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Gastspiel Detmolder „Tosca“-Produktion

Premiere: Landestheater Detmold, 13.04.2018

besuchte Vorstellung: Gütersloh, 21.04.2018

Düsterer Krimi

Lieber Opernfreund-Freund,

vor zehn Jahren ließ die Stadt Gütersloh nach langem Ringen um einen Nachfolgebau des 2003 aus Sicherheitsgründen geschlossenen Theaters und Dank finanzieller Förderung durch die ortsansässigen Unternehmen Bertelsmann und Miele, die zusammen mit zahlreicher Privatpersonen rund 25% der Kosten übernommen hatten, den Grundstein zu einem imposanten Neubau legen, der auf den ersten Blick weder ins Stadtbild - in direkter Nachbarschaft befindet sich die den zweifelhaften Charme der 80er ausstrahlende Stadthalle - noch irgendwie zu Stadt selbst passen mag. Und doch - oder gerade deshalb - ist dieses Theater, dessen Entwurf unverkennbar aus der Feder des Hamburger Architekten Jörg Friedrich stammt, der ebenfalls die Vorlage zum ähnlich aufgebauten Theater in Erfurt mit seinem rund in einem Glaskubus platzierten Theatersaal realisiert hatte, einen Besuch wert. Schon beim Betreten hat man eher den Eindruck, in ein Museum als in einen Theaterbau zu gehen; allein der Aufgang über die fast schwebend wirkende Wendeltreppe zur Skylobby im Obergeschoss mit ihrer ganz in cleanem Weiß gehaltenen Bar samt Dachterrasse mit atemberaubendem Blick ist ein Erlebnis - und so scheint dieses besuchenswerte Theater irgendwie in eine Metropole zu gehören und nicht in die ostwestfälische Kreisstadt.

Ähnlich beeindruckend - und deshalb erwähne ich es ungewöhnlicherweise direkt am Anfang - scheint der strahlende Tenor des Südkoreaners Ji-Woon Kim mit seiner Strahlkraft, seinem in der Mittellage an den umschmeichelnden Ton von Jonas Kaufmann erinnernden Timbre, seiner klaren Höhe und seiner inbrünstigen Darstellung auf eine größere Bühne zu gehören - und er wird seinen Weg dahin sicher finden, so überzeugend war sein gestern präsentierter Cavaradossi. Im düsteren Bühnenbild, in dem Ernö Weil Puccinis kraftvolles Drama ansiedelt, leuchtet seine Interpretation ähnlich stark, wie Toscas mit rotem Tüll überspanntes Kleid, das sich im zweiten Akt im scheinbar aus lackglänzendem Marmor bestehenden Interieur des Palazzo Farnese als einziger Farbklecks von allen Seiten spiegelt. Die Ausstatterin Karin Fritz überzeugt schon im ersten Akt mit einer gelungenen und obskuren Darstellung der Kirche Sant Andrea della Valle und auch Regisseur Ernö Weil lässt das, worum es geht, nicht selten bewusst im Dunkeln. Das Portrait der Magdalena, die Statue Madonna, ja selbst die Erschießung von Mario im letzten Bild wird von großen Säulen verdeckt und so wird das Verborgene zum Kern von Weils Regieansatz. Die gekonnte Personenführung bis hin zum letzten mafiös erscheinenden Schergen von Polizeichef Scarpia macht Puccinis Werk so zum düsteren Krimi.

Der helle Sopran von Megan Maria Hart ist für die Tosca ein wenig zu leicht, scheint eher zu einer Gilda zu passen, auch wenn sich die Sopranistin gerade im unteren Register recht eindrucksvoll präsentiert. Das „Vissi d’arte“ - übrigens das erste, das ich je live erlebt habe, das nicht mit einem Szenenapplaus gewürdigt wurde (liegt’s an Ostwestfalen?) - gelingt ihr vorzüglich, denn auch wenn die Höhe nicht ganz frei von Schärfe ist, ist der Ausdruck das Pfund, mit dem die Amerikanerin wuchern kann. Ihre schauspielerische Darstellung dieser vielschichtigen Figur ist dann auch mit die eindrucksvollste, die ich seit langem gesehen habe. Sandor Bella zeichnet den Scarpia mit ebenso viel Leidenschaft und verleiht im darüber hinaus auch stimmlich Gewicht. Der selbstverliebte, machthungrige Fiesling ist so bei ihm in den besten Händen.

Olli Rasanen ist ein eindrucksvoller Angelotti, Michael Zehe ein so präsenter wie unterhaltsamer Mesner und Markus Gruber gelingt der schmierige Spoletta ebenso vorzüglich. Der Chor, von Francesco Damiani einstudiert, ist gut disponiert und auch Lutz Rademacher zeigt im Graben eine farbenreiche, oft neu wirkendes Interpretation der an sich oft zu hörenden Partitur. Und doch verblasst alles neben Ji-Woon Kim als Mario Cavaradossi - und dem beeindruckenden Theaterbau von Jörg Friedrich als Kulisse.

Ihr Jochen Rüth 22.04.2018

Die Fotos stammen von Klaus Lefebvre und zeigen zum Teil die Alternativbesetzung.

 

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