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 FESTUNG EHRENBREITSTEIN

Helga Schmadel  / pixelio.de

 

 

CHESS

Premiere: 18.08.2018

Theater Koblenz zu Gast auf der Festung Ehrenbreitstein


Inzwischen etabliert hat sich in Koblenz das Sommergastspiel des Theaters auf der Festung Ehrenbreitstein. In den letzten Jahren wechselten sich hier Musical und Oper ab, in diesem Jahr steht das Musical „Chess“ der beiden ABBA-Männer Benny Andersson und Björn Ulvaeus auf dem Spielplan zu dem Tim Rice die Liedtexte beisteuerte. Das schöne Wetter sorgte dann auch bei der Premiere für eine ausverkaufte Vorstellung im provisorischen, dafür aber reizvollen Theaterambiente.


Angesiedelt hat Regisseur Markus Dietze die Geschichte in der Entstehungszeit dieses Musicals zu Beginn der 80iger Jahre. Im schönen Meran soll das Finale der Schachweltmeisterschaft zwischen dem amerikanischen Titelverteidiger und arroganten Lebemann Frederick Trumper und seinem sowjetischen Herausforderung Anatoly Sergievsky stattfinden, welches zu Zeiten des kalten Krieges auch eine hochpolitische Veranstaltung zu werden droht. Hierfür sorgen auch die beiden Chefs der jeweiligen Delegationen, Walter de Courcey auf amerikanischer und Alexander Molokov auf russischer Seite. Scheinbar scheint fast jedes Mittel recht, um die Partie zu seinen Gunsten zu beeinflussen. Viel mehr möchte ich an dieser Stelle gar nicht zum Inhalt verraten, da er wahrscheinlich den meisten Lesern durchaus geläufig ist, auf der anderen Seite auch Erstbesuchern nicht die ganze Spannung genommen werden soll. Wie heißt es auf dem Flyer des Theaters doch so schön: „Chess ist ein Politthriller, in dem Liebe und Eifersucht ebenso die Geschehnisse beeinflussen wie die Spannungen des Kalten Krieges.“ Leider gelingt es der Inszenierung nicht immer ganz, diese Spannung aufzugreifen, was aber sicherlich auch an den begrenzten Mitteln und technischen Möglichkeiten der Spielstätte liegen mag. Gearbeitet wird hier viel mit Videoprojektionen, die teilweise als vorproduzierte Einspieler wie auch als Livebilder von der Bühne daherkommen. Die Einspieler sind dabei von einer beeindruckenden künstlerischen Qualität (Video: Georg Lenndorf) und die notwendigen Kameramänner für die Livebilder sind meist geschickt ins Bühnengetümmel rund um die Schachspieler eingebaut, so dass diese zu keiner Zeit störend auffallen. Die Kostüme von Christian Binz und Judith Leonard sind nett der Zeit angepasst und bilden ein Sammelsurium der wildesten Outfits der 80iger Jahre. Schön auch die Idee Walter de Courcey mit dunklen Haaren und weißer Haarsträhne darzustellen, während Alexander Molokov als sein Gegenbild auf der anderen Seite weißes Haar mit schwarzer Strähne trägt. Allgemein sind es immer wieder diese Momente, in denen sich beide so ähnlich sind und sogar vor einem gemeinsamen Deal nicht halt machen, um ihre jeweilige Seite gut aussehen zu lassen, die in der Inszenierung überzeugen können. Gelungen auch die traditionellen Ballettszenen, die das Schachspiel darstellen (Choreografie: Katrin Wolfram). Neben dem Ballett fließen in „Chess“ auch immer wieder Elemente aus der Operette und der Oper ein, beispielhaft hier zu nennen das große Opening mit dem Chor in Meran.

Leider versagt bei den Chorszenen aber die Tonabmischung das ein oder andere Mal, so dass den Zuschauer hier nur ein Stimmengewirr erwartet, aus dem man das gesungene Wort nicht oder nur sehr schwer verstehen kann. Anders übrigens in einer Szene, in der der Chor offenbar ohne Mikrofonunterstützung singt, hier ist der Klang dann klar und deutlich. Besser funktioniert die Abmischung bei den Solisten, von denen vor allem Markus Schneider als Anatoly Sergievsky vollkommen überzeugen kann. Beim Finale des ersten Aktes sorgt er mit „Anthem“ für das Highlight des Abends. Gesungen wird übrigens die in 2014 aktualisierte deutsche Fassung von Kevin Schröder, die in sich sehr gelungen ist. „Ich kenn ihn so gut“ („I know him so well“ im Original) wird von Monika Maria Staszak als Florence Vassy und Michèle Silvestrini als Svetlana Sergievskaya gefühlvoll zu Ohr gebracht. Mit „One Night in Bangkok“ hat Marcel Hoffmann als Frederik Trumper seinen großen Auftritt zu Beginn des 2. Aktes. Auch Wolfram Boelzle als Walter de Courcey, Adrian Becker als Alexander Molotov und Christof Maria Kaiser als Schiedsrichter wissen in ihren Rollen zu gefallen. Unter der musikalischen Leitung von Karsten Huschke spielt das Staatsorchester Rheinische Philharmonie flott und treffend auf. Untergebracht ist das Orchester im hinteren Teil der Bühne, so dass man durch die leicht durchsichtigen Bühnenelemente immer wieder mal einen Blick auf die Musiker werfen kann.

Alles in allem bietet „Chess“ trotz der erwähnten kleineren Schwächen bei Inszenierung und Tonabmischung einen unterhaltsamen Theaterabend, der auch wegen der schönen Seilbahnfahrt zurück in die Stadt in guter Erinnerung bleiben wird. Im nächsten Sommer steht mit „Il Trovatore“ eine große Verdi-Oper auf dem Sommerprogramm des Theaters, hier sollte dann auch der Ton nicht so ein großes Problem werden.

Markus Lamers, 20.08.2018
Fotos: Matthias Baus für das Theater Koblenz

 

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