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IL BARBIERE DI SIVIGLIA

Aufführung am 31.10.15

Premiere am 29.10.15

Große Hoffnungen

Neben den Festspielorten Pesaro und Macerata führten die anderen Opernhäuser der mittelitalienischen Region Marken in den letzten Jahren ein mehr als kümmerliches Dasein. Als sich nun durch das Kultursparprogramm des Staates die Drohung einer endgültigen Schließung abzeichnete, nahmen sich die Häuser von Fermo, Fano und Ascoli Piceno ein Herz und schlossen sich zu einer Gemeinschaft zusammen, bei der zwar jede Gemeinde ihre Subvention einzeln erhält, sie aber - ebenso wie Sponsorengelder und andere Einkünfte - in einen gemeinsamen Topf einzahlt, der dazu dient, Koproduktionen in Eigenregie zu erarbeiten. Die zunächst auf drei Jahre anberaumte Organisation steht unter der Leitung des Betriebsdirektors von Macerata Luciano Messi, dem der künstlerische Berater Alessio Vlad zur Seite steht. Stehen in dieser Saison nur die Rossinioper und „Die Zauberflöte“ auf dem Programm, so soll in der nächsten Spielzeit ein weiteres Werk hinzukommen und schließlich eventuell auch ein weniger populärer Titel. Außerdem ist man auch zur Zusammenarbeit mit Häusern außerhalb der Region bereit (so herrscht z.B. in Bezug auf Opern in den Abruzzen derzeit die Wüste), wenn sich diese für eine solche und ihre Regeln interessieren.

Das Haus, mit dessen Bau 1780 begonnen und das 1790 eröffnet wurde, fasst rund 1000 Zuschauer und verfügt über 124 Logen. Es darf sich auch einer besonders guten Akustik rühmen. Von außen bleibt es eher unauffällig, da es mit den für die Marken typischen Ziegelsteinen längs einer ansteigenden Straße erbaut wurde. Umso mehr beeindruckt dann der glanzvolle Saal (der auch mit Konzerten und Sprechtheatervorstellungen bespielt wird, die jedoch nicht von der oben beschriebenen Leitung verantwortet werden).

Dieser „Barbier“ kam aus Pesaro, wo er im Vorjahr im Rahmen des ROF zur Aufführung gelangt war. Francesco Calcagnini, Dozent an der Accademia di Belle Arti di Urbino, hat mit seinen für den gesamten Entwurf von Bühnenbild, Kostümen und Videoprojektionen verantwortlichen Schülern der Produktion wieder ihren surrealen Anstrich verliehen, der von auch im größten Wirrwarr scheinbar unbeteiligten Personen (wie dem Apotheker, der seelenruhig seine Wässerchen zubereitet und dem wie in einem Stück von Ionesco unbeweglich auf seinem Stuhl verharrenden Diener Ambrogio – eine Hommage des Journalisten Alberto Pancrazi an die Inszenierung) über ein sich plötzlich, von Bartolo unbemerkt, in zwei Hälften teilendes Klavier bis zu der mit Nadeln malträtierten Nachbildung eines Gehirns beim Finale des 1. Akts reichte.

 

Am Pult des Orchestra Filarmonica Marchigiana stand Matteo Beltrami, der den Rhythmus von Rossinis Buffaopern im Blut zu haben scheint, und auch bei den wahnwitzigsten Crescendosteigerungen nie den Überblick über Bühne und Orchester verlor. In der Titelrolle gefiel Francesco Vultaggio mit sympathisch agilem Spiel und angenehmem Bariton, der mir in der Höhe noch ausbaufähig schien. Chiara Amarù gab eine spritzige, gewiefte Rosina, bei der stimmlich vor allem die mühelosen Koloraturen beeindruckten. Giulio Pelligra tat gut daran, auf Almavivas Schlussrondo zu verzichten, denn die Koloratur ist nicht seine Stärke. Ansonsten sang er zufriedenstellend und agierte sehr nett. Der Bartolo von Bruno Praticò hatte die Lacher auf seiner Seite, sodass man ihm im Grunde nicht böse sein konnte. Luca Dall'Amico verlieh mit seiner großen, hageren Gestalt und gut tragendem Bass dem Basilio groteskes Gewicht. Felicia Bongiovanni (Berta) ergänzte die Ansammlung skurriler Gestalten im Hause Bartolos.

Großer Publikumsjubel im brechend vollen Haus.

Eva Pleus 8.11.15

Bilder: Fabrizio Zeppilli

 

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