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04.06.2021 - Konzertsaal des Kulturpalastes Dresden

Arcadi Volodos eröffnete die LIVE-Konzerte der Dresdner Musikfestspiele 2021

Nach langer Konzertsaalabstinenz hatten die Dresdner Musikfestspiele in den Kulturpalast zum Livekonzert geladen. Und das gleich mit der Wucht eines Arcadi Volodos. Im Jahre 1996 war beim 11. Kissinger Sommer als Gastland Russland ausgeschrieben und die umtriebige Gründungs-Intendantin Kari Kahl-Wolfsschläger hatte neben gestandenen Künstlern auch eine Reihe junger russischer Musiker nach Franken geholt. Nach meiner Erinnerung war auch Arcadi Volodos zum ersten Mal nach Bad Kissingen gekommen und hatte auf Anhieb begeistert.

Seit konnten wir den inzwischen 49-Jährigen Ausnahmepianisten häufiger in Bad Kissingen, aber auch in Leipzig und Dresden als Solisten in Orchesterkonzerten und mit Rezitals erleben und seinen Weg zur inzwischen erlangten Meisterschaft verfolgen.

Volodos verdankt seine Karriere nicht dem Preis eines internationalen Wettbewerbs, sondern einem glücklichen Zufall. Der Leiter einer internationalen Schallplattengesellschaft hatte sein Spiel in einem privaten Rahmen gehört, sein überragendes Talent erkannt und ihm den Weg auf die internationalen Podien geebnet. Heute spielt er einfach das, was er spielen möchte. Die Komponisten, deren Musik er spielt, muss er bedingungslos lieben und ihr Schaffen in seiner Gesamtheit erfassen.

 

Beim Dresdner Klavierabend stand zunächst Franz Schuberts Sonate für Klavier G-Dur 834 op. 78 aus dem Jahre 1826 auf dem Programm. Obwohl insbesondere der Sommer 1826 für den 29-jährigen Komponisten eine Zeit der Enttäuschungen war, gilt das Werk als seine heiterste späte Sonate. Mit dem breitesten Dynamikspektrum aller Schubert Sonaten betont er ausdrücklich, dass dieses Werk für ein für seine Zeit modernes Instrument „fürs Pianoforte allein“ komponiert worden ist. Ganz unprätentiös, ohne große Gesten betrat der Pianist das Konzertpodium des abgedunkelten Saales und nahm, nach sparsamer Begrüßung des ausgedünnten Publikums auf einem gewöhnlichen Kantinenstuhl am Steinway-Konzertflügel Platz.

Den oft als „Fantasie“ bezeichneten Kopfsatz begann Volodos tänzerisch heiter, recht frei im Tempo und ungemein plastisch. Dem folgenden Andante verlieh er mehr Tiefe, innere Beteiligung und schöne Farbschattierungen, während der dritte Satz wieder betont liedhaft-tänzerisch angelegt war. Den Schluss-Satz habe ich dann als konfliktarm und gelöst empfunden.

 

Den Sommer des Jahres 1893 verbrachte der 59-jährige Johannes Brahms wieder in Bad Ischl. Dort komponierte er die Zyklen op. 118 und op. 119 für Klavier solo. Dabei ragten besonders die sechs Klavierstücke op. 118 dank größerer stilistischer Vielfalt gegenüber früheren Zyklen heraus. Auch mit der Namensgebung der Stücke wählte der Komponist nach längeren Überlegungen individuellere Titel. Arcadi Volodos präsentierte sich bei der Interpretation der sechs Stücke op. 118 mit seinem vielschichtigem Spiel, das innigen Ausdruck mit brillanter Virtuosität vereinte, als reifen Künstler. Die technische Perfektion, kraftvoller Anschlag in den dramatischen Passagen, traumhaftes Pianissimo und Wille zum Innehalten prägten die Darbietung. Meditative Klänge wechselten mit Passagen, die an ein größeres Orchester glauben lassen.

 

Nach stürmischem Beginn entwickelte sich das a-Moll-Intermezzo fast wie eine Ballade. Das folgende etwas verträumte A-Dur-Intermezzo op. 118/2 spielte Volodos romantisch drängend. Immer wieder musste sich die Melodie gegen die sich auftürmende Begleitung behaupten. Mit seinem Gespür für den der Ballade in g-Moll innewohnendem Rhythmus lauschte man auch dem dritten Stück. Eher modulierend entwickelte sich auch das kleingliederige Thema des f-Moll- Intermezzos op. 118/4. Eine straffe Klangregie ließ die Rahmenteile der Romanze op. 118/5 den verspielten fast versonnenen Mittelteil regelrecht umklammern. Die Orientierung am Verständnis für den Menschen Johannes Brahms, seiner jahrzehntelangen Auseinandersetzung mit seinem Werk, ließen die Hörer niemals in den Wohlklang der Musik eintauchen. Das abschließende Intermezzo in es-Moll mit den Anklängen an das Deutsche Requiem spielte Volodos dann deutlich zurückhaltender. Der langanhaltende Applaus des ausgehungerten Auditoriums war für Arcadi Volodos Anlass, sein Publikum mit fünf Zugaben zu verwöhnen. Gern hätten wir auch die im ausgeschriebenen „Vor-Corona-Programm“ enthaltene Sonate des italienischen, aber vorwiegend in England wirkenden Komponisten und Pianisten Muzio Clementi (1752-1832) gehört. Seine Musik ist mir bisher nur in „Konserven“ zugänglich gewesen. Clementi ist den Musikfreunden vor allem wegen des vom Kaiser Joseph II. am Weihnachtsabend 1781 eingefädelten Wettstreits mit Wolfgang Amadeus Mozart ein Begriff. Mozart habe sich zwar abfällig über die „Terzenpassagen ohne einen Kreuzer Gefühl oder Geschmack“ geäußert. Das hatte aber Mozart nicht gehindert, ein Thema aus einem Werk von Muzio Clementi in die ersten Takte seiner Ouvertüre zur „Zauberflöte“ einzubauen. Was den verbitterten Älteren zu einer Anmerkung am Kopftitel der Sonate op.47 veranlasste.

 

Thomas Thiemann, 05.06.2021

Bildautor: Marco Borggreve

 

 

 

Daniel Harding mit Gustav Mahler und der Sächsischen Staatskapelle beim MDR:

Datum der Konzertausstrahlung: 24. April 2021

 

Am 13. Februar 2020 wollte sich Daniel Harding im Festkonzert der sächsischen Staatskapelle eigentlich mit Gustav Mahlers zehnter Symphonie von den Dresdner Musikern zu einem Sabbatjahr verabschieden. Der mehrfach und gern erlebte Gastdirigent hatte keine Konzertverpflichtungen in der Saison 2020/21 übernommen und wollte sich einen Kindheitstraum erfüllen. Nachdem er eine Lizenz als Verkehrspilot erworben und bereits Erfahrungen als Co-Pilot gesammelt hatte, wollte er ein Jahr bei „Air France“ neue Erfahrungen und Eindrücke sammeln.

Wie so Viele, hat ihn aber auch Corona zur Notlandung gezwungen und ihn im Frühjahr 2021 zu seiner nächsten Mahlerinterpretation mit den Dresdner Musikern der Staatskapelle geführt. Hatte Daniel Harding vor der Zehnten im 4.Symphoniekonzert der Saison 2017/18 in Dresden bereits die 4. Symphonie Mahlers interpretiert, so dirigierte er im 9. Symphoniekonzert der Saison 2020/21 die MDR-Rundfunkproduktion Mahlers Fünfte. Die Komposition der 5. Symphonie Gustav Mahlers ist in den Urlaubs-Sommermonaten der Jahre 1901 und 1902 mit ihrem polyphonen Reichtum und innigen Wendungen entstanden. Die Flut an Ideen erforderte in den Folgejahren Schritte der Reduzierung. Noch wenige Monate vor seinem Tode habe Mahler Instrumentierungen der Fünften geändert.

Für uns war es eine Freude, die Sächsische Staatskapelle endlich einmal „unkonserviert“ zu hören, auch wenn das Klangbild wegen der breiteren Staffelung der Musiker etwas zerfasert erschien. Den Kopfsatz dirigierte Harding betont lyrisch, klagend, fast schleppend und brillierte dabei mit gekonnter Präzision. Damit erlaubt er dem Hörer, detailliert die Schönheit des Orchesterspiels zu verfolgen. Harding und das Orchester erfassten in der Folge die Details mit faszinierender Klarheit: das dramatische Blech des zweiten Satzes, die entzückenden Pizzicato und Fagott-Stellen im zentralen Scherzo. Das Solo-Horn spielte großartig und das Scherzo profitierte von Hardings Fähigkeit, wunderbare Streicher-Texturen zu gestalten. Dem Adagietto des Konzertes kam die besondere Bedeutung einer Erinnerung an den 20. Todestag von Giuseppe Sinopoli. Der Italiener war von 1992 bis zum Jahre 2001 Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle gewesen. Auch wollte das Orchester mit einem besonders lichten und warmen Adagietto den Verstorbenen der Corona-Pandemie gedenken. Damit entwickelte sich der vierte Satz der Symphonie zu einer zurückhaltenden vom Inneren nach außen transparenter Darbietung.

Der Finalsatz war lebendiger, rhythmischer und auf das Wunderbarste zu herrlichem Höhepunkt geführt. Möglicherweise war das dem Umstand geschuldet, dass Harding für die Rundfunkproduktion den Schluss-Satz am Beginn Arbeit einspielen ließ.

Das Konzert wurde am Freitag, den 23. April 2021 ab 20 Uhr 05 von MDR-Kultur und MDR-Klassik gesendet und kann in den Mediatheken von MDR-Kultur und MDR-Klassik abgerufen werden. Für die ferngehaltenen Konzertfreunde: einige Bilder vom Aufnahmeprozess der Konzertaufzeichnung.

 

Thomas Thielemann 24.04.2021

Bilder: (c) Matthias Creutziger

 

 

René Pape Konzert eröffnete eine neue open Air-Seebühne in Dresden

Mutige Konzertmanager realisieren mitten in der Corona-Pandemie eine besondere Kulturidee

 

Mit einem vier-Gänge-Menü und einigen Regenschauern eröffnete ein Konzert mit René Pape die neue Seebühne im Dresdner Event-Gebiet „Ostra-Gehege“.

Die mutige Event-Agentur „Golden Door“ hatte trotz einiger Querelen mitten in der Pandemie eine 170-Quadratmeter-Bühnenfläche aus dem See Boden gestampft, überdacht, illuminiert und zu einem beachtlichen Open-Air-Veranstaltungsort gestaltet

Alle Versuche die Eröffnung in den Sommer 2021 zu verschieben waren zum Scheitern gebracht worden.

Ein „Prague Royal Philharmonic“, das sich auf eine Gründung von Kaiser Rudolph II. (1552-1612) bezieht, spielte in einer Neuformation unter dem Generalmusikdirektor Heiko Mathias Förster mit viel Engagement populäre Klassik.

Die glanzvollen Höhepunkte des Abends schenkte uns aber mit der Sarastro-Arie aus der Zauberflöte, dem „Il lacerato spirito“ aus Simone Boccanegra, dem „Le veau d´op est toujour debout“ aus Faust und der Wassermann-Arie „Běda, běda“ aus Rusalka der in Pillnitz-Hosterwitz beheimatete Weltstar-Bassist René Pape. Mit seinem wunderbar fulminant strömendem Gesang, mal sanfter, mal mit edler Knorrigkeit, versöhnte er auch den von der Sächsischen Staatskapelle und der Philharmonie geschulten Teil der Besucher.

Dem breiten Publikum hat aber die gut vorbereitete Veranstaltung richtig gefallen und die Bürger sowie Besucher der Stadt haben einen weiteren Veranstaltungsort mit Niveau, in dem die Pandemie-Bedingungen für eine größere Menschengruppe eingehalten werden können.

 

Thomas Thielemann, 30.8.2020

Bilder-Copyright: Golden Door Eventagentur

 

 

DRESDEN/ Comödie im Schloss
 

THE ADDAMS FAMILY


31.7.2020

„Verrückt wird unterbewertet“, ist das Motto der Addams Family. Die morbide Sippschaft mit einer Vorliebe für Friedhöfe, Zugunglücke und andere Katastrophen trieb ihr Unwesen seit 1938 in den Cartoons, die Charles Addams für die Zeitschrift The New Yorker zeichnete. In den 1960er Jahren wurden sie in einer Fernsehserie von Schauspielern verkörpert, in den 1970ern und 1990ern gab es zwei Zeichentrickserien. In den 1990ern gab es nicht weniger als drei Spielfilme mit den Addams! Das Musical von Marshall Brickmann und Rick Elice (Buch) und Andrew Lippa (Songtexte und Musik) hatte 2009 in Chicago Première und lief 2010/11 am Broadway; 2014 fand die deutsche Erstaufführung statt.

In der letzten Zeit haben sich zwei kleinere deutsche Bühnen der monströsen Familie angenommen: Am Theater für Niedersachsen in Hildesheim kam das Musical im November 2018 heraus (Regie: April Hailer, musikalische Leitung: Andreas Unsicker), an der Comödie im Schloss in Dresden im Juli 2020 (Regie: Kerstin Poleske, musikalische Leitung: Andreas Goldmann; 40 Aufführungen bis Ende August). Beide Produktionen sind vergnüglich anzuschauen und anzuhören: Die fetzigen Songs (wie die Introduktion des ganzen Ensembles „Bist Du ein Addams“), die lyrischen Momente und die vielen Tanzeinlagen werden ansprechend dargeboten. Während Hildesheim sich weitgehend an die Fassung der Autoren hält, wurde in Dresden stärker ins Stück eingegriffen: Die Addams wurden nach Dresden versetzt („Rom, Mailand kann jeder – Übigau [der Stadttteil, in dem das Elbschloß steht] ist für die ganz Harten!“). Die Geister der Ahnen (mit großen Pappmasken) sind hier Figuren der sächsischen Geschichte, u.a. August der Starke und Karl May. – Zwei Figuren sind gestrichen: Vater Beineke weigert sich, zum Familiendinner zu kommen, weil ihm Vater Gomez Addams das Grundstück weggeschnappt hat, auf dem er ein „Zentrum für erneuerbare Energie“ bauen wollte; die Großmutter sitzt im Keller „in Quarantäne“ und macht sich nur gelegentlich durch Kraftausdrücke bemerkbar.

In Hildesheim spielte man im Theater, das Bühnenbild ist eine verschiebbare Treppe, die schnelle Verwandlungen ermöglicht. Die Kulisse für die Freilichtaufführung in Übigau bildet die Fassade des barocken Elbschlosses, an der Seite ein Friedhof mit dem Familiengrab der Addams.

Die Darsteller benötigen nur wenige Requisiten, das Spiel ist körperbetont, meist mit hohem Tempo, die gefühlvollen Nummern sorgen für Ruhepunkte.


Dresden: Ensemble

In den Cartoons von Charles Addams war Raul Gomez ein wohlbeleibter Herr. Hildesheim orientiert sich an diesem Vorbild; Alexander Prosek und seine Morticia (Marysol Ximénez-Carrillo) verkörpern ihre Rollen eindrucksvoll.


TfN: Alexander Prosek (Gomez Addams), Gerald Michael (Mal Beineke)

In Dresden ist Gomez Addams (Bert Callenbach) schlank, Typ schmieriger Latin Lover; er brilliert in seinen Tanzeinlagen, besonders in dem Tango, der ihn am Ende mit Morticia (Carolin Masur) versöhnt. Morticia ist die interessanteste Figur im Stück: Sie und ihr Mann sind verliebt wie am ersten Tag, obwohl (oder weil) sie ihn dominiert. Wenn er ihr, zum ersten Mal, nicht die Wahrheit sagt, bricht für sie eine Welt zusammen, sie will sterben, weil sie nicht mehr mit ihm leben kann („Ja, der Tod tritt um die Ecke“). Wenn sie dann erkennen muß, daß sie geworden ist wie ihre Mutter, ist das ein Choc, der die Wiederannäherung des Paares ermöglicht. Carolin Masur zeichnet ein differenziertes Portrait dieser schwierigen Frau.


Dresden: Carolin Masur (Morticia)

Die Tochter Wednesday (sie heißt Wednesday, weil es in einem Kinderlied heißt: „Wednesday’s child is full of woe“, Das Kind vom Mittwoch ist voller Weh) ist eine recht energische Person, die ihren Vater und den Liebhaber Lucas gut im Griff hat. Sie ist böse, wie es sich für ein Addams-Kind gehört, und erlegt mit ihrer Armbrust Kaninchen im Streichelzoo, aber nachdem sie Lukas kennengelernt hat, will sie die Kaninchen plötzlich streicheln („Er zieht mich auf neue Wege“). Sandra Pangl in Hildesheim, in ihrem ziemlich unvorteilhaften Kostüm mit der strengen Zopffrisur, glaubt man das raffinierte Lueder nicht so recht. Die reizende Susanne Mucha in Dresden fasziniert durch den Kontrast zwischen ihrem unschuldigen Aussehen und den schrecklichen Dingen, die sie tut.


TfN: Sandra Pangl (Wendesday), Jens Krause (Onkel Fester)


Dresden: Susanne Mucha (Wednesday)

In Hildesheim ist Wednesdays Verlobter Lucas Beineke (Nicolo Soller) ein typisch amerikanischer Junge, blond und optimistisch. Benjamin Mahns-Mary in Dresden, mit Haarknoten und Rock, wirkt ein bißchen feminin, was zum Rollenbild nicht recht paßt.

Ein letzter Höhepunkt ist, wenn der Butler Lurch, der sich den ganzen Abend ruckartig bewegt und nur gurgelnde Laute ausgestoßen hat (Michael Günther in Hildesheim sieht ein bißchen wie Frankensteins Monster aus), mit sonorem Baß (Philipp Richter) zu singen beginnt „Taucht hinab ins Dunkel und lacht“ und alle einstimmen. In Hildesheim (wo das Musical bis Anfang Juni 2019 lief) wie auch in Dresden wurde / wird das Stück vom Publikum begeistert aufgenommen.

Bilder (c) Robert Jentsch

Albert Gier, 9.8.2020

Besonderer Dank an unseren Kooperationspartner MERKER-online Wien

 

 

 

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