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Flashdance – Das Musical

Capitol Theater Düsseldorf, Premiere: 10.10.2018

„What a feeling!“

Mit dem Musical „Flashdance“ feierte die schwedische Entertainment- und Produktionsgesellschaft „2entertain“ am 20. September 2018 im Hamburger Mehr! Theater ihren Markteintritt in Deutschland. Am vergangenen Mittwoch fand nun die Premiere im Düsseldorfer Capitol Theater statt, wo das Stück bis zum 21. Oktober 2018 gastieren wird, weitere Stationen in Salzburg, Bremen, Frankfurt, Wien, Bamberg, Berlin, Mannheim und Hannover folgen. Soweit zu den örtlichen Gegebenheiten, versetzen wir uns nun zurück in die 80er Jahre, die Zeit in der die bekannte Filmvorlage entstand. Die junge Schweißerin Alexandra „Alex“ Owens hat viele Träume, vor allem aber will sie Unabhängigkeit erlangen und ihre große Liebe finden. Doch auch die Aufnahme an der Shipley Tanzakademie in Pittsburgh steht bei ihr auf der Liste der Träume. Daher jobbt sie abends nach der harten Arbeit in der Fabrik noch als Tänzerin in der benachbarten Bar „Harrys“. Doch die Auftritte sind mehr als nur bloßer Broterwerb, hier kann sie ihre Leidenschaft für das Tanzen ausleben. Durch eine Affäre mit ihrem Chef Nick Hurley nehmen die Dinge plötzlich Fahrt auf, doch wohin geht die Reise? Auch wenn das vermeintliche Happy End in diesem „Feel-Good-Musical“ bereits von Anfang an feststeht, entwickelt sich bis dahin doch eine ereignisreiche Liebesbeziehung mit einigen Höhen und Tiefen. Und auch ihre alte Tanzlehrerin Hannah hat im entscheidenden Moment großen Einfluss auf den Fortgang der Ereignisse.

Im Juli 2008, ziemlich genau 25 Jahre nach dem Film fand im Royal Theatre Plymouth die Weltpremiere der Musicalversion statt, die nun als modernisierte Fassung auch in Deutschland zu sehen ist. Dabei bietet dieses Musical alles, was man in diesem Genre erwarten darf, von großen Chorszenen bis zu hinreißenden Balladen, meist poppig und rockig, hin und wieder aber auch durchaus mal gefühlvoll leise. Bis auf die bekannten Klassiker „Flashdance – What a Feeling“, „Gloria“, „I love Rock’n Roll“ oder „Maniac“ wurde das Stück komplett ins Deutsche übersetzt, wobei die Übersetzung von Anja Hauptmann bei Sprech- und Songtexten eine gute Figur abgibt. Auch wenn das Stück vor der Pause stellenweise noch etwas vor sich hinplätschert - alles ist zwar sehr nett anzusehen, aber irgendwie will der Funke noch nicht so recht überspringen - ändert sich dies nach der Pause schlagartig. Hier nimmt die Inszenierung richtig Fahrt auf und weiß zu begeistern. Auch die Musik von Robbie Roth weiß in den eigens für das Musical komponierten Werken zu gefallen. Ein echter Hingucker sind die glasklaren Videoprojektionen, die man in einer derartigen Qualität selten gesehen hat und die das tourtaugliche Bühnenbild von Andreas Bini veredeln.

Hier wirkt nichts billig, im Gegenteil, 5 Sattelschlepper transportieren die Bühne und das Equipment der Tour und allein die Einbauten, die unter die Theaterdecke montiert werden wiegen rund 11 Tonnen. Sehr beindruckend auch, auf welche Weise eine Schwebebühne immer wieder integriert wird und wie alles mit der Lichttechnik von Palle Palmé harmoniert. Die gesamte Inszenierung von Anders Albien kommt flott daher und die Choreographien von Jennie Widegren wissen zu gefallen. Oskar Johansson liefert den passenden Sound für die Show, welcher von einer Band live gespielt wird, im kommerziellen Theater heute auch nicht mehr selbstverständlich. Sehr nett in diesem Zusammenhang auch die Kameraschwenks über die Musiker auf der großen Videowand ganz am Ende nach dem Schlussapplaus.
In der Hauptrolle der Alex zeigt Ann Sopie Dürmeyer echtes Musicaltalent. Dass bei einer ehemaligen Teilnehmerin am Eurovision Song Contest der Gesang „sitzt“ darf erwartet werden, doch auch im Schauspiel kann sie durchaus überzeugen, was nicht immer der Fall ist. Ihr zur Seite steht der langjährige Musicaldarsteller Sasha Di Capri als Nick Hurley. Schön auch zu hören, dass beide Stimmen in den Duetten gut harmonieren. Regina Venus gibt eine liebenswerte Hannah, Joachim Kaiser einen nicht minder liebenswerten Harry.

Auch Alex Freundinnen Gloria (Claudia Artner), Kiki (Ira Theofanidis) und Tess (Olivia Kate Ward) wissen zu gefallen, Tanja Rübcke glänzt in der Rolle der Altenpflegerin Louise und gibt nebenbei noch die Schuldirektorin Ms, Wilde. Abgerundet werden die Solisten durch Michael Sattler als zwielichtiger Barbesitzer C.C. und Konstantin Busack als (rollenbedingt) nicht witziger Comedian Jimmy. Für alle Darsteller gab es noch während der Schlussnummer stehende Ovationen, das erlebt man selbst bei Premieren auch nicht allzu oft.
Insgesamt gelingt „2entertain“ mit Flashdance ein sehr gelungener Einstand in den sicherlich nicht einfachen Markt der hochwertigen kommerziellen Musicaltouren, hier darf man gespannt sein auf zukünftige Projekte, aber erstmal soll es auch 2019 mit Flashdance weitergehen, ein Besuch lohnt sich.

Markus Lamers, 13.10.2018
Bilder: © Morris Mac Matzen Photography – Nadja Schweiwiller

 

 

David Bowie

LAZARUS

DE 3.2.2018 im Schauspielhaus

David Bowies Seelenflug

Interssanter WDR Link


Nur rund einen Monat vor David Bowies Tod fand im Dezember 2015 am New Yorker Off-Broadway vor nur rund 200 Zuschauern die Premiere seines letzten Werkes statt. Das Musical Lazarus entwickelte Bowie, zu dieser Zeit schon schwer krank, zusammen mit dem irischen Dramatiker Enda Walsh. Herausgekommen ist hierbei ein ebenso poetisches verrätseltes wie auch gelegentlich verwirrendes Werk. Die Handlung knüpft hierbei an den Film „Der Mann der vom Himmel fiel“ aus dem Jahre 1976 an, in dem David Bowie seinerzeit selbst die Rolle des Thomas Jerome Newton verkörperte. Auf der Suche nach Wasser für seinen Heimatplaneten war der Außerirdische Newton auf der Erde gelandet, verliebte sich hier in die schöne Mary Lou, plante seine Rückkehr in die Heimat und zerbrach schließlich an der Kälte der Menschheit. Das Musical beginnt nun damit, dass Newton noch immer auf der Erde weilt. Nach einem steilen Karriereaufstieg hat sich Newton inzwischen in seine Villa zurückgezogen.

Äußerlich nicht gealtert, da Außerirdische in der hier verwendeten Form ähnlich den Vampiren unsterblich sind. Und genau hier liegt das Problem, Newton wird von den Dämonen seiner Vergangenheit gequält, die er mit Alkohol ertränken will. Er sehnt sich zunehmend nach Erlösung und einer Rückkehr in seine Heimat. Als plötzlich ein junges Mädchen in sein Leben tritt, ebenso wie er offenbar eine verlorene Seele, schöpft er neue Hoffnung, dass sie ihm den Traum der Heimkehr erfüllen kann. Doch was ist noch Realität und was ist nur Einbildung, die Grenze zwischen inneren und äußeren Bildern verschwimmt im Verlaufe des Stückes immer mehr und es entwickelt sich daraus der „Seelenflug eines zwischen Leben und Tod schwebenden Rockstar-Aliens“. Insbesondere der Zusammenhang zu Bowies eigenem bevorstehenden Tod, öffnet hier einen breiten Spielraum für diverse Interpretationen dieses sehr sehenswerten Stück Musiktheater in dem eigens komponierte Songs auf große Bowie-Klassiker in einem neuen Gewand treffen.

Dem sich unter Generalintendant Wilfried Schulz trotz der derzeit widrigen Umstände in der Landeshauptstadt hervorragend entwickelnden Düsseldorfer Schauspielhaus gelang es nun, sich die Rechte für die deutschsprachige Erstaufführung dieses Musicals zu sichern. Für die Regie konnte hierbei kein geringerer als Matthias Hartmann gewonnen werden. Ein echter Glücksfall, was sich im Laufe des Abends zeigen sollte, denn Hartmann gelingt eine spannende und dichte Inszenierung, dieses durchaus teilweise wirr wirkenden Stoffes. Zusammen mit Bühnenbildner Volker Hintermeier und den Videodesignern Stephan Komitsch und Roman Kuskowski lässt er das Stück vor allem in Newtons Wohnzimmer spielen, welches in Form einer Rakete gebaut ist. Auf den beiden großen Videowänden rechts und links werden durch die im Stück eigensetzte Livekamera grandiose Bilder gezaubert. Eine weitere kleinere Videowand kann im Kreis rund um das Wohnzimmer auf der unteren Ebene fahren und so immer wieder neue Räume schaffen. Fabelhaft, denn allein die Regie und Videoprojektionen wären einen Besuch in der „Baustelle Düsseldorfer Schauspielhaus“ wert.

Doch auch die musikalische Darbietung kann vollends überzeugen. Mit dem Norweger Hans Petter Melø Dahl hat man einen Hauptdarsteller verpflichten können, der Bowie sogar recht ähnlichsieht, mit einer perfekten Aussprache der deutschen Texte überzeugt und gesanglich trotz Bronchitis am Premierenabend eine hervorragende Leistung abliefert. In weiteren wichtigen Rollen stehen im Lieke Hoppe als „Girl“, André Kaczmarczyk als Todesengel Valentine und Rosa Enskat als Newtons Angestellte Elly zur Seite. Sie überzeugen wie das gesamte restliche Ensemble und lassen so Bowies Musik lebendig werden. Unter der musikalischen Leitung von Heinz Hox spielt die achtköpfige Band ebenfalls zur vollsten Zufriedenheit, sehr schön hierbei auch die Regie-Umsetzung das bei einzelnen Instrumentensoli die Musiker ganz besonders „ins rechte Licht“ gerückt werden.

Insgesamt bietet Lazarus einen interessanten Theaterabend bei dem die gut zwei Stunden ohne Pause nicht nur gut unterhalten sondern auch zum Nachdenken und Diskutieren anregen auch wenn oder gerade weil einige Dinge in diesem Werk nicht oder nicht leicht verständlich daherkommen. Prädikat, sehenswert. Dies fand auch das Premierenpublikum im aus allen Nähten platzenden Schauspielhaus und spendete einen sehr langen und enthusiastischen Applaus für alle Beteiligten.
Markus Lamers, 04.02.2018
Fotos: © Lucie Jansch

 

 

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