DER OPERNFREUND - 51.Jahrgang
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WALTER FELSENSTEIN   

Intendant KOMISCHE OPER BERLIN 1947 - 1975

Das hochinteressante Buch ist zur Zeit leider vergriffen

 

WALTER FELSENSTEIN   Intendant KOMISCHE OPER BERLIN 1947 - 1975

Walter Felsenstein (1901 – 1975) war 1947 Gründer der KOMISCHEN OPER BERLIN und deren Intendant bis zu seinem Tod vor 45 Jahren am 8. Oktober 1975.

Mit seinem Ableben verlor die gesamte Theaterwelt einen Begründer moderner Regieführung im Musiktheater und einen Theaterintendanten, der es verstand, sein Publikum und seine Anhänger in der ganzen Welt zu begeistern.

Felsensteins Theaterlaufbahn begann am Burgtheater in Wien, führte ihn über Lübeck, Mannheim und Beuthen an die Theater Basel und Freiburg, wo er in näheren Kontakt mit dem Musiktheater kam. In Basel inszenierte er in zwei Jahren 19 Opern und 19 Schauspiele.

Der Begriff Musiktheater, auch realistisches Musiktheater, wurde von Walter Felsenstein als Regisseur und Intendant popularisiert. Wenn in der KOMISCHEN OPER BERLIN fremdsprachige Werke auf die Bühne kamen, wurden diese ohne Ausnahme in deutscher Sprache aufgeführt. Felsenstein setzte sich für gleichberechtigte Kommunikation von Musik und Text ein. Seine Inszenierungen galten als beispielhaft und trugen maßgeblich zur Verbreitung des neuen Begriffs bei. Nach ihm sind beispielsweise Oscar Fritz Schuh, Günther Rennert und Götz Friedrich zu nennen. (>Siehe auch Wikipedia >MUSIKTHEATER<)

Felsenstein setzte Massstäbe im Bereich der Opernregie. Er fand zu darstellerisch ausgefeilten Inszenierungen, wie sie bis dahin nur dem Schauspiel vorbehalten gewesen waren. Dazu vermied er bisherige Sänger-Konventionen.

Walter Felsenstein legte in seinen Regiearbeiten im Musiktheater grossen Wert auf perfekte Darstellung. Dies war bis dato nur im Sprechtheater der Fall, die Oper begnügte sich mit rudimentärer bis nicht vorhandene Schauspielkunst. Festzuhalten dabei ist, dass Musiktheater auch Oper, Oper aber nicht unbedingt Musiktheater ist.

Dazu Felsenstein: >Ich möchte ein Werk als Theaterstück verständlich machen. Deshalb lehne ich fremdsprachige Aufführungen ab<! Und bei anderer Gelegenheit: >Ich inszeniere nicht für ein Publikum von Spezialisten<! (© Arthaus Musik Felsenstein Estate)

Als Beispiel dafür nachstehend ein Kurzabrisss der Entstehungsgeschichte seiner Interpretation von Hoffmanns Erzählungen. Offenbachs LES CONTES D’HOFFMANN ist ein unvollendetes Werk des Komponisten.

Die Quellen sind nicht klar und nicht abschliessend erschlossen. Sicher ist, dass das Libretto der Uraufführung von Jules Barbier geschrieben wurde. Die Grundlage dafür ist das fünfaktige gleichnamige Schauspiel von Barbier und Michel Carré. Auf der Basis des Schauspieltextes liess Felsenstein ein deutschsprachiges Libretto für eine fünfaktige Oper erstellen. Er war der Auffassung, dass dies den Intentionen Offenbachs am nächsten kommt. Dass Quellenstudium und Bearbeitung mehr als ein Jahr dauern würde, hatte Felsenstein allerdings nicht erwartet.

1958 war die Premiere (UA) von “HOFFMANNS ERZÄHLUNGEN“ an der komischen Oper in der von Walter Felsenstein erarbeiteten Fassung. Seine Interpretation des Werkes wurde bahnbrechend für viele weitere Produktionen der Oper Offenbachs weltweit.

 Walter Felsenstein im Vorwort des Klavierauszuges seiner Bearbeitung und der musikalischen Einrichtung von Karl-Fritz Voigtmann: >Mein Versuch, der Vorlage zu folgen, die Offenbach für die Komposition seiner ersten Oper angeregt hat, und die Musik von fremder Hand ebenso wie die angefügten Rezitative zu beseitigen- dieser Versuch ist zweifellos legitim.<

Felsenstein ist der Meinung, dass sich über die Gültigkeit des Ergebnisses streiten lässt, da unausweichlich ein Genre zustande gekommen ist, welches man nicht ohne weiteres als Oper bezeichnen kann und zweifelsohne nicht jedermanns Sache ist. Er erwartet nicht, dass alle Freunde Offenbachs und Hoffmanns mit dieser Arbeit einverstanden sind, möchte aber alle Freunde Offenbachs und E.T.A. Hoffmanns auffordern, das bisher unter dem Titel Hoffmanns Erzählungen übliche Machwerk als ihrer unwürdig zu erkennen.
(© Arthaus Musik Felsenstein Estate)

Die Aufzeichnung der Oper, erfolgte in den DEFA-Studios für Spielfilme in Potsdam Babelsberg. Im Kino wurde der Film das erste Mal am 11. Dezember 1970 in einer festlichen Voraufführung im Berliner Kino International gezeigt. Die Erstsendung im Fernsehen erfolgte am 26. Dezember 1970 im zweiten Programm des Deutschen Fernsehfunks.(DDR)

Die meisten seiner Produktionen erarbeitete Felsenstein mit dem Ensemble der komischen Oper. Nur selten engagierte er Weltstars wie Rudolf Schock oder Sylvia Geszty.

Das Ensemble schloss neben dem künstlerischen Personal, zu dem unter anderen Irmgard Arnold, Anny Schlemm, Ruth Schob-Lipka, Hanns Nocker, Günter Neumann, Rudolf Asmus, Werner Enders, Erich Blasberg und Josef Burgwinkel zählten, auch die Bühnentechniker mit ein.

Das Vermächtnis Walter Felsensteins wurde als WALTER FELSENSTEIN EDITION von ARTHAUS MUSIK 2008 produziert: Das Schlaue Füchslein (1965), Don Giovanni (1966), Othello (1969), Hoffmanns Erzählungen (1970), Ritter Blaubart (1973) und in den Jahren 1975/1976: Die Hochzeit des Figaro. Diese sechs Filme sind mit Ausnahme von Hoffmanns Erzählungen Live-Mitschnitte von Produktionen der komischen Oper. Dazu der Spielfilm aus dem Jahre 1956: Ludwig van Beethoven Fidelio.

Hoffmanns Erzählungen adaptierte Felsenstein für die Filmaufnahmen, wobei er sehr wenig Änderungen gegenüber der Bühnenproduktion von 1958 vornahm. Auch die Sängerinnen und Sänger sind mehrheitlich dieselben.

Fidelio einzige Musikfilm, der unter der Regie Felsensteins, zusammen mit Hanns Eisler gedreht wurde, aber nicht eine Bühnenproduktion als Ursprung hat. Walter Felsenstein hat Fidelio nur 1927 in Beuthen und 1931 in Freiburg auf die Bühne gebracht. An der komischen Oper wurde Fidelio nie gezeigt. Er war der Auffassung, dass das Werk Beethovens auf der Opernbühne nicht zu realisieren sei.

Wenn man/frau die sechs verfilmten Produktionen intensiv studiert, wird klar, was Felsenstein in der hervorragenden Publikation von 1963 "MUSIKTHEATER", eine Zusammenarbeit von Walter Felsenstein mit dem Kritiker Siegfried Melchinger (1906 –1988) mit seinen Anmerkungen zu Regie in Oper und Musiktheater meint. Der Perfektionist studierte bei seinen Produktionen alle erreichbaren Quellen. Aufgrund dieser Recherchen bearbeitete er das zu produzierende Werk. In den meisten Fällen erstellte Felsenstein, respektive liess er neue deutsche Übersetzungen der fremdsprachigen Libretti erstellen. Er war der Auffassung, in den meisten Fällen zu Recht, dass die vorhandenen deutschen Fassungen ungenügend seien und seinem realistischen Musiktheater nicht genügen würden. Dazu legte Felsenstein grossen Wert auf die Interaktion zwischen seinen Protagonistinnen und Protagonisten. Rampensingen war verpönt und da Capo Arien ebenfalls.

Walter Felsenstein: >Im landläufigen Opernbetrieb betrachtet es ein Sänger, auch ein guter Sänger, als Zumutung, wenn er während einer Gesangsphase dauernd den Partner anschauen soll<! (© Arthaus Musik Felsenstein Estate)

Aus diesem Grund stellen sich Solistinnen und Solisten oft so hin, dass sie den Dirigenten sehen können, während der Partner, die Partnerin, dem Publikum den Rücken zuwendet; Sie schauen sich nie an. Eine Interaktion kann so nicht stattfinden. Das Spiel zwischen Protagonistinnen und Protagonisten wird auf ein Absingen von wunderbarer Musik reduziert, ohne dass Dramaturgie, Handlung und Emotionen eine Rolle spielen.

Siegfried Melchinger nimmt dazu einen weiteren Kritikpunkt des üblichen Opernbetriebes auf: > Die Tödlichkeit der Routine<. (© Melchinger) Seiner Meinung nach muss im Gegensatz zum üblichen Opernbetrieb beim Musiktheaterstudium ganz von vorne angefangen werden, da die Routine es ermöglicht, die Arbeit in einzelne Schritte zu zerlegen und am Ende die Resultate zusammen zu fügen.

Bei Produktionen, welche viele Jahre immer wieder auf die Bühne gebracht werden, kann diese Routine nicht vermieden werden. So war in Wien Puccinis wunderbare Tosca am 10. Februar 2020 zum 616 Male auf der Bühne. Die Produktion inklusive Bühnenbild und Kostüme stammen aus dem Jahr 1958. (Premiere 3. April 1958) Regie führte Margarethe Wallmann. Am Pult war bei der Premiere Herbert von Karajan. Eine Produktion aus dem Jahre 1958 ist allerhöchstens noch geschichtlich interessant. Für die Weiterentwicklung des Musiktheaters sind so lange Laufzeiten nur hinderlich, auch wenn immer wieder andere Sängerinnen, Sänger und Dirigenten für die Vorstellungen zu gezogen werden.

Auch unter Felsenstein hatten erfolgreiche Produktionen lange Laufzeiten. Es wurde jedoch darauf geachtet, dass Routine, unabdingbar für einen reibungslosen Ablauf einer Vorstellung, die künstlerische Qualität nicht beeinträchtigte.

Walter Felsenstein verstarb am 8. Oktober 1975.

Götz Friedrich, in seinem Nachruf vom 17. Oktober 1975 (ZEIT Nr. 43/1975)

> Man müsste sehr genau und kritisch Rückschau und Umblick halten, um heute recht zu ermessen, was sich seit der Jahrhundertmitte durch Felsenstein verändert hat<.

Friedrich arbeitete zwanzig Jahr mit Felsenstein zusammen. Auch ihm kommt es nach dieser Zeit fast selbstverständlich vor, was vor allem durch ihn klar und bewusst wurde.

Götz Friedrich meint dazu, dass die Oper darf nicht ein blödsinniger Tummelplatz von Schlamperei, Gedankenlosigkeit oder kulinarischer Eitelkeit sein dürfe. Sie berge einen tiefen Sinn, auch und gerade in den scheinbar unsinnigsten Kombinationen. Ferner dürfe nicht vergessen werden, dass Oper Theater sei, Theater der besonderen Art. Die Oper muss dramaturgischen Gesetzen gehorchen und ist menschlichen und gesellschaftlichen Wahrheiten verpflichtet, aber durch Musik auf andere Art als das Sprechtheater.

Ich bin der Meinung, dass sehr viele der jungen und weniger jungen Regisseurinnen und Regisseure viele Ansätze Felsensteins übernommen haben. Und dies hat das Musiktheater, Theater ganz allgemein weitergebracht. Wobei die zeitgenössischen Ansätze von Kritikern oft als Regietheater im negativen Sinn bezeichnet werden. Jede Produktion ist Regietheater. Der Regisseur Olivier Py in einem Gespräch mit mir: > Die negative Besetzung des Begriffs Regietheater ist nur durch die Presse entstanden. Jedes Theater ist Regietheater<.

Gustav Mahler, Intendant und erster Kapellmeister der K+ K Hofoper Wien1897- 1907:

>Tradition ist nicht die Anbetung der Asche, sondern das Weiterreichen des Feuers<!

 

Peter Heuberger, Basel

EDITION WALTER FELSENSTEIN                                                        

Arthaus Musik 2008

MUSIKTHEATER     

Autoren: Walter Felsenstein / Siegfried Melchinger                                                        

Erschienen im Carl Schünemann Verlag Bremen, 1963

 

DER OPERNFREUND  | opera@e.mail.de