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GEORG PETEAN

Wir Sänger wollen, was wir tun

31.01.2019

 

Der rumänische Bariton Georg Petean ist dem Wiener Publikum in vielen Rollen vertraut, vor allem vielseitig bei Verdi als Macbeth, Rigoletto, Posa, Luna, Renato. In der kommenden Premiere von „Lucia di Lammermoor“ wird er als Lucias Bruder Enrico einen „Bösewicht“ der besonderen Art präsentieren. Und anschließend in Wien seinen ersten Tonio in „Bajazzo“ singen.

Mit Georg Petean sprach Renate Wagner – auf Deutsch, das der Sänger, der viele Jahre in Hamburg engagiert war und viel in Deutschland unterwegs ist, ausgezeichnet spricht.

 

Herr Petean, Ihre letzte Premiere an der Wiener Staatsoper war der Macbeth, berühmter Bösewicht und Verdi-Titelheld. In der Neuinszenierung der „Lucia di Lammermoor“ sind Sie der Enrico. Das scheint im Vergleich eine eher undankbare Rolle?

Gewissermaßen schon – das Interesse konzentriert sich auf Lucia und ihre Wahnsinnsarie, der Tenor Edgardo darf in der Schlussszene auf der Bühne sterben, und man weiß ja selbst, als Posa, dass nichts über eine schöne Sterbeszene geht. Bis dahin hat man Enrico, der Duette mit beiden hatte und das Sextett, eigentlich vergessen. Trotzdem bin ich nicht unglücklich, denn Enrico ist ein interessanter Charakter, zumal in dieser Inszenierung „aufgewertet“.

Was an ihm ist in dieser „Lucia di Lammermoor“ von Regisseur Laurent Pelly anders?

Das Traumhafte und Alptraumhafte, und dass Pelly meint, auch Enrico sei ein wenig verrückt, also Lucias Wahnsinn liege in der Familie. Und einen psychisch gestörten Menschen zu spielen, ist schon interessant. Es geht plötzlich nicht nur um Liebe und den bösen Bruder, sondern auch um Macht und Rache. In dem Duett Enrico-Edgardo hört man richtig, wie die beiden sich hassen…

Herr Petean, der Enrico kommt in Ihrer Karriere immer wieder. Erinnern Sie sich eigentlich noch an Ihre letzte Lucia in Wien im Jahr 2009?

Natürlich, das war noch die alte Inszenierung und Anna Netrebko in der Titelrolle. Und ich habe sehr bewundert, wie sie diese Rolle gesungen hat, obwohl sie zwar eine unglaubliche Stimme besitzt, die aber nicht typisch für die Lucia ist. Da kam so viel aus ihrer Persönlichkeit. Ich glaube, mein erster Enrico war 2001 in Düsseldorf, dann habe ich ihn in Frankfurt gesungen mit Joseph Calleja und Tatiana Lisnic, also immer wieder.

Es ist ja gar nicht so üblich, dass ein Sänger, der schon beim dramatischen Verdi angelangt ist, noch Belcanto-Partien in seinem Repertoire behält.

Ich mache das bewusst, ich habe erst vor ein paar Jahren den Riccardo Forth in den „Puritani“ in Zürich und Madrid gesungen, und mache demnächst „I Pirata“ in Madrid. Und den Rossini-Barbier singe ich immer noch – und den Macbeth und den Jago. Leo Nucci konnte das auch. Ich denke, das hält die Stimme fit. Wobei die Belcantisten ein bisschen zu tief für Baritone wie mich geschrieben haben – an sich ist Verdi ideal.

Enrico, Macbeth, Jago – sind Sie jetzt auf Bösewichte spezialisiert?

Man darf beispielsweise Jago nicht so eindimensional sehen, der ist ein besonderer Fall. Ihn von Anfang bis zum Ende „böse“ zu zeigen, das funktioniert nicht. Alle Welt nennt ihn den „guten Jago“ und vertraut ihm. Das ist ein Mann, der sich klug im Hintergrund hält und nur zweimal seinen Haß herauslässt, im Credo, das ja ein fürchterliches Bekenntnis der Gottlosigkeit ist, und wenn er Othello den Fuß auf den Nacken setzt… Aber ich kann nicht sagen, dass ich auf „Bösewichte“ spezialisiert wäre, die Rolle, die ich am meisten singe – bisher fast hundertmal – ist der Rigoletto, und das ist ja auch ein sehr interessanter, „gemischter“ Charakter wie die Bariton-Rollen meistens. Wichtig ist, dass man nicht nur auf die Bühne geht und eine Rolle herunter singt, sondern dass man ganz genau weiß und fühlt, was die Figur, die man darstellt, gerade tut.

Das gibt es ja Dirigenten-Spezialisten, die bei so etwas helfen, etwa derzeit bei „Lucia di Lammermoor“ Maestro Pido, der berühmt ist für seine Detailarbeit .

Das stimmt, und ich denke da auch an Riccardo Muti. Ich habe mit ihm den Simon Boccanegra in Rom machen dürfen, und das ist seither eine meiner Lieblingsrollen, weil Muti mir gezeigt hat, den Text wirklich Wort für Wort zu verstehen und ganz tief in die Psychologie der Figur einzudringen. An der Arbeit mit Evelino Pidò ist so spannend, dass er auch Wort für Wort die Originalpartitur befragt und dann nicht nur Striche aufgemacht sind, sondern man vieles auch neu und richtig lernen muss. Natürlich belässt er manches so, wie es sich eingebürgert hat, aber dieser Weg zwischen Tradition und Genauigkeit macht die Arbeit wirklich besonders.

Nun werden Sie ja an der Wiener Staatsoper im März mit dem Tonio in „Bajazzo“ eine neue Rolle kreieren – das passiert Ihnen ja nicht so oft?

Eher nicht, weil ich bei Verdi mein Repertoire weitgehend ausgeschritten habe, den Falstaff werde ich wohl nie machen oder wenn, dann in zehn, fünfzehn Jahren. Und was andere große Baritonrollen wie den Scarpia betrifft, so würde man schon wollen, aber der Verstand sagt: na ja… Aber den Tonio habe ich mir gewünscht, und das passiert ja nicht so oft, dass sich das erfüllt. Allerdings im Rahmen einer Repertoirevorstellung, also nicht so vielen Proben wie bei einer Premiere. Da werde ich die fünf Tage zwischen der letzten „Lucia“ und den „Bajazzo“-Proben nützen, zu meinem alten, bewunderten Lehrer Giorgio Zancanaro nach Verona zu fahren und noch ein bisschen an der Rolle zu arbeiten. Ich suche ihn immer wieder einmal auf, und das tut mir gut.

Ist es nicht beängstigend, allein vor den Vorhang zu treten und diesen Prolog ins Publikum zu singen?

Diesen Prolog singe ich, seit ich 17 bin, es war meine erste Arie überhaupt. Und – wir Sänger wollen ja, was wir tun. Also hat man nicht Angst, sondern Freude, vor den Vorhang zu gehen, wenn alle Aufmerksamkeit sich auf einen richtet. Und es gibt ja auch andere so exponierte Arien in der Operngeschichte – als Figaro tritt man auch auf und singt ins Publikum hinein ein doch sehr schwieriges Stück, nur dass man eben das Bühnenbild hinter sich hat. Ich kann nur wiederholen: Wir Sänger wollen, was wir tun.

Sie leben in München und führen das hektische Reiseleben aller Sänger der Spitzenklasse. Können Sie uns das im Detail sagen? Sie hatten, wie ich gehört habe, in drei Jahren zwei Wochen Pause…

Gerne, ein Beispiel. Ich habe in der Scala-Eröffnungs-Premiere des „Attila“ gesungen, das waren Vorstellungen in Mailand. Am 22. Dezember flog ich nach Berlin für eine Probe, am 23. war wieder ein Nabucco in Berlin an der Deutschen Oper, am 24. nach München, Weihnachten mit der Familie, am 28. zurück nach Berlin, am 1. Jänner wieder nach Mailand an die Scala, und am 3. Jänner nach Wien für die ersten Proben für „Lucia“. Wenn man es will, ist es ein erfüllter Traum, man muss nur aufpassen, dass es kein Alptraum wird. Ich habe das besondere Glück, dass meine Frau immer mit mir reist und mein Leben solcherart sehr erleichtert. Aber sollte ich aus irgendwelchen Gründen allein in einer Stadt sein, finde ich schnell Gesellschaft – ich bin nämlich, ich darf das ohne Übertreibung sagen, ein sehr guter Billardspieler, und Clubs und Partner findet man überall…

Herr Petean, viel Spaß beim Billard, aber mehr noch: Möge Ihnen die große Freude am Beruf erhalten bleiben! Danke für das Gespräch.

 

Foto (c)  Florina Petean

Renate Wagner 6.2.2019

 

 

 

GEORGE PETEAN

26.9.2015

 

Das Angebot, den „Macbeth“ 2016 in Zürich zu singen, hat George Petean nicht angenommen, weil es ihm für die Rolle zu früh erschien. Aber 2015 in Wien singt er ihn nun doch erstmals, weil er die Staatsoper nicht im Stich lassen will, die ihn wiederum aus einem Vertrag in Liège herauskaufen musste. Von den Unwegsamkeiten des Operlebens angesichts eines 40jährigen Baritons mit bereits großer Karriere.

Petean 

Herr Petean, eigentlich wollten Sie den Macbeth ja noch einige Zeit nicht singen?

Das stimmt, aber als die Staatsoper angefragt hat und weil Wien für mich das wichtigste Haus ist, habe ich doch zugesagt. Mit sehr, sehr wenig Zeit, die Partie zu lernen – am 10. August habe ich erstmals die Noten geöffnet, denn die Anfrage kam durch die Erkrankung von Ludovic Tézier nicht wie üblich langfristig, ein paar Jahre zuvor, sondern plötzlich. Aber ich glaube, Macbeth ist nicht schwieriger als Rigoletto, zwar sehr dramatisch und intensiv, aber kürzer. Schade finde ich, dass er nicht so viel Belcanto bietet, wie ich es für meine Stimme gerne habe. Jedenfalls habe ich erst einmal mit einer Freundin in Rom die Rolle studiert, dann bin ich zu Giorgio Zancanaro gefahren, der in der Nähe von Verona lebt. Ich bin jedes Jahr bei ihm, um mit ihm zu studieren, und da habe ich die Rolle dann fertig gelernt.

Wenn man aus Rumänien stammt wie Sie, Herr Petean, denkt man bei Macbeth und seiner Lady nicht an das Ehepaar Ceausescu?

Das kann man natürlich. Ich war 14, als er und seine Frau hingerichtet wurden, und ich erinnere mich doch noch gut an die Ceausescu-Zeit, als man keine Freiheit hatte, als es nur ein paar Stunden am Tag Wasser gab und Menschen sich im Schnee gewälzt haben, um sich zu waschen, als meine Eltern um 3 Uhr früh aufstanden und um Brot anstanden und dann um 10 Uhr keines mehr bekommen haben. Es war eine schlechte Zeit, aber in der Schule haben wir Disziplin gelernt, die wir sofort ganz wild über Bord geworfen haben, als Ceausescu gestürzt war. Und ich habe später gemerkt, dass ich mir diese Disziplin für meinen Beruf doch wieder besser zurückhole… Aber um auf die „Dämonisierung“ der Ceausescus zurück zu kommen: Ich lebe heute in Hamburg, fahre aber noch oft nach Hause nach Rumänien, und ich weiß, dass viele Menschen nicht wissen, was sie denken sollen. Ich glaube, es ist einfach nicht genug über die Hintergründe bekannt. Die Inszenierung von Christian Räth, die wir hier in Wien machen, sieht diesen Zusammenhang mit Macbeth jedenfalls nicht.

Es ist Ihr erster Macbeth, wie „legen Sie ihn an“?

Das Stück hat viel mit Schicksal zu tun, Macbeth ist ein Krieger, ein Mann, der schon getötet hat, und er ist sicher nicht verrückt. Wenn er auch schuldig wird, so will er es im Grunde seiner Seele wohl nicht, und ich denke schon, dass die Lady ihn treibt, einerseits, weil sie die einzige Person ist, der er vertraut, andererseits, weil er wohl auch sexuell besessen von ihr ist.

Christian Räth war Robert Carsens Co-Regisseur beim „Troubadour“ auf der Bregenzer Seebühne, Tatiana Serjan war die Leonore, Sie waren der Luna – in der Oper treffen sich immer wieder alte Kollegen?

Ja, und Bregenz war phantastisch, aber wenn ich heute daran zurückdenke, wie es war, da 2005 bei Regen und Wind im Freien zu singen, dann muss ich sagen – da war ich jünger. Aber der Luna ist eine Rolle, die ich sehr mag, ebenso wie den Gerard in „Andrea Chenier“, weil ich glaube, dass das nicht wirklich „Bösewichte“ sind, wie sie oft dargestellt werden. Beide lieben die Frau wirklich, und beide verlieren sie an den Tenor – und beide haben Wunderschönes zu singen. Im Gegensatz zu Scarpia, der ein wirklicher Bösewicht ist, der im Grunde nur vergewaltigen und morden will – und den ich auch nie singen möchte, weil er für eine tiefere und kräftigere Stimme geschrieben ist, als ich sie habe.

Herr Petean, Sie sprechen großartig Deutsch. Nun leben Sie zwar seit vielen Jahren in Hamburg, aber Sie sind in Cluj-Napoca geboren, das einmal Klausenburg hieß – gab es da in Ihrer Jugend nicht noch Menschen, die Deutsch gesprochen haben?

Vereinzelte ältere Leute, manche haben auch noch Ungarisch gesprochen, aber wir haben zum Beispiel, als ich 14 war, Chorproben im „Deutschen Forum“ abgehalten, es war also nicht ganz fremd. Heute spreche ich eine Menge Sprachen, was für einen Opernsänger unerlässlich ist, weil es uns auf der ganzen Welt herumtreibt. Meine Frau, die ich kennen gelernt habe, als ich 18 war und sie 16 und mit der ich seit 2000 verheiratet bin, ist auch Rumänin. Sie war eine Ballerina wie meine Mutter auch, und ihre Mutter war Opernsängerin – so wie ich Opernsänger bin…

Sie erzählen in Interviews gerne von Ihrem Bruder Alexandru Agache, ist er so wichtig für Sie?

O ja, sehr. Wir sind Halbbrüder von derselben Mutter, er ist 21 Jahre älter als ich. Als ich als vierjähriger Knirps erstmals in Cluj-Napoca in die Oper ging, hat er in „Don Pasquale“ den Malatesta gesungen. Und ich habe ihn in meiner Kindheit oft auf der Bühne gesehen, er war der Star der Rumänischen Oper der Stadt – wir haben nämlich zwei Nationalopern in meiner Heimatstadt, eine rumänische und eine ungarische, und ich habe Alexandru in der rumänischen Oper in vielen Rollen gehört, darunter als Don Giovanni. Da habe ich mich vor dem Commendatore so gefürchtet, dass ich unter den Sessel gekrochen bin und nachher Alpträume bekam. Wenn ich heute den Macbeth spiele – von Alpträumen verstehe ich etwas!

Also war der Bruder das Vorbild dafür, Opernsänger werden zu wollen?

Ich habe die Liebe zur Oper schon als Kind mitbekommen, und ich hatte auch die Fähigkeit, mir gleich Melodien zu merken und nachzusingen. Und dann kam ich mit sechs Jahren in eine Musikschule – davon gibt es viele, ganz ausgezeichnete in Rumänien, die wunderbare Musiker ausbilden. Da habe ich die Disziplin gelernt, von der ich schon gesprochen habe. Dann habe ich in Chören gesungen, Posaune gelernt, aber mit 16 ernsthaft mit dem Gesangsstudium begonnen, und mit 21 durfte ich an der Akademie ausgerechnet den Don Giovanni singen. Dann war ich in jungen Jahren an der Nationaloper engagiert und habe schon viele leichtere Rollen meines Repertoires gesungen. 1999 kam der Hariclea Darclee Wettbewerb, wo ich den ersten Preis bekam, und wenn man dann einen Agenten hat, beginnen die Vorsingen, ich hatte Erfolg in Rom und in Frankfurt, und ich habe nie bereut, dass ich 2002 in das Ensemble der Hamburger Staatsoper gegangen bin.

Aber Sie hatten die Möglichkeit, nebenbei eine internationale Karriere aufzubauen? In Wien haben Sie ja schon 2001 als Figaro in Rossinis „Barbier“ debutiert. Dabei sehe ich persönlich Sie gar nicht in heiteren Rollen.

O doch, ich singe das gerne, und es tut mir leid, dass ich neben dem Verdi-Repertoire so wenig Gelegenheit für die Belcanto-Rollen bekomme, von denen ich sehr gerne mehr singen würde. Der Duca d’Alba von Donizetti hat viel Spaß gemacht, ich freue mich auf den Riccardo Forth in den „Puritani“, der in Zürich kommen wird.

In Wien haben Sie außer Figaro und Egardo in der „Lucia“ aber nur Verdi gesungen, darunter den französischen „Don Carlos“ unter ziemlich dramatischen Umständen?

Das war 2005, da brauchte Wien einen „Rodrigue“, also einen französischen Posa. Und ich hatte die Rolle in Hamburg auf Französisch gesungen – aber es war eine andere Fassung als jene, die in Wien im Repertoire stand. Ich war damals gerade in Bonn, man hat mich am Wochenende angerufen, ob ich am Montag Abend in Wien den Posa singen könnte – und schickte mir 40 Seiten Noten, die ich nicht kannte. Am Montag früh hatte ich das Gefühl, ich hätte es noch überhaupt nicht im Kopf, und bevor ich auf die Bühne ging, hatte ich ohnedies alles vergessen. Aber ich wusste eines: Ich kann das. Ich hatte einmal für einen rumänischen Wettbewerb in zwei Tagen vier neue Stücke gelernt. So ging ich in Wien auf die Bühne – und alles hat geklappt. Aber der Streß ist nicht zu beschreiben.

Dieser französische „Don Carlos“ war eine Inszenierung von Peter Konwitschny, mit dem Sie ja auch 2013 im Theater an der Wien „Attila“ gemacht haben. Und wenn man nicht ein Konwitschny-Fan ist, schien diese Aufführung der reine Wahnsinn.

Das stimmt schon. Wir haben „Attila“ kaputt gemacht, wenn man an den echten Attila denkt, der ja ein großer Kriegsherr war, und daran, dass meine Rolle, der Ezio, ein bedeutender römischer Feldherr sein soll – und auch, wenn man berücksichtigt, dass Verdi gewünscht hat, man solle an seinen Werken nicht herumdoktern. Aber so, wie Konwitschny erzählt hat, dass die Menschen Kinder sind, die nichts lernen wollen in ihrem Leben, war das eine irre Komödie und eine unglaubliche Inszenierung.

Sie haben einen total vollen Kalender, leben aber immer noch in Hamburg, obwohl Sie seit dem Ende der Intendanz von Simone Young nicht mehr hier singen. Ist das nicht schmerzlich?

Ja, wenn man so viele Jahre am Haus war, mit so vielen Menschen gut zusammen gearbeitet hat, dass viele Freunde sind, wenn man auch vom Publikum geliebt wurde, dann schmerzt es natürlich, wenn die neue Intendanz sich nicht einmal rührt. Andererseits muss ich sagen – wenn ich 60 wäre, dann wäre es schlimm. Ich bin 40 und kann überall singen, nach Wien kommen München und Zürich und Tel Aviv, nächstes Jahr gehe ich für einen Simon Boccanegra nach Australien, also kann der richtige Schritt nur sein, von Hamburg wegzuziehen.

Und wohin?

Wien bietet sich natürlich an, nicht nur, weil mit Botha, Shicoff, Vargas, Furlanetto ohnedies schon so viele Kollegen hier leben. Für mich ist Wien das schönste und wichtigste Opernhaus, und jeder wird Ihnen sagen, dass Opernsänger in keiner Stadt der Welt denselben Stellenwert haben wie hier. Außerdem – ich bin ein großer Billardspieler, ich bin auch sehr gut, aber deshalb erzähle ich das nicht. Sondern weil ich neulich in einen Billard-Club kam – und die Musik aus dem Lautsprecher war die Dritte von Mahler. Wo sonst auf der Welt gibt es das?

Herr Petean, in der Hoffnung, dass Sie und Ihre Frau auch einmal Wiener sein werden, danke für dieses Gespräch.

 

Das Gespräch führte Renate Wagner 26.9.15

Bild (c) Staatsoper Wien

 

 

 

 

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