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BRÜNN / BRNO Národní divadlo Brno / MAHEN-THEATER

 

 

 

PIQUE DAME

Spannendes Musiktheater mit einer Opernlegende

1. 3. 2018 (4. Vorstellung nach der Premiere vom 17. 2. 2018)

Wenn man als österreichischer Opernfreund zum ersten Male das wunderschöne Brünner Mahen-Theater besucht, dann muss natürlich ein wenig Theatergeschichte dem Bericht über die Aufführung vorangestellt werden. Der Theaterbau wurde von dem europaweit tätigen Wiener Architekturbüro Fellner&Helmer errichtet und als Deutsches Stadttheater im Jahre 1882 mit Goethes Egmont eröffnet. Dazu ein Wikipedia-Zitat : Das zunächst als Deutsches Stadttheater erbaute Haus wurde in der Folge der 1861–1863 durchgeführten Entfestigung Brünns und der Errichtung einer Ringstraße (nach Wiener Vorbild) auf dem Obstmarkt (heute: Malinovsky-Platz) erbaut. Bis 1918 und während des Protektorats hatte es die Funktion, für die deutschsprachige Bevölkerung in deutscher Sprache zu spielen. Anschließend übernahm dieses repräsentative Haus die Funktion des Tschechischen Nationaltheaters und hieß zunächst Theater auf den Schanzen (1918–1945), anschließend Janáček-Oper (1945–1946), Janáček-Theater(1946–1965).

Seit 1965 ist es nach dem tschechischen Dramatiker Jiří Mahen benannt, der nach der Besetzung der Tschechoslowakei durch die deutsche Armee den Freitod wählte. Das Stadttheater in Brünn wurde als erstes Theater nach den infolge des Wiener Ringtheaterbrandes (1881) erhöhten Sicherheitsvorschriften  frei stehend errichtet. Es war zudem das erste voll elektrisch beleuchtete Theater auf dem europäischen Kontinent. In den 1970er Jahren wurde das Gebäude generalsaniert. Statt der ursprünglichen 1195 Sitze gibt es nun komfortable 572 Sitze. Für Opernfreunde ist noch erwähnenswert, dass sowohl Leo Slezak als auch Maria Jeritza ihre Karriere in diesem Theater begannen. Den beiden  ist im Parterre des Mahen-Theaters ein eigener Gedenkraum gewidmet.

Und damit kommen wir zu den Interpreten der heutigen Zeit.

Kurz zusammengefasst: den Stimmglanz eines Slezak oder einer Jeritza kann die Brünner Oper diesmal nicht bieten, aber immerhin ein spannungsvoll-konsequentes szenisches Konzept mit zumindest zwei Bühnenpersönlichkeiten von überregionalem Rang - sonst gab es überwiegend musikalisches Mittelmaß. Der Regisseur des Abends (und Direktor des Nationaltheaters Brünn) Martin Glaser  lässt das Stück vor einer halbrunden Polsterwand (Bühne: Pavel Borák, Kostüme: Markéta Sládečková-Oslzlá) im Krankenbett des vom Wahnsinn befallenen Hermann spielen. Im Programmheft liest man: Splitter von Bildern kehren Sekunden vor dem Tod zurück...völlig verzerrt….

Hermann wird mit seinem Bett durch die Bilder seines Wahns geschoben. Das Bett ist in allen Szenen präsent - Hermann erlebt in fast Wozzeck-gleicher und naiv-staunender Manier einen grellen Bilderbogen, in dem die alte Gräfin dreifach - in drei Lebensaltern - erscheint und neben Hermann die zweite dominante Figur des Abends ist.

Die im 93. Lebensjahr stehende Soňa Červená ist die überaus beeindruckende uralte Gräfin. Ihre beiden jüngeren Inkarnationen -  Jitka Zerhauová als „mittlere“(stimmlich sehr gute) und Veronika Hajnová Fialová als junge Gräfin -  sterben, die eine im Erschrecken vor Hermann, die Junge im Tanz mit den todesgleichen Soldaten.  Soňa Červená - gleichsam ein Urmythos des Übersinnlichen - reicht am Ende Hermann die Pistole, mit der er sich selbst tötet. Der Mythos der alten Gräfin existiert weiter - unberührt von allem, was um sie geschieht. Die Gesangspartie der Gräfin ist auf die drei Protagonistinnen aufgeteilt - Červená ist omnipräsent, bewegt oft zum Gesang der anderen die Lippen, selbst singt sie nur den Rückblick auf die verflossenen Lieben Le duc d’Orléans, le duc d’Ayen, le duc de Coigny. Die Regie konzentriert sich ganz auf die eindrucksvolle Červená, die mit markant-sprechendem Physiognomie und sparsamen Gesten, gestützt auf einen Rollator, großes Musiktheater vermittelte. Červená hatte vor 65 (!) Jahren in Brünn in der Pique Dame die Paulina gesungen, bevor sie danach eine große weltweite Karriere machte.

Der italienische Tenor Gianluca Zampieri war der einzige an diesem Abend, der neben der großen Červená als eigenständige und überzeugende Bühnenpersönlichkeit bestehen konnte. Wenn auch durch die Regie recht eindimensional gezeichnet - es fehlte ja der Wandel vom jungen leidenschaftlichen Liebhaber zum vom Wahn befallenen Spieler -, verstand er es dennoch, der Figur Profil zu verleihen. Zampieri verfügt über einen gewichtigen Heldentenor (er hat ja auch schon weltweit Tristan, Tannhäuser, Otello… gesungen), dem er aber auch geradezu überraschend zarte Pianophrasen abzugewinnen versteht. Das war eine respektable Leistung auf internationalem Niveau. Seine Lisa ist Lucie Hájková , eine auf allen tschechischen Opernbühnen mit einem breiten Repertoire präsente Sopranistin. Sie meistert die Partie mit Anstand, wenn ihr auch das romantisch-zarte Jungmädchenhafte fehlt. Die Regie schien sich mit dieser Figur nicht sehr auseinandergesetzt zu haben. Lisa bleibt im Spiel eine Randfigur - selbst ihr Selbstmord bleibt unbemerkt.

In den weiblichen Nebenrollen fällt die Paulina mit dem warmen und präzis geführten Mezzo  von Jana Hrochová positiv auf. Leider haben Pavol Remenár als Tomski, vor allem aber auch  Igor Loškár als Jelezki wenig stimmliches Profil. Igor Loškár fällt durch blendende Bühnenerscheinung auf, man vermisst aber in seiner großen Szene zu Beginn des 2. Aktes allzu sehr den erforderlichen breitströmenden baritonalen Wohlklang. Die übrigen Offiziere sind stimmlich und darstellerisch gebührend karikierend-prägnante Figuren.

Chor und Kinderchor waren engagiert und stimmkräftig, wenn auch nicht immer allzu präzis. Die musikalische Gesamtleitung hatte erstmals der junge Ondrej Olos  übernommen. Das Brünner Opernorchester (im tiefliegenden Orchestergraben) spielte sicher, wenn man sich bei Tschaikowsky auch mehr Klangbrillanz und Eleganz wünschen könnte. Interessant und erfreulich war jedenfalls, dass das Werk praktisch  ungekürzt erklang. Sogar das umfangreiche Schäferspiel zu Beginn des zweiten Aktes wurde nicht gekürzt und bot einen durchaus effektvollen grell-bunten Kontrapunkt, wird doch in diesem Intermezzo der Sieg der Liebe über das Gold besungen, während in der Oper selbst genau das Gegenteil eintritt. Die Musik ist reizvoll und man versteht die Äußerung Tschaikowskys, der beim Komponieren dieses Divertissements in sein Tagebuch schrieb: Ich fühle mich, als würde ich im 18. Jahrhundert leben und als wäre nach Mozart nichts und niemand mehr da.

Die Aufführung im ausverkauften Haus (mit viel interessierter Jugend) erhielt großen Beifall. Deutschen und österreichischen Opernfreunden kann nur empfohlen werden, dem Mahen-Theater in Brünn fallweise einen Besuch abzustatten - die Reise lohnt. Von Wien aus ist Brünn in eineinhalb Stunden mit der Bahn bequem zu erreichen. Und außerdem hat Tschechiens zweitgrößte Stadt eine sehr reizvolle Altstadt. Im Hof der eindrucksvollen Festung Spielberg (sie wird im Augenblick gerade stilgerecht restauriert) unmittelbar oberhalb der Altstadt gibt es im Sommer Konzerte und Opernaufführungen.

Hermann Becke, 3. 3. 2018

Szenenfotos: Národnì divadlo Brno, © Olbrzymek

Hinweis:

-        Auch wenn man nicht Tschechisch kann, vermittelt der kurze TV-Bericht ein gutes Bild der eindrucksvollen Bühnenpersönlichkeit von Soňa Červená - und zusätzlich einen Einblick in die Inszenierung

-        Die Oper Brünn hat eine informative, auch auf Deutsch verfügbare Website

-        Tourismusinformationen über Brünn

 

 

 

 

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