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RIGOLETTO                    

Aufführungen am 25. und 27.5. (Premiere und Reprise)

 

Die Geschichte des Hauses in der Hauptstadt der Baleareninsel Menorca geht auf 1829 zurück, womit es sich um Spaniens ältestes bestehendes Theater handelt. 2001 wurde es generalüberholt, sodass es nun nicht nur den heutigen baupolizeilichen Vorschriften entspricht, sondern auch mit Aufzügen versehen wurde. Auch bequeme Garderoben für die Künstler fehlen in dem 847 Zuschauer fassenden Haus nicht, dessen Saal in der klassischen Hufeisenform all'italiana mit seinen vier Rängen eine Augenweide ist. Bühne und Orchestergraben sind nicht allzu groß, reichen aber allemal aus, um eine Oper mit „normaler“ Orchesterbesetzung zu bringen.

Die Opernfreunde Menorcas schlossen sich vor Jahrzehnten zu einer Gesellschaft (Fundació Menorquina de L'Òpera) zusammen, die – mit kleinen öffentlichen Zuschüssen, aber ansonsten privat aufgebrachten Mitteln – einmal jährlich eine Produktion auf die Beine stellt, die zweimal gegeben wird. Heuer handelt es sich um die 47. (!) Stagione, und die Wahl fiel nach etlichen Jahren mit anderen Werken neuerlich auf „Rigoletto“ (dessen Erstaufführung in Mahón 1855 erfolgte, also vier Jahre nach der Uraufführung 1851 in Venedig).

Massimo Gasparon, ein Mitarbeiter des berühmten, trotz seiner fast 90 Jahre noch unverdrossen tätigen Pier Luigi Pizzi, hatte schon wiederholt im Teatre Principal gearbeitet und ist ein Routinier im positiven Sinn des Wortes, der genau weiß, wie er Auftritte und Abgänge zu regeln hat, dabei aber auch interessante Ideen einbringt. So mimten etwa vier Höflinge während des Chors, der dem Herzog von Gildas Entführung berichtet, eben diese und unterstrichen damit den Zynismus ihrer Handlungen. Auch Maddalena, die den Herzog, der aus seinem „Breve sonno“ erwacht ist, heimlich aus dem Haus führt, um ihn ganz sicher vor ihrem Bruder und dem Hofnarren zu retten, ist scharf charakterisiert. Wer für die funktionellen Bühnenbilder und Kostüme verantwortlich war, stand leider nicht auf dem Programmzettel.

Mir wurde von mehreren Seiten versichert, dass nach einer Woche musikalischer Proben das Orquestra Simfónica de les Illes Balears nicht wiederzuerkennen war, so sehr hatte sich seine Leistung gesteigert. Dies war dem unermüdlichen Matteo Beltrami zu verdanken, der die Orchestermusiker nicht nur zu sehr sauberem Spiel anhielt, sondern ihnen auch Feuer und Eleganz entlockte. Besonders beeindruckten etwa die Lyrismen in „Veglia o donna“ oder „Piangi, fanciulla“, aber auch die drohenden Töne des Gewitters im 3. Akt. Mit dem Mongolen Amartuvshin Enkhbat hatte man einen Vertreter der Titelrolle, der nicht nur mit seinem riesigen Qualitätsbariton beeindruckte, sondern auch hohe Gesangskultur und wunderbare Pianopassagen hören ließ. Auch szenisch war er äußerst beweglich und bestätigte mit dieser Leistung den starken Eindruck, den ich von ihm als Nabucco gewonnen hatte (s. „Merker“/März 2018). Seine Gilda Jessica Nuccio (aus Sizilien) war ein richtig liebes junges Mädchen, ganz verwirrt vom Glück der ersten Liebe, das sie mit klarem Sopran und in „Caro nome“ mit expressiver Koloratur zum Ausdruck brachte.

Sizilianer ist auch Ivan Magrì, ein draufgängerischer Herzog, dessen Schwäche für das schöne Geschlecht direkt sympathisch wirkte, was auch mit den strahlenden Tönen seines höhensicheren Tenors zusammenhing. Ein echter Bass (von denen es heute ja nur wenige gibt) ist der junge Neapolitaner Antonio Di Matteo, der dem Sparafucile besonders bedrohliche Töne schenkte. Eine darstellerisch und stimmlich nachdrückliche Maddalena mit hochinteressantem Mezzomaterial war die aus Valencia stammende Ana Ibarra. Erwähnenswert der donnernde Monterone von Jeroboam Tejera und der frische Matteo Borsa von David Fruci. Die anderen Kleinrollen wurden ehrenvoll von Mitgliedern des mit viel Einsatz singenden Cor dels Amics de S'Òpera de Maó (Einstudierung: Cristina Álvarez) übernommen.

Großer, anhaltender Jubel, begleitet von Getrampel, dankte an beiden Abenden den Künstlern. Es war schön, diese unverfälschte Freude an der Oper zu erleben.                       

Eva Pleus 30.5.18

P.S. In Mahon ist alles noch traditionell geprägt - auch die Fotografie.

Bilder (c)  Tomàs Rotger / Teatre Principal de Maó

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