vorbereitet und zur Aufführung gebracht. Dabei achtet man insbesondere auf kostengünstige Produktionen durch Verwendung preiswerter, aber dennoch effektvoller Bühnenbilder und Accessoires. Man hat ferner diverse Kinderprogramme sowohl in Riberão Preto als auch im Umland. Das Theatro Minaz, familiär geführt, wurde schnell zu einem kulturellen Pol in Riberão Preto und bietet Opern, Musicals, Konzerte, Theaterstücke, Ballettaufführungen, Shows, Meisterklassen und Workshops für ein Publikum an, das jährlich an die 20.000 Personen umfasst.

Die Direktoren und Eigentümer der Cia. Minaz, Gisele Ganade und Ivo Rinhel D’Acol, zeigten uns das in der Tat in perfektem Zustand befindliche Theater mit etwa 180 Plätzen und einem Orchestergraben von bis zu 25 Musikern. Wir konnten auch einige Gesangsnummern von in Ausbildung befindlichen Studentinnen und Studenten hören. Sie gehen von hier aus meist auf die Universität für Musik in Riberão Preto. Einige begannen später sogar internationale Laufbahnen. Auch wurden uns Fotos von bestimmten Opern-Produktionen gezeigt, die mit kostengünstigen Ausstattungen interessante Eindrücke boten. Auch ist schon ein Veranstaltungsprogramm bis Ende 2019 vorhanden.

Sowohl das Teatro Pedro II wies auch die private Opernkompanie Minaz bieten sich für Gastspiele internationaler Opernkompanien an und sind auch daran interessiert.

 

Theatro Municipal do Rio de Janeiro

RIO DE JANEIRO

Das prachtvolle Theatro Municipal do Rio de Janeiro begann 1905 unter der Leitung von Francisco de Oliveira Passos, der sich von dem Prachtbau der Pariser Opéra Garnier inspirieren ließ. Am 14. Juli 1909 wurde das Theater mit zunächst 1.739 Sitzen eröffnet. Es wurde mehrmals umgebaut und saniert, zuletzt 2010, und verfügt heute über 2.361 Zuschauerplätze. Ein besonderer architektonischer Schatz ist das nach Vorlagen des Ischtar-Tores des alten Babylon um 600 v. Chr. nachgebildete Pausen-Café im Untergeschoss des Theaters, einzigartig auf der Welt. Jedes europäische Opernhaus würde es darum beneiden. Mit seinen Sitzplätzen ist das Theatro Municipal heute weit größer als die Wiener Staatsoper.

Allerdings, seit einiger Zeit gibt es wieder einmal wegen Geldmangels keine Opernaufführungen, nur gelegentlich Konzerte und Ballett. Das scheint für einen europäischen Opernliebhaber kaum fassbar. Noch schlimmer: Während einer der zum Teil violenten Demonstrationen auf dem Vorplatz gegen den später gewählten neuen Präsidenten Brasiliens, Jair Bolsonaro, wurden durch Steinwürfe einige der wunderschönen bunten, in Blei gefassten Originalfenster des großen Foyers aus der Entstehungszeit des Hauses zerstört! Es ist zu hoffen, dass dieses Kleinod an Opernhaus bald aus seinem Dornröschenschlaf erwacht bzw. erweckt wird. Aber das wurde es schon oft… 

 

         

Und zum Schluß die Nationalhymne

 

                                                      

 

 

DER OPERNFREUND  | opera@e.mail.de